Pearl Harbour - Warum wurde die Infrastruktur nicht zerstört?

Begonnen von Khyron, 18 April 2011, 09:38:01

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Peter K.

Zitat... gab es Deines Wissens eine "Minimalbedingung" der Zahlen der Jäger zu der der Bomber einer "Angriffsgruppe", will sagen, wenn z.B. statt 36 nur 18 Jäger zur Verfügung gestanden hätten, hätte man dann auch (trotz höherer Verfügbarkeit) die Zahl der Bomber reduziert ? Wie war da die japanische "Doktrin" ?

... eine sehr gute Frage, die ich nicht mit Gewissheit zu beantworten vermag - dennoch tendiere ich zu einem klaren NEIN, denn ...

... die japanische Trägerdoktrin war von je her absolut offensiv ausgerichtet mit einem eindeutigen Schwergewicht auf den Torpedo, der einzigen erfolgversprechenden Waffe gegen gut geschützte Großkampfschiffe (Ausgleich der amerikanischen Überlegenheit vor der Entscheidungsschlacht). Dagegen bevorzugte die US Navy die Bombe - bestens geeignet, schnell einen Träger außer Gefecht zu setzen. Das ging bei den Japanern so weit, das auf ihren Trägern weniger Jäger im Verhältnis zu den Angriffsmaschinen vorhanden waren, als auf amerikanischen Schiffen - allerdings konnten sie sich das in der Anfangsphase des Krieges aufgrund der Überlegenheit der Zero auch durchaus leisten. Beide Seiten erkannten die Bedeutung eines Erstschlages und damit einer wirkungsvollen Aufklärung - nur stand dafür auf amerikanischen Trägern eine eigene Staffel zur Verfügung, während dies bei den Japanern hauptsächlich von Bordflugzeugen der Begleiteinheiten (z.B. TONE und CHIKUMA) erledigt werden sollte, eben um möglichst viele Angriffsmaschinen einsetzen zu können!

Mein persönliches Fazit: Auch bei mangelndem Jagdschutz hätte die Japaner die maximal mögliche Anzahl an Angriffsmaschinen eingesetzt!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

t-geronimo

Zumal nach den ersten beiden Wellen die größte Gefahr ja eher von der Flak ausging, da die US-Flugzeuge arg dezimiert waren.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Markus Becker

Zitat von: t-geronimo am 19 Juni 2011, 14:40:19
Zumal nach den ersten beiden Wellen die größte Gefahr ja eher von der Flak ausging, da die US-Flugzeuge arg dezimiert waren.

Aber es waren noch genug übrig, um einer 3.Welle Verluste zuzufügen. 27 P-40, 16 P-36 und das, was von den ca. 30 Navy/USMC Jägern davon gekommen war.


Zitat von: Peter K. am 19 Juni 2011, 11:43:15
... die japanische Trägerdoktrin war von je her absolut offensiv ausgerichtet mit einem eindeutigen Schwergewicht auf den Torpedo, der einzigen erfolgversprechenden Waffe gegen gut geschützte Großkampfschiffe (Ausgleich der amerikanischen Überlegenheit vor der Entscheidungsschlacht). Dagegen bevorzugte die US Navy die Bombe - bestens geeignet, schnell einen Träger außer Gefecht zu setzen.

M.W. hatten IJN und USN eine ähnliche Doktrin für Angriffe auf Großkampschiffe. Koordinierte Angriffe von Stukas und T-Bombern. Erstere schalten die Flak aus, damit letztere ohne allzugroße Verluste zum Todesstoß ansetzten können. Nur mit Bomben ließen sich Träger kaum versenken, es sei denn deren Crews haben vorsätzlich gegen alle Sicherheitsbestimmungen zum Umgang mit Munition verstossen. ;)


Zitat
Das ging bei den Japanern so weit, das auf ihren Trägern weniger Jäger im Verhältnis zu den Angriffsmaschinen vorhanden waren, als auf amerikanischen Schiffen - allerdings konnten sie sich das in der Anfangsphase des Krieges aufgrund der Überlegenheit der Zero auch durchaus leisten.

Aber nicht im Dezember 1941. Ich habe mal nachgerechnet und komme bei US Trägern auf einen Jäger je drei SBD/TBD. Bei den japan. Trägern war das Verhältnis i.d.R. besser. Akagi und Kaga kamen auf 1 zu 1,6 bzw. 2,3. Hiryu und Soryu auf 1 zu 1,5 bzw. 1,2. Nur Shokaku und Zuikaku lagen mit 1 zu 3,6 unter dem US-Schmitt.


-Markus


MS

Zitat von: Markus Becker am 19 Juni 2011, 16:15:18

M.W. hatten IJN und USN eine ähnliche Doktrin für Angriffe auf Großkampschiffe. Koordinierte Angriffe von Stukas und T-Bombern. Erstere schalten die Flak aus, damit letztere ohne allzugroße Verluste zum Todesstoß ansetzten können. Nur mit Bomben ließen sich Träger kaum versenken, es sei denn deren Crews haben vorsätzlich gegen alle Sicherheitsbestimmungen zum Umgang mit Munition verstossen. ;)


8-) bei Midway wurden vier Träger durch Bomben versenkt...

Gruss
:MG:

Markus Becker

Zitat von: MS am 19 Juni 2011, 18:22:00

8-) bei Midway wurden vier Träger durch Bomben versenkt...

Gruss
:MG:


U.a. weil deren Crews vorsätzlich gegen alle Sicherheitsbestimmungen zum Umgang mit Munition verstossen haben. Die hätten für jede Ladung Torpedos, die sie aus dem Magazin bekommen haben eine Ladung Bomben runter ins Magazin schicken müssen. Was sie nicht getan haben, weil das Zeit gekostet hätte. Resultat: Im Hangar waren betankte Flugzeuge mit Torpedos und jede Menge herumliegende 250kg und 800kg Sprengbomben. Und Sprengbomben haben die dumme Angewohnheit viel mehr Sprengstoff zu enthalten als panzerbrechende mit dem gleichen Gewicht.

Im Korallenmeer wurde Shokaku von mehreren 1.000-Pündern getroffen und hat es überlebt. Ok, ihr Hangar war völlig leer, aber mit weniger Munition hätte zumindest Akagi -ein Bombentreffer- überleben können.


-Markus

Peter K.

ZitatAber es waren noch genug übrig, um einer 3.Welle Verluste zuzufügen. 27 P-40, 16 P-36 und das, was von den ca. 30 Navy/USMC Jägern davon gekommen war.

Außer den genannten 25 P-40B, 2 P-40C und 16 P-36A (die zwei P-26A und zwei P-26B lasse ich jetzt mal weg), die nach den beiden japanischen Angriffswellen noch einsatzbereit waren, befanden sich nach meinen Unterlagen folgende Jagdmaschinen auf der Insel:

  • vom US Marine Corps die VMF-211 mit 11 F4F-3 (davon eine in Reparatur) - 9 Maschinen zerstört, 2 vorhanden, Einsatzbereitschaft fraglich
  • von der US Navy die Flugzeugträgerreserve mit 3 F3A-3 für die LEXINGTON und 1 F4F-3 für die SARATOGA - Einsatzbereitschaft fraglich
  • von der US Navy im Flugzeugpool der Battle Fleet, Pacific Fleet 1 F4F-3, 2 F4F-3A und 1 F2A-3 - Einsatzbereitschaft fraglich
  • von der US Navy in der Base Force, NAS Pearl Harbor, 1 F3F-2 - Einsatzbereitschaft fraglich
Somit standen zur Abwehr einer dritten Angriffswelle maximal zur Verfügung:

  • 25 P-40B
  • 2 P-40C
  • 16 P-36A
  • 4 F4F-3
  • 2 F4F-3A
  • 3 F3A-3
  • 1 F3F-2
  • 1 F2A-3
Von diesen 54 Jägern sind lediglich die 27 P-40 und 6 F4F, also 33 Maschinen, als einigermassen mit der Zero vergleichbar anzusehen - keine unlösbare Aufgabe für die möglichen 36 Zero´s einer dritten Welle ...

ZitatNur mit Bomben ließen sich Träger kaum versenken, ...

... was aber auch nicht primäres Ziel war! Denn beide Seiten waren sich darüber im klaren, dass vor einem Angriff auf die gegnerische Schlachtflotte die Luftüberlegenheit über dem Kampfgebiet errungen werden musste. Dies lässt sich am besten dadurch bewerkstelligen, dass man als erster zuschlägt - und zwar, indem man mit aus dem Sturzflug abgeworfenen Bomben die Flugdecks der feindlichen Träger und damit seine Waffe - die Flugzeuge - unbrauchbar macht! Versenken konnte man die derart ausgeschalteten Schiffe später immer noch ...

ZitatAber nicht im Dezember 1941. Ich habe mal nachgerechnet und komme bei US Trägern auf einen Jäger je drei SBD/TBD. Bei den japan. Trägern war das Verhältnis i.d.R. besser. Akagi und Kaga kamen auf 1 zu 1,6 bzw. 2,3. Hiryu und Soryu auf 1 zu 1,5 bzw. 1,2. Nur Shokaku und Zuikaku lagen mit 1 zu 3,6 unter dem US-Schmitt.

Diese Zahlen kann ich nicht nachvollziehen, beruhen aber wahrscheinlich auf vielfach verbreiteten, allerdings falschen Zahlen für die Anzahl der Jäger auf japanischen Trägern!
Nach meinen Berechnungen befanden sich - außer den jeweils drei Reservemaschinen pro Flugzeugtyp und Schiff - folgende aktiven Flugzeuge an Bord:









NameJägerSturzkampfbomberTorpedobomberVerhältnis Jäger zu Angriffsmaschinen
Akagi1818271 : 2,5
Kaga1827271 : 3,0
Soryu1818181 : 2,0
Hiryu1818181 : 2,0
Shokaku1827271 : 3,0
Zuikaku1827271 : 3,0
Gesamt1081351441 : 2,6
Auf amerikanischer Seite sieht´s unter Einbeziehung aller sieben Flottenträger und unter Vernachlässigung der wenigen eingeschiffen Schulflugzeuge wie folgt aus:










NameJägerSturzkampfbomberTorpedobomberVerhältnis Jäger zu Angriffsmaschinen
Lexington1630121 : 2,6
Saratoga933121 : 5,0
Ranger362531 : 0,8
Yorktown1838141 : 2,9
Enterprise1635181 : 3,3
Wasp353721 : 1,1
Hornet2139151 : 2,6
Gesamt151237761 : 2,1
Während also auf US Trägern durchschnittlich für 2,1 Angriffsmaschinen ein Jäger vorhanden war, waren auf japanischen Flugzeugträgern durchschnittlich nur für 2,6 Angreifer eine Jagdmaschine vorhanden. In Prozent ausgedrückt waren 31,9 % aller amerikanischen Trägerflugzeuge Jäger, auf japanischen Schiffen nur 27,9 %!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Big A

@Peter K.

Wie immer, eine umfassende und gut recherchierte Antwort mit einer absolut nachvollziehbaren Schlußfolgerung.

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Markus Becker

    Zitat von: Peter K. am 22 Juni 2011, 17:33:28
    [/list]
    Somit standen zur Abwehr einer dritten Angriffswelle maximal zur Verfügung:

    ...

    Von diesen 54 Jägern sind lediglich die 27 P-40 und 6 F4F, also 33 Maschinen, als einigermassen mit der Zero vergleichbar anzusehen - keine unlösbare Aufgabe für die möglichen 36 Zero´s einer dritten Welle ...

    Warum lässt du die P-36 aussen vor? Die Exportversion hat sich 1940 gegen die Me109 E-4 wacker geschlagen und die P-36A schaffte immerhin 313mph. Viel schneller waren Wildcats auch nicht und Zeros haben über 250 schwer nachgelassen.



    Zitat
    ... was aber auch nicht primäres Ziel war! Denn beide Seiten waren sich darüber im klaren, dass vor einem Angriff auf die gegnerische Schlachtflotte die Luftüberlegenheit über dem Kampfgebiet errungen werden musste. Dies lässt sich am besten dadurch bewerkstelligen, dass man als erster zuschlägt - und zwar, indem man mit aus dem Sturzflug abgeworfenen Bomben die Flugdecks der feindlichen Träger und damit seine Waffe - die Flugzeuge - unbrauchbar macht! Versenken konnte man die derart ausgeschalteten Schiffe später immer noch ...

    Ja, dazu dass Bomben ausreichen, um Träger als Angriffswaffe auszuschalten, aber zum Versenken muß man sie stellen. Shokaku konnte nach drei(?) 1000-Pfündern noch volle Fahrt machen und ist so entkommen. Daher die koordinierten Angriffe mit Stukas und TB. 




    Zitat
    ZitatAber nicht im Dezember 1941. Ich habe mal nachgerechnet und komme bei US Trägern auf einen Jäger je drei SBD/TBD. Bei den japan. Trägern war das Verhältnis i.d.R. besser. Akagi und Kaga kamen auf 1 zu 1,6 bzw. 2,3. Hiryu und Soryu auf 1 zu 1,5 bzw. 1,2. Nur Shokaku und Zuikaku lagen mit 1 zu 3,6 unter dem US-Schmitt.

    Diese Zahlen kann ich nicht nachvollziehen, beruhen aber wahrscheinlich auf vielfach verbreiteten, allerdings falschen Zahlen für die Anzahl der Jäger auf japanischen Trägern!
    Nach meinen Berechnungen befanden sich - außer den jeweils drei Reservemaschinen pro Flugzeugtyp und Schiff - folgende aktiven Flugzeuge an Bord:

    Ich glaube du hast je Träger neun Zeros für die CAP vergessen und bei Lady Lex ist die Zahl der Bomber zu gering. Siehe hier: http://www.navweaps.com/index_oob/OOB_WWII_Pacific/OOB_WWII_Pearl_Harbor.htm

    Urs Heßling

    moin,

    Zitat von: Peter K. am 22 Juni 2011, 17:33:28
    Auf amerikanischer Seite sieht´s unter Einbeziehung aller sieben Flottenträger und unter Vernachlässigung der wenigen eingeschiffen Schulflugzeuge wie folgt aus:










    NameJägerSturzkampfbomberTorpedobomberVerhältnis Jäger zu Angriffsmaschinen
    Lexington1630121 : 2,6
    Saratoga933121 : 5,0
    Ranger362531 : 0,8
    Yorktown1838141 : 2,9
    Enterprise1635181 : 3,3
    Wasp353721 : 1,1
    Hornet2139151 : 2,6
    Gesamt151237761 : 2,1
    Während also auf US Trägern durchschnittlich für 2,1 Angriffsmaschinen ein Jäger vorhanden war, waren auf japanischen Flugzeugträgern durchschnittlich nur für 2,6 Angreifer eine Jagdmaschine vorhanden. In Prozent ausgedrückt waren 31,9 % aller amerikanischen Trägerflugzeuge Jäger, auf japanischen Schiffen nur 27,9 %!

    ich habe mit Deinen Zahlen und der Schlußfolgerung ein Problem:
    - die Zahlen der japanischen Träger sind die der "Standardausstattung", die aber z.B. gemäß "Shattered Sword" schon beim Auslaufen zur Schlacht von Midway auf allen vier teilnehmenden Trägern unterschritten wurden.
    - die sehr unterschiedlichen Zahlen der US-Träger wirken wie eine "Augenblicksaufnahme" und sind vielleicht nicht die "Standardzahlen", z.B. wird für die "Lexington" eine Ausstattung mit 90 Maschinen angegeben, die hier weit unterschritten wird.

    Magst Du dazu, bitte, noch einmal etwas sagen ?

    Gruß, Urs
    "History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

    Peter K.

    ZitatWarum lässt du die P-36 aussen vor?
    Nimm´sie meinetwegen dazu!
    Entgegen meinen obigen Angaben könnte es nach anderen Quellen sein, dass in der Flugzeugträgerreserve zusätzlich 4 F4F-3A für die ENTERPRISE enthalten waren und auch für den Flugzeugpool der Battle Fleet, Pacific Fleet, gibt es Angaben, dass anstatt 1 F4F-3, 2 F4F-3A und 1 F2A-3 tatsächlich 4 F4F-3, 1 F4F-3A und 5 F2A-3 verfügbar waren. Das würde den maximalen Jägerbestand erhöhen auf:

    • 25 P-40B
    • 2 P-40C
    • 16 P-36A
    • 7 F4F-3
    • 1 F4F-3A
    • 3 F3A-3
    • 1 F3F-2
    • 5 F2A-3
    Auch diese Streitmacht von 60 Feindmaschinen würde einen japanischen Jagdführer mit 36 Zero´s wohl nicht allzu sehr beunruhigen ...

    ZitatJa, dazu dass Bomben ausreichen, um Träger als Angriffswaffe auszuschalten, aber zum Versenken muß man sie stellen.
    ... da gebe ich dir natürlich recht! Weiter oben habe ich bereits darauf hingewiesen, dass beide Parteien die Bedeutung der Aufklärung erkannten, aber unterschiedlich in Bezug auf die Zusammensetzung ihrer Carrier Air Groups darauf reagierten!

    ZitatIch glaube du hast je Träger neun Zeros für die CAP vergessen ... Siehe hier: http://www.navweaps.com/i...OOB_WWII_Pearl_Harbor.htm
    Ich schätze das Autorenteam dieses Artikels, besonders Richard "Tiornu" WORTH, sehr, aber in dieser grundsätzlich sehr guten Zusammenfassung der Ereignisse haben sich doch einige - auch schwerwiedende - Fehler eingeschlichen. So werden beispielsweise einleitend die Einheiten der "First Air Fleet" (in Bezug auf die Jäger falsch) aufgelistet:








    NameGesamtZeroValKate
    Akagi72271827
    Kaga81272727
    Soryu63271818
    Hiryu60241818
    Shokaku69152727
    Zuikaku69152727
    Im Abschnitt "Details of Japanese Aerial Deployment" ist dann die richtige Aufstellung zu finden, abgesehen von einem Rechenfehler in der Gesamtsumme der Akagi-Flugzeuge. Bei der folgenden Listung "The Second Wave" stimmt die Anzahl der Hiryu-Zeke´s (6 statt 9) und Kaga-Val´s (26 statt 27) nicht.
    Das Kapitel "CAP" ist meiner Ansicht nach kompletter Nonsens! Man hat den Eindruck, dass man sich da irgendwie die Anzahl von 48 Zero´s als ominöse CAP über Oahu zusammengesucht hat! Abgesehen davon, scheint eine CAP von nur 6 Maschinen über der Flotte reichlich wenig. Tatsächlich standen meiner Meinung nach als CAP über der Flotte 3 Zero´s der Hiryu und je 12 Zero´s von Shokaku und Zuikaku zur Verfügung, d.h. 27 Maschinen. Dazu kommen noch 3 Maschinen (2 der 1. Welle von Soryu und Shokaku und 1 der 2. Welle von Hiryu), die aufgrund von technischen Problemen nicht mit ihren Angriffswellen gestartet waren, sowie 3 Reservemaschinen von jeden Träger - in Summe also 27 + 3 + 18 = 48 Zero´s.
    Anstatt an diesen Artikel, halte ich mich daher eher an die Japan-Spezialisten wie Hans Lengerer, David Aiken oder John Lundstrom (übrigens hier teilweise online zu lesen) ... bestimmt wird aber Michael Wender´s neues Pearl Harbor-Buch (weiss jemand, wann´s kommt?) endgültig Licht in die Sache bringen.

    Zitat... und bei Lady Lex ist die Zahl der Bomber zu gering.
    ... je nach Quelle differieren die Angaben ein wenig - ich habe Jack McKillop´s Abhandlung verwendet!

    Zitat... die Zahlen der japanischen Träger sind die der "Standardausstattung", die aber z.B. gemäß "Shattered Sword" schon beim Auslaufen zur Schlacht von Midway auf allen vier teilnehmenden Trägern unterschritten wurden.
    ... das ist richtig! Waren die Träger bei Pearl Harbor noch voll ausgestattet (inklusive 3 Reservemaschinen pro Flugzeugtyp und Träger), war das bei Midway schon lange nicht mehr der Fall! Grund dafür war neben einer relativ geringen Anzahl an verfügbaren Ersatzmaschinen die geringe Neufertigung durch die japanische Flugzeugindustrie.

    Zitat... die sehr unterschiedlichen Zahlen der US-Träger wirken wie eine "Augenblicksaufnahme" und sind vielleicht nicht die "Standardzahlen"
    ... auch das stimmt! Alle Angaben beziehen sich auf den 07.12.1941. Man muss da natürlich berücksichtigen, dass z.B. LEXINGTON zusätzlich 18 SB2U-3 der VMSB-231 und ENTERPRISE 12 F4F-3 der VMF-211 an Bord hatten. LEXINGTON´s VF-2 flog noch mit alten F2A-3, SARATOGA hatte gerade erst ihre Reparatur beendet und nahm nur eine unvollständige VF-3 an Bord, HORNET war erst im Oktober in Dienst gestellt worden und hatte als Sturzkampfbomber noch SBC-4 und als Torpedobomber zum Teil sogar noch SBN-1s eingeschifft. Ich denke aber, dass das nichts am grundsätzlichen ändert ...
    Grüße aus Österreich
    Peter K.

    www.forum-marinearchiv.de

    mhorgran

    #40
    Zitat von: Markus Becker am 22 Juni 2011, 20:51:14
    Warum lässt du die P-36 aussen vor? Die Exportversion hat sich 1940 gegen die Me109 E-4 wacker geschlagen und die P-36A schaffte immerhin 313mph. Viel schneller waren Wildcats auch nicht und Zeros haben über 250 schwer nachgelassen.
    Die Höchstgeschwindigkeit war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so wichtig da die Jäger sich im Kurvenkampf bekämpften. Dabei hatte die Zero alle Vorteile auf ihrer Seite. Die US-N / USAAF stellte erst später (zumindet die US-N vor Midway) auf eine geschwindigkeitsorientierte Taktik um.

    ZitatJa, dazu dass Bomben ausreichen, um Träger als Angriffswaffe auszuschalten, aber zum Versenken muß man sie stellen. Shokaku konnte nach drei(?) 1000-Pfündern noch volle Fahrt machen und ist so entkommen. Daher die koordinierten Angriffe mit Stukas und TB. 
    Laut jap. Doktrin sollten auch die Jäger durch Bordwaffenbeschuß der Decks und Flakstände "mitspielen".

    Markus Becker

    @Peter K.

    60 vs. 36 ist kein gutes Verhältnis. V.A. da die US-Jäger alle Funk hatte, radargeführt waren und die P-40´er hatten eine recht schwere Bewaffnung sowie Panzerung. Selbst wenn die US Heeresflieger nicht so gut waren wie die Marineflieger wäre das alles andere als ein Spaziergang für die Japaner geworden.


    ZitatCV Akagi—Captain Hasegawa Kiichi

    1st FCU Wave 1 (9xA6M2 "Zeke")—LCDR Itaya Shigeru
    1st FCU Wave 2 (9xA6M2 "Zeke")—LT Shindo
    CAP (9xA6M2 "Zeke")

    I verstehe das so, dass 18 Zeros die Bomber nach PH begleiten, während weitere neun für die CAP über Kido Butai zurückgehalten wurden.


    Zitat von: mhorgran am 23 Juni 2011, 09:32:55Die Höchstgeschwindigkeit war zu diesem Zeitpunkt noch nicht so wichtig da die Jäger sich im Kurvenkampf bekämpften. Dabei hatte die Zero alle Vorteile auf ihrer Seite. Die US-N / USAAF stellte erst später (zumindet die US-N vor Midway) auf eine geschwindigkeitsorientierte Taktik um.

    Im Bezug auf die USN ist das nicht richtig. Deren sehr erfahrene Piloten hatten schon vor dem 7.12. ihre Taktik geändert. Was die Heeresflieger angeht, da fehlen mir wie gesagt die Infos zu deren Ausbildungsstand.

    Big A

    Zitat60 vs. 36 ist kein gutes Verhältnis. V.A. da die US-Jäger alle Funk hatte, radargeführt waren und die P-40´er hatten eine recht schwere Bewaffnung sowie Panzerung. Selbst wenn die US Heeresflieger nicht so gut waren wie die Marineflieger wäre das alles andere als ein Spaziergang für die Japaner geworden.
    Doch! Selbst noch vor Midway ist die Angriffswelle auf die Inseln durch die sie erwartenden amerikanischen Jäger (hier war so ziemlich alles vertreten was man auf die Schnelle noch zusammkratzen konnte) einfach "durchmarschiert".
    ZitatIm Bezug auf die USN ist das nicht richtig. Deren sehr erfahrene Piloten hatten schon vor dem 7.12. ihre Taktik geändert. Was die Heeresflieger angeht, da fehlen mir wie gesagt die Infos zu deren Ausbildungsstand
    Auch das kann so nicht stehen bleiben. Bis zum 07.12. sah man "den Japaner" doch als kleines gelbes Männchen, dümmlich grinsend, mit Überbiss und Brillengläsern wie Flaschenböden. Umso größer der Schock ob der wirklich gut ausgebildeten und erfahrenen Piloten (alle japanischen Marineflieger hatten zu diesem Zeitpunkt z.T. schon jahrelange Einsätze vor der chinesischen Küste hinter sich; ehe sie zu den Trägern kamen war idR erst einmal eine Bewährungszeit bei entsprechenden Geschwadern in China an Land obligatorisch, die weitere Einsatzerfahrung dann bei Einsätzen von See aus.)
    Erst Thach und O'Hare gelang es, ihre vglw. langsamen bzw. nicht sehr wendigen Maschinen durch neue Taktiken besser einzusetzen.

    Nur so meine 5 ct als Laie zum Thema

    Axel
    Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
    (Gen. Walter Kruger, 6th Army)

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    Markus Becker

    Zitat von: Big A am 23 Juni 2011, 13:28:45
    Doch! Selbst noch vor Midway ist die Angriffswelle auf die Inseln durch die sie erwartenden amerikanischen Jäger (hier war so ziemlich alles vertreten was man auf die Schnelle noch zusammkratzen konnte) einfach "durchmarschiert".

    Du meinst VMF-221 in der Midway-Schlacht? Die hatten viele Piloten mit wenig Erfahrung und waren auch zahlenmäßig unterlegen. Major General Rowell hat die Staffel als "half-baked outfit" bezeichnet.


    Zitat
    Auch das kann so nicht stehen bleiben. Bis zum 07.12. sah man "den Japaner" doch als kleines gelbes Männchen, dümmlich grinsend, mit Überbiss und Brillengläsern wie Flaschenböden. Umso größer der Schock ob der wirklich gut ausgebildeten und erfahrenen Piloten (alle japanischen Marineflieger hatten zu diesem Zeitpunkt z.T. schon jahrelange Einsätze vor der chinesischen Küste hinter sich; ehe sie zu den Trägern kamen war idR erst einmal eine Bewährungszeit bei entsprechenden Geschwadern in China an Land obligatorisch, die weitere Einsatzerfahrung dann bei Einsätzen von See aus.)
    Erst Thach und O'Hare gelang es, ihre vglw. langsamen bzw. nicht sehr wendigen Maschinen durch neue Taktiken besser einzusetzen.

    Nur so meine 5 ct als Laie zum Thema

    Axel

    Im Bezug auf die USN ist das nicht richtig. Thach und viele andere hatten schon lange, lange vor dem 7.12.41 an besseren Taktiken gearbeitet. Thach hat außerdem Chenault´s Infos über die Zero ernst genommen. Lundstrom´s "The First Team" hat ein eigenes Kapitel dazu. Außerdem war die F4F-3 so schnell wie die Zero und über 250mph wesentlich wendiger. 

    Big A

    ZitatIm Bezug auf die USN ist das nicht richtig. Thach und viele andere hatten schon lange, lange vor dem 7.12.41 an besseren Taktiken gearbeitet.   
    Aber nie in realiter testen können, erst mit der "Akutan Zero" des OMt Koga fiel eine nahezu unbeschädigte und mithin evaluierbare Zero in US-Hände

    ZitatThach hat außerdem Chenault´s Infos über die Zero ernst genommen.

    Nur, die Zero flog nicht in Chenaults Einsatzgebiet, das war eindeutig Heeresfliegergebiet, die zwar auch keine schlechten Flugzeuge hatten und die des öfteren mit der Zeke / Zero verwechselt wurden, aber eben keine Marienflieger waren (Chenault wird übrigens sehr unterschiedlich beurteilt, Max Hastings kommt da zu ganz anderen Ergebnissen als z.B. Lundstrom

    ZitatAußerdem war die F4F-3 so schnell wie die Zero und über 250mph wesentlich wendiger.
    Was nutzt das, wenn die Piloten der USN in dieser Phase des Krieges noch nicht genug Erfahrungen der praktischen Art hatten...
    Und was heißt "wesentlich" wendiger? Eigentlich war die Anweisung ganz eindeutig, sich mit der F4F nie auf einen Kurvenkampf einzulassen, sondern im Zweifelsfall einen schnellen Sturzflug einzuleiten, da war die Maschine in der Tat deutlich besser abzufangen als die A6M-3, die auf Grund der großen Leitflächen und echten "fly-by-wires" :wink: enorme Kraft benötigte, um bei solchen Manövern noch sauber herauszukommen.
    Aber, wie gesagt, ich bin kein Fachmann und schon gar kein Flieger.... 8-)

    Axel
    Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
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