Pearl Harbour - Warum wurde die Infrastruktur nicht zerstört?

Begonnen von Khyron, 18 April 2011, 09:38:01

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Markus Becker

Zitat von: Big A am 23 Juni 2011, 18:10:09
Aus den Link geht eigentlich nur hervor, dass in den USA gefährliches Halbwissen über die Zero herrschte, verbunden mit ein wenig Raten und Ungläubigkeit.

Also ich lese, da das die Einschätzung der tatsächlichen Leistung der Zero sehr nahe kam.

Zitat"Experten" ist ein dehnbarer Begriff, die Wildcat wurde erst ab Dezember 1940 an die USN ausgeliefert, erst dann begann die Umschulung.

Die USN hatte schon vorher Jäger auf denen die Piloten Flugerfahrung usw. gesammelt haben und ein sehr intensives Schießtraining absolvierten.


Zitat
Zum Zeitpunkt von Pearl Harbour war sie für die Zeros kein Gegner, von einigen wenigen wirklichen Expert abgesehen.

Axel

Wieso haben die dann seit Dezember 1941 kontinuierlich gut abgeschnitten? Weil das gute Piloten waren, die die Stärken und Schwächen ihrer Flugzeuge kannten und dementsprechend kämpften.

Frage: Kennst du Lundstrom´s Bücher?


-Markus


edit:

ZitatZumindest waren bei den sich abzeichnenden Kriegsbedrohungen (Indien/Burma über China etc, würde jetzt zu weit führen) das Ausbildungsprogramm deutlich verbessert worden (zugegeben, noch lange nicht abgeschlossen) und einige erfahrene Staffelführer dorthin versetzt worden.

Es wurden viel zu wenige erfahrene Piloten versetzt und noch im April 42 war die Masse der RAF Jagdpiloten ohne ausreichende Ausbildung und ohne vorherige Kampferfahrung aus anderen Einsatzgebieten.

mhorgran

ZitatKommt drauf an. Dank des Radar hätten die US-Jäger bei einer Stunden später angreifenden 3.Welle sehr leicht in eine gute Abfangposition gebracht werden können. Da die japansichen Jäger kein Funk hatten, hätten sie sehr gut die Probelem bekommen können, unter denen sie bei den Angriffen auf Guadalcanal litten. Da waren die Wildcats fast immer über den japansichen Verbänden und ließen sich schwer abfangen. In eingen Fällen haben die Jäger nicht mal mitbekommen, dass die Bomber angegriffen wurden. Hier wäre es für die Amerikaner sogar ev. noch einfacher gewesen. Bei GC sind die Bettys in über 20.000 Fuß Höhe geflogen, Trägerflugzeuge operieren so um die 15.000 Fuß.
Für geführte Abfangjagd brauchts ein wenig mehr als Flugzeuge und ein Radargerät. Dazu müssen die Verbindungen installiert und etabliert sein. War das im PH gegeben?
Ebensowenig kann man PH mit Guadalcanal vergleichen, da liegen schon ein paar Kriegserfahrungen dazwischen.

Zitat
Zitat
Zitat
Da die japansichen Jäger kein Funk hatten,

Doch, die Geräte waren nur grottenschlecht (kein Vergleich zu der heutigen Technik aus Nippon
Und deswegen hatten die japansichen Piloten sie auch ausbauen lassen!
Nö, es ging den jap.Jagdpiloten darum "überflüssiges" Gewicht zu vermeiden um die Wendigkeit und Reichweite zu erhöhen. Die jap. Piloten waren dazu derart perfekt aufeinander eingespielt das man meinen könnte sie hätten die Gedanken ihrer Kameraden lesen können.

ZitatWieso haben die dann seit Dezember 1941 kontinuierlich gut abgeschnitten? Weil das gute Piloten waren, die die Stärken und Schwächen ihrer Flugzeuge kannten und dementsprechend kämpften.
Das ignoriert die japanische Seite. Wenn die jap. Marineflugzeuge Panzerung und Selbstdichtende Tanks gehabt hätten wäre die US-N nicht so "glimpflich" aus den ersten Jahren herausgekommen.


Big A

ZitatFrage: Kennst du Lundstrom´s Bücher
Zum Teil, und er ist nicht der einzige Autor und nicht unumstritten, nicht alles, was er schreibt ist - sagen wir mal so - gänzlich neutral - gefasst.
Japanische Autoren, aber auch britische und aktuelle Us-Historiker zeichnen manches lieb gewordene Bild anders.


ZitatFür geführte Abfangjagd brauchts ein wenig mehr als Flugzeuge und ein Radargerät. Dazu müssen die Verbindungen installiert und etabliert sein. War das im PH gegeben?
Ebensowenig kann man PH mit Guadalcanal vergleichen, da liegen schon ein paar Kriegserfahrungen dazwischen.

Stefan, das sind zwei absolut richtige Aussagen, geführte Radarjagd gab es zud em Zeitpunkt nicht, da ja noch nicht einmal alle in der Marineführung (oder USAAF) den Wert von Radar voll erkannt hatten. Eingeübt war sie überhaupt nicht, erst mit Fortdauer der Aktionen auf und um die Salomonen begann man als Folge der Auswertung der Gefechte Coral Sea und Midway den Radar mehr Bedeutung beizumessen und speziell geschulte Radarleitoffiziere auszubilden (übrigens sei am Rande erwähnt, dass diese im Zivuilleben meist Börsenmakler waren!!)

Deswegen bleibt es für mich Fakt, dass die US-Kräfte am 07.12. in der Art und Zusammensetzung wie von Peter K. beschrieben, kein erstzunehmender Gegner für die IJN gewesen wären.

ZitatNö, es ging den jap.Jagdpiloten darum "überflüssiges" Gewicht zu vermeiden um die Wendigkeit und Reichweite zu erhöhen. Die jap. Piloten waren dazu derart perfekt aufeinander eingespielt das man meinen könnte sie hätten die Gedanken ihrer Kameraden lesen können.
Das trifft zumindest bis Ende 42 zu, als die "Alten" langsam in den Salomonen verheizt waren

Folgt man Saburo Sakais Äußerungen, dann war er von der F4F dahingehend beeindruckt,dass sie unglaublich viel (im vergleich zur Zero) einstecken konnte und trotzdem weiterflog - eine Beobachtung, die von vielen anderen IJN-Piloten geteilt wurde. Rückschluß daraus: sie haben sich häufig in Abschußposition gebracht, konnten mit den 7.62 MG aber nicht genug Schaden anrichten. Ihre eigenen Zeros werden da durchaus kritisch beurteilt, was die Fähigkeit zum Wegstecken von Treffern betrifft.

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Urs Heßling

moin, Axel,

Zitat von: Big A am 24 Juni 2011, 06:48:42
Deswegen bleibt es für mich Fakt, dass die US-Kräfte am 07.12. in der Art und Zusammensetzung wie von Peter K. beschrieben, kein erstzunehmender Gegner für die IJN gewesen wären.

bitte nicht ganz außer Acht lassen: die Flak schon (die auch über Midway ganz schöne Lücken in die Reihen der japanischen Flieger gerissen hat)

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Baunummer 509

Hier zwei Links zu einer überhaupt nicht objektiven Doku. Dafür interessant und gut gemacht (wenn auch sehr reißerisch - im gewohnten US Stil)

dogfights - The Zero Killer (Hellcat) Teil 1

dogfights - Guadalcanal Teil 1

Gibt noch viel mehr Dokus dieser Art. Die Links führen zum jeweils ersten Teil. Die restlichen Teile findet man bei Bedarf dann recht schnell.

Wie gesagt - nicht um einen ernsthaften Beitrag in dieser Diskussion leisten, oder Partei für eine Seite ergreifen zu wollen. Ich finde nur das passt gerade gut zum Thema.

Gruß

Sebastian

Big A

Zitatbitte nicht ganz außer Acht lassen: die Flak schon (die auch über Midway ganz schöne Lücken in die Reihen der japanischen Flieger gerissen hat)


Ein entschiedenes "Jein"!  Bei Midway war sie a: in Erwartung des Gegners und b: mit wenigen und nicht koordierten Angreifern beschäftigt, sofern Du die Yorktown meinst, auf den Inseln gab es etwas mehr Verluste / Beschädigungen.
In Pearl hingegen war die Flak so "trigger-happy" vor Nervosität, dass auf alles was flog, egal welcher Nationalität, geschossen wurde, das aber wenig effektiv

Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Huszar

Hallo,

Interessantes Thema - und endlich hab ich Zugriff auf meine Bücher.

Zuerst: dass eine P-40B/C wesentlich schwerer bewaffnet sein soll, als eine A6M, halte ich für übertrieben. 2*12,7+4*7,62mm sind nicht "wesentlich" stärker, als 2*20+2*7,7mm.
Dazu bekamen erst die P-40C selbstdichtende Tanks. Ob die B schon gepanzert war, kann ich leider nicht mit bestimmtheit sagen, einige Anhaltspunkte sprechen aber dagegen.

Bei den P-36 kann ich mich dunkel daran erinnern, dass die meisten Flugzeuge nur 1-2 MGs behalten haben, und als Übungsflugzeuge benutzt wurden.

Ob die Navy-Flugzeuge überhaupt einsatzbereit waren, bzw Navy-Piloten zV standen - gute Frage, würde es aber eher bezweifeln. Wie dem auch immer, eine F2A oder eine F3F kann nicht ernsthaft als mit einer Zero gleichwertig betrachtet werden. Ebenso die P-26 der Army  :wink:

WENN man die Navy-Jäger trotzdem irgendwie in die Luft kriegen würde, eine direkte Zusammenarbeit mit den Army-Jägern ist so gut wie ausgeschlossen. Andere Frequenz, andere Jägerleitung, usw.

Den Ami-Piloten eine etwa gleichwertige Ausbildung, wie den Zero-Piloten ist auch etwas khmmm... übertrieben. Wir sind nicht Ende 1942...

WENN eine japanische 3.Welle mit 36 Zeros über Pearl auftauchen würde, würden die Amis mM ziemlich schlechte Karten haben. Japanische Verluste würde es zwar geben, allerdings keine horrenden.

Die wirkliche Frage ist eher, ob genug kaputt gemacht werden kann, damit die Welle als "erfolgreich" abgesehen werden kann. Für Dockanlagen kaputt machen brauchts schon wesentlich mehr, als einige B5N und D3A mit jeweils einer Bombe. In Europa hat man Hunderte von mittleren und schweren Bombern auf Werften angesetzt - Erfolg recht bescheiden. Die Beeinträchtigung könnte man höchstens in Tagen rechnen.
Interessanter wäre die Zerbombung der Öltanks und Magazine. Für beides reichen die vorhandenen Maschinen, eine hundertprozentige Ausschaltung ist aber nicht gegeben, und die beschädigten/vernichteten Tanks könnten allerdings auch in wenigen Wochen wieder repariert/ersetzt werden.
Einige Probleme würde es schon geben, allerdings nichts wirklich vernichtendes. Zumindest bis Midway könnte man diese Probleme sicherlich meistern  :wink:

"Witziger" wäre dann schon, wenn die "4.Welle" einen US-Träger in dieser Zeit erwischen könnte.


nur meine Meinung, natürlich...

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Peter K.

Zitat
ZitatCV Akagi—Captain Hasegawa Kiichi
1st FCU Wave 1 (9xA6M2 "Zeke")—LCDR Itaya Shigeru
1st FCU Wave 2 (9xA6M2 "Zeke")—LT Shindo
CAP (9xA6M2 "Zeke")
I verstehe das so, dass 18 Zeros die Bomber nach PH begleiten, während weitere neun für die CAP über Kido Butai zurückgehalten wurden.
Genau das ist eben nicht richtig, denn AKAGI hatte z.B. nur 18 (+ 3 Reservemaschinen) und keine 27 Zero´s an Bord!
Die CAP über der Flotte stellten in erster Linie ZUIKAKU und SHOKAKU mit jeweils 12 Maschinen und HIRYU mit 3 weiteren Jägern. Dazu kamen noch die zumindest teilweise klargemachten Reservemaschinen aller Träger.
Eine zusätzliche CAP über Oahu, wie der Artikel suggeriert, gab es nicht!

Zitat... da die US-Jäger alle Funk hatte, radargeführt waren ...
ZitatDank des Radar hätten die US-Jäger bei einer Stunden später angreifenden 3.Welle sehr leicht in eine gute Abfangposition gebracht werden können.
ZitatFür geführte Abfangjagd brauchts ein wenig mehr als Flugzeuge und ein Radargerät. Dazu müssen die Verbindungen installiert und etabliert sein. War das im PH gegeben?
Zitat... geführte Radarjagd gab es zu dem Zeitpunkt nicht, da ja noch nicht einmal alle in der Marineführung (oder USAAF) den Wert von Radar voll erkannt hatten. Eingeübt war sie überhaupt nicht, erst mit Fortdauer der Aktionen auf und um die Salomonen begann man als Folge der Auswertung der Gefechte Coral Sea und Midway den Radar mehr Bedeutung beizumessen und speziell geschulte Radarleitoffiziere auszubilden
Bekanntlich wurde die erste japanische Angriffswelle von der Opana-Radarstation auf 136 sm Entfernung erkannt, was einer etwa 50-minütigen Vorwarnzeit entsprochen hätte. Auswirkungen hatte diese Ortung keine, den ganzen Tag über nicht! So wurden nach dem Angriff scheinbar planlos Aufklärer in alle möglichen Richtungen gestartet, nur nicht in Peilung der japanischen An- und Abflugflugrichtung konzentriert!
Tatsächlich gab es in Pearl Harbor Möglichkeiten einer radargelenkten Jägerführung - sie wurde nach britischem Vorbild mit einem "Aircraft Information Center", das für Jagd- und Flakabwehr zuständig war, eingerichtet und am 27.09.1941 auch praktisch erfolgreich erprobt. Dabei simulierten eigene Trägerflugzeuge anfliegende Feinde, wurden aber 84 sm vor der Insel erfasst und 30 sm vor der Insel abgefangen. Das System wurde jedoch nicht in Betrieb genommen - es sollte erst nach einem Kriegsausbruch in Dienst gestellt werden!

Zitat60 vs. 36 ist kein gutes Verhältnis ...
ZitatSelbst noch vor Midway ist die Angriffswelle auf die Inseln durch die sie erwartenden amerikanischen Jäger ... einfach "durchmarschiert".
Ganz so einfach wie bei Midway, wo die qualitaiv und quantitativ überlegenen Japaner die amerikanische Jagdabwehr einfach überrannt haben (es blieben danach nur 2 US-Maschinen flugtauglich), wäre es bei der hypothetischen dritten Pearl Harbor-Welle wohl nicht geworden, dennoch hätten die japanischen Jäger meiner Meinung nach ihren Auftrag auch bei einer zahlenmässigen 1 : 2 - Unterlegenheit weitestgehend erfüllen können - denn genau DAS trainierten japanische Zero-Piloten als erstes, nämlich den Luftkampf drei gegen sechs Maschinen, erfahrene Piloten sogar den Kampf drei gegen neun Flugzeuge!

ZitatDie Zero kam ab Mitte 1940 in China zum Einsatz wo sie u.a. von Cheanault in Aktion beobachtet wurde. Das reichte um deren grundlegende Eigenschaften zu erkennen.
ZitatThach hat außerdem Chenault´s Infos über die Zero ernst genommen.
ZitatEigentlich war die Anweisung ganz eindeutig, sich mit der F4F nie auf einen Kurvenkampf einzulassen, sondern im Zweifelsfall einen schnellen Sturzflug einzuleiten, ...
ZitatFakt ist das die US-Piloten den Kurvenkampf annahmen und oft genug schlecht abschnitten ...
Zitat... aber das bedeutet nicht, dass die wesentlichen Stärken und Schwächen der A6M schon lange vorher bekannt waren.
Chennault hielt im Juli 1941 vor den Piloten der 14. Pursuit Wing in Wheeler Field einen Vortrag über die Zero, wo er unter anderem meinte "We would be surprised at its agility and sharp-turning characteristics." und "American fighters should not dogfight with the Zero."
Die "Thach Weave" wurde meines Wissens erst bei MIdway von Thach erstmals praktisch im Einsatz erprobt. Obwohl sie für die amerikanischen Jäger natürlich eine bedeutende taktische Verbesserung darstellte, war sie letztendlich aber doch ein defensives Manöver beruhend auf zahlenmässiger Überlegenheit!

ZitatWieviel Erfahrung hatten die Heerespiloten auf Oahu?
ZitatDen Ami-Piloten eine etwa gleichwertige Ausbildung, wie den Zero-Piloten ist auch etwas khmmm... übertrieben. Wir sind nicht Ende 1942...
Amerikanische Piloten waren durchaus gut ausgebildet und kamen in der Zwischenkriegszeit mit 500 Flugstunden zu ihren Kampfstaffeln. Kurz vor Kriegsbeginn wurde dies allerdings auf 250 Stunden gekürzt, um die vermehrte Ausbringung an Flugzeugen durch die Industrie zu kompensieren. Diese Piloten kamen dann aber erst im Herbst 1942 an die Front. Auf Hawai hatten die Führer der Jagdstaffeln um die 1.000 Flugstunden, die restlichen Jagdflieger 500 oder 600 Stunden, davon die Hälfte auf Jägern. Bis auf ganz wenige Ausnahmen hatte niemand Kampferfahrung!
Die Staffelführer auf den japanischen Trägern hatten um die 1.500 Flugstunden aufzuweisen, der Durchschnitt aller Piloten betrug 800 Flugstunden, davon 10 % mit Kampferfahrung.
Japanische Piloten kamen mit 500 Flugstunden auf Flugzeugträger.

ZitatDie wirkliche Frage ist eher, ob genug kaputt gemacht werden kann, damit die Welle als "erfolgreich" abgesehen werden kann.
Zwei Möglichkeiten möchte ich hier kurz anschneiden:
1. Angriff auf die Reparaturmöglichkeiten des Stützpunktes Pearl Harbor
Das bebaute Werftgelänge weist eine Fläche von etwa 700.000 m² auf. Kommen alle 45 Kate´s (mit je 2 x 250 kg Bomben) und 45 Val´s (mit je 1 x 250 kg Bombe) erfolgreich zum Abwurf und nimmt man an, dass jede Bombe eine bebaute Fläche von etwa 400 m² zerstören kann, können 54.000 m² Werftgelände oder ganze 7,7 % ausgeschaltet werden! Eine weitere Diskussion darüber erübrigt sich damit - vor allem, wenn man bedenkt, dass noch drei ausgezeichnet ausgerüstete Werkstattschiffe in Pearl Harbor lagen!
2. Angriff auf die Öltanks
Abgesehen von der in Bau befindlichen bombensicheren Untergrundanlage (818.200 t Kapazität) gab es 54 Tanks mit einem Fassungsvermögen von 563.000 t Öl. Sie waren durch MG- oder MK-Feuer nicht in Brand zu setzen und einzeln durch einen Brandschutz- und Auslaufwall gesichert. Man hätte sie also einzeln mit Bomben angreifen müssen. Nimmt man für die Kate´s im Horizonatalangriff eine Trefferwahrscheinlichkeit von 15 % an und für die Val´s eine von 60 %, sind 40 Treffer möglich. Damit liesen sich im besten Fall 74 % der Kapazität, also 417.000 t, ausschalten und es würden noch 146.000 t verbleiben.
Den Friedensverbrauch würde ich auf etwa 50.000 t monatlich schätzen, d.h. ohne den Einsatz von zusätzlichen Tankern wäre immer noch ein dreimonatiger Friedensbestand vorhanden!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

mhorgran

Hallo Peter
interessant

ZitatBekanntlich wurde die erste japanische Angriffswelle von der Opana-Radarstation auf 136 sm Entfernung erkannt, was einer etwa 50-minütigen Vorwarnzeit entsprochen hätte. Auswirkungen hatte diese Ortung keine, den ganzen Tag über nicht! So wurden nach dem Angriff scheinbar planlos Aufklärer in alle möglichen Richtungen gestartet, nur nicht in Peilung der japanischen An- und Abflugflugrichtung konzentriert!
Tatsächlich gab es in Pearl Harbor Möglichkeiten einer radargelenkten Jägerführung - sie wurde nach britischem Vorbild mit einem "Aircraft Information Center", das für Jagd- und Flakabwehr zuständig war, eingerichtet und am 27.09.1941 auch praktisch erfolgreich erprobt. Dabei simulierten eigene Trägerflugzeuge anfliegende Feinde, wurden aber 84 sm vor der Insel erfasst und 30 sm vor der Insel abgefangen. Das System wurde jedoch nicht in Betrieb genommen - es sollte erst nach einem Kriegsausbruch in Dienst gestellt werden!
Nun gab es ja schon damals den Grundsatz das nur Strukturen funktionieren die schon vorher (also vor einem Kriegsausbruch) etabliert wurden.
Die Erfahrungen der Briten u.a. bei der Luftschlacht um England war ebenfalls bekannt. Warum hat die US-Führung diese Erkenntnisse ignoriert?

Spiegelt sich dabei die US-Mißachtung der britischen Erfahrungen in der Anti-U-Bootkriegführung?

ZitatDie "Thach Weave" wurde meines Wissens erst bei MIdway von Thach erstmals praktisch im Einsatz erprobt. Obwohl sie für die amerikanischen Jäger natürlich eine bedeutende taktische Verbesserung darstellte, war sie letztendlich aber doch ein defensives Manöver beruhend auf zahlenmässiger Überlegenheit!
Eben. Auch wenn evtl. schon vor Kriegsbeginn mit alternativen Taktiken experimentiert wurde waren sie noch lange nicht eingeführt.

zu
Zitat1. Angriff auf die Reparaturmöglichkeiten des Stützpunktes Pearl Harbor
Das verschleiert nmM etwas das Problem denn dabei wird mir etwas zuviel von der Taktik der Flächen- bzw. Sättigungsbombardements  (wie sie u.a. im Luftkrieg gegen das 3.Reich praktiziert wurden)  auf dieses Szenario umgelegt.
Natürlich konnten Trägerflugzeuge (auch heute) keine Flächenbombardents ausführen.
Allerdings war wohl ein größerer Teil dieser Fläche Verkehrswege und die übrige Fläche konnte man sicherlich auch in verschieden wichtige Zielkategorien einteilen. Sturzkampfbomber, ebenso wie die Horizontalbomber Kate, konnten eben präzise einzelne Ziele treffen und damit pro Abwurfgewicht eine gänzlich andere Relation Bombenlast---Effekt-im-Ziel als Flächenbombardements herstellen.
Will sagen, zerstörte Schlüsselobjekte (zb. Pumpenanlagen, Energiezentren oder ähnliches) konnten trotz geringer Flächenanteil erhebliche Auswirkung, bis hin zur gänzlichen Ausschaltung, auf das Gesamtsystem haben.

zu
Zitat2. Angriff auf die Öltanks
Auf diese Frage bin ich auch schon getroffen. Eine Möglichkeit die Wirkung zu erhöhen wäre die Wälle zwischen jeweils 4 Tanks zu zerstören, gleichzeitig mittels Splitter die Tanks zu löchern und das auslaufende Öl in Brand zu setzen.Ob diese 3 Aufgaben mit den normalen jap."Sprengbomben" möglich war weiß ich allerdings nicht.

Markus Becker

#69
@Huszar:

Die -B hatte ~90 Pfund Cockpitpanzerung und extern versiegelte Tanks. Der Mix aus sechs leichten und schweren MG war nicht so gut wie sechs SMG, aber die 20mm Kanonen der Zero hatten ein sehr niedrige Vo. Selbst die japanischen Piloten, hatten Probleme damit zu treffen, ausserdem hatten die nur 60 Schuss und mit den zwei LMG konnte man keinen Hering vom Teller ziehen.

Das die P-36 ein Trainer war, stimmt nicht. Bewaffnet war sie mit je einem SMG und LMG.

Was den Wert von Flugstunden abgeht, so hatte Geoff Fisken nur max. 200 Std. auf der Buffalo, keine 500+ und eine P-40. :) 

Huszar

Hallo,

Zitatber die 20mm Kanonen der Zero hatten ein sehr niedrige Vo. Selbst die japanischen Piloten, hatten Probleme damit zu treffen, ausserdem hatten die nur 60 Schuss und mit den zwei LMG konnte man keinen Hering vom Teller ziehen.

hmm... bei Midway zB haben die Japaner dann wahrscheinlich F6F gehabt. Immerhin konnten sie den Amis recht hohe Verluste beibringen  :wink:

mfg

alex
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1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

mhorgran

Zitat von: Markus Becker am 25 Juni 2011, 14:53:00
Die -B hatte ~90 Pfund Cockpitpanzerung und extern versiegelte Tanks. Der Mix aus sechs leichten und schweren MG war nicht so gut wie sechs SMG, aber die 20mm Kanonen der Zero hatten ein sehr niedrige Vo. Selbst die japanischen Piloten, hatten Probleme damit zu treffen, ausserdem hatten die nur 60 Schuss und mit den zwei LMG konnte man keinen Hering vom Teller ziehen.
Da stellt sich allerdings die Frage wie die japanische / deutschen / britischen / italienischen Piloten jemals ein anderes Flugzeug abschießen konnten.
Zwar war die -natürlich- geringere Wirkung der 7/8 mm MG´s bekannt aber die deutsche Lw -zb- ging erst mit der Bekämpfung der schweren US-Bomber auf das Kaliber 13mm über.

Ähnliches für die 20mm Kanonen. Natürlich, und wurde den Japanern im Krieg bewußt, wäre eine höhere Mun-Dotierung sehr nützlich gewesen. Aber die unterstellte Problematik übertreibt massiv.

Peter K.

ZitatNatürlich, und wurde den Japanern im Krieg bewußt, wäre eine höhere Mun-Dotierung sehr nützlich gewesen.
Spätere Versionen der Zero´s hatten dann aber auch einen Munitionsvorrat 125 Schuß pro 20 mm - Kanone!

ZitatWarum hat die US-Führung diese Erkenntnisse ignoriert?
Das amerikanische System entstand ja erst aufgrund der britischen Erfahrungen mit ihrer Chain Home! Wieso es nicht aktiviert wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Diesbezüglich fand ich nur die wenig befriedigende Bemerkung, wonach Kimmel und Short entschieden, das System erst bei Kriegsausbruch zu aktivieren, weil Offiziersmangel eine Besetzung des ACI verhinderte.

Zitat
Zitat1. Angriff auf die Reparaturmöglichkeiten des Stützpunktes Pearl Harbor
Das verschleiert nmM etwas das Problem denn dabei wird mir etwas zuviel von der Taktik der Flächen- bzw. Sättigungsbombardements  (wie sie u.a. im Luftkrieg gegen das 3.Reich praktiziert wurden)  auf dieses Szenario umgelegt.
Natürlich konnten Trägerflugzeuge (auch heute) keine Flächenbombardents ausführen.
Allerdings war wohl ein größerer Teil dieser Fläche Verkehrswege und die übrige Fläche konnte man sicherlich auch in verschieden wichtige Zielkategorien einteilen. Sturzkampfbomber, ebenso wie die Horizontalbomber Kate, konnten eben präzise einzelne Ziele treffen und damit pro Abwurfgewicht eine gänzlich andere Relation Bombenlast---Effekt-im-Ziel als Flächenbombardements herstellen.
Will sagen, zerstörte Schlüsselobjekte (zb. Pumpenanlagen, Energiezentren oder ähnliches) konnten trotz geringer Flächenanteil erhebliche Auswirkung, bis hin zur gänzlichen Ausschaltung, auf das Gesamtsystem haben.
Obwohl ich deinen Argumenten durchaus zustimme, sehe ich für die japanische Seite keinerlei Möglichkeiten, den Werftbetrieb in irgendeiner Weise nachhaltig zu beeinträchtigen. Meine ziemlich theoretisch angelegte Rechnung sollte dies verdeutlichen. Selbst wenn es beispielsweise gelänge, die Energieversorgung der Werft zu zerstören, wären schnelle Abhilfen sofort verfügbar. Ich erinnere da an die LEXINGTON, als sie 1929 dreißig Tage lang die Enerieversorgung der Stadt Tacoma gewährleistete! Eine ähnliche Aufgabe könnte z.B. MARYLAND mit ihrer intakten turbo-elektrischen Maschinenanlage für die Werft in Pearl Harbor übernehmen ...

Noch ein "Nachklapp" zu den japanischen Trägerpiloten:
Die Hälfte der Piloten auf AKAGI, KAGA, HIRYU und SORYU war für Trägerstarts und -landungen bei Nacht ausgebildet!
Grüße aus Österreich
Peter K.

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Urs Heßling

hi, Alex

Zitat von: Huszar am 25 Juni 2011, 15:23:40
hmm... bei Midway zB haben die Japaner dann wahrscheinlich F6F gehabt.

F6F  :?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Huszar

Hallo, Urs,

Mir ist auf die schnellle kein anderes Trägerflugzeug eingefallen, das nicht 20mm mit wenig Mun und 7,xxmm MGs hatte.  :-D

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

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