16 amerikanische US-Trawler für das notleidende Deutschland (1949)

Begonnen von Albertus, 21 August 2011, 23:10:07

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Albertus

Hallo und guten Tag,

1949 wurden zur Verbesserung der Lebensmittelversorgung in Deutschland 16 Fischtrawler an die Fischdampfer-Treuhandgesellschaft in Charter gegeben.
(Delaware, Margee, Josephine Ess usw.)
Die Fahrzeuge wurden unter der Führung von einem 'Kapitän Kamenz' mit deutschen Besatzungen von New York nach Bremerhaven geholt und von der Treuhandgesellschaft weiter verchartert. Es soll während der Überfahrten zu turbulenten bis dramatischen Szenen auf den Fahrzeugen gekommen sein.
Es war der Anfang der fangreichen Fischereigeschichte nach dem 2. Weltkrieg in Cuxhaven, Bremerhaven und umzu.

Meine Fragen:
Bekamen die 16 Trawler unter deutscher Flagge andere Namen?
Ich las, dass die die Amerikaner ihre Schiffe später zurück forderten, ist das so korrekt?
Ist Euch Lektüre bekannt, wo man Näheres über den Ablauf erfahren kann?
Das Thema würde mich interessieren.

Seid gegrüßt
Jane

Ulrich Rudofsky

Leider kann ich diese Fragen z.Z. nicht beantworten.  Aber hier ist etwas über den Wiederanfang der deutschen Hochseefischerei
So fing es schon  am 19. Juli 1945 wieder an:  Die ersten zwei  Trawler konnten nur sechs Knoten erreichen, also zwei Knoten weniger als die Fische....... :MLL:

Bericht:  German Fishing Fleet  (1947)
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/GerRecon/omg1947n111/reference/history.omg1947n111.i0005.pdf  http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/GerRecon/omg1947n111/reference/history.omg1947n111.i0011.pdf
http://images.library.wisc.edu/History/EFacs/GerRecon/omg1947n111/reference/history.omg1947n111.i0012.pdf

" In Bremen, the detachment's officers in charge of fisheries sent the first two trawlers out on 19 July with dust coal in their bunkers (which gave them a t op speed of six knots, two knots less than the speed of an average fish). Two months later, twenty-one trawlers were operating out of Wesermuende with good coal and twenty-nine more were being reconditioned.  Functional History of Military Government in the Bremen Enclave, 26 Apr 45-30 Sep 45, in OMGUS 48-1 /6, pt. 1, p. 121."
Ulrich Rudofsky

Albertus

Hallo Ulrich,
hallo Forum

Ich freue mich wirklich sehr über die Berichte! Besten Dank dafür.

Ich habe originale, unveröffentlichte Tagebuchaufzeichnungen des 1. Offiziers der die Trawler aus New York seinerzeit überführte. Der erste große Tag der Aktion soll demnach der 4.6.1949 gewesen sein. Um 9.00 Uhr beginnt die spannende Chronik mit viel militärischem Brimborium (Verabschiedung) in Ellis Island. Aufgrund dieser Aufzeichnungen tauchen bei mir viele Fragen und Wissenslücken auf, die ich gerne mit Eurer Hilfe schließen würde.
Lt. der Aufzeichnungen wurde die deutsche Crew 5 Wochen auf ihre Aufgaben in El. Island vorbereitet. Warum eigentlich so lange?
Der Autor, also der erste Offizier schrieb, dass er vor der anstehenden Aufgabe unfreiwillig 5 Jahre als Bauhilfsarbeiter schuften musste und überglücklich und dankbar für diese Aufgabe war.
Da frage ich mich, gab es zu dieser Zeit (noch) keine routinierten deutschen Seeleute, die die Trawler fahren konnten?
Auch der Kapitän der "Nabob" war für diese Aktion nur "ausgeliehen".

Neben 2 Zeitungsartikel von 1952 liegt mir ein Schreiben des Budweg Verlages vor, (Zeitschrift ,,Die Seekiste") aus dem hervorgeht, dass das Prozedere wohl auf großes Interesse stieß. Demnach muß es u.a. auch eine regelmäßige Berichterstattung in der ,,Seekiste" gegeben haben. (?)
Dies alles ist zwar lange her und offensichtlich gibt es wenig Lektüre darüber, doch dass der Beginn einer überaus ertragreichen Fisch-Ära gänzlich vergessen ist, wundert mich etwas.

Mal schauen, ob noch was kommt...  :wink:

Seid gegrüßt
Jane

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Albertus am 21 August 2011, 23:10:07
'Kapitän Kamenz'

ich nehme an, das ist Kpt Paul Kamenz, im Range eines KptLt Navigationsoffizier des Hilfskreuzers "Atlantis"

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Albertus

Moin Urs,

ach-so! Das erklärt mit vieles ...

Dann könnte die Marine für die gesamte Überführung federführend gewesen sein ... (?)
Es würde auch die Passage im Text erklären, dass die Mannschaft in Bremerhaven für immer von Board ging!

Danke für den Hinweis  :-)

Jane


RonnyM

Moin Jane,

ich glaube, da muss mal was ins rechte Licht gerückt werden. Die 16 Ami-Trawler waren wohl zusätzlich gedacht. Denn schon am 02.07.1945 landete der erste Trawler LUDWIG SANDER den ersten Fang in Wesermünde  (Bremerhaven) an. Auch liefen von Vegesack die Logger zum Fang aus.

Nur mal so, damit nicht der Eindruck entsteht, dass erst 1949 mit der Fischerei begonnen wurde. :O/Y

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...


Wilfried

Moin, moin zusammen!

Ich versuche hier auch einmal ein paar Lücken zu füllen; das Thema - weil kleine Einheiten - interessiert mich natürlich immer!

Also hier mal die ANNAPOLIS der General Seefoods, Boston MA die 1937 bei Bethlehem Steel gebaut wurde. Bin nicht sicher, ob sie auch zu dem Konvoi gehörte. Jedenfalls wurde sie als OCEAN 1939 bei der Hochseefischerei Kiel unter dem Funkzeichen DAOO und der Kennung BX 560 geführt. Zwischenzeitlich trug sie wohl auch den Namen MERGANSER USN - und ging 1952 zurück in die USA.
Da gibt es die SQUALL, bei Bath Iron Works 1937 gebaut; ging unter der Kennung BX 447 an Busse in Bremerhaven; weiteres Schicksal unbekannt.
Hier noch die YALE, ebenfalls General Seefoods, Schwester der ANNAPOLIS. Fuhr als TIDE 1939 mit Rufzeichen DAKU und der Kennung BX 556 für die Reederei H. Bischoff & Co. in Bremen.  1942 als IBIS USN, ging 1952 dann zurück in die USA und war 1997 noch in Fahrt.

Ich habe hier mal ein paar herausgegriffen; eventuell hat Jane ja die komplette Liste der 16 Dampfer mit Namen? Dann könnte man noch genauer recherchieren.
Gehörte die TERN 1948 - ILLINOIS - auch dazu?

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
http://www.passat-verlag.de
http://www.kartonskipper.com
http://www.forum-marinearchiv.de - wenn Marine Dein Ding ist!

Albertus

#8
Zitat von: RonnyM am 22 August 2011, 17:47:51
ich glaube, da muss mal was ins rechte Licht gerückt werden. Die 16 Ami-Trawler waren wohl zusätzlich gedacht.

Hallo Ronny,

danke für Deinen Hinweis, es sollte durch meinen Beitrag nicht der Eindruck erweckt werden, dass es bis 1949 gar keinen Fisch auf deutschen Tellern gab.
Weißt Du mehr über diese Zeit, wie viele Trawler gab es noch/schon? In welcher Funktion war die Ludwig Sander im Krieg unterwegs, dass sie bereits im Juli 1945 schon wieder auf Fangreise gehen konnte? Bin sehr an nähere Details interessiert.
Ich bin davon ausgegangen, dass unmittelbar nach Kriegsende keine 100 Schiffe für den Fischfang einsatzfähig waren. Die noch existierenden einstigen Fischdampfer mussten ja erst einmal wieder zurückgebaut werden, andere mussten im Rahmen der Reparationsleistungen an die Siegermächte abgegeben werden.
Auch die Engländer sollen aufgrund der Ernährungskatastrophe Trawler zur Verfügung gestellt haben, leider kenne ich hier keine Zahlen und Schiffsnamen.

Ulrich vielen Dank für das schöne Bild von Josephines Schwester!  :-)  top

Beste Grüße,
Jane

Wilfried

... also die LUDWIG SANDERS, bei Tecklenborg 1919 gebaut, war der erste Fischdampfer, der nach dem Krieg am 26. Juni 1945 aus Wesermünde - heute Bremerhaven - auslief. Die Reederei war Carl Kämpf.

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
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Albertus

Zitat von: Wilfried am 22 August 2011, 22:09:47
eventuell hat Jane ja die komplette Liste der 16 Dampfer mit Namen? Dann könnte man noch genauer recherchieren.

Hai Wilfried,

aber gerne doch!  :-)

Hier die Liste der geliehenen US-Trawler:

Lark
Tern
Surf
Squall
Tide
Ocean
Swell
Storm
Deleware
Pan
Josephine
Margee

Fotos zu den Schiffen wären toll!

Gruß von der Küste

...<°))))>< JANE ><((((°>...

Ulrich Rudofsky

Was mich immer noch wundert ist warum die Amerikaner dem Todesfeind Deutschland so offensichtlich schnell zur Hilfe kamen und z.B.  die deutsche Fischerei retten und fördern wollten.  (siehe meine vorigen Links)   Hatte das damals alles mit der roten Gefahr der Sowiet Union zu tun?
Ulrich Rudofsky

Wilfried

Moin Ulrich,

daß hing schon gleich nach Kriegsende damit zusammen, daß es wohl kaum gepaßt hätte, wenn im Westen die Menschen hungern und der Russe im Osten den sozialistischen Aufbau propagiert und unterstützt ...
Und auf der anderen Seite - wenn die Deutschen sich wieder selbst versorgen können, dann ist der amerikanische Steuerzahler nicht mehr so gefragt ... Marshall-Plan hin oder her ...

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried

PS: der kalte Krieg begann schließlich schon direkt nach dem Umarmen beider Armeen an der Elbe ...  :-D
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Urs Heßling

moin, Wilfried,

ich bitte um Nachsicht für mein penetrantes Nachfragen ... aber ich stutzte ...

Zitat von: Wilfried am 22 August 2011, 22:09:47
als OCEAN 1939 ... unter dem Funkzeichen DAOO und der Kennung BX 560 geführt. ...Fuhr als TIDE 1939 mit Rufzeichen DAKU und der Kennung BX 556

wirklich 1939 ?

Gruß, Urs
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Wilfried

Moin Urs,

ich kann nichts dafür - hätte es aber besser erklären sollen!  :-) Die Jahreszahl hinter dem Namen gibt Jahr der Namensgebung an welches auch bei den meisten mit dem Baujahr übereinstimmt.

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
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