Tartus ( Syrien ) einziger Auslandsstützpunkt der russischen Marine

Begonnen von Albatros, 16 Oktober 2011, 08:52:23

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Trimmer

Hallo Ulrich - Zypern ist einer der "unsinkbaren Flugzeugträger " sowohl der Briten als auch der NATO und gilt auch als "Auge und Ohr " der Luftüberwachung in der ganzen Region - siehe Lage auch zu Syrien, Israel oder der Türkei. Also wird man den "Teufel tun " bevor man da einen russischen Stützpunkt zu lässt.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Kaschube_29

Moin Moin,

hier wieder eine Lageinformation auf der Internetseite des russischen Verteidigungsministeriums zu den Kriegsschiffen der Baltischen Flotte, die sich seit Dezember 2012 fern der Heimat aufhalten:

Quelle mil.ru vom Mittwoch, den 27.März 2013 (18.39):

In Noworossijsk liefen die großen Landungsschiffe der Baltischen Flotte ,,Kaliningrad" (,,Kaлининград") und ,,Aleksandr Shabalin" (,,Александр Шабалин")

Heute machten im Militärhafen von Noworossijsk die großen Landungsschiffe (BDK = bol´shoy desantnyy korabl´ [БДК = большой десантный корабль]) der Baltischen Flotte ,,Kaliningrad" (,,Kaлининград") und ,,Aleksandr Shabalin" (,,Александр Шабалин") fest.

Entsprechend des Vorhabenplans der Fernfahrt und den Handlungen im Bestand der flottenübergreifenden Gruppierung trafen die großen Landungsschiffe in der Noworossijsker Marinebasis zur Durchführung einer Durchsicht während der Einsatzfahrt, der Wartung der Technik und die Auffüllung der Wasser- und Lebensmittelvorräte ein.

Während der Aufenthaltszeit im Hafen ist für die Besatzungen der Kriegsschiffe die Erholung und ein Kulturprogramm vorgesehen.
Die großen Landungsschiffe der Baltischen Flotte ,,Kaliningrad" (,,Kaлининград") und ,,Aleksandr Shabalin" (,,Александр Шабалин") sind während der Fernfahrt bereits zum zweiten Mal in das Mittelmeer eingelaufen.

Am 21.Januar haben die Angehörigen der Baltischen Flotte gemeinsam mit einer Abteilung der Marineinfanterie der Schwarzmeerflotte im Rahmen einer flottenübergreifenden Gruppierung der russischen Seekriegsflotte im Bereich des Schwarzen Meers und des Mittelmeers am Durchspielen einer taktischen Episode mit dem Absetzen von Seelandungstruppen auf eine unbefestigte Küsten am Kap ,,Malyj Utrisch" (,,Malyy Utrish" [,,Малый Утриш"]) im Bereich von Noworossijsk teilgenommen.

Morgen wird in den Hafen von Noworossijsk zum Auffüllen der Schiffsvorräte ebenfalls der mittlere Hochseetanker der Baltischen Flotte ,,Lena" (,,Лена") ein.



Hier die russischsprachige Originalquelle: http://function.mil.ru/news_page/country/more.htm?id=11692440@egNews

Die anderen beiden Schiffe, die Fregatte "Yaroslav Mudryy" ("Ярослав Мудрый") und der Bergungsschlepper "SB-921" ("СБ-921"), werden sicher auch Häfen anlaufen, aber im Bereich des Mittelmeers.

Bis dann,

Kaschube_29
Immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel (Bcегда семь футов под кильем)!

The Voice

Moin!

Hier ein paar Fotos bei der Passage der beiden "ROPUCHA" durch den Bosporus:

http://turkishnavy.net/

Der lange Seeaufenthalt forderte seinen Tribut. Zumindest beim Farbanstrich!

Gruß: Uwe
In God we trust - all others we track

Kaschube_29

#468
Moin Moin,

es ist wieder so weit: das russische Präsenzschiff in Tartus, gegenwärtig die ,,PM-56" (,,ПМ-56" [NATO: "Amur"-Klasse]) , wird wieder vom Schwesterschiff abgelöst; dieses hat sich bereits vor zwei Wochen wieder vorbereitet:

Quelle Voyennyy vestnik Yuga Rossii vom Sonnabend, den 23.März 2013:

Vor einer Fernfahrt

Eine Mittelmeerfahrt steht bevor

Die Besatzung des Werkstattschiffs der Schwarzmeerflotte ,,PM-138" (,,ПМ-138") unter dem Kommando von Kapitän Alexander Kaschalaba (Aлександр Кашалаба) schließt die Vorbereitung zu einer weiteren Fernfahrt für die Gewährleistung der Handlungen von Kriegsschiffen der russischen Seekriegsflotte im Bereich des Mittelmeers ab.

Im vergangenen Jahr hat das Werkstattschiff bereits eine siebenmonatige Wache im Mittelmeer abgeleistet und kehrte anschließend erfolgreich nach Sewastopol zurück, wobei alle gestellten Aufgaben erfolgreich ausgeführt worden sind. Auf der neuen Fahrt wird die ,,PM-138" (,,ПМ-138") das bereits schon mehr als nur einen Monat in einem Mittelmeereinsatz befindliche Werkstattschiff ,,PM-56" (,,ПM-56") unter dem Kommando von Kapitän 2.Ranges im Ruhestand Igor Bakuradse (Игорь Бакурадзе) ablösen.

Im Verlauf eines vorbereitenden Auslaufens verbrachte die ,,PM-138" (,,ПМ-138") fast zwei Tage auf See und kehrte mitten in einem auf dem Schwarzen Meer tobenden Sturm in die Basis zurück.

,,Die Hauptsache ist, dass die Aufgaben erfolgreich gelöst wurden", sagte der Vorgesetzte der Fahrt, der Stellvertreter der Unterstützungsschiffsabteilung der Schwarzmeerflotte Kapitän 1.Ranges im Ruhestand Sergej Grizaj (Cepгей Грицай). ,,Die Besatzung hat eine ganze Reihe von wichtigen See-Elementen des ersten Gefechtsausbildungslehrgangs durchgearbeitet. Die Fahrerprobungen sowohl für die Hauptmaschinen, als auch die Hilfsmechanismen wurden durchgeführt, was bei unterschiedlichen Fahrstufen erfolgte."

Nach seinen Worten lief das Werkstattschiff bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten, führte mehrfach Wendemanöver durch; die Besatzung arbeitete Schiffssicherungsmaßnahmen durch und führte das Abschleppen eines ,,beschädigten" Schiffs durch, dessen Rolle der Hochseeschlepper ,,MB-173" (,,MБ-173") ausführte. Mit einem Wort, die Besatzung führte einen ganzen Aufgabenkomplex durch, darunter auch Spezialaufgaben, deren Ausführung durch die Führung positiv bewertet wurde.

Unter den Seeleuten, die am effektivsten die Aufgaben auf See ausführten, merkte A. Kaschalaba seinen dritten Gehilfen, den Navigationsoffizier des Schiffs Kapitän 3.Ranges im Ruhestand Alexander Tschub (Aлександр Чуб), den zweiten Mechaniker Andrej Sologub (Aндрей Сологуб), wie auch den Leiter der Funkanlage Wasilij Denisow (Bacилий Денисов) hervor.

Gegenwärtig findet die detaillierte Analyse der Fahrt auf See und die Beseitigung der Mängel statt. Die Zeit drängt, in der Zeit vor der Fahrt muß noch viel gemacht werden.
Wladimir Pasjakin (Bладимир Пасякин), Foto vom Autoren

Hier der Link der russischen Wochenzeitung des "Südlichen Militärbezirks": http://redstar.ru/images/files/regions2013/2303/230313-v-v-u-r.pdf
(Auf Seite 2 ist der entsprechende Artikel rechts in der Mitte zu finden!)

Also wird in Kürze die ,,PM-138" (,,ПМ-138") die zur Zeit in Tartus liegende ,,PM-56" (,,ПМ-56") ablösen (usw. usw.). 
Rußland wird aus Syrien so schnell nicht herausgehen!


Bis dann,

Kaschube_29
Immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel (Bcегда семь футов под кильем)!

Kaschube_29

Moin Moin,

am gestrigen Tag wurde auf einem russischen Marineportal die nachfolgende Meldung veröffentlicht:

Quelle flot.com vom Dienstag, den 02.April 2013 (09.49):

Russische Kriegsschiffe in Syrien hat ein israelischer ,,Stein-Spion" verfolgt

Text: Vzglyad (Bзгляд)
Foto: reuters.com

Israelische Spionageausrüstung wurde in einem Felsen auf einer unbewohnten Insel gegenüber vom syrischen Hafen Tartus entdeckt, wo eine Kriegsschiffsabteilung der russischen Seekriegsflotte stationiert ist, teilen ausländische Medien mit.

Der ,,Stein-Spion"  wurde für das Monitoring von Bewegungen der russischen Seekriegsflotte genutzt, schreibt die britische Zeitung ,,Sunday Times".

Es wurde berichtet, dass die örtlichen Fischer auf der winzigen Insel Ant in der Nähe der russischen Basis drei große Spionagevorrichtungen entdeckt haben. Unter ihnen waren eine Videokamera und eine Antenne für Satellitenkommunikation.

Nach den Angaben der englischen Journalisten wurde die Apparatur dort von Commandos der israelischen Spezialeinheiten unter dem Namen ,,Shayetet 13" aufgestellt. Sie sind angeblich mit einem Unterseeboot der ,,Dolphin"-Klasse bis zur unbemannten Insel gekommen und kehrten dann unbeachtet von den Russen, den Syrern und den Amerikanern wieder in die Heimat zurück.

Nach Angaben der britischen Zeitung haben die Israelis auf diese Weise die Basis der russischen Seekriegsflotte in Tartus auch noch aus dem Grund beobachtet, weil in diesem Gebiet Alawiten wohnen, zu denen auch der syrische Präsident Bashar Assad gehört. Anscheinend erwartet die israelische Aufklärung, nicht am Fall des Regimes Assad zweifelnd, dass der Ex-Präsident gerade hier zurücktritt.

Ebenfalls machen iranische Kriegsschiffe hier manchmal Station – eines der Hauptfeinde Israels, was ebenso für die Tatsache spricht, dass die israelische Aufklärung schon lange die Bewegungen in diesem Gebiet festhalten wollte.

Die bekannteste Geschichte mit einem ,,Spionagestein" flackerte im letzten Jahr auf.

Im Januar 2012 hat Jonathan Powell, Berater des ehemaligen britischen Premierministers Tony Blair, die Tatsache des Fehlschlags der britischen Aufklärung im Jahre 2006 anerkannt, als der Föderale Sicherheitsdienst  einen Übermittler entdeckte, der wie ein Stein getarnt war. Mit Hilfe von geheimer Ausrüstung erhielten vorgeblich im diplomatischen Dienst stehende britische Spionen geheime Informationen.

Danach erklärte der Journalist Arkadij Mamontow (Apкадий Мамонтов), der einer Hetzjagd in den Medien unterzogen wurde, nachdem er im Jahre 2006 den Film über den britischen ,,Spionagestein" aufgenommen hatte, dass er keine Entschuldigungen von seinen Kollegen erwarten würde.

Aber der bekannte Galerist und Polit-Technologe Marat Gelman (Mapaт Гельман) erklärte Mamontow trotzdem seine Entschuldigung. ,,Ich bin gezwungen, mich bei Mamontow zu entschuldigen", schrieb er in seinem Blog. ,,Die Geschichte mit dem Spionagestein schien zu gekünstelt zu sein. Der «gesunde Menschenverstand» hatte mich getäuscht."

Hier die russische Orignalmeldung: http://www.flot.com/news/navy/?ELEMENT_ID=142217

Und hier (einige) englischsprachige Links mit Informationen aus anderer Richtung:

http://www.thesundaytimes.co.uk/sto/news/world_news/Middle_East/article1238483.ece

http://www.israeldefense.com/?CategoryID=514&ArticleID=2039

http://www.mfs-theothernews.com/2013/03/vorsprung-durch-technik-israeli-rocks.html

In diesem Zusammenhang ist nur noch ein Tag zu sehen: die Nähe zum 1.April... (möglicherweise alles nur sehr gut erdacht???)

Obwohl: eingestellt wurde die Meldung der "Sunday Times" am 31.März 2013 ...


Einen schönen Abend wünscht

Kaschube_29
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mhorgran

http://derstandard.at/1331207267450/Kurt-Gritsch-Gut-inszeniert-die-Mainstream-Meinung

Sind bürgerliche Qualitätszeitungen Kriegshetzer? Medienkritik aus Sicht eines Konfliktforschers

Lesen Sie gerne Zeitung? Und wenn ja, gehören auch Sie zu jenen, die bürgerlichen Qualitätsblättern wie "FAZ", "NZZ", "Süddeutscher Zeitung" oder "Die Zeit" die Stange halten? Ich bekenne: Ich gehöre nicht dazu. Nicht mehr, seit ich über viele Jahre feststellen musste, dass die publizistische Vorbereitung von Krieg dort Methode hat. Starker Tobak, meinen Sie?

Sachlage scheint "objektiv" und eindeutig

Als Student las ich 1998 von gewaltsamen Übergriffen von Polizeieinheiten auf Zivilisten im Kosovo. Die Sachlage schien eindeutig, so gut wie niemand wäre ohne Sympathie für die verfolgten Albaner gewesen. Zugleich fanden wir alle, dass man Serbien mit seinem "neuen Hitler" Slobodan Milosevic, der nicht auf diplomatische Verhandlungen reagierte und "seine eigenen Bürger" ermordete, zur Räson bringen musste, notfalls auch mit Gewalt. Der Krieg sollte mit Krieg gestoppt werden. Dass dadurch die Zahl der Toten am Ende mehr als verzehnfacht würden, konnten wir uns nicht vorstellen.

Im Frühjahr 1999 schickte die NATO Kampfflugzeuge, die ausschließlich serbische Militäreinrichtungen bombardierten (von den planvoll getroffenen Schulen und Krankenhäusern erfuhr ich erst viel später), was die Albaner vor einem "neuen Auschwitz" (Joschka Fischer) retten sollte. Doch als die Massenbombardements auf Serben überraschenderweise doch keine Menschenrechte schützten, sondern zur Massenvertreibung der Albaner führten, kam plötzlich Skepsis auf. Irgendetwas konnte da nicht stimmen, auch wenn alle maßgeblichen deutschsprachigen Massenmedien weiterhin behaupteten, dass die Luftschläge (das Wort "Krieg" wurde tunlichst vermieden) erfolgreich seien.

Wurden Fakten einfach unterschlagen?

Die Mainstream-Meinung sprach nur von zwei Alternativen: eingreifen oder zusehen, wobei letzteres mit dem Vorwurf ergänzt wurde, dass man so niemals Krieg gegen Hitler hätte führen können. Ein dritter Weg schien nicht zu existieren (die schon 1998 vorhandenen Lösungsvorschläge der Friedensforscher schafften es nämlich erst gegen Kriegsende in die großen Medien), Fakten wurden einfach unterschlagen, wie z. B. die Strategie der albanischen Terroreinheit UCK, einen Bürgerkrieg anzufachen, die eigenen Leute zu opfern und dadurch die NATO zum Eingreifen zu bewegen (von wegen Holocaust!).

Nichts zu hören war auch von politischen, ökonomischen und geostrategischen Interessen der Interventionsstaaten. Das Ziel der NATO war nämlich in Wirklichkeit die Wandlung des Bündnisses vom Verteidigungspakt zur globalen Eingreiftruppe gewesen. Und der Krieg hatte nicht geführt werden müssen, weil die Diplomatie gescheitert war, sondern weil die USA und ihre Verbündeten die Verhandlungen hatten scheitern lassen, um einen Vorwand für den längst entschiedenen Krieg zu bekommen. In den etablierten deutschsprachigen Massenmedien war dies 1998/99 (mit Ausnahme des sozialistischen Spektrums) allerdings nirgendwo zu lesen.

Meinung versus Fakten

So viel zum Unterschied zwischen Meinung und Fakten. Bittere Erkenntnis dabei: Was ich, was wir 1998 für unsere Meinung gehalten hatten, war kaum mehr gewesen als ein Wiederkäuen der gängigen Positionen bürgerlicher Medien. Wenn "FAZ", "Süddeutsche" und "NZZ" unisono vor "ethnischen Säuberungen" und einem "Genozid" an den Albanern warnten, musste Serbien doch gestoppt werden. Was lag also näher, als die Forderung nach einer militärischen Intervention zu unterstützen, weil die UNO zu schwach war?

Die Fakten sahen anders aus: Während UN-Generalsekretär Kofi Annan eine "politische Lösung" forderte und Serbien und die UCK gleichermaßen für die Eskalation verantwortlich machte, sinnierte z. B. "Die Zeit" nur noch darüber, ob Deutschland bei einem NATO-Einsatz (das Wort "Krieg" wurde tunlichst vermieden) mitmachen sollte oder nicht. Damit rief das wohl angesehenste deutsche Wochenblatt zum Verfassungsbruch auf und half tatkräftig mit, den ersten deutschen Krieg seit 1945 vorzubereiten. Im Mai 1999 rechtfertigte es dann nochmals diese Entscheidung in einem langen Fischer-Interview unter dem völlig ironiefrei gewählten Titel "Wie Deutschland in den Krieg geriet".

Blick zu aktuellen Brennpunkten

Wozu dieser ellenlange Blick in die Vergangenheit? Erstens, weil wir Historiker am liebsten sowieso immer bei Adam und Eva anfangen würden. Und zweitens, weil sich die Geschichte zwar nie wiederholt, aber häufig ähnelt. Eine dieser Ähnlichkeiten ließ sich an den "Arabischen Revolutionen" feststellen: Sobald in einem Staat bürgerkriegsähnliche Unruhen entbrannten, waren die bürgerlichen Medien zur Stelle, um als Lösung für das publizistisch mit entfachte Krisenfeuer was anzubieten? Sie erraten es schon: einen NATO-Einsatz (das Wort "Krieg" wurde tunlichst vermieden).

Als die BRD sich im UN-Sicherheitsrat der Stimme enthielt und jene Resolution 1973, die zur Grundlage der Bombardierung und Zerstörung Libyens wurde, nicht mittrug, kritisierte "Die Zeit", Deutschland könne sich Isolationismus nicht leisten. Will heißen: Bitteschön in erster Reihe marschieren und bombardieren. Der Kriegseinsatz gegen Gaddafi sei "richtig und gerecht", er verliere erst dann seine Legitimität, "wenn der Feldzug zum Fehlschlag wird". Will heißen: Erfolgreiche Kriege sind automatisch legitim. Will weiters heißen: Wenn sich die NATO als das mit Abstand stärkste Militärbündnis der Welt einen schwachen Staat als Gegner auswählt, dann ist das immer legitim, weil sie nämlich erfolgreich ist.

Sprache schafft Wirklichkeit

Und dann, wenig später, Syrien: Wieder lässt ein böser Diktator unbewaffnete Zivilisten erschießen. Um nicht missverstanden zu werden: Es steht außer Frage, dass das Assad-Regime schwerste Menschenrechtsverletzungen begeht. Die entscheidende Frage ist aber, wie man die Gewaltspirale stoppt. Und die Vergangenheit zeigt ganz klar: Bombardierungen im Rahmen sogenannter "humanitärer Interventionen" machen alles nur noch schlimmer. Weniger Gewalt ist allenfalls durch Verhandlungen und Kompromisse, selbst mit einem Diktator, zu erreichen.

Wann und wie geraten internationalen Ereignisse in den medialen Fokus?

Dass unter den laut UN im Februar 2012 geschätzten 5.000 Toten rund 2.000 Soldaten und Sicherheitskräfte sind, wird allerdings in den meisten bürgerlichen Printmedien kaum erwähnt. Kein Wort davon, dass "der Westen" einen Regimewechsel erzwingen will wie in Libyen, damit das strategisch wichtige Syrien sich von Russland weg und zu den USA und der EU hin orientiert. Oder wussten Sie, dass das Assad-Regime 2011 mit Reformen begonnen hat? Dass der seit 1963 geltende Ausnahmezustand aufgehoben, Gefangene freigelassen, korrupte Gouverneure abgesetzt und die alleinigen Herrschaftsansprüche der Regierungspartei aufgegeben wurden? Wo stand zu lesen, dass Teile der innersyrischen Opposition einen Machtkompromiss mit Assad einzugehen bereit sind, während die u. a. von den USA mit Geld unterstützte Exilopposition zu keinem Entgegenkommen bereit ist?

Reflexion über Recherquellen

Ist dieses Verschweigen von Fakten Zufall oder Methode? Vielleicht ist die Frage zu hart: Auch Journalisten können nicht alles wissen. Immerhin versorgen in den USA geschulte Kampagnenaktivisten die Massenmedien mit täglichen 'Nachrichten', Videos und Telefonaten unklarer Herkunft, immerhin gibt die verbotene Muslimbruderschaft mit der in Schweden erstellten Internetseite 'Syrische Revolution 2011' ihre Ziele (Sturz Assads und Flugverbotszone - das Wort "Krieg" wird, Sie haben richtig geraten, tunlichst vermieden) als jene des "syrischen Volkes" aus.

Auch Journalisten können politischen und medialen Manipulationen wie der Anti-Assad-Kampagne (u. a. im Internet von AVAAZ) von EU, USA und den arabischen Verbündeten (Katar, Saudi-Arabien, Jordanien) auf den Leim gehen. Doch halt: Sollten Journalisten nicht einen geschulten Umgang in Konfliktberichterstattung haben? Müssten ihnen nicht Manipulationsversuche bekannt sein, müssten sie nicht darüber Bescheid wissen, dass eine gewaltsame Einmischung in einen Bürgerkrieg nur zu noch mehr Gewalt und Toten führt? Und woher plötzlich dieser Glaube an das Gute "der militärischen Mission Menschenrechte", wo doch im selben Atemzug NATO-Verbündete wie das als überaus demokratisch bekannte Saudi Arabien oder Katar, das seine eigenen Demonstrationen mithilfe saudischer Soldaten niedergeschlagen hat, erwähnt werden? Und ein Letztes: Müsste Qualitätsjournalismus nicht zumindest ein paar Grundkenntnisse darüber haben, dass alle Staaten, auch die unsrigen, Interessen haben und dafür notfalls auch bereit sind, über Leichen zu gehen?

Voreilige Stigmatisierung?

Stattdessen werden Russland und China, die mit ihrem Veto im Sicherheitsrat gegen eine militärische Eskalation stimmten, als "Helfer des Mörders" Assad diffamiert ("Die Zeit"), der "gegen das eigene Volk" kämpft. Assad, so weiß es ein Kommentar in der Süddeutschen Mitte Februar 2012, "löscht das Feuer der Rebellion mit Blut". Nur konsequent fordert das bürgerliche Spektrum nun also auch für Syrien die militärische Intervention, pardon: Es spielt den objektiven Beobachter: "Die Forderung, die internationale Staatengemeinschaft müsse eingreifen, wird immer lauter" ("Süddeutsche"). Die Frage, die dabei die "NZZ" beunruhigt, ist nicht etwa jene nach den Folgen der Eskalation, sondern danach, wer schlussendlich bereit ist, die Drecksarbeit zu übernehmen und Truppen nach Syrien zu schicken.

Das ist Kriegstreiberei und gehört auch als solche bezeichnet. Es gibt nämlich noch einen anderen Weg, wie der Bundesausschuss Friedensratschlag der deutschen Friedensforscher Ende Jänner 2012 in seiner Pressemitteilung klar gemacht hat: "Wer es also wirklich ehrlich meint mit dem Wunsch nach mehr Demokratie und Partizipation der Menschen (...), muss sich jeglichem gewaltsamen Einmischungsversuch von Außen widersetzen."

Von bürgerlichen Qualitätszeitungen sollte erwartet werden dürfen, dass sie sich zum Thema Kriege und Konflikte an die diesbezüglichen Spezialisten wenden, an die Friedens- und Konfliktforscher. Denn, wie Jürgen Todenhöfer in der "FAZ" im Dezember 2011 klargestellt hat: "Jeder hat ein Recht auf eigene Meinung, aber keiner auf eigene Fakten." (Leserkommentar, Kurt Gritsch, derStandard.at, 14.3.2012)

Autor
Kurt Gritsch, Historiker und Konfliktforscher. Forschungsschwerpunkte: Jugoslawien, vergleichende Konfliktforschung der Arabischen Revolutionen. Zuletzt erschienen: "Inszenierung eines gerechten Krieges? Intellektuelle, Medien und der Kosovo-Krieg", Georg Olms Verlag 1999.

Urs Heßling

#471
moin,

Der Artikel enthält einige unangenehme Wahrheiten, aber
"Wer es also wirklich ehrlich meint mit dem Wunsch nach mehr Demokratie und Partizipation der Menschen (...), muss sich jeglichem gewaltsamen Einmischungsversuch von Außen widersetzen."
ist eine Position, die ich nicht mitzutragen bereit wäre.

Damit wäre z.B. die UNO aller Möglichkeiten beraubt, auf dem Wege von Sanktionen (auch gewaltsame Einmischung) zu versuchen, in einem Staat die Beachtung der Menschenrechte zu erzwingen.

ich glaube auch nicht, daß die Interventionspolitik der USA in erster Linie von humanistischen Motiven geprägt ist, und das Vetorecht einiger Nationen (nicht nur Rußland und China) in der UNO stinkt mir sehr, aber wer diese o.a. Meinung veröffentlicht, vertritt und weiterverbreitet, stellt sich auf die Seite derer, die von einer "Nichteinmischung" profitieren und mit ihrer Innenpolitik einfach "weitermachen" (Namen kann sich jeder selbst dazudenken).

Gruß, Urs

"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Trimmer

Hallo Urs - bitte zeige mir doch mal ein Land wo nach dem Einsatz von NATO -Truppen unter UNO-Mandat wirklich Ruhe eingetreten ist. Wo die Menschen wirklich friedlich wieder miteinander umgehen  :? Afghanistan  :?Kosovo  :? Libyen  :?

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Urs Heßling

moin, lieber Achim,

Das kann ich nicht, aber ist das ein Grund, nichts zu tun und die Machthaber einfach weiter machen zu lassen ?

In Nordkorea herrscht in diesem Sinne "Ruhe" ... Ich nehme nicht an, einer von uns diese Ruhe vorzieht.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

hillus

Moin,

damit wir wieder zum eigentlichen Thema "Tartus....." zurückkommen, stelle ich Euch den folgenden Artikel von RIA NOVOSTI ein.


Schiffe der russischen Pazifikflotte werden voraussichtlich in der zweiten Mai-Hälfte den russischen Marinestützpunkt im syrischen Hafen Tartus anlaufen.

Diese Mitteilung gab der Hauptstab der Seekriegsflotte am Samstag in St. Petersburg nach Angaben des Internetportals mail.ru. Zum Verband der Pazifik Flotte gehören das große U-Boot-Abwehrschiff ADMIRAL PANTELYEV, die großen Landungsschiffe ADMIRAL NEVELSKIY und PERESVET, der Tanker PECHENGA und der Bergungsschlepper FOTIY KRYLOV  an, die zu Übungen im Mittelmeer unterwegs sind. "Die beiden Landungsschiffe werden diverse Güter nach Tartus bringen", sagte ein ranghoher Militär, der anonym bleiben wollte.
Der Verband steht unter dem Befehl von Konteradmiral Vadim Kulit, Befehlshaber der Primorsker Flottiller gemischter Kräfte der Pazifik Flotte.
(Hinweis: Das ist die Feuertaufe für Konteradmiral Kulit, der am 15.09.2012 zum Befehlshaber ernannt wurde!!)

Der Schiffsverband war am 19. März aus seinem Heimathafen Wladiwostok ausgelaufen und wird mittlerweile Übungsaufgaben im Pazifik und im Indischen Ozean erfüllen. Geplant ist, dass einige Schiffe des Verbandes auch andere Häfen anlaufen werden, darunter in Vietnam und im Iran. Derzeit hält der Schiffsverband Kurs auf den Suez-Kanal, den er etwa Mitte Mai passieren soll.

Bis bald!

hillus

mhorgran

Hallo Urs

Ich denke die Einstellung von Kurt Gritsch ist von der Erfahrung geprägt das Verhandlungen (auch mit Diktaturen) immer mehr postive Ergebnisse gebracht als gewaltätige "Einmischungen".

ZitatDamit wäre z.B. die UNO aller Möglichkeiten beraubt, auf dem Wege von Sanktionen (auch gewaltsame Einmischung) zu versuchen, in einem Staat die Beachtung der Menschenrechte zu erzwingen.
Was hat das mit der Einschätzung von Gritsch zu tun?

Zitatich glaube auch nicht, daß die Interventionspolitik der USA in erster Linie von humanistischen Motiven geprägt ist,
Bitte, bitte zeig mir einen Fall in welchen in Interventionspolitik der USA in 2.oder auch 3.Linie von humanistischen Motiven geprägt war.

Urs Heßling

moin,

Wir sind hier, leider, vom Thread-Thema zu weit abgeschweift.

Zitat von: mhorgran am 08 April 2013, 21:54:08
ZitatDamit wäre z.B. die UNO aller Möglichkeiten beraubt, auf dem Wege von Sanktionen (auch gewaltsame Einmischung) zu versuchen, in einem Staat die Beachtung der Menschenrechte zu erzwingen.
Was hat das mit der Einschätzung von Gritsch zu tun?
meiner Meinung nach: Alles!

Zitat von: mhorgran am 08 April 2013, 21:54:08
Bitte, bitte zeig mir einen Fall in welchen in Interventionspolitik der USA in 2.oder auch 3.Linie von humanistischen Motiven geprägt war.
ach, Stefan, Rhetorik ...  :|

von meiner Seite: Ende des Exkurses.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

mhorgran

#477
Hallo Urs

Letztlich eine "Nicht-Antwort".

Madeleine Albright hat einen deutlichen Hinweis auf die "humanitäre" Einstellung der US-Eliten gemacht:
ZitatDabei hatte während eines Fernsehinterviews auf die Frage, ob das Embargo gegen den Irak, das eine halbe Million irakischer Kinder das Leben gekostet hat, diesen Preis wert sei, mit "es ist diesen Preis wert" geantwortet.
natürlich nicht der einzige "Hinweis".


Interessant finde ich übrigens was an dem Text "moniert" wurde.
Denn ich hatte ihn eingestellt da dabei das Wirken der deutschen (richtiger wäre: westl.) Medienlandschaft sehr gut charakterisiert wird und bezüglich dem Thema -Syrien- die Aussage (ab Absatz: "Sprache schafft Wirklichkeit") sehr interessant ist.
Denn genau diese Einseitigkeit läßt sich in diesem Thread sehr sehr gut verfolgen. Übrigens auch in anderen - zb. Thema Nordkorea.
Übrigens Thomas (Spee) - genau hier ist die Gemeinsamkeit.

Spee

Servus,

Übrigens Thomas (Spee) - genau hier ist die Gemeinsamkeit.

Gut, jetzt verstehe ich deine Aussage. Im Fall Syrien habe ich ebenfalls einen schalen Geschmack zur Presse. Die Berichte klingen zu sehr nach Libyen. Da fand ich die Zurückhaltung Deutschlands sehr angebracht, speziell gegenüber die Kommentaren aus Frankreich und Italien.

Nordkorea ist für mich aber ein anderer Fall, der m.E. eher mit Kambodscha in den 70'ern vergleichbar ist. Da sollte man schon die Frage stellen, ob eine Intervention Menschenleben rettet oder nicht? Letztendlich hat der Einmarsch der Vietnamesen ein Regime beseitigt, welches Millionen Tote im eigenen Land hinterlies. Politische Gespräche haben jahrelang nichts bewirkt und es wurde reichlich gestorben in dieser Zeit.
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Kaschube_29

Moin Moin,

nur um wieder mit Tatsachen zu langweilen:

hier werden aktuelle Kriegsschiffsverschiebungen der russischen Seekriegsflotte gemeldet:

Quelle ria.ru vom Mittwoch, den 10.April 2013 (18.15):

Kriegsschiffe der Nordflotte haben die Mission zum Schutz von Schiffen im Golf von Aden beendet

Moskau, 10.April – RIA Novosti. Die Kriegsschiffsabteilung der Nordflotte unter der Führung des großen U-Bootabwehrschiffs ,,Severomorsk" (,,Ceвероморск") hat die Mission zur Gewährleistung der Sicherheit der zivilen Schiffahrt im Golf von Aden und an der Küste des Horns von Afrika abgeschlossen, wurde am Mittwoch im Verteidigungsministerium der Russischen Föderation mitgeteilt.

,,Die Kriegsschiffsabteilung der Nordflotte im Bestand des großen U-Bootabwehrschiffs  «Severomorsk» («Ceвероморск»), der Bergungsschlepper «Altay» («Aлтай») und der Tanker «Dubna» («Дубна») hat die Teilnahme an der Operation zur Bekämpfung des Piratentums im Bereich des Horns von Afrika abgeschlossen", heißt es in einer Mitteilung der Militärverwaltung.

Die Kriegsschiffe haben den Suez-Kanal passiert und trafen im Bereich des Mittelmeeres ein, wo sie sich dem ständigen Mittelmeerverband der russischen Seekriegsflotte anschließt. Entsprechend des Plans werden die Marineangehörigen in den kommenden zwei Monaten Fragen der Zusammenarbeit zwischen Kräften unterschiedlicher Flotten durcharbeiten, unter anderem bei der Durchführung der U-Bootabwehr-, der Luftabwehr- und der Überwasserabwehr.

,,Jetzt werden im Bereich des Horns von Afrika Kriegsschiffe der Baltischen Flotte den Dienst antreten. Das Eintreffen ihrer Abteilung mit dem Wachschiff «Neustrashimyy» («Heycтрашимый»), dem Hochseeschlepper «Yevgeniy Khorov» («Евгений Хоров»)  und dem Tanker «Yelnya» («Ельня») ist für die zweite Aprilhälfte vorgesehen", wird im Verteidigungsministerium angemerkt.

Hier die russische Originalmeldung: http://ria.ru/defense_safety/20130410/931975846.html

Damit sind die Nordflottenkriegsschiffe inzwischen im Mittelmeer und zeigen dort (wie lange genau?) Flagge, der (ablösende) Dreier-Verband aus der Baltischen Flotte (mit der «Neustrashimyy» [«Heycтрашимый»]) muß sich eigentlich noch im Mittelmeer aufhalten (was bisher von russischer Seite nicht gemeldet wurde); interessanterweise ist die Schreibweise des Schleppers des Ostsee-Verbands nicht richtig angegeben: RIA schreibt «Yegor Khorov» («Егор Хоров»), was aber falsch ist.

Und auch die Fregatte "Yaroslav Mudryy" ("Ярослав Мудрый") hält sich mit dem Bergungsschlepper "SB-921" ("СБ.921") immer noch im Mittelmeer auf...

Bis dann,

Kaschube_29
Immer eine Handbreit Wasser unter den Kiel (Bcегда семь футов под кильем)!

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