MS LIKOMBA 1939 Heimatfafen Tico, deutsche Flagge

Begonnen von TD, 07 November 2011, 18:36:27

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TD

MS LIKOMBA  1939 Heimatfafen  Tico, deutsche FlaggeHallo zusammen.

Am 21,April 1939 wurde der Heimathafen für MS LIKOMBA   199 BRT von Hamburg nach Tico in Afrika verlegt.
Das Motorschiff behielt mit Heimathafen TICO die deutsche Handelsflagge.
In Kamerun gab es 1939 viele deutsche Kaffee- und Bananenplantagen mit einen eigenen
Schiffspark welcher scheinbar in Tico unter deutsche Flagge eingetragen waren.
MS LIKOMBA ist aber das einzigste Schiff welches von einem deutschen Heimathafen dorthin registriert wurde.
Ist Jemand vielleicht in der Literatur oder im Internet auf diesem seltsamen Vorgang gestoßen
und kann dazu etwas Genaues schreiben ?


Danke

Theo
 
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

kgvm


Alberich

Tico/Tiko ist eine kleine Stadt in Kamerun landeinwärts, etwa 30 km hinter der Küste, südöstlich Buea (früher Gouverneurssitz am Kamerunberg), an der Straße von Limbe (früher Victoria) Richtung Duala (erster deutscher
Regierungssitz).

TD

Hallo Alberich,

kennst dich ja ja wohl mit Land und Geschichte gut aus.

Aber wie kam es das die Deutschen dort 1939 so einen Freiraum bekamen und a scheibar, wie is Shanghai, ein eigenes Schiffsregister führen konnten mit deutscher Flagge ?

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

dirkP1a

Wobei Kamerun in dieser Zeit doch unter Völkerbundsmandat von Frankreich und GB verwaltet wurde ?
Ob die Interesse an einem solchen Winkelzug hatten ? Bemerkenswert ...
Diskutiere nie mit Idioten , sie ziehen dich auf ihr Niveau herab und schlagen dich dann mit ihrer Erfahrung .

Gruß  DIRK

kgvm

Offenbar war der Ort Tiko aber auch auf dem Wasserwege erreichbar. Die "Pionier" lief dort am 24.August 1939 ein und lud Bananen. Gehörte zum englisch verwalteten Teil Kameruns (Witthöft, Die deutsche Handelsflotte 1939 - 1945 Band II, S. 81)

Alberich

Tiko liegt an einem kleinen Ableger des Bimbiaflusses. Und das ganze am Rande des, recht stark verlandeten,  Wuri- und Mungodeltas. Dann ist (oder war?) der Bimbia bis Tiko für kleine Schiffe, wie die MS. "Likomba" (Motorleichter lt. Witthöft II, S. 83)  befahrbar.

Das Schiff gehörte der Reederei Afrikanischen Frucht-Co. A.-G, Hamburg. Verkauft 21. 1. 1943 an Spanien in Fernando Poo (siehe Witthöft).

TD

nix:
Verkauft 21. 1. 1943 an Spanien in Fernando Poo (siehe Witthöft).


Wurde in einen tollen Unternehmen von Briten nachts in Fernando Po überfallen und mit anderen Schiffen weggeschleppt.

Gruß

Theo

...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Urs Heßling

moin,

ja, Operation Postmaster

"toll" ? ... na ja, eine klare und bewußte Verletzung der Neutralität Spaniens ...

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Alberich

Ja, ist wohl wahr mit den Engländern. Führen die öfters durch. Altmark war ähnlich gelagert. Wobei zu sagen wäre, die DKM hätte sich von denen mal eine Scheibe abschneiden können. Da war man in  Deutschland immer recht zurückhaltend. Wie heute auch  noch. 
Übrigens wurden die Bananenplantagen 1925 (zurück-)gekauft. Die waren bis 1916 bzw. 1919 sowieso deutsch. Im bzw. nach dem letzten WK dann eine erneute Enteignung. Heute tummeln sich da,
ich glaube, die US-Amerikaner und verschiffen Banen über Tiko.

smutje505

...der war bestimmt nicht in Tiko(zu groß)..

TD

Hallo !

Bei dieser Gelegenheit.

Hat Jemand von der Lokomba ein schönes Foto von 1939 oder auch nach dem Krieg ??

Danke

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

TD

Hallo Urs,

so gesehen hast Du natürlich recht, auch wenn alles mehr Schiebung war.

Und die einzigste Verletzung war am Geschlechtsteil einen einheimischen Besatzungsangehörigen welcher nackt an Oberdeck kam.

Gruß

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Holger Kotthaus

Zitat von: TD am 07 November 2011, 18:36:27MS LIKOMBA  1939 Heimatfafen  Tico, deutsche FlaggeHallo zusammen.

Am 21,April 1939 wurde der Heimathafen für MS LIKOMBA  199 BRT von Hamburg nach Tico in Afrika verlegt.
Das Motorschiff behielt mit Heimathafen TICO die deutsche Handelsflagge.
In Kamerun gab es 1939 viele deutsche Kaffee- und Bananenplantagen mit einen eigenen
Schiffspark welcher scheinbar in Tico unter deutsche Flagge eingetragen waren.
MS LIKOMBA ist aber das einzigste Schiff welches von einem deutschen Heimathafen dorthin registriert wurde.

.....

Danke Theo


Hallo Theo; - und natürlich auch an Alle anderen.

Nach längerer `Abstinenz´ melde ich mich mit Anmerkungen und Fragen zu diesem älteren Thema zurück. Nachträglicher Dank für deine / eure Informationen. Das o.g. Datum 21. April 1939 war mir nicht bekannt. Ich wollte schon einen neuen Thread eröffnen, bis ich diesen Beitrag las. Grundsätzlich handelte es sich um ZWEI kleinere dt. Küsten- bzw. Flussfahrzeuge, welche am 14. /15. Januar 1942 im spanischen Hafen von Santa Isabel gekapert, abtransportiert und beschlagnahmt wurden.



MS MALAKAL ex. dt. MS LIKOMBA (Kleiner Küstenfrachter)
•    Werft: Georg Renck Junior Hamburg-Harburger 1939
•    36 Meter lang, 6,70 Meter breit und mit einem Tiefgang von 2,29 Metern
•    199 Bruttoregistertonnen
•    Angetrieben von einem 225-PS-Diesel Motor

Für die Angabe bei Dinklage / Witthöft: "die Likomba soll am 21. Januar 1943 an Spanien verkauft worden sein", konnte ich keine weiteren Hinweise finden. Den kryptischen Eintragungen im `British MOST SECRET War Diary´ zufolge, begannen die Vorbereitungen für das Verfahren vor dem britischen Prisengericht schon drei Tage (!) nach der `Operation Postmaster´, am 17. Januar 1942, um die unrechtmäßige Kaperung der drei Schiffe `formalistisch zu legitimieren´. Hubert Craddock Stevenson, britischer Gouverneur in Sierra Leone erhielt demnach am 29. Januar 1942 via Telegramm die Order, eidesstattliche Erklärungen der alliierten Akteure so `anzupassen´, dass sie den international-rechtlichen Anforderungen standhielten. Am 27. Februar 1943 taucht die Meldung auf, dass die LIKOMBA (im Hafen von Lagos / British Nigeria), in MALAKLAL umbenannt und Aufgrund des neuen und guten Zustandes (Besonders der Bodengruppe) zunächst von `Elder Dempster Line´ bereedert; - im Juli 1947 an `Sammi Wahab´ aus Monrovia / Liberia verkauft, und dort bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts ihren Dienst versah. Danach verliert sich ihre Spur in den Wogen des Südatlantiks . . .?

Als LIKOMBA – Lloyds Register of Shipping 1940: https://archive.org/details/HECROS1940SV/page/n383/mode/2up (S. 383)
Als MALAKAL - Lloyds Register of Shipping 1950: https://archive.org/details/HECROS1950MZ/page/n53/mode/2up (S. 53)
Als MALAKAL - Lloyds Register of Shipping 1960: https://archive.org/details/HECROS1960/page/n1177/mode/2up (S.1177)



MV KOLOMO ex. dt. MV BIBUNDI (Dieselleichter / Motorisierter Lastkahn)
•    100 Bruttoregistertonnen
•    30 Meter lang, 3,80 Meter breit und mit einem Tiefgang von 1,64 Metern,
•    Angetrieben von einem 75-PS-3-Zylinder-Gardner-Diesel Motor.

Im Hafen von Lagos / britisch Nigeria wurde die BIBUNDI vom br. Marine Department beschlagnahmt und in KOLOMO umgetauft. Nachdem die Maschine von der Armee (RWAFF) ausgebaut worden war, wurde das Fahrzeug als seeuntauglich eingestuft und aufgegeben; - (abgewrackt?)

Spanische Quellen über Hintergründe zu beiden See-Fahrzeugen:
•    https://www.elgrancapitan.org/foro/viewtopic.php?t=5425
•    https://iberinfonoticias.wixsite.com/buenos-aires/single-post/2019/08/12/operaci%C3%B3n-postmaster-acci%C3%B3n-de-la-segunda-guerra-mundial-en-territorio-espa%C3%B1ol



Nachdem MS LIKOMBA und MV BIBUNDI in der letzten Augustwoche 1939 die 38 Seemeilen zwischen Kamerun und Spanisch Guinea hinter sich gebracht hatten, liefen beide am Donnerstag, den 31. August 1939 (einige spanische Quellen erwähnen den; - "Nachmittag des 30. August 1939") im Hafen von Santa Isabel auf der Insel Fernando Póo ein. An Bord befanden sich u.a. 58 deutsche Siedler (in wehrfähigem Alter?), die aus Britisch-Kamerun geflohen waren, um einer feindlichen Internierung / Gefangennahme zu entgehen, wurden dann aber später im neutralen Spanien interniert. Die geschah einen Tag bevor der 2. Weltkrieg in Europa offiziell begann. Es ist mit hoher Wahrscheinlichkeit davon auszugehen, dass dieses Datum kein Zufall war und die dt. Siedler in Kamerun zuvor Kenntnis vom Kriegsbeginn hatten? Dies betrifft auch den dt. Abenteurer, Plantagenbesitzer und späteren Hauptmann Theo Blaich, dem es ebenfalls noch in der letzten (?) August-Woche 1939 gelang mit seiner Me 108 von Kamerun nach Deutschland zu fliegen, um sich bei der Luftwaffe freiwillig zu melden.

Peter K. hatte in dem u.g. Beitrag dankenswerterweise die Hintergründe der Warnmeldungen QWA-7 aus Norddeich am frühen Morgen des 25.08.1939 erläutert und erklärt, dass die "Sonderanweisung für Handelsschiffe" mittels versiegelten Umschlags zuvor nur Frachtschiffe mit über 1.600 BRT erhalten hatten.

Die am 10.05.1940 beschlagnahmten deutschen Schiffe in Niederländisch-Indien
https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?topic=4386.msg59341#msg59341
(Ich schreibe Links immer voll aus, da ich mit verdeckten Links schon böse Überraschungen erlebte, weil manche `gecovert´ wurden.)

Demzufolge hatten LIKOMBA und BIBUNDI aufgrund ihrer Größe keinen versiegelten Umschlag im Safe und konnten, wenn sie überhaupt über eine entsprechende Empfangsanlage verfügten, mit der o.g. Meldung auch nichts anfangen?! Die MS PIONIER der Hamburger Reederei F. Laeisz, lag ja seit dem 27. August 1939 ebenfalls im Hafen von Santa Isabel. Wahrscheinlich wird sie also diese Warnmeldung erhalten und weitergeleitet haben? Soviel mir bekannt ist befanden sich die MS KAMERUN und MS TOGO der WM-Linie vor Kriegsbeginn auch im Golf von Guinea und könnte die beiden kleineren Fahrzeuge ebenfalls informiert haben?


FRAGEN
1.    Ist bekannt welches deutsche Frachtschiff die Warnmeldungen QWA-7 erhalten, und nach Kamerun weitergegeben hat?

2.    Hatten LIKOMBA und BIBUNDI Sende/Empfangsanlage an Bord, um solche weitergegeben Meldungen zu empfangen?

3.    Gab es Fälle in denen originalen Warnmeldungen an Handelsschiffe auch an dt. Empfangsstationen an Land weitergegeben wurden?

4.    Sind jemandem weitere technische und/oder historische Daten zur MS LIKOMBA und MV BIBUNDI bekannt? (Zu Fotos später mehr.)

5.    Die DUCHESSA D´AOSTA lief am Morgen des 10. Juni 1940 ebenfalls in Santa Isabel ein. Wenige Stunden später verhängte Mussolini in Rom das Kriegsrecht. Hatten die Italiener ebenfalls zuvor eine Warnmeldung an ihre Handelsschiffsflotte herausgeben können?

6.    Ich bin an der Geschichte der dt. Siedler in Spanisch-Guinea und Kamerun interessiert. Das betrifft auch die Mannschaften der beiden dt. Seefahrzeuge. Kennt jemand Quellen und eventuelle Thematiken, wo ich an weitere Personen-Daten gelangen könnte? Die Archive: Freiburg, Koblenz und Berlin-Lichterfelde sind bekannt; - kann das jemand einschränken, eventuell sogar mit AkZ oder Titel? Bezügliche NARA bin ich noch sehr, sehr jungfräulich. Da es sich weniger um militärische Vorgänge handelte, vermute ich allerdings im "Politischen Archiv des Auswärtigen Amtes" oder im "Geheimen Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz", beides in Berlin, an solche Infos zu gelangen? Kann jemand meine bisherigen Vermutungen bestätigen oder ausschließen; - gegebenenfalls konkretisieren?


Ich gebe zu, die Fragen sind etwas umfangreicher, ich würde mich aber über ergänzende Antworten und/oder Hinweise sehr freuen.

Vorab schon mal vielen Dank für eventuelle Rückmeldungen.

Gruß Holger
"Day by day and almost minute by minute the past was brought up to date. . . . All History was a
palimpsest, scraped clean and reinscribed exactly as often as was necessary" – G. ORWELL 1984

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