Malta - was wäre wenn, gewesen?

Begonnen von Trimmer, 08 Dezember 2011, 15:20:00

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mhorgran

Hallo Dirk
Ob der Krieg ansich so überraschend kam wage ich zu bezweifeln. Sicherlich überraschend war der deutsche Erfolg im Frankreichfeldzug und das warf alle Pläne Mussolinis über den Haufen.

ZitatUnd letztlich - wenn Italien die Entschlossenheit und Energie aufgebracht hätte einen mobilen Verband zusammenzustellen um Ägypten zu erobern hätte sie ebenso die Energie / Entschlossenheit aufgebracht Malta zu erobern. ... zb. im Sinne eine Handstreichs unmittelbar mit / bei dem it.Kriegseintritt (im Stil Op.Weserübung).
Oder als langfristig geplante planmäßige Luft- Seelandung. Dann wären auch die entsprechenden Verbände zV gestanden.
Hat das nichts mit grundlegenden Fakten zu tun?
Die it. Führung war sehr zaghaft und unentschlossen, die it. Wehrmacht und Industrie auf einen Krieg in keinster Weise vorbereitet und konnte das letztlich auch nicht werden.
Sie brachte die Entschlossenheit und Energie nicht auf welche zb. die deutsche Wehrmacht in Frankreich oder Norwegen zeigte, oder die japanische bei ihren Offensiven 1941/42. Auch aus diesem Grund gab es keine it.Landung auf Malta und die Offensive gen Ägypten wurden verschoben und verschoben  und verschoben  und verschoben und schließlich ... .
Wenn die it.Führung obige Eigenschaften entwickelt hätte wären, trotz der ungenügenden Rüstung, es durchaus möglich gewesen genügend gute Truppen zusammenzustellen die auch mit See- Luftunterstützung die paar britische Btl geschlagen hätten. Da hätte es auch keine 3 Fallschirmdivisionen gebraucht.

Wo mach ich es mir einfach?

AndreasB

M.E. wenn Mussolini die Insel im Juni/Juli 40 haette einnehmen wollen, dann haette er das koennen. Das haette aber die Verstaerkung Nordafrikas verzoegert, und damit den Angriff auf Aegypten.

Ohne Aegypten haben die Englaender nach der Kapitulation Frankreichs keine Basis im oestlichen Mittelmeer mehr die sie haetten aufbauen koennen um die Vorherrschaft der Achse herauszufordern. Die den Briten wohlgesonnenen Laender (Jugoslawien, Griechenland, Tuerkei) haetten sich mehr zur Achse orientieren muessen das ihnen keine grosse Alternative blieb (Beispiel Rumaenien).

Alle Commonwealth Operationen im Mittelmeer und im Nahen Osten, ausgenommen die Besetzung des Irans, die Verteidigung des Iraks, und die Operation Torch basierten auf Aegypten.

Die Frage der Verteidigung Maltas nach dem Verlust Aegyptens ist fuer mich nicht nur eine des Koennens, sondern des Wollens. Wem haette der Einsatz der Resourcen fuer diesen weit vorgelagerten Aussenposten gedient? Historisch war die Rolle Maltas klar - Angriff auf die Versorgung der Achsentruppen in Nordafrika. Wenn diese Rolle flachfaellt, wozu dann die Insel verteidigen? Wie sich um die Jahreswende 40/41 und dann wieder im Jan - April 42 zeigte, war die Insel einem starken Angriff nicht gewachsen, und viel als Dorn aus.

Also, m.E. wuerde nach einem Verlust Aegyptens im September/Oktober der Sinn Maltas als Basis wegfallen, und die Briten wuerden keine grossen Resourcen mehr auf die Verteidigung verwenden. Solange aber Aegypten nicht besetzt ist, zahlt sich jeder Einsatz fuer die Verteididung aus.

Alles Gute

Andreas

Bergedorf

Moin,

den letzten beiden Posts kann ich weitgehend zustimmen. Auch, das Italien, wenn es gleich bei Kriegsbeginn einen Plan in der Tasche gehabt hätte Malta zu nehmen es vielleicht geschafft hätte (hatten sie da ja aber nicht für Notwendig erachtet). Im Herbst 1940 bin ich mir da aber nicht mehr sicher. Wobei ich nicht definitiv sagen möchte es wäre nicht möglich - ich habe nur Zweifel und mich nicht genug mit dem Thema beschäftigt.

Das die Italiener von Kriegsbeginn Polen bis zum Eintritt in den Krieg eine Menge Zeit zur Vorbereitung gehabt hätten gebe ich allerdings zu. Ob die Mittel mit dieser Vorbereitung gereicht hätte... keine Ahnung.

Mann muss berücksichtigen, das es es nur sehr wenige geeignete Landestrände auf Malta gibt und das die Briten diese kannten und deshalb dort auch ihre Küstenartillerie hatten. Nächste Frage mit welchen Fahrzeugen landet man an? Und dann ist die Frage, ob die ja nicht gerade sehr einsatzfreudige italiensiche Marine, den Nachschub gegen die Royal Navy hatte aufrechterhalten können.

Insgesamt bin ich mir zumindest was Herbst 1940 anbetrifft nicht so sicher wie Ihr, dass eine solche Aktion hätte gelingen können. Ein Handstreich mit Kriegsbeginn wäre wohl die günstigste Variante. Aber Musolini wollte, ja nur ein wenig italienisches Blut gegen Frankreich vergießen um dann bei den Friedensverhandlungen ein Stückchen vom Kuchen abzubekommen. Interessant wäre es zu wissen, ob er wenn er gewusst hätte, dass England keinen Frieden akzeptiert auch in den Krieg eingetreten wäre.

Hat jemand die Ciano Tagebücher? Steht dort etwas drinnen, was dazu ein wenig erhellend sein könnte?

Gruß

Dirk

Klar eine andere italienische Marine, so einsatzfreudig und gut ausgebildet wie die Kriegsmarine hätte das wohl hinbekommen.

mhorgran

Hallo Andreas
ZitatHistorisch war die Rolle Maltas klar - Angriff auf die Versorgung der Achsentruppen in Nordafrika. Wenn diese Rolle flachfaellt, wozu dann die Insel verteidigen?
Wen Italien Ägypten erobert gibt es keine Versorgungsfahrten mehr? Das erscheint mir seltsam. Keine Versorgung der italienischen Truppen in Ägypten? in Abessinien? Also Vollversorgung der Besatzungstruppen aus dem Land, inklusiv Munition, Ersatzteile, Neumaterial etc.?

Auch die Versorgungslinien Italien-Ägypten lagen teils innerhalb der Eindringtiefe auf Malta stationierter RAF-Bomber.
Auch bei einer anschließenden erfolgreichen Besetzung des Balkans durch die Achse ändert sich an dieser Tatsache nichts. In der Realität zeigte sich das die Hoffnung der deutschen Führung das die Versorgung nach Nordafrika dann über den Balkan laufen könne auf Sand gebaut war denn die Bahnlinien im Balkanraum hatten nicht die nötige Kapazität um die Nachschubgüter auf diesem Wege transportieren zu können.

ZitatWem hätte die Verteidigung Malta gedient?
Ich habe ja nun schon eine ganze Reihe von Punkten genannt warum die britische Führung es wichtig gewesen wäre trotz des Falls Ägyptens Malta weiterhin zu halten. Interessanterweise gehts du mit keinem Wort darauf ein.

Hallo Dirk
Die it.Marine war durchaus einsatzfreudig. Sadkovich hat in "The Italian Navy in World War II" diesen Mythus ziemlich zerpflückt. Sicherlich konnte sie keine bzw. wenig große Erfolge vorweisen das hatte aber andere Ursachen als "mangelnde Einsatzfreude".



AndreasB

Zitat von: mhorgran am 12 Dezember 2011, 10:38:17
Hallo Andreas
ZitatHistorisch war die Rolle Maltas klar - Angriff auf die Versorgung der Achsentruppen in Nordafrika. Wenn diese Rolle flachfaellt, wozu dann die Insel verteidigen?
Wen Italien Ägypten erobert gibt es keine Versorgungsfahrten mehr? Das erscheint mir seltsam. Keine Versorgung der italienischen Truppen in Ägypten? in Abessinien? Also Vollversorgung der Besatzungstruppen aus dem Land, inklusiv Munition, Ersatzteile, Neumaterial etc.?


Habe ich nicht gesagt. Aber ein Blick auf die Karte zeigt, Malta liegt nicht gerade auf der Route Italien - Alexandria.

Wie ich ausserdem sagte, Malta hat historisch wenig Chancen gehabt einer starken Luftoffensive so zu trotzen das es ein offensiver Vorposten blieb. Deswegen spielt es m.E. keine Rolle was man alles von Malta aus haette machen koennen, theoretisch, wenn Aegypten gefallen waere.

Ich stimme Deiner Ansicht, was die Bindung starker Kraefte angeht, nicht zu. Du uebersiehst dabei m.E. das der Verlust Aegyptens, und das Ende des griechischen Widerstandes starke italienische Kraefte freigibt.

Alles Gute

Andreas

AndreasB

Zitat von: Leutnant Werner am 11 Dezember 2011, 14:10:59
Insgesamt ist diese Diskussion dem Ansehen dieses Forums nicht wirklich förderlich.

[...]

Ab und zu nervt´s einfach nur noch, der ganze Stuss...

Ich bin der Ansicht das eine Diskussion zu einem interessanten Thema, mit Respekt gefuehrt von Leuten die relevante Fachkenntnisse besitzen, dem Ansehen des Forums auf gar keinen Fall abtraeglich ist.

Alles Gute

Andreas

mhorgran

#51
ZitatHabe ich nicht gesagt. Aber ein Blick auf die Karte zeigt, Malta liegt nicht gerade auf der Route Italien - Alexandria.
Der Hauptverladehafen für die Afrikaversorgung war Neapel.

ZitatIch stimme Deiner Ansicht, was die Bindung starker Kraefte angeht, nicht zu. Du uebersiehst dabei m.E. das der Verlust Aegyptens, und das Ende des griechischen Widerstandes starke italienische Kraefte freigibt
wow. Da wird mit einer it. Offensive mit der Eroberung Ägypten nicht nur "der Sack Mittelmeer" dichtgemacht sondern auch noch das Ende des griechischen Widerstandes konstatiert.
Malta hat in der Realität erhebliche Kräfte gebunden da seine Offensivkraft nach kurzer Zeit wiederaufleben konnte. Gerade die von dir ins Spiel gebrachten Zeiträume haben das nur zu deutlich gezeigt.

AndreasB

Der groesste Teil der Angriffe war aber doch eher nicht im Raum Neapel, sondern eher auf der offenen See, in relativer Naehe zu Malta. Wenn die Geleite entlang der Kueste nach Sueden und dann nach Osten und dann durch die Aegaeis geleitet werden ist die Moeglichkeit zum Angriff sehr eingeschraenkt.

Zum Thema Griechenland, m.E. wuerde ohne die Moeglichkeit der brit. Unterstuetzung (die ja von Aegypten aus erfolgte) der griechische Widerstand nach dem Winter schnell zusammenbrechen.

Das Malta wieder auflebte ist schon richtig, aber jedesmal war es der Fall das die deutschen Kraefte abgezogen wurden um die Commonwealthposition in Aegypten anzugreifen (im Fruehjahr 41 zum Angriff auf den Suezkanal, und im Mai 42 zur Unterstuetzung des Angriffs auf Aegypten).

Alles Gute

Andreas

t-geronimo

Im Frühsommer '41 war doch sicherlich auch "Barbarossa" ein Grund für den Abzug vieler deutscher Flugzeuge.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

mhorgran

Von Neapel gibt es nur zwei Wege ins zentrale bzw. östl. Mittelmeer.
> Passage durch die Straße von Messina und damit voll in der Reichweite der RAF auf Malta und zwar eine ganze Weile egal welcher Kurs danach genommen wird.
> von Neapel zur Straße von Sizilien und dort an der tunesischen / libyschen Küste entlang. Dieser Weg ist meistens außerhalb der RAF-Reichweite. Allerdings der Raum zwischen Grenze der RAF-Eindringtiefe und den Küsten ist sehr begrenzt und damit durchaus von Überwasserschiffen bzw. U-Boote zu kontrollieren.


Griechenland
du gehst anscheinend davon aus das der it.Griechenlandfeldzug auf jeden Fall kommen würde. Historisch gesehen hat Griechenland gegen Italien bestanden. Wenn man beurteilen möchte, bei einem Ausfall von Lieferungen, wie schnell Griechenland "ausgehungert" worden wäre müßte man wissen was sie an materiellen Reserven hatte. Mir sind sie nicht bekannt.


Malta
Eben. Wenn stärkere it.Streitkräfte in andere Räume verlegt werden kann Malta sehr schnell "wiederaufleben".
Natürlich gibt es eine ganze Menge an möglichen und durchaus plausible Szenarien warum it.Streitkräfte verlegt werden
zb.
>militärische Klärung der Verhältnisse in Ostafrika
>Angriff auf Aden um den Eingang ins Rote Meer völlig in die Hand zu bekommen
>Angriff in den Nahen Osten um die Ölfelder im Nahen Osten zu gewinnen
>Angriff von Ostafrika auf Kenia

Warum eine gegnerische Position welche die Nachschubwege stark gefährden kann in dessen Hand belassen wenn es auch anders geht? Wenn Malta in der Hand der Briten bleibt lebt auch einen potentieller Krisenherd weiter der Kräfte frist die anders besser eingesetzt werden können.
Nehmen wir doch mal folgendes Szenario an.
Italien gewinnt Ägypten.
Malta wird nur kontrolliert.
Die Briten investieren erstmal nicht viel Ressourcen in die Insel, es ist also Ruhe im zentralen Mittelmeer. Vielleicht auch weil die Briten die Einschätzung haben das Italien als nächtes Malta angreifen wird und deshalb alle hineingestecken Mittel umsonst sind.
Italien verstärkt seine Kräfte in Abessinien um die Briten dort zu schlagen. Das gelingt. Mussolini möchte gleich weitergreifen und läßt Kenia angreifen.
Die Infrastruktur der it. Luftwaffe in Sizilien ist weitestgehend abgebaut, die Verbände verlegt.

Dann schicken die Briten einen Konvoi mit Material, Personal, Waffen und Flugzeuge nach Malta.
Resultat - Malta ist durch Jäger starke gesichert. Auf Malta stationierte Bomber, Torpedobomber, Zerstörer, Kreuzer und U-Boote bekämpfen im zentralen Mittelmeer und Teilen des östl. Mittelmeers die it. Schiffahrt.
Wie lange benötigt Italien jetzt um die Lw-Basen wiederaufzubauen von denen aus Malta bekämpft wird, schaffen sie es überhaupt ohne Hilfe?

mhorgran

bezieht sich auf Post Nr. 38 von Dirk
http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,15972.msg176951.html#msg176951

im Link von IIWO (Post Nr.8)
findet sich folgendes:
ZitatOf Malta's twenty-eight miles of coastline, nineteen,
according to the British, were suitable for the landing of troops.
(seite 2)
also 34 km landungsgefährdete Küstenlinie -  zum Schutz standen laut Dirk 8 InfBtl bereit - pro Btl also 4 km Breite. Auch wenn diese sich auf Küstenfestungen stützen können ist das nur eine Sicherungslinie. Dazu müßten auch Kräfte für den Schutz gegen Luft- und Fj-landungen im inneren der Insel und als Reserve bereit gestellt werden. Ebenso muß die restliche Küstenlinie zumindest gesichert werden zum Schutz gegen "Kommandotruppen" (Brandenburger).

Seite 6 unten steht dann letztlich auch die Einschätzung:
ZitatNevertheless, Malta was practically defenseless in June 1940 when the war
commenced in the Mediterranean and could have easily been taken by Italy, who had just
declared war on Great Britain. Very few of the authorized increases in the defense had
been delivered. The searchlights had arrived, but only 34 of the heavy guns and 8 of the
light ones. None of the fighter squadrons were on hand. Manning the coastal and
antiaircraft batteries were the men of the Royal Malta Artillery and the King's Own
Malta Regiment. A few days before Mussolini declared war, Admiral Cunningham sent
the old monitor HMS Terror to La Valetta, Malta's main harbor, to add its guns to the
defense.

ZitatIch versuche mich mal an einen ersten Tipp:
Eine iatlienische Divison hat nur 6 Btl. Eine amphibische Landung halte ich bei bei Truppen, die ungefähr die gleiche Kampfkraft haben für ausgeschlossen, solange man nicht 2:1 überlegen ist. damit bräuchten wir schon 16 Btl. Nun hat es sich aber gezeigt, dass die Italiener nicht die gleiche Kampfkraft wie die Briten haben. Für einen quantitativen Kampfkraftvergleich zwischen Briten und Italienern habe ich leider nichts gefunden. Wenn man Sie jedoch ansetzt wie Türken zu Briten im ersten Weltkrieg dann wären die Briten doppelt so effektiv (halte ich nach den Erfahrungen in Nordafrika für nicht zu hoch). Damit bräuchten die Italinere rein von der Heeresseite aleo mindestens 32 Btl Infanterie oder 5 1/3 Divisionen.
Wie schon geschrieben ist diese "Gegenüberstellung" sehr statisch. Natürlich kann Italien seine Kräfte an bestimmten Punkten massieren, das ist für die Briten weniger bzw. kaum möglich. Denn schließlich können sie nicht für Landungen geeignete Küstenabschnitte ungesichert lassen.





Huszar

Hallo,

Melde mich auch mal zum Wort.

Ich würde mal sagen, dass 1940 in diesem Scenario nicht als homogener Block angesehen werden kann, sondern in 2, besser 3 Abschnitte aufgeteilt werden müsste.

1, Zeitraum zwischen it. Kriegserklärung und Kapitulation Frankreichs: Malta könnte in diesem Zeitraum rein von der Truppenbelegung her relativ einfach genommen werden. Meinetwegen im Handstreich. Allerdings bedeutet es enormes Risiko. Die it. Marine war zu diesem Zeitpunkt der kombinierten fr-engl Marinen hofnungslos unterlegen - lediglich 2 Schlachtschiffe vs ca. 6-7.

2, Zeitraum zwischen fr. Kapitulation und ca. Mitte Oktober: halte ich für den sinnvollsten Zeitraum. Italien ist noch nicht anderswo gebunden, die Flottenrelationen sind extrem günsitg für die Italiener, und Malta hat noch nicht unbedingt viel an Verstärkungen erhalten (Landungsgefahr in England)

3, Zeitraum zwischen Einmarsch in Griechenland und Jahresende: den Zeitraum halte ich persönlich für wenig günstig. Die Luftwaffe und Marine sind mit Nord-Afrika und Griechenland voll ausgelastet, und vor allem nach Mitte November ist die Kräfterelation im Ar***.

Zu der Verteidigung von Malta:
8 Btl für eine Insel dieser Grösse eindeutig zu wenig (würde mich interessieren, wie diese 28 Meilen Küste gerechnet wurden, auf Google Earth komme ich auf mindestens 70, wobei die grossen Buchten überhaupt nicht mitgerechnet sind), vor allem, wenn auch Gozo und Comino mit verteidigt werden sollen. Ich muss hier Stefan Recht geben, neben Truppen an der Küste müssen auch einige Truppen im Inselinnerem stationiert werden, und nicht alle Küsten-Btl werden abgezogen und gegen die Landungstruppen eingesetzt werden können.

Des weiteren halte ich die Kampfwertrelation von 2:1 für etwas übertrieben. In der Wüste könnten die engl. Veteranen diese Relation gegen die zweitklassigen Inf-Verbände vielleicht noch schaffen - wobei dort auch die Nachschubsituation und der Motorisierungsgrad eine bedeutende Rolle gespielt hatten.
Auf Malta standen mW allerdings keine Veteranen, sondern eher zweit/dritt/viertrangige Garnisonstruppen. Interessant wäre hier zu wissen, in wie weit diese überhaupt mit MG, GrW, usw ausgerüstet waren (allesamt Mangelpositionen im Sommer/Herbst 1940!).
Wenn die Italiener dann nicht normale Infanterie, sondern Alpini, Bersaglieri oder die San Marco landen lassen (ziemliche Elitetruppen, die sich überall gut bewährt hatten), könnten sich die Engländer freuen, bei den Kampfstärken 1:1 zu stehen.

Wenn die Landung etwa Ende August unternommen wird (frühestmöglicher Zeitpunkt, um alle 6 Schlachtschiffe zV zu haben) halte ich bei Beteiligung von 2 Alpini-Divisionen + San Marco + einige Unterstützungseinheiten die Landung für durchaus erfolgversprechend.


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Bergedorf

#57
Moin,

mal sehen, was ich noch an Fakten gefunden habe:

aus den Cabinet Papers CAB 80-21, S. 278 (läßt sich auf der Seite des National Archives gratis runterladen):
AA in Malta am 31.09.1940: 46 HAA und 18 LAA
Im Oktober sollten dann 24 HAA und 16 LAA hinzukommen.

Die InfBtl sind nach Philson:
2nd Devonshire
1st Dorsetshire
2nd Royal West Kent
3rd King´s Own Malta
2nd Royal Irish Fusiliers
8th Manchester
1st King´s Own Malta
2nd King´s Own Malta
(jeweils mit Regiment hinten dran)

Die King´s Own Malta sind gewiss nicht erstklassig, 8th Manchester wohl auch nicht. Ich finde gerade meine Ausgabe des Bellis nicht, aber zumindest bei  2nd Devonshire, 1st Dorsetshire, 2nd Royal West Kent dürfte es sich um reguläre Truppen handeln. Dazu meine ich in den Cabinet Papers was von einer Home Guard in Malta gelesen zu haben (hatte sie nicht in Hinblick auf Malta gesichtet, aber da müßte noch einiges mehr drin stehen), Stärke so ca. 1.000 Mann.
Bewaffnung dürfte m.E. recht ordentlich gewesen sein. Zumindest wenn man davon ausgeht, dass die Btl ähnlich wie das auf Shetland ausgerüstet war (dort zu dieser Zeit u.a. ein Btl mit 900 Mann, 50 Bren, 7 Lewis MG und 2x3" Mörser)

An Küstenartillerie habe ich für den 3. September 1939 aus Maurice-Jones: The History of Coast Artillery in the British Army folgende Rohre gefunden:

7-9,2 inch
10-6 inch
6-12 pdr
9-6 pdr

was ich schon für recht beachtlich halte. Munitionsausstattung für Küstenartillerie habe ich nur für Oktober 1940 in CAB 80-22 die Mun pro Rohr in Gibralta gefunden:
je Rohr 9,2": 112 APC und 287 HE Geschosse und
je 6" Rohre: 170 CPBC und 600 H.E.

Das man das in Zeitabschnitten hätte beurteilen müssen stimme ich zu und finde auch Alex´s Einteilung auf den ersten Blick sinnvoll.

Wo die 34km für Landung geeignete Strände herkömmen sollen weiß ich allerdings nicht. Nach meiner Erinnerung kam ausßer der Bucht von Masalokk nicht viel in Frage. und diese Bucht, die natürlich einige Kilometer Strand hat, konnte recht leicht von der Küstenertillerie beherrscht werden, die bei einer Ausstattung analog Gibralta auch über eine ganze Menge Mun verfügt hätte.

Da muss man mann m.E. noch mal ein wenig genauer schauen (habe ich aber leider gerade keine Zeit zu). Ich meine das es bei irgendeinem Yahoo-Diskussionsforum mal super Aufstellungen über Operazione C 3 194´2 gegeben hat, in denen auch die Standorte der britischen Küstenertillerie angegeben war.

Müßte ich irgendwo auch gespeichert haben. Auf Wunsch suche ich das noch mal raus und stelle es hier rein.

Gruß

Dirk

Nachtrag: Hier was zu den San Marco:
ZitatWith signs of Germany's pending attack on Poland becoming clear, the Navy began quietly calling back marine reservists on 15 August 1939. When Italy declared war in June 1940, the San Marco battalion at Pola became the "Bafile" battalion and a new "Grado" battalion was raised from reservists and new recruits. Now a small regiment, San Marco prepared for an amphibious landing behind French lines near Cape Martin. Scheduled for the night of 22 June, bad weather, poor transport (requisitioned fishing boats) and the campaign's approaching end combined to cancel the operation.
Also 2 Btl. Und was da zu der geplanten Landung bei Cape Martin steht, läßt nicht gerade auf geeignete amphibische Kompetenz bei den Italienern schließen.

Eine Kampfwertrelation von mindestens 2:1 halte ich bei einer amphibischen Landung allerdings immer noch für unabdingbar und eher sogar für zu gering:
Tarawa 35.000:2.600
Peleliu 28.000:11.000
Iwo Jima: 70.000:22.000
Wake Island 1941: 2.500:ca. 1.000
Saipan:. 71.000:31.000
Tanne Ost gescheitert bei 2.600:1.600
Jubilee gescheitert bei 6.100:1.500
Alle Daten aus Wikipedia. Die großen Landungsunternemen habe ich bewust rausgenommen, da man dort wohl genauer einsteigen müßte, wann wo welche Truppen waren.

Kosmos

ZitatAn Küstenartillerie habe ich für den 3. September 1939 aus Maurice-Jones: The History of Coast Artillery in the British Army folgende Rohre gefunden:

7-9,2 inch
10-6 inch
6-12 pdr
9-6 pdr

was ich schon für recht beachtlich halte. Munitionsausstattung für Küstenartillerie habe ich nur für Oktober 1940 in CAB 80-22 die Mun pro Rohr in Gibralta gefunden:
je Rohr 9,2": 112 APC und 287 HE Geschosse und
je 6" Rohre: 170 CPBC und 600 H.E.
pro Rohr gute Ausstatung aber insgesamt sind weniger als 11 Tausend Granaten nicht viel, allerdings könnten 34 schwere Flakgeschütze wohl unterstützend auch im Erdkampf eingesetzt werden.
Stand wirklich keine Feldartillerie zur Verfügung?

In dem zitierten amerikanischen Artikel war glaube ich die Rede von 19 km Küste die für eine Landung geeignet wären, der Rest wahrscheinlich nur für kleinere Einheiten oder ganz unzugänglich.

Sieht bisher nach einer sehr schwachen Verteidigung aus, vielleicht kommt aber noch was zusammen.

Bergedorf

Zitatpro Rohr gute Ausstatung aber insgesamt sind weniger als 11 Tausend Granaten nicht viel, allerdings könnten 34 schwere Flakgeschütze wohl unterstützend auch im Erdkampf eingesetzt werden.
Stand wirklich keine Feldartillerie zur Verfügung?
Ich meine in den Cabinet Papers irgendwo was von einem Btl Feldartillerie mit dann wohl 24 Geschützen gelesen zu haben... muss das aber dann noch einmal raussuchen... dürften dann wohl 18pdr gewesen sein.

Bei 18 km finde ich die infanterische Besetzung gar nicht so gering... Selbst wenn man die KOMR im Landesinneren lassen würde hätte man dann 5 Btl für 18km, also knappe 3 2/3km pro Btl. Pro Kp also 1km, was bedeutet, dass man locker alle 100m ein MG hat... Wenn die gesamte Küstenlinie in der Bucht von Marsalokk in den 18km mit drinnen ist (wovon ich ausgehe), dann muss man erst mal durch einen Flaschenhals da rein kommen... für mich wäre das kein einfaches Unternehmen...

Bei einer perfekt vorbereiteten Landung mit direkt darauf abgestimmten Gerät und starker Feuerunterstützung, wie bei den späteren allierten Landungen hätte man das wohl knacken können, aber was hatten (oder hätten) die Italiener (gehabt haben können)?

Gruß

Dirk

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