Skagerrakschlacht

Begonnen von Seekrieg, 25 Dezember 2011, 11:02:28

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Götz von Berlichingen

Zitat von: Leutnant Werner am 03 November 2013, 23:00:53Ah, und ehe ich es vergesse: Hat jemand irgendetwas über die Feuereröffnung des zweiten Geschwaders, als die (keineswegs alten) Pre-Dreadnoughts von Mauves zweitem Geschwader die Verfolger des Aufklärungsgeschwaders verscheucht haben?

John Costello/Terry Hughes schreiben in ihrem Buch »Skagerrak 1916. Deutschlands größte Seeschlacht« [Taschenbuchausgabe - Heyne, München1981, S. 313 ff.]:

»Am Ende der deutschen Linie konnte Admiral Napier mit seinem 3. Leichten Kreuzergeschwader in Fühlung mit der 4. Aufklärungsgruppe kommen. YARMOUTH stand bald im Gefecht:
"Es wurde uns befohlen, nach Westen vorzustoßen, um die Spitze der gegnerischen Linie aufzuklären. Wir waren gerade dabei, aufzufächern, als um 20:20 Uhr fünf feindliche Kleine Kreuzer in Peilung NNW gemeldet wurden. Drei Schlachtkreuzer folgten ihnen. Wir gingen wieder in Kiellinie über und nahmen auf etwa 6,4 Kilometer Entfernung das Gefecht mit den feindlichen Kleinen Kreuzern auf. Alle ihre Salven lagen zu kurz, aber auch unsere könnten ebenso schlecht gelegen haben, weil es unter den herrschenden Sichtbedingungen fast unmöglich war, die Aufschläge zu beobachten. Der Feind drehte ab und verschwand."

Beatty drehte auf den Gefechtslärm zu und sichtete um 20:23 Uhr erneut seinen alten Gegner. Er eröffnete das Feuer auf die am Flügel des deutschen Gros stehenden Schlachtkreuzer. Ein Volltreffer ließ den letzten intakten Turm der SEYDLITZ ausfallen, und für von Hase auf DERFFLINGER schienen sich die Schrecknisse des vorangegangenen Gefechtes zu wiederholen:

"Ein schwerer Treffer streifte Turm 'Anna' und verbog eine Dichtungsschiene des Schwenkkranzes, so daß der Turm klemmte. Unsere letzte Waffe drohte unserer Hand zu entfallen! Da lief kurzentschlossen der Stückmeister Weber aus dem Turm und entfernte mit Hilfe einiger Unteroffiziere und Geschützmannschaften mit Äxten und Beilen die verbogene Dichtungsschiene und machte dadurch den Turm wieder gefechtsklar. So konnte doch wenigstens ab und zu ein Schuß gefeuert werden. Es war wieder mal eine äußerst ungemütliche Situation. Da kam Hilfe von einer Seite, die wir am wenigsten erwartet hatten.

Konteradmiral Mauve hatte sein 2. Geschwader, aus Vor-Dreadnoughts bestehend, aus der Schlachtlinie gezogen und stand nun mit seinem Verband zwischen den beschädigten Schlachtkreuzern und dem sie hart bedrängenden Feind.
Mauves sechs alte Linienschiffe hielten dem Feuer wesentlich länger stand als die "fünf Minuten", die man ihnen in solch einem Fall gegeben hatte. Doch um 20:35 Uhr war er nach zahlreichen Treffern gezwungen, abzudrehen, aber der Vorstoß bis auf 7,3 Kilometer an die britischen Schlachtkreuzer heran rettete die eigenen Schlachtkreuzer, die sich hinter einem Rauchschleier auf die andere Seite des Gros zurückzogen.
Um 20:40 Uhr stellte Beatty das Feuer ein, als die Ziele in der Dämmerung und im Dunst verschwanden. Niemand ahnte, daß dieses unentschiedene Gefecht das letzte Treffen von Großkampfschiffen in diesem Kriege war.«


Dazu die Bildunterschrift:
»Gedeckt wurde Hipper von den alten Linienschiffen des 2. Schlachtgeschwaders mit HANNOVER an der Spitze.«

Zitat von: Urs Heßling am 03 November 2013, 22:44:59@Axel:
in Dublin konnte Vergleichbares geschehen (nur waren es da die Iren, die sahen "England" wirklich als Feind.

Einem Freund von mir (ehem. Punker, Linker, Wehrdienstverweigerer (bzw. Berlin-Flüchtiger, um dem Wehrdienst zu entgehen) und begeisterter Hobby-Angler), der mit ein, zwei Angler-Freunden zum Angeln auf die grüne Insel gefahren war, widerfuhr Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre folgendes:
Abends besuchten die Angler einen irischen Pub. Dort frug man sie, woher sie kämen. Als sie "Germany" antworteten, großes Hallo bei den irischen Pubbesuchern und eine Runde Bier wurde ihnen ausgegeben. Verwundert erkundigten sie sich, wofür das denn wäre und erhielten zur nicht geringen Verblüffung des stramm antifaschistischen Punkers die politisch höchst unkorrekte Erklärung: »Hitler has bombed London!«  :-D

Leutnant Werner

Da danke ich mal recht schön!

Urs Heßling

#62
Zitat von: Götz von Berlichingen am 04 November 2013, 01:44:25
Mauves sechs alte Linienschiffe hielten dem Feuer wesentlich länger stand als die "fünf Minuten", die man ihnen in solch einem Fall gegeben hatte. Doch um 20:35 Uhr war er nach zahlreichen Treffern gezwungen, abzudrehen, aber der Vorstoß bis auf 7,3 Kilometer an die britischen Schlachtkreuzer heran rettete die eigenen Schlachtkreuzer, die sich hinter einem Rauchschleier auf die andere Seite des Gros zurückzogen.
nach dieser Quelle (ja, ich weiß, wicki, aber dennoch anscheinend OK) http://en.wikipedia.org/wiki/Damage_to_major_ships_at_the_Battle_of_Jutland
nur zwei

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Leutnant Werner

Hasderecht, Urs: Man darf nicht alles glauben!

"Um 20:40 Uhr stellte Beatty das Feuer ein, als die Ziele in der Dämmerung und im Dunst verschwanden. Niemand ahnte, daß dieses unentschiedene Gefecht das letzte Treffen von Großkampfschiffen in diesem Kriege war."
Falscher Film oder was? How about 2nd Helgoland, how about Imbros, how about the sinking/damaging of SLAVA and TSESSAREVITCH?

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Götz von Berlichingen am 04 November 2013, 01:44:25
Mauves sechs alte Linienschiffe hielten dem Feuer wesentlich länger stand als die "fünf Minuten", die man ihnen in solch einem Fall gegeben hatte.
Das lag vielleicht auch daran, daß Beattys Schiffe im Vergleich mit denen des 3. Schlachtkreuzergeschwaders und der Grand Fleet so erbärmlich schlecht schoß (siehe meinen vorherigen Link)

Zitat von: Leutnant Werner am 04 November 2013, 14:27:11
"Niemand ahnte, daß dieses unentschiedene Gefecht das letzte Treffen von Großkampfschiffen in diesem Kriege war."
[/i]Falscher Film oder was? How about 2nd Helgoland, how about Imbros, how about the sinking/damaging of SLAVA and TSESSAREVITCH?
Tja, wenn man es ganz genau nimmt (als Urs bin ich sozusagen verpflichtet dazu  :wink:)
waren bei den von Dir angeführten Gefechten keine Großkampfschiffe gegeneinander im Einsatz ..
Bei 2nd Helgoland schossen die "Großen" nur auf die Kreuzer der Gegenseite,
bei Imbros waren es auf britischer Seite nur Monitore,
bei ALBION waren es auf russischer Seite nur "pre-Dreadnoughts"

Das ist aber wirklich Haarespalten  :roll: :|, ich gebe es zu  :-D

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Götz von Berlichingen

Zitat von: Urs Heßling am 04 November 2013, 11:24:45[...] nach dieser Quelle (ja, ich weiß, wicki, aber dennoch anscheinend OK) http://en.wikipedia.org/wiki/Damage_to_major_ships_at_the_Battle_of_Jutland
nur zwei

Gruß, Urs

Hier zum Vergleich noch die Schilderung aus Arno Dohm, »Skagerrak. Die größte Seeschlacht der Geschichte«, Bertelsmann, Gütersloh 1936, S. 244 ff.:

»Weiter südlich greift die IV. Aufklärungsgruppe, die Kreuzer STETTIN, MÜNCHEN, FRAUENLOB, STUTTGART und HAMBURG, das III. Kreuzergeschwader der Engländer an. Auf MÜNCHEN fordert ein Treffer mehrere Opfer. Die Gegner, die, mit den Schlachtkreuzern Beattys im Rücken, weit bessere Aussichten haben für ein Gefecht, folgen den deutschen Schiffen nicht in den unsicheren Westen, und die Geschwader verlieren sich schnell aus Sicht.

Der Donner ihrer Geschütze hat aber genügt, um Admiral Beatty sofort mit den Schlachtkreuzern näherzulocken. Er sichtet Schlachtkreuzer und Linienschiffe. Die deutschen Schlachtkreuzer machen nur kleine Fahrt; sie sind gerade im Begriff zu stoppen, um Admiral Hipper auf MOLTKE zu übernehmen. Aus allen gefechtsbereiten Geschützen erwidern sie sofort das heftige Feuer, das Beattys Sechs, in Südost nur schattenhaft sichtbar, auf sie so plötzlich eröffnen. Sie können die Salven nur nach den Mündungsfeuern des Gegners richten. Zwar treffen sie LION und PRINCESS ROYAL, doch ist das Feuer des Feindes bei seiner besseren Sicht überlegen, und die vier schwer zerschlagenen Kämpen müssen noch harte Treffer einstecken. DERFFLINGERS einziger noch gefechtsklarer Turm wird durch ein Geschoß verklemmt. SEYDLITZ erhält zwei volle Treffer und muß mit starker Schlagseite nach Westen ausscheren. Ein Treffer hat auf der Kommandobrücke Offiziere und Mannschaften getötet. Auch in den gepanzerten Stand sind Splitter gedrungen. Mehrere Offiziere verwundet.

Entlastung kommt von unerwarteter Seite. Die Linienschiffe sind gerade dabei, sich für den Nachtmarsch taktisch günstig zu ordnen: das schwächere II. Geschwader verhält die Fahrt, um sich hinter das I. und III. zu setzen. Als Konteradmiral Mauve, der Führer dieses Geschwaders, in Südosten den Kanonendonner hört, nimmt er tapfer Kurs in dieser Richtung, um dem unsichtbaren Gegner näher zu kommen. Bis auf etwa fünf Meilen heran, gerät er mit Beatty in ein kurzes, heftiges Gefecht, indes die deutschen Schlachtkreuzer sich frei machen können. DEUTSCHLAND, POMMERN, SCHLESIEN, SCHLESWIG-HOLSTEIN, HESSEN und HANNOVER schlagen sich wacker, erzielen freilich kaum Wirkung bei dem durch Dunst gut gedeckten Gegner. Aber der Zweck, den Admiral Mauve in schnellem Erfassen der Lage verfolgte, ist durch das kurze Gefecht erreicht.
Im Dämmerlicht, nach halb zehn Uhr, wirken diese alten Schiffe des II. Geschwaders ganz gewaltig groß: der Engländer dreht ab. Die alten "Fünfminutenschiffe" sind Ziele der sechs modernsten britischen Schlachtkreuzer geworden! Admiral Beatty hatte sie wohl nicht erkannt? Vielleicht wäre er ihnen sonst doch gefolgt - ?
Auf SCHLESWIG-HOLSTEIN, POMMERN und SCHLESIEN sind geringe Verluste eingetreten, die anderen drei Schiffe haben keine Treffer erhalten.«


Laut diesen (deutschen) Angaben hat also SCHLESIEN auch einen Treffer erhalten. Auch dreht hier (bei Dohm) Beatty ab, während bei Costello/Hughes Mauve nach »zahlreichen« (dank Urs wissen wir, daß es zwei - oder lt. Arno Dohm drei waren) abdrehen muß.

Klarheit können hier wohl nur die KTBs beider Seiten bringen.

Wäre möglicherweise ein interessantes Thema für's MNB??

Langensiepen

Wäre möglicherweise ein interessantes Thema für's MNB??  .kann ich ( privat ) nur zu sagen. Ja bitte  gern. Wer darüber schreiben möchte kann es tun. Hilfestellung wird gegeben.

Urs Heßling

#67
moin,

Na ja, 1936 ...
Zitat von: Götz von Berlichingen am 04 November 2013, 18:31:40
... der Engländer dreht ab. Die alten "Fünfminutenschiffe" sind Ziele der sechs modernsten britischen Schlachtkreuzer geworden! Admiral Beatty hatte sie wohl nicht erkannt? Vielleicht wäre er ihnen sonst doch gefolgt - ?
Auf SCHLESWIG-HOLSTEIN, POMMERN und SCHLESIEN sind geringe Verluste eingetreten, die anderen drei Schiffe haben keine Treffer erhalten.«[/i]
.. der 6 modernsten britischen Schlachtkreuzer  :roll:  ... Mal kurz gelacht  :MLL:

Beatty hatte von 6 Schiffen 2 verloren, Hood(+) von 3 Schiffen 1, Reste 4 + 2 = 6
Mehr waren nicht mehr da !! :MZ:

. und nur die 3 "Katzen" LION, TIGER, und PRINCESS ROYAL konnten als "modern" gelten.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

bodrog

laut Kopinski/Schmolinski und Hildebrandt et al. hat Schlesien keinen Treffer erhalten - aber einen Mann Personalverlust

juergenwaldmann

Bilder von SMS Seydlitz nach der Schlacht !

http://tsushima.su/forums/viewtopic.php?id=5129&p=11

Gruss  Jürgen

Hades

Zitat von: bodrog am 04 November 2013, 23:33:26
laut Kopinski/Schmolinski und Hildebrandt et al.

wer sind eigentlich Kopinski/Schmolinski?
Servus
Lothar

Urs Heßling

"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Hades

Servus
Lothar

Teddy Suhren

http://shot.qip.ru/00erzj-4R6eS2Yvn/

Ich behaupte mal das dieses Foto mit Skagerrak nix zum tua hat.
Eher Doggerbank. Doggerbank im Januar. Skagerrak im Juni. Das würde den Schnee im Hintergrund erklären.
Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191 im FMA Clan

Karsten

Zitat von: Teddy Suhren am 15 April 2015, 17:39:02
http://shot.qip.ru/00erzj-4R6eS2Yvn/

Ich behaupte mal das dieses Foto mit Skagerrak nix zum tua hat.
Eher Doggerbank. Doggerbank im Januar. Skagerrak im Juni. Das würde den Schnee im Hintergrund erklären.
Ist das Schnee? Oder (heller) Sand o.ä.?
Viele Grüße,

Karsten

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