Wie war die Situation Warschauer Pakt – Nato im Hinblick auf die Ostseeausgänge?

Begonnen von Albatros, 30 März 2013, 20:11:22

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2M3

Zitat von: Spee am 03 Mai 2013, 21:40:11
Servus,

die Israelis bezeichneten wiederrum die "Styx" als MiG 15 ohne Piloten, und genau so schlau. Nach den "Eilath"-Eklat haben die Israelis in allen Gefechten gegen "Styx"-Boote mit ihren "Gabriel's" trotz geringerer Reichweite immer die Nase vorn gehabt. Was war der Grund dafür? Ältere "Styx"? Schlechtere Ausbildung? Schlechtere Kampfmoral?

Es lag wohl weniger an den P-15 als an den Auffassungsreichweiten der Radaranlagen.

Die mittlere Ortungsreichweite der Funkmessanlage ,,Rangout" auf den Osa-Booten der VM betrug im Gefechtsregime: leichter Kreuzer 200 kbl; Zerstörer/Fregatte 160 kbl; RS-Boot 110 kbl, TS-Boot 80 kbl

Da mußte schon ein Kreuzer daher kommen um einen Flugkörpereinsatz auf maximale Reichweite zu ermöglichen. Nimmt man dann noch den großen Radarquerschnitt der Osas im Vergleich mit den Booten der israelischen Sa'ar-Klasse darf man annehmen, das die Israelis ihre Gegner als erste lokalisierten und somit bekämpfen konnten. Und dann gibt/gab es ja noch die Story von den israelischen Hubschraubern, die bei Latakia im Tiefstflug einen Angriff der Schnellboote vortäuschten und so einen vorzeitigen Abschuss der syrischen P-15 provozierten  :wink: :?

Bei der VM wurde daher der Einsatz von Fühlungshaltern beim Einsatz angestrebt.

Schiffsfühlungshalter – speziell befohlene Boote, Boote oder Schiffe der taktischen Aufklärung oder Boote einer taktischen Gruppe

Fliegende Führungshalter – vom Fliegerverband oder –truppenteil speziell eingesetzte Flugzeuge oder Hubschrauber oder Flugzeuge und Hubschrauber der taktischen Aufklärung

Landgestützte Fühlungshalter – stationäre oder bewegliche Funkmessstationen (TBK und Funkmesszüge) oder speziell eingesetzte Beobachtungsgruppen mit Beobachtungs- und Nachrichtenmitteln

Als mittlere Trefferzahl die zur Vernichtung erforderlich war wurde beim Einsatz der Osas angenommen:
Leichter Kreuzer Typ ,,Tiger" und ,,Cleveland" – 3 Treffer
Raketenkreuzer Typ ,,Long Beach" – 2 Treffer
Zerstörer Typ ,,Hamburg" und ,,Lütjens" – 1 Treffer
Fregatte Typ ,,Köln" – 1 Treffer
Transporter unter 10 000t, Mineleger Typ ,,Sachsenwald" – 1 Treffer

Salven auf einzelne Kriegsschiffe waren wie folgt vorgesehen:

Auf leichte Kreuzer und Raketenzerstörer – mit eine 4- bis 6-Raketensalve

Auf Zerstörer und Fregatten – mit einer 2- bis 4-Raketen-Salve

Auf Transporter, Räumfahrzeuge und andere weniger geschützte Ziele – mit Einzelstarts

Auf Schnellboote – mit einer 2-Raketen-Salve

von hier

Ergänzend bemerkt noch das Vorhandensein einer P-15 Variante mit IR-Suchkopf. Laut Gefechtsvorschrift der VM musste m. W. mindestens eine der vier P-15 der Osas einen IR-Suchkopf haben.

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

der erste

Die Variante P-15 mit IR Suchkopf wurde in der VM nicht gefahren. Auf 1241 waren im Gefechtsfall 3 P-21 und eine P-22 an Bord.
Flugzeuge waren als Fühlungshalter völlig ungeeignet für die Boote und für das Gebiet. Hubschrauber wurden öfter eingesetzt, aber erst ab 1986. Da habe ich das erste mal in Baltijsk  nach Angaben der fliegenden Fühlungshalter geschossen. Generell war das FH Schießen ungenau und auch nicht beliebt. Das änderte sich mit Einführung der 1241er.

2M3

Zitat von: der erste am 04 Mai 2013, 21:00:43... Das änderte sich mit Einführung der 1241er.

Wie sah es denn bei den 1241ern (Tarantul) mit den Auffassungsreichweiten gegen Schnellboote aus, die Antennen waren ja etwas höher gelagert und die Technik wesentlich moderner?

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

olpe

Zitat von: Albatros am 04 Mai 2013, 19:46:40
Zitat von: Urs Heßling am 04 Mai 2013, 10:04:33
... Antwort: mau. Es waren nur Warnempfänger vorhanden, keine EloGM (Störsender, Düppel).
Und gleichzeitig die Frage an die andere Seite, wie war denn der Ausrüstungsstand der Schnellboote der WP – Staaten mit solchen Mitteln?
Hallo,
über den Ist-Stand, insbesondere beim Projekt 1241RÄ MOLNIYA (NATO: PG der TARANTUL-I-Klasse) kann sicher @der erste (Hogo) berichten ... die Zukunft sollte mit dem Projekt 151 (NATO: PG der SASSNITZ-Klasse oder BALCOM-10) mit teils eigenen Entwicklungen etwas anders aussehen ... in Form des funkelektronischen Raketenabwehrkomplexes FERAS. Dieser bestand aus folgenden Komponenten:

  • Führungspult für den funkelektronischen Kampf (FEK) FPF-2
  • Funkmessaufklärungs- und Störanlage (als Nachrüstung, ursprünglich vorgesehen war die UdSSR-Anlage MR-405-III-Ä)
  • Düppelschneide- und Gebläseanlageanlage mit Ausblasrohr SDG-1
  • Schiffsgeschosswerfer für Täuschraketen SGW-3
Mit dieser Ausstattung wären die BALCOM-10-FK-Schnellboote auf einem relativ gutem und modernen Stand gewesen, zumal es mit dem FEK-Führungspult eine hohe Integrationsstufe gab.
1990 waren funktionsbereit an Bord: SDG-1 und SGW-3. Das FPF-2 noch in der Anfangsphase der Entwicklung, die Anlage MR-405-III-Ä sollte einer Eigenentwicklung weichen, weder das eine noch das andere System waren verfügbar ... Ein einsatzfähiges FERAS wäre nach meinem Dafürhalten nicht vor 1993/94 verfügbar gewesen ...
Grüsse
OLPE

der erste

Zitat von: 2M3 am 04 Mai 2013, 21:12:11
Zitat von: der erste am 04 Mai 2013, 21:00:43... Das änderte sich mit Einführung der 1241er.

Wie sah es denn bei den 1241ern (Tarantul) mit den Auffassungsreichweiten gegen Schnellboote aus, die Antennen waren ja etwas höher gelagert und die Technik wesentlich moderner?

Gruss Frank

Die an Bord befindlichen FuM Anlagen gestatteten den Einsatz der Hauptbewaffnung auf volle Distanz. Die technischen Möglichkeiten der Anlage "Harpun" waren um längen besser als die der "Rangout".
Der Einsatz von Fühlungshaltern hatte ja das Ziel, das schießende Boot bis zum Schuss zu maskieren. Die Idee war da besser als das Resultat. Zumindest bei den 205er. Durch die an Bord vorhandene technische Ausrüstung auf 1241 war das FH Schießen treffsicherer geworden. Das haben wir in Baltijsk auch nachgewiesen.

Urs Heßling

moin, Manfred,

Zitat von: Albatros am 04 Mai 2013, 19:46:40
.. und später, so bis zum Ende des Kalten Krieges ( 1991 )
besser.
Die Einführung der FL 1800 auf S 143A mit Analyse- und GM-Teil bedeutete einen Quantensprung.
Gleichzeitig war mit HOT DOG/SILVER DOG ein kombinierter Radar/IR-Täuschkörper vorhanden.

Schön für mich ist in diesem Thread, auch mehr über die "Gegenseite" erfahren zu können.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Spee

Servus,

bitte weiter mit solchen Informationen  top !

Könntet ihr mir bitte diese Sachen etwas genauer erklären:

Führungspult für den funkelektronischen Kampf (FEK) FPF-2
Funkmessaufklärungs- und Störanlage (als Nachrüstung, ursprünglich vorgesehen war die UdSSR-Anlage MR-405-III-Ä)
Düppelschneide- und Gebläseanlageanlage mit Ausblasrohr SDG-1

Führungspult? Kann ich mir nichts genaues darunter vorstellen.
Düppelschneide- und Gebläseanlage? Werden die Düppel auf eingemessene Signale angepasst?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

The Voice

Zitat von: Spee am 05 Mai 2013, 09:39:36
Düppelschneide- und Gebläseanlage? Werden die Düppel auf eingemessene Signale angepasst?
Ich hatte 1990 die Gelegenheit, mir das Gerät anzusehen.
Ja, die Staniolstreifen wurden auf eine optimale Länge zurecht geschnitten (Lamda - Halbe).
Dies geschah über ein Schneidewerk mit Messern, die übrigens die Inschrift "VEB Fleischerei Zubehör" hatten! :sonstige_154:

Gruß: Uwe
In God we trust - all others we track

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Spee am 05 Mai 2013, 09:39:36
bitte weiter mit solchen Informationen  top !
Dem schließe ich mich von ganzem Herzen an.

Offensichtlich gibt es im Kreise unserer "Russen" auch ehemalige Kommandanten von Schlagkräften der Volksmarine. Es wäre sehr interessant - und sicher nicht nur für mich - über ihre Erfahrungen mit Booten von Proj. 205, 206 und 1241 mehr zu erfahren, vielleicht vergleichbar mit dem "Zobel-Klasse"-Thread.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Spee

@Urs,

gab es nach Latakia spezielle Informationen für die S-Boote der Bundesmarine? Erfahrungsberichte? Taktische Anweisungen? Nachrüstungen?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

der erste

Zitat von: Urs Heßling am 05 Mai 2013, 09:53:21
moin,

Zitat von: Spee am 05 Mai 2013, 09:39:36
bitte weiter mit solchen Informationen  top !
Dem schließe ich mich von ganzem Herzen an.

Offensichtlich gibt es im Kreise unserer "Russen" auch ehemalige Kommandanten von Schlagkräften der Volksmarine. Es wäre sehr interessant - und sicher nicht nur für mich - über ihre Erfahrungen mit Booten von Proj. 205, 206 und 1241 mehr zu erfahren, vielleicht vergleichbar mit dem "Zobel-Klasse"-Thread.

Gruß, Urs

Nach dem 2M3 ja schon eingestellt hat, wie viele Raketen zur Vernichtung, dabei ist noch nicht berücksichtigt, wie viele Raketen eingesetzt worden wären, eingestellt hat, würde mich mal interessieren, wie die Gegenseite das gehandhabt hätte. Also wie viele Raketen (ich schreibe immer von Seezielraketen, ganz einfach weil ich das so gelernt habe und es im russischen keine fliegenden Körper gibt) wären für uns entsprechend der Schiffsklasse vorgesehen gewesen? Oder steht das hier schon irgendwo?
Des weiteren würde ich gern vorschlagen, das nächste Treffen des Forums in Peenemünde durchzuführen. Dort können wir (Olaf und ich) Euch vor Ort an Bord 1241 und an Bord des U-Bootes alles wesentlich leichter erklären und zeigen, als es sich hier schreiben lässt. Muss ja nicht gleich morgen sein, vielleicht im Herbst?

Spee

Servus,

Muss ja nicht gleich morgen sein, vielleicht im Herbst?

Klingt spannend!
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Elektroheizer

Zitat von: The Voice am 05 Mai 2013, 09:52:22
Ich hatte 1990 die Gelegenheit, mir das Gerät anzusehen.
Ja, die Staniolstreifen wurden auf eine optimale Länge zurecht geschnitten (Lamda - Halbe).
Dies geschah über ein Schneidewerk mit Messern, die übrigens die Inschrift "VEB Fleischerei Zubehör" hatten! :sonstige_154:
Von wegen ,,Wer den Sozialismus stärkt, der stärkt den Frieden!".  Pflugscharen zu Schwertern! :-D
,,Ihr seid alle Individuen" - "Ich nicht!"

Spee

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

der erste

Na und? Warum Nicht. Im Kommando VM, in der Unterabteilung FEK, wurde damals vieles unternommen um diese Geräte zusammen mit der Industrie zu entwickeln und herzustellen. Und wenn ein Werk Fleischwölfe herstellt, kann es sicher auch Geräte zur Herstellung bzw. zum kleinschneiden von Stanniolstreifen herstellen. Der damalige Leiter dieser UA im Kommando kann noch viel mehr erzählen.

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