Wie war die Situation Warschauer Pakt – Nato im Hinblick auf die Ostseeausgänge?

Begonnen von Albatros, 30 März 2013, 20:11:22

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Albatros

Zitat von: Albatros am 23 Mai 2013, 17:30:23
Tach auch,

ein paar Fragen hätte ich da noch....... :MZ:

Im Herbst 1976 verlegten  von der Nordflotte sechs Golf II U-Boote ( Projekt 629 ) als operativer Verband  in die Ostsee, ihr Basishafen war dort  Liepāja (Libau )  in Lettland.

Was waren die Gründe ihrer Verlegung in die Ostsee und wie lange waren sie dort stationiert?
Spielten diese Boote im Hinblick auf die Ostseeausgänge eigentlich eine besondere Rolle?

Sie waren ja die einzigen Boote in der Ostsee die über Ballistische Raketen mit Nuklearsprengköpfen verfügten.
Welcher Raketentyp war in der Zeit als die Boote in der Ostsee waren an Bord?

:MG:

Manfred


Zitat von: 2M3 am 24 Mai 2013, 16:09:24


--> Link

Frank
[/quote]


In dem von Frank verlinkten Thread werden ja einige Fragen von mir beantwortet.

Die Golf II-Klasse war mit 3 SLBM ( NATO Bezeichnung SS-N-5 SARK ) ausgestattet , Reichweite 1400 km mit einer Treffgenauigkeit von 2000-2800m, was bei einer Megatonne Sprengkraft wohl völlig belanglos sein sollte. Sie waren die ersten SLBM der Sowjetunion welche von getauchten U-Booten gestartet werden konnten. Der Start musste aus einer Tauchtiefe von 40 – 50 m erfolgen. 
Ob sie jetzt dem Gleichgewicht bei Mittelstreckenraketen dienen sollten?
Vielleicht wusste man mit den doch schon in die Jahre gekommenen  Golf II Booten auch nicht mehr so recht was anzufangen. Im Atlantik und im Pazifik wären sie eventuell nicht mehr weit gekommen, da hätten die Amis sie wohl gleich auf dem Schirm gehabt.

Es wird auch die Möglichkeit eines Angriffes im Bereich der Ostseeausgänge mit den Golf II Booten angesprochen. Immerhin  hatte der Warschauer Pakt so ab etwa 1964 einen begrenzten präventiven Nuklearkrieg mit über 1000 Nuklearwaffen gegen Westeuropa geplant.(wie aus freigegebenen polnischen und tschechoslowakischen Dokumenten sowie aus Dokumenten der Nationalen Volksarmee (NVA) zu ersehen ist)
Dafür hätten sie Liepāja  nur wenige Meilen verlassen müssen um ihre Waffen einzusetzen.

:MG:

Manfred

jockel

Zitat von: Albatros am 25 Mai 2013, 16:07:53
....Immerhin  hatte der Warschauer Pakt so ab etwa 1964 einen begrenzten präventiven Nuklearkrieg mit über 1000 Nuklearwaffen gegen Westeuropa geplant...
...damals war man halt in Ost und West so naiv zu glauben, sich einen lokal begrenzten Einsatz von Atomwaffen erlauben zu können ohne dabei selbst Schaden zu nehmen.
In den 60ern kursierten noch Lehrfilme wie man sich im Falle eines Atomschlages schützen kann ...Aktentasche über dem Kopf oder unter den nächsten Tisch kriechen  :roll:
Es gab auch mal einen bundesdeutschen Verteidigungsminister, der wollte die innerdeutsche Grenze mit Atomminen bepflastern.  :BangHead:


Gruß
Klaus


Albatros

Ich hatte ja noch nach der Dauer des Aufenthalts der Golf II Boote in der Ostsee gefragt.
Auch diese Frage wird ja in dem verlinkten Thread beantwortet. Ab 1987-1990 wurden die Boote zur Verschrottung gestrichen.
Das überrascht mich jetzt doch das diese Boote solange vorhanden waren, wann wurden sie denn das letzte mal auf See gesichtet?

Die Angriffspläne der WP-Staaten auf die Ostseeausgänge wurden ja nun hier beleuchtet, wie war es den auf Seiten der Nato?
Gab es zu irgend einem Zeitpunkt einmal Pläne einem Angriff der WP-Staaten auf die Ostseeausgänge mit einem eigenen Angriff zuvor zu kommen?
Die Strategie der Nato als Vorneverteidigung die bis 1957 galt sah glaube ich nur vor das  Westdeutschland  als Kampfzone und Verzögerungsraum gegenüber einem Angriff aus dem Osten zu betrachten sei.

:MG:

Manfred

2M3

ZitatDie Angriffspläne der WP-Staaten auf die Ostseeausgänge wurden ja nun hier beleuchtet, wie war es den auf Seiten der Nato?
Gab es zu irgend einem Zeitpunkt einmal Pläne einem Angriff der WP-Staaten auf die Ostseeausgänge mit einem eigenen Angriff zuvor zu kommen?
Die Strategie der Nato als Vorneverteidigung die bis 1957 galt sah glaube ich nur vor das  Westdeutschland  als Kampfzone und Verzögerungsraum gegenüber einem Angriff aus dem Osten zu betrachten sei.

:MG:

Manfred

Es gab angeblich einen Plan DECO II Ende der 50er Jahre.

Mehr dazu:

http://home.snafu.de/veith/decoii.htm

http://www.nva-forum.de/nva-board/index.php?showtopic=9783

Das hat allerdings nicht wirklich was mit den Ostseeausgängen zu tun. Macht Euch selber ein Bild.

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

Trimmer

Hallo Frank - wie Du schon richtig schreibst -"angeblich". In der Schule wurde damals auch immer auf Deco II hingewiesen und das dann die BW durchs Brandenburger Tor ziehen sollte. Nun das mit dem Brandenburger Tor ist ja Wahrheit gewurden aber ich glaube über Deco II steiten sich an der Echtheit heute noch die Gelehrten.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

ede144

Ganz ehrlich, wenn ein deutsches Heer, das auch nur halb so groß gewesen wäre, wie die im Plan erwähnten Einheiten, wären die Franzosen, Engländer, Belgier  Holländer und erst blass und dann ziemlich böse geworden. Und dann wahrscheinlich vorsorglich wieder einmarschiert.

Gruß
Thomas

Albatros

Zitat von: Albatros am 27 Mai 2013, 12:13:49
Ich hatte ja noch nach der Dauer des Aufenthalts der Golf II Boote in der Ostsee gefragt.
Auch diese Frage wird ja in dem verlinkten Thread beantwortet. Ab 1987-1990 wurden die Boote zur Verschrottung gestrichen.
Das überrascht mich jetzt doch das diese Boote solange vorhanden waren, wann wurden sie denn das letzte mal auf See gesichtet?


Tatsächlich werden im Weyer 90/91 noch fünf  Boote in der Ostsee genannt.

Schipperten die Ende der achtziger Anfang der neunziger Jahre wirklich noch mit Nuklearen Sprengköpfen auf den Mittelstreckenraketen in der Ostsee rum ?

Wann haben sie zum letzten mal ihren Hafen zu Übungen verlassen?

Vielleicht hat Jochen ( hillus ) ja etwas genaues hierzu...... :MZ:

:MG:

Manfred


hillus

Hallo Manfred,

Dein Vertrauen ehrt und ich kann Dir, so glaube ich Dir jedenfalls, recht gut antworten.

Zum letzten Gefechtsdienst eines GOLF (Projekt 629-A):

Bestand der 16. Division              
Projekt   629-A/GOLF II               
K-72 ex B-40               
ab 26.11.1976 bis 30.05.1989         
14.10.1976 eintreffend von der NF     
26.11.1976 in Dienst der BF                                                                 
25.07.1977 neue taktische Nummer B-372      
1988 letzter Gefechtsdienst eines Bootes des      
Projektes 629-A in der Ostsee

30.05.1989 gemäß SALT-I-Abkommen aus der            
Schiffsliste der SKF gestrichen
mit Staatsvertrag N° 148/8/14"SZGW" an die Repu-
blik Lettland übergeben
30.05.1989 zur Verwertung freigegeben

Verbleib der Boote:
Projekt   629-A/GOLF II      
K-79 ex B-41            
ab 26.11.1976 bis 30.05.1989      
10.11.1976 eintreffend von der Nord Flotte      
26.11.1976 in Dienst der Baltischen Flotte      
25.07.1977 neue taktische Nummer B-79      
30.05.1989 gemäß SALT-I Abkommen aus der      
Schiffsliste der SKF gestrichen      
mit Staatsvertrag N° 148/8/14"SZGW" an die Repu-   
blik Lettland übergeben
30.05.1989 zur Verwertung freigegeben

Projekt   629-A/GOLF II      
K-88 ex B-45            
ab 10.11.1976 bis 31.01.1990      
10.11.1976 eintreffend von der Nord Flotte      
23.07.1976 in Dienst der Baltischen Flotte      
25.07.1977 neue taktische Nummer B-183      
09.1986 bis Frühjahr 1988 Modernisierung mit       
neuen Navigationssystemen in der SRZ N° 29      
31.01.1990 zur 58. Brigade
30.05.1989 gemäß SALT-I Abkommen aus der
Schiffsliste der SKF gestrichen
01.10.1990 zur Verwertung freigegeben
mit Staatsvertrag N° 148/8/14 an die Republik Lett-
land übergeben
1994 in halb gesunkenem Zustand im Hafen von
Liepaja gehoben und an Lettland zur Verschrottung         
1998 Verschrottung
      
Projekt   629-A/GOLF II      
K-93                  
ab 14.10.1976 bis 14.03.1989      
Herbst 1976 eintreffend von der Nord Flotte      
23.07.1976 in Dienst der Baltischen Flotte      
25.07.1977 neue taktische Nummer B-93      
14.03.1987 gemäß SALT-I Abkommen aus der
Schiffsliste der SKF gestrichen
14.03.1989 zur Verwertung freigegeben

Projekt   629-A/GOLF II      
K-96 ex B-92         
ab 14.10.1976 bis ...1986         
25.09.1976 eintreffend von der Nord Flotte      
23.07.1976 in Dienst der Baltischen Flotte      
25.07.1977 neue taktische Nummer B-96      
1986 zur 22. Brigade
19.07.1987 gemäß SALT-I Abkommen aus der
Schiffsliste der SKF gestrichen und zur Verwertung
freigegeben und mit Staatsvertrag N° 148/8/14"
SZGW" an die Republik Lettland übergeben
1994 halb gesunken, gehoben verschrottet

Projekt   629-A/GOLF II      
K-142                  
ab 25.09.1976 bis 19.04.1990      
25.09.1976 eintreffend von der Nord Flotte      
14.10.1976 in Dienst der Baltischen Flotte      
25.07.1977 neue taktische Nummer B-142      
1986 bis 1987 Werftüberholung in der SRZ N° 29      
19.04.1990 gemäß SALT-I Abkommen aus der      
Schiffsliste der SKF gestrichen und zur Verwertung      
freigegeben               
1993 mit Staatsvertrag N° 148/8/14"SZGW" an die      
Republik Lettland übergeben      


So, das waren die GOLF-Boote, die zur Baltischen Flotte kamen. Sie wurden alle mit den Bestimmungen des SALT I-Abkommens ab 1987 aus dem aktiven Bestand genommen und waren ab 1990 mehr oder weniger von der Bildfläche verschwunden., wobei ich das Vorhandensein verschiedener Bootstorsos einfach negiere!

Viele Grüße

jochen



Albatros

Nochmal zu den Golf II Booten,

im September 1978 erklärte Vizeadmiral Ivan Kapitanez der Stellvertreter der Baltischen Rotbannerflotte bei einem Besuch in Kopenhagen folgendes.
Die Meldung über die Stationierung von sechs U-Schiffen mit Raketen in der Ostsee treffen nicht zu, sie wären lediglich zu Ausbesserungsarbeiten in der Ostsee....... :MZ:

:MG:

Manfred

Albatros

Was mich noch interessieren würde ist ob an Deutschen oder Dänischen Küsten in der Ostsee Lenkwaffenbatterien stationiert waren die in der Lage waren mögliche Angriffe über See abzuwehren.Vielleicht hat ja jemand Erkenntnisse dazu.
Habe ja nun gerade erfahren das die Dänen die Harpoon haben aber Deutschland nichts dergleichen http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,19722.msg220552.html#msg220552  war das zur Zeit des Kalten Krieges auch schon so?

:MG:

Manfred

The Voice

Zitat von: Albatros am 15 Juni 2013, 22:11:33
Was mich noch interessieren würde ist ob an Deutschen oder Dänischen Küsten in der Ostsee Lenkwaffenbatterien stationiert waren die in der Lage waren mögliche Angriffe über See abzuwehren.Vielleicht hat ja jemand Erkenntnisse dazu. War das zur Zeit des Kalten Krieges auch schon so?
Moin,
nein, wie bereits angeführt gab es in der Deutschen Marine keine Küstenbatterien.
Die dänischen HARPOON kamen meines Wissens erst 1990 in Dienst und kamen von außer Dienst gestellten Fregatten (PETER SKRAM).
Seit 2003 wurden bie Batterien nicht mehr aufgeführt. Ich meine sie sind nicht mehr im Dienst.
Die Flugkörper waren auf LKW montiert und wurden zum Abschuss aufgerichtet.
Sie unterstanden der MOBA (Mobile Base), einer Art OPZ oder Gefechtsstand an Land, der verlegbar war.
Daneben gab es auch noch eine MOBA Log (Logistic).

Gruß: Uwe
In God we trust - all others we track

olpe

Zitat von: Albatros am 03 Juni 2013, 21:21:53
Nochmal zu den Golf II Booten... Die Meldung über die Stationierung von sechs U-Schiffen mit Raketen in der Ostsee treffen nicht zu, sie wären lediglich zu Ausbesserungsarbeiten in der Ostsee ...
Hallo,
hier sind sie ... einige der GOLF-Boote nach 1991 ... alle Boote der U-Bootsbrigade (GOLF, JULIETT, FOXTROT und WHISKEY) wurden verschrottet, mit zwei Ausnahmen: zwei JULIETT-Boote. Eins ging nach Finnland, danach in die USA ... das zweite nach Dänemark, danach nach Deutschland (Peenemünde) ...
(Bilder: Slg. OLPE)
Grüsse
OLPE

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