Wie war die Situation Warschauer Pakt – Nato im Hinblick auf die Ostseeausgänge?

Begonnen von Albatros, 30 März 2013, 20:11:22

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der erste

In allen Büchern, die in den letzten Jahren erschienen sind, auch von Autoren, die sich nur mit dem Abzug und dem Bestand der sowjetischen Truppen aus Deutschland beschäftigen, ist von der 22. Küstenraketenabteilung die Rede. Sie soll auf Hohe Düne und auf Wustrow stationiert gewesen sein. Das kuriose dabei ist, das diese dort nie jemand gesehen hat, weder von den Russen noch von den Deutschen. Wahrscheinlich war es eine Scheinstellung. Die Abteilung hier in Sassnitz wurde operativ direkt von Kaliningrad aus geführt und sicherstellungsmäßig (Personal, Verpflegung, techn. Sicherstellung) unterstand sie der 24. Raketenschnellbootsbrigade, deren Bestandteil sie auch war.
Wie das alles historisch entstanden, mit Gründung der Kolberger Marinehauptbasis 1945, schreib ich später, wenn ich von meinem Bekannten aus Kaliningrad, er war seit 1986 1990 Oberoffizier für Funktechnische Mittel in dieser Brigade, die Geschichte der Brigade bekommen habe. 

2M3

mW sollte die 24. Raketenschiffsbrigade (ca. 8 x U-Jäger 201M/Poti/Parchim + ca. 6 x RS-Boote OSA) der BRF bei Auslösung einer höheren Stufe der Gefechtsbereitschaft unter das Kommando der VM kommen. Gleichzeitig die 1. Landungsschiffbrigade (12 x Hoyerswerda-Kl.) der VM unter Kommando der Polnischen Marine.

zu Sassnitz:
Ich selber habe während meiner Dienstzeit nie mehr als 2-3 sowj. Schiffe in Sassnitz gesehen. Meist waren es zwei Potis. Einmal, so 1979/80, lag auch ein 201er an der Pier. Es war die modernisierte Variante mit zwei UAW-Torpedorohren an Stelle der achteren 25mm-Flak.

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

Albatros

Danke Euch,

also Rostock nicht, 2-3 Potis in Sassnitz, waren diese auch zu Überwachungsaufgaben in der westlichen Ostsee im Einsatz, oder welche Aufgabe hatten sie vornehmlich?

:MG:

Manfred

der erste

Hauptsächlich besetzten Sie die Vorpostenposition am Sundausgang in die Ostsee.

olpe

Zitat von: der erste am 11 Juni 2014, 15:33:54
Hauptsächlich besetzten Sie die Vorpostenposition am Sundausgang in die Ostsee ...
... und begleiteten U-Boote, welche vom Sund in die Ostsee einfuhren (z.b. britische OBERON-class) ... diese Boote wurden dann dem diensthabenden U-Jäger der VM übergeben ... einem Schiff der 1. UAWSA (U-Bootabwehrschiffsabteilung) aus Peenemünde oder einem Schiff der 3. UAWSA aus Sassnitz ...
Grüsse
OLPE

Darius

Hi,

etwas Off-Topic... - aber weil ich gerade einen Gedanken hatte...

Gerade ist mir meine erste Berührung bzgl. Marine & Landungsschiffe eingefallen.

Ist schone eine Weile her... 8-)

Ca. 1986/87 war der Bruder unserer damaligen Klassenlehrerin (5. Klasse in einer eher kleinen Gemeinde in der Nähe von Gliwice, ehem. Gleiwitz) in der Schule zu Besuch gewesen (offiziell? halboffiziell?) und hat von seinem gerade geleisteten Dienst bei der polnischen Marine erzählt.

Ich kann mich noch an die Aussage erinnern: "Ich fahre auf Landungsschiffen. Landungsschiffe, dass sind solche Schiffe, welche am Bug eine große Klappe haben ... und aus welchen Panzer angelandet werden...".

Für mich war dieser Vorgang (Landeklappen und so...) erstaunlicherweise schon selbstverständlich. Die "Polnocny"-Schiffe waren damals ja eh überall in den Medien und Berichten an "vorderster Front" bzw. Titelblatt.

:MG:

Darius

Albatros

In einem Interview das Dr. Jürgen Rhades mit dem damaligen deutschen stellvertretenden Befehlshabers des Nato Hauptquartiers Ostseezugänge ( Combaltap) 1987 führte wurde auch über den möglichen Einsatz von Nuklearwaffen gesprochen.
Da auf dänischem Boden in Friedenszeiten keine Nuklearwaffen stationiert werden durften, war außer Luftwaffeneinsätze zu dem Zeitpunkt das Lance Waffensystem vorgesehen.
Die 6 Panzergrenadierdivision, mit im Mobilmachungsfall 28.000 Soldaten die bei weitem größte Division der NATO, war mit dem Waffensystem ausgerüstet.
Die Aufgabe der Division war zu verhindern, dass Truppen des Warschauer Pakts nach einer amphibischen Landung an Schleswig-Holsteins Ostküste zur Nordsee durchstoßen und damit die maritimen Nachschubwege der NATO nach Westdeutschland abschneiden konnten.
Hierzu wären dann wohl falls nötig auch Nuklearwaffen zum Einsatz gekommen.
Dies hätte dann das Raketenartilleriebataillon 650, Flensburg-Weiche und die Nachschubkompanie Sonderwaffen 611, Flensburg-Weiche bewerkstelligen sollen.

Meine Fragen, mit wie vielen solcher Systeme war denn das Raketenartilleriebataillon 650 ausgerüstet?

Bei einer Reichweite des Waffensystems von 130 km, wo hätten sie im Ernstfall gestanden?

Nur mal so nebenbei bemerkt, im Falle einer Eskalation zum atomaren Krieg waren für die 6. PGD nach internen Schulungsdokumenten der NVA, 14 taktische Kernwaffenschläge vorgesehen, um den Verband auszuschalten.

Ich habe ja zu Zeiten des Kalten Krieges ziemlich Sorglos gelebt, mich beschleicht so langsam das Gefühl das man hätte auch Depressionen bekommen können.

Der Bunker des Hauptquartiers in Finderup wurde mittlerweile 2013 geschlossen.

http://reganvest.dk/Militaere-bunkere.html

Wer weiß wie lange noch........ :MV:

:MG:

Manfred



bettika61

#187
Hallo Manfred,
interessantes Interview
ZitatHierzu wären dann wohl falls nötig auch Nuklearwaffen zum Einsatz gekommen.
Dies hätte dann das Raketenartilleriebataillon 650, Flensburg-Weiche und die Nachschubkompanie Sonderwaffen 611, Flensburg-Weiche bewerkstelligen sollen.

Meine Fragen, mit wie vielen solcher Systeme war denn das Raketenartilleriebataillon 650 ausgerüstet?

Bei einer Reichweite des Waffensystems von 130 km, wo hätten sie im Ernstfall gestanden?
Stationiert war das Bataillon in Flensburg-Weiche in der Briesenkaserne. Das Atomwaffenlager
war 10 km entfernt in Meyn.
ZitatIn der Chronik des Dorfes Meyn schrieb Oberstleutnant A. Loewe, von 1981 bis 1987 verantwortlicher Batteriechef für das "besondere" Munitionslager Meyn.
"Das Ammunition Site (AS) Meyn liegt 10 Kilometer westlich der Briesenkaserne (Ortsteil Flensburg-Weiche) und 2 Kilometer südostwärts der Ortschaft Meyn.... Im Norden schließt sich an das AS die Standortmunitionsniederlage für den Standortbereich Flensburg an." (S. 150)
Die in Flensburg-Weiche (Briesenkaserne) stationierten LANCE waren die Nachfolger der seit 1963 im Dienst befindlichen SERGANT. Verantwortlich war des Raketenartilleriebataillon 650, welches am 2. Mai 1963 in Eschweiler bei Aachen aufgestellt worden war. Der nächste Standort war ab September/Oktober 1964 Beitenburg-Nordoe bei Itzehoe. Der endgültige Standort war Flensburg. Hier war das Bataillon vom 1. April 1973 bis zum 30. September 1993 stationiert. Die Munition wurde in Meyn (Sondermunition) und in Sönnebüll bei Bredstedt (Raketenmotoren) gelagert.
Unterstellt war das Bataillon im Frieden der 6. Panzergrenadierdivision und damit dem Artillerieregiment 6.
Gegliedert war das Raketenartilleriebataillon 650 in 4 Batterien, nämlich Stabs- und Versorgungsbatterie, 2 Lenkraketenwerferbatterien mit je 2 Waffensystemen und Begleitbatterie.Truppendienstlich war seit 1973 die Nachschubkompanie Sonderwaffen 611 dem Bataillon unterstellt. Es waren ca. 950 Soldaten in der Einheit. Diesem Einsatzverband war für den V-Fall das gekaderte Sicherungsbataillon 610 mit dem Aufstellungsstandort Flensburg, Grenzlandkaserne, zugeordnet.
Die Munition wurde durch das "294th United States Army Artillery Group (294th USAAG)" bewacht. Die Einheit wurde zum 30. Juni 1992 abgezogen. http://www.geschichtsspuren.de/forum/viewtopic.php?t=1709&postdays=0&postorder=asc&start=10

Aus  einem Zeitungsartikel basierend auf der gleichen Chronik
ZitatEin Einsatz der in Meyn gelagerten Sprengköpfe sollte Operationen der Nato-Landstreitkräfte unterstützen. Die Pläne sahen vor, die Lance-Raketen von ihren mobilen Startrampen aus auf überwältigend große östliche Panzerverbände abzufeuern, deren Vorstoß über die innerdeutsche Grenze erwartet wurde. "Im Ernstfall wäre das Lager Meyn leer gewesen." Die Raketen waren für Schussentfernungen zwischen zehn und 125 Kilometern eingerichtet

Über die Abwehr von amphibischen Landungsoperationen habe ich bisher noch nichts gelesen. Die Frage liegt nahe ob die zahlreichen Sperren
http://www.geschichtsspuren.de/artikel/verkehrsgeschichte/135-sperren-wallmeister.html
http://www.kn-online.de/Lokales/Rendsburg-Eckernfoerde/Sperranlagen-in-Schleswig-Holstein-Die-Relikte-des-Kalten-Krieges
nicht nur den Vormarsch in S-H von Süd nach Nord sondern auch  von der Wasserseite aufhalten sollten.
Grüsse
Beate
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

bettika61

Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Albatros

Hallo Beate,

danke Dir für Deine interessanten Angaben und Links,zum Vormarsch von der Wasserseite vielleicht noch folgendes,

Frage von Dr. Jürgen Rhades,

Die sehr starke amphibische Komponente der Warschauer-Pakt-Marinen, sehen Sie diese als eine Bedrohung an?

Sie sind leicht aufzuklären, man sieht sie in der Praxis lange kommen, 24-48 Stunden Transitzeit sind erforderlich.Das Problem ist nur, wohin zielt eine solche Landung, wo ist der Landungsstreifen?Aber schon in der Transitphase wäre ein solcher Verband bekämpfbar.

:MG:

Manfred

2M3

Zitat von: Albatros am 18 Dezember 2014, 17:24:11
Die sehr starke amphibische Komponente der Warschauer-Pakt-Marinen, sehen Sie diese als eine Bedrohung an?

Sie sind leicht aufzuklären, man sieht sie in der Praxis lange kommen, 24-48 Stunden Transitzeit sind erforderlich.Das Problem ist nur, wohin zielt eine solche Landung, wo ist der Landungsstreifen?Aber schon in der Transitphase wäre ein solcher verband bekämpfbar.
Wo hat er denn diese Zahlen her? Wie lange ein Landungsverband bei ca. 15kn Geschwindigkeit von x nach y braucht, kann sich jeder selbst errechnen. Da sind schon deutlich unter 24 Stunden möglich. MSR Projekt 89 konnten je nach Art des Räumgerätes max. 12-16 kn laufen und die Laschis hielten da schon geschwindigkeitsmäßig mit.

Und dann gab es noch die sowj. Luftkissenboote mit über 50 kn und auch der Transport von Infantrie durch LTS- bzw. KTS-Booten der VM wurde kurzfristig in Erwägung gezogen, wie auf dem Foto auf Parows Hompätsch.

hier http://www.parow-info.de/Einheiten/206/KTS-Tr-02.jpg

Oder auf dem Bild unten links "Übung VAL77, KTS beim Anlaufen von Freest, Mot.-Schützen auf der Back"

http://www.ktsboote.de/kts_9_941_1.htm

Oder dieser kurze Filmausschnitt aus dem Dokufilm "Die National Volksarmee - Struktur und Strategie", Teil 3 von 4 bei ca. 3:00 min

https://www.youtube.com/watch?v=VmuUSBq4m7Y&feature=player_detailpage#t=180

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

Albatros

Hallo Frank,

Nun gehen wir mal von 24 Stunden und 15 kn aus, das wäre dann Baltjisk - Schleswig Holstein – Ostküste.

Nach Deinen eigenen Angaben war die Ausgangslage : Überfall durch die NATO, nach 2- 3 Tagen abgewehrt; Übergang zur Gegenoffensive.

Wo wären denn dann die Abgangshäfen der Landungsschiffe gewesen?

:MG:

Manfred




joern

Hallo Manfred ,
hier mal eine Tabelle aus einer Diplomarbeit (1975), also schon ein wenig älter.
BA= Beladungsabschnitt
LA= Landungsabschnitt

Grüße Joern

Urs Heßling

moin,

Zitat von: 2M3 am 18 Dezember 2014, 18:58:46
Wo hat er denn diese Zahlen her? Wie lange ein Landungsverband bei ca. 15kn Geschwindigkeit von x nach y braucht, kann sich jeder selbst errechnen. Da sind schon deutlich unter 24 Stunden möglich.
Ein Landungsverband muß zuerst einmal auf- bzw. zusammengestellt werden und ist dann als solcher klar erkennbar (und im Konfliktfall angreifbar). Amphibische Kommandounternehmen mit LTS o. Ä sind etwas ganz anderes.

Zitat von: Albatros am 18 Dezember 2014, 20:14:20
Überfall durch die NATO, nach 2- 3 Tagen abgewehrt; Übergang zur Gegenoffensive.
Können wir diese Propagandalage nicht einfach einmal ausschließen ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Albatros

In diesem http://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/nordmagazin/media/nordmagazin21475.html durch Beate verlinkten Film wird deutlich auf welchen Wegen die DDR auch Aufklärung betrieb.
Das mit der Aufklärung ist nichts besonderes, gab/gibt es auf allen Seiten, im Film wird erwähnt das als Touristen getarnte Agenten aufklärten/Spionage betrieben.

Touristen aus der DDR... :MZ:..naja, wie war es z.B. mit den Handelsflotten des Warschauer Paktes?
War es gängige Praxis das sie solche Aufgaben mit erledigten? Waren hierzu besondere Ausrüstung und Besatzungen an Bord?

Ich kann mich aus dieser Zeit erinnern, dass Schiffe aus besagten Ländern, nicht selten ganze Antennenwälder auf den Aufbauten hatten.

:MG:

Manfred

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