Deutsche Flotte vor und im 1. Weltkrieg

Begonnen von rosenow, 23 Juni 2006, 14:55:08

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rosenow

Hallo alle zusammmen!
Wozu hatten die Deutschen vor dem ersten Weltkrieg eine Flotte gebaut und welche Aufgaben waren für sie vorgesehen?
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Mario

Mit dem wirtschaftlichem Erstarken Deutschlands in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts wuchs auch die deutsche Flotte. Anfang des 20. Jahrhunderts fühlte sich Deutschland stark genug, um außenpolitisch die ersten Forderungen zu stellen und zeigte besonders an Afrika Interesse (Panthersprung nach Agadir) Logischerweise kollidierten diese Expansionsbestrebungen mit den etablierten Mächten, allen voran England und Frankreich. Beide besaßen eine starke Flotte, folglich mußte Deutschland hier nachziehen.

Ganz wichtig war jedoch das Prestige, das eine starke Flotte zwangsläufig mit sich brachte. Sowohl innen- als auch aussenpolitisch. Anfang des letzten Jahrhunderts war die deutsche Flotte das Lieblingskind des deutschen Kaisers, fast alle deutschen Kinder trugen maritime Kleidung. Vor allem England und Deutschland lieferten sich bis zum Beginn des 1. Weltkrieges ein beispielloses Wettrüsten. Jeder wollte den anderen überflügeln. Letzten Endes hatten beide Staaten so viel Geld und Material in die Flotten gepumpt, das sie viel zu wertvoll geworden waren, um im einem Gefecht riskiert zu werden. Folglich blieben diese Flotten meist tatenlos in ihren Häfen liegen.

Wilfried

Moin, moin zusammen.

Die Industrialisierung schritt in dieser Epoche gewaltig voran; es war also nur ein vitales Interesse Deutschlands, sich überall Einfluß zu verschaffen. Auch war es dem Deutschen Reich gelungen, sich aus dem Kolonial-Kuchen ein kleines Stück herauszuschneiden. Nicht nur die Marine, auch die Handelsflotte Deutschlands war im Anwachsen begriffen. Es wehte ein Wind durch Deutschland, der die Flagge auf allen Meeren zum Flattern brachte.
War es Bismarck gelungen, auf einen Ausgleich im Kräfteverhältnis in Europa zu drängen und sowohl im Innen- als auch im Außenverhältnis für Stabilität zu sorgen - hatte Kaiser Wilhelm II. ganz andere Ansprüche und Interessen.
Der Aufbau der Flotte ging einher, mit der Großmannssucht, auch auf den Handelsrouten der Größte zu sein. Unterstützung und Förderung, die Albert Ballin - des Kaisers Reeder - gerne in Anspruch nahm.
Viele deutsche Handelsschiffe - ich denke an die Deutschen Afrika-Linien, die einen Linienverkehr rund um Afrika unterhielten - entstanden mit Förderung und Zuschüssen des Reiches, um im Krisenfalle Truppen in die entsprechenden Gebiete schicken zu können.
Ich glaube, daß man die Handelsflotte in einem gewissen Rahmen und "die Flotte" nicht voneinander trennen kann.
Man wollte es dem Engländer einfach zeigen, daß man noch größer, noch besser, noch herrlicher zur See sein konnte und - wollte.
Hier wurde schon der "Kieler Knabenanzug" erwähnt. Deutschlands Weltgeltung zur See - ich glaube, es war zum ersten Male die größte Imagekampagne, die gefahren wurde. Um einmal die heutige Sprachpanscherei zu benutzen.
Deutschland hatte überall sein Finger drinnen. Südamerika, China, Afrika.
Aber ich glaube, ich bin hier schon wieder ein wenig OffTopic...

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
http://www.passat-verlag.de
http://www.kartonskipper.com
http://www.forum-marinearchiv.de - wenn Marine Dein Ding ist!

Mario

#3
ZitatAber ich glaube, ich bin hier schon wieder ein wenig OffTopic...

Überhaupt nicht.
Als Deutschland endlich geeint und mächtig wurde, war die Welt unter den Kolonialmächten aufgeteilt. Wenn die Deutschen noch etwas von dem Kuchen abhaben wollten, mußten sie es sich mit Gewalt von den anderen holen. Und dazu war eine moderne, starke Flotte vonnöten.

Spee

@Mario,

wie meinst du "Überhaupt nicht"?
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Langensiepen

``fast alle deutschen Kinder trugen maritime Kleidung```  Bei dem gezeigten Objekt handelt es sich um den späteren Kaptl. (RM,KM,BuMa)  Robert Heinrich Kurt Langensiepen. Unschwer OHNE maritime Kleidung. Oder sind das Seestiefel ? Aber sein Vater war nicht nur Bergmannsinvalide, sondern auch Gastwirt zu Haan ( Kaiserstr. 53) und solche Subjekte waren nun mal vaterlandslose Gesellen.  Aber mal im Ernst. Leute lest mal moderne Literatur , auch aus der BRD , zum Thema Kaiserreich. Es ist teilweise grausam was hier steht. Dennoch Gruß. PS: Morgen früh in Övelgönne wird sich auch Stuart Haller und Ehefrau aus dem sonnigen Florida zeigen. Der macht gerade sein Buch über die SEYDLITZ fertig. Ich bin auch da, aber das ist weniger wichtig. 

Torpedo

Ich kann leider nicht kommen, aber Stuart Haller ist natürlich ein Argument! Habe heute gerade seine German Battlecruisers 1914-1918 gekauft und ein Buch über Minenkrieg. Dieses ist ein sogenanntes Book-on-demand aus Norderstedt und von einem Autorenteam aus Rostock - SEHR interessant. Werde an anderer Stelle berichten.

Bernd schöne Grüße an Herrn Haller unbekannterweise, aber vielleicht könntest Du mir seine eMail-Adresse mitbringen?!
Uli "Torpedo"   [WoW Nic: Torpedo_uas]

"Man muss seine Geschichte kennen, um nicht die gleichen Fehler zu wiederholen"

Restaurierungsbericht des SEELÖWE, 20er Jollenkreuzer Baujahr 1943
http://facebook.com/r167seeloewe

rosenow

Danke Jungs, für eure Bemühungen!


Geschichtsinteresse als Hobby?

Wozu gehe ich eigentlich ins Netz?
Wozu macht man überhaupt ein Forum?
Wenn doch alles in Büchern steht.
Schreiben die auch immer die Wahrheit?
Oder sind das nur wieder Ansichten, des Autors?
Wozu betreibe ich überhaupt so ein Hobby?
Hab ich vielleicht Spaß daran?
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Mario

Zitat von: Spee am 23 Juni 2006, 19:49:53
@Mario,

wie meinst du "Überhaupt nicht"?
Ganz einfach: Wilfried schrieb, daß er off Topic sei, aber ich war der Meinung, daß seine Sätze absolut zum Theman passten.

rosenow

Bin der geleichen Meinung! Passt gut zum Thema und wäre m.E. noch Ausbaufähig.  :-)
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Wilfried

Moin, moin zusammen!

Ein Großteil meiner Einschätzung stammt unter anderem aus diesem Buch, daß ich nur wärmstens empfehlen kann:

G. Wiechmann
Die preußisch-deutsche Marine in Lateinamerika 1866–1914
Eine Studie deutscher Kanonenbootpolitik

213 Seiten, 121 Abbildungen, 16 x 23,5 cm, Surbalin-Leinenband mit farbigem Schutzumschlag
EURO 22.50
ISBN-Nr. 3-89757-142-0
Seit 1848 bestanden in Deutschland Flottenplanungen, die auf eine starke Präsenz in Übersee, vor allem Ostasien und Lateinamerika, zielten. Obwohl in der deutschen Marine von 1867 bis 1914 diese sogenannten Auslandsstationen in Amerika, West- und Ostafrika, Ostasien und Australien existierten, gibt es bis heute praktisch keine Literatur zu diesem Thema. Der deutsche Schlachtflottenbau unter Admiral Alfred v. Tirpitz hat die eigentliche Aufgabe und Tätigkeit der Kaiserlichen Marine, den sogenannten Auslandsdienst, völlig vergessen lassen. Dieses Werk will durch die Wiedergabe oftmals recht farbiger und unverblümter Berichte von Kapitänen und Konsuln einen Beitrag leisten, diese Forschungslücke zu schließen.

Ich hätte es auch als Buchvorstellung anderweitig präsentieren können; denke aber, hier paßt es genau hin. :O/Y

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
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