der deutsch- spanische Krieg von April 1897

Begonnen von kaimarex, 03 November 2013, 13:53:37

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Urs Heßling

moin, Dirk
Ich bin genau Deiner Meinung  top :MG: und wollte eben Ähnliches schreiben. Länder mit "eingesessener" Bevölkerung (auch die Kanaren) zu besetzen wären wie ein zweites Elsaß-Lothringen.

Dasselbe "nicht hier haben wollen" der Briten fürs Mittelmeer gilt für die USA mit Bezug auf Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen.

Wie Du sagst, Spanisch-Guinea und evt. ein kleines Stück Spanisch-Sahara .. eine magere Ausbeute.

Zitat von: ede144 am 05 November 2013, 20:26:51
Mein Vorschlag man sichert sich .., eventuell die spanischen Kolonien an der Ostküste Afrikas um eine Stützpunktkette Richtung Deutsch Südwest zu bekommen.
Die gibt's nicht. Ich nehme mal an, Du meinst, wie Dirk und ich, die Westküste.

Aber kommen wir einmal zur Marine zurück: Was macht die deutsche Führung, wenn das spanische Panzerkreuzergeschwader nicht zur Schlacht herauskommt ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Bergedorf

Moin Urs,

ja Rio de Oro wäre natürlich auch noch eine mögliche Trophäe. Da handelt man sich aber gleich einen schönen Kolonialkrieg mit der einheimischen Bevölkerung ein und mächtig Ärger mit Frankreich. Ob Ad-Dakhla das Wert ist kann ich nicht beurteilen (keine Ahnung wie der Stützpunkt damals aussah bzw. wie ausbaufähig der war), habe aber so meine Zweifel...

Gruß

Dirk

Götz von Berlichingen

Zitat von: Leutnant Werner am 05 November 2013, 13:23:32Diplomatie/ Ausgangslage:
Axiom 1 =Frankreich hat Angst vor einem erneuten Krieg mit dem Reich in der sicheren Erwartung, diesen erneut zu verlieren. Es hat seit 16 Jahren enorme Reparationsleistungen an Deutschland erbringen müssen

Welche »enormen Reparationsleistungen seit 16 Jahren«?

Die 5 Mrd. Goldfrancs waren 1873 bezahlt, damit rückten auch die dt. Besatzungstruppen ab.
http://de.wikipedia.org/wiki/Friede_von_Frankfurt

Zitat von: Leutnant Werner am 05 November 2013, 17:19:57@Kaimarex,

Stimmt mit Sicherheit, was Du über die Quantitäten in der Armee schreibst.

Man muss auch die Qualitäten sehen. Der deutsche Soldat war besser ausgebildet als irgend ein anderer auf der Welt. Die taktische Durchbildung auch gerade der niederen Ränge des Offizierskorps war beispielhaft. Offensivoperationen mit großen Truppenformationen, Marschfähigkeit, Zähigkeit, Anpassungsfähigkeit, funktionierendes Befehls- und Planungswesen, GENERALSTAB,  Organisation, Disziplin.....da gibt es so viele Themen mit riesigen Unterschieden, dass diese beiden Armeen quasi auf verschiedenen Planeten beheimatet hätten sein können.

Gleiches gilt für die Marine, aber dafür habe ich heute keine Zeit mehr :-D

Auch das setzt das Gesetz der Zahl nicht außer Kraft. 1870 waren wir den Franzosen an Zahl deutlich überlegen, 1914 deutlich unterlegen. Daß die politische Führung der Truppe Aufgaben stellte, die militärisch unlösbar waren, hat dazu geführt, daß wir zwei Weltkriege nach ungeheuren Opfern verloren haben und der deutsche Nationalstaat vernichtet wurde - was die BRD ist, kann man gerade wieder in den Medien beobachten.

Hätten die verantwortilchen Politiker und Militärs des Kaiserreiches für eine der Volkszahl (und der Bedrohungslage¹) entsprechende zahlenmäßige Stärke der Armee gesorgt (was sowohl demographisch als auch finanziell ohne weiters möglich gewesen wäre), anstatt sie sträflich zu vernachlässigen und sich vom über 20 Mio. Einwohner kleineren Frankreich den Rang ablaufen zu lassen, wäre die Schlieffen-Operation nicht gescheitert und wir hätten nicht ~ 80 Jahre lang wirklich »enorme Reparationsleistungen« zahlen müssen (vor wenigen Jahren war mal die Meldung gaaaanz klein in der Presse, daß nun die letzte Rate für die erste Halbzeit 14-18 gezahlt worden sei).

Merke: Wer meint, aus irgendwelchen Budgetgründen auf ein zahlenmäßig der Bedrohungslage¹ angepasstes Militär verzichten zu können, tauscht erstens (nach irrsinnigen vergeblichen und damit unnützen Opfern) die Unabhängigkeit und Freiheit seines Landes gegen ein Vasallendasein von Gnaden der Sieger ein und bezahlt zweitens die vermeintlich eingesparte Summe Hunderttausendfach an Kriegs-, Kriegsfolge- und Reparationskosten an die Sieger.

Anm.: 1 = http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg-in-Sicht-Krise
http://de.wikipedia.org/wiki/Zweiverband

Bergedorf

Lieber Götz,

vielleicht sollte man da aber auch berücksichtigen, dass Deutschland nicht so ganz (in WW II stark untertrieben) an dem Grund zur Zahlung der Reperationszahlungen beteiligt war?!  :?

Mit einer klügeren Politik (Erkennen der strategischen Position und damit Anbindung an GB), hätte man bestimmt mit dem aufgewendeten Militärhaushalt auskommen können und wahrscheinlich Millionen von Menschen den Kriegstod ersparen können. Und Nein, das hätte nichts mit Unterwerfung zu tun gehabt, sondern einfach mit Anpassung an die gegebenen Verhältnissen....

Gruß

Dirk

P.S.: Ich hoffe aber, Dich irdenwo falsch verstanden zu haben, und dass Du hier gerade nicht eine stark nationalistische bzw. chauvinistische Position vertreten hast... In diesem Falle entschuldige ich mich schon einmal für meinen Beitrag, allerdings nur soweit er als Angriff auf Dich gerwertet sein könnte...

Karsten

Entwickelt sich wirklich lesenswert!

Ich denke, wir müssen drei Argumentationsstränge auseinanderhalten:

1. Kriegsgrund/-anlass
2. Kriegsverlauf
3. Kriegsausgang/-ziele

Zu Nr. 1 geben kaimarex' Startbeitrag und Antwort #41 genügend Hinweise. Deutschland und Spanien befinden sich halt im Krieg. Sonst hätten wir das Szenario nicht.
Viele Grüße,

Karsten

Huszar

Hallo,

ZitatFakt ist, die Franzosen hatten eine Kanone mit kurzen Rücklauf, die Deutschen nicht...


Und erneut: 1897 hatten auch die Franzosen keines!!!!!!
Höchstens 1-2 Prototypen, und KEINES BEI DER TRUPPE!!!!!

ZitatIch denke, wir müssen drei Argumentationsstränge auseinanderhalten:

1. Kriegsgrund/-anlass
2. Kriegsverlauf
3. Kriegsausgang/-ziele


Wie schon angeschnitten, die Spanier hatten nichts, was a, realitsich besetzt werden konnte b, einen Krieg Wert war.
Kanaren mit der spanischen Bevölkerung strategisch (als Tankstelle) gut, Ceuta und Melilla ebenfalls (falls nicht anders, als Fuss in der Tür in Marokko), können aber mehr Aufwand bedeuten, als letztendlich Nutzen.
Kuba und die Philippinen kannst du gleich streichen.
Westsahara ist zu dieser Zeit ein wertloses Stück Wüste.

Ob Spanisch West bzw Yap/Guam/Wake einen Krieg rechtfertigen würden, da bin ich äusserst skeptisch.

Krieg zu führen, nur um Krieg geführt zu haben, da sind wir schon seit einigen Hundert Jahren drüber hinweg.
Wenn schon ein was-wäre-wenn-Scenario, dann bitte mit realistischen Hintergründen!

Wir können aber auch sagen, dass Willi eifersüchtig auf den Franz Joseph wird, und eine eigene Doppelmonarchie aufbauen möchte.

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Götz von Berlichingen

Zitat von: Bergedorf am 06 November 2013, 02:19:55Mit einer klügeren Politik (Erkennen der strategischen Position und damit Anbindung an GB), hätte man bestimmt mit dem aufgewendeten Militärhaushalt auskommen können und wahrscheinlich Millionen von Menschen den Kriegstod ersparen können. Und Nein, das hätte nichts mit Unterwerfung zu tun gehabt, sondern einfach mit Anpassung an die gegebenen Verhältnissen....

Hallo Dirk,

Anbindung an GB:

Das englische - um es sehr zurückhaltend auszudrücken - Mißvergnüngen mit der deutschen Einigung und dem deutschen Nationalstaat begann schon 1871 (außerdem haben die englischen "Vettern" - wer solche Verwandte hat, braucht sich nach Feinden nicht mehr umzusehen - schon nach Sedan die Franzosen mit Geld und Waffenlieferungen unterstützt).

Wie in dem von mir im vorigen Beitrag gesetzten Link ersichtlich:

»Das Ergebnis war das klare Signal Englands und Russlands, Frankreich zu unterstützen. Sie waren nicht gewillt, einen weiteren Machtzuwachs des Deutschen Reiches zu akzeptieren, der eine Gefährdung ihrer eigenen Position bedeutet hätte.«
http://de.wikipedia.org/wiki/Krieg-in-Sicht-Krise

Und das war bereits 1875!

Bismarck hat das erkannt und sich klugerweise aus den Händeln der anderen Nationen weitgehend herausgehalten. Mein Geschichtslehrer pflegte dies mit einem Zitat Bismarcks zu verdeutlichen. Als ihn irgendein Politiker (leider habe ich vergessen, um wen es sich dabei handelte) auf "Kolonialpolitik" ansprach, stand er auf, deutete auf die hinter seinem Schreibtisch hängende Europakarte und sagte: »Hier ist Frankreich, hier ist Rußland und wir liegen dazwischen. Nun kennen Sie meine Kolonialpolitik.«

Die englische traditionelle Politik war die der »splendid isolation«. Die haben auf ein Bündnis mit dem in ihren Augen »Emporkömmling« Deutsches Reich nicht gewartet. Im übrigen hätte das womöglich bedeutet, daß wir für englische Kolonialinteressen etwa in Afghanistan oder Persien als deren Festlandsdegen in den Krieg gegen Rußland, mit dem uns seit spätestens 1813 ein freundschaftliches Verhältnis verband und mit dem wir eigentlich überhaupt keine Streitpunkte hatten, schon gar nicht solche, die einen europäischen großen Krieg wert gewesen wären, ziehen hätten müssen. Und wenn die Briten ihre Kolonialziele erreicht hätten, hätte man womöglich (wie etwa im Siebenjährigen Krieg) seine Unterstützung abrupt eingestellt (sonst wären ja die Krauts zu mächtig geworden) und den Verbündeten im Regen stehen lassen.

Im übrigen erschienen gerade vor und zum Zeitpunkt des hier besprochenen Szenarios (1895, 1896 und 1897) die berüchtigten »Germaniam esse delendam«-Artikel in der englischen »Saturday Review«, einer nicht ganz unbedeutenden Zeitschrift, in der etwa auch spätere Nobelpreisträger publizierten.

Abgesehen davon, daß Deutschland keinerlei moralisches Recht oder juristische Anspüche auf spanischen Besitz gehabt hätte, hat Deutschland also sehr gut daran getan, seine Kolonien weitgehend durch Kauf oder Tausch und nicht durch ohne zwingenden Grund vom Zaun gebrochene kriegerische Raubzüge gegen im Niedergang befindliche ehemalige Großmächte zu erwerben. Die mit irgendwelchen scheinheiligen und heuchlerischen pseudomoralischen Argumenten (und selbstinszenierten "Kriegsgründen") bemäntelten bewaffneten Raubzüge sollten wir weiterhin den Angelsachsen überlassen.

Im Grunde würde es den damaligen Raubstaaten nur recht geschehen, wenn heutige im Aufstieg befindliche Mächte (China) sich ein Beispiel an ihren damaligen Methoden nähmen und den heutigen Niedergang dieser Staaten zum Anlaß nähmen, in gleicher Weise zu handeln. Aber zum "Glück" hat man ja die Atombombe...

Zitat von: Bergedorf am 06 November 2013, 02:19:55P.S.: Ich hoffe aber, Dich irdenwo falsch verstanden zu haben, und dass Du hier gerade nicht eine stark nationalistische bzw. chauvinistische Position vertreten hast... In diesem Falle entschuldige ich mich schon einmal für meinen Beitrag, allerdings nur soweit er als Angriff auf Dich gerwertet sein könnte...

Ich habe von der Verteidigung und Behauptung der Freiheit und Unabhängigkeit meines Landes und dem Verhindern eines Vasallendaseins von Gnaden der Sieger gesprochen, eine Position, die eigentlich im freien Rest der Welt selbstverständlich ist und als höchstes Gut angesehen wird, wie man dem Vehalten, den Reden und Stellungnahmen von Politikern bei jedem beliebigen Anlaß etwa in den USA, Großbritannien (Churchill wird heute noch dafür gelobt, daß er im Sommer 1940 das deutsche Angebot eines Friedensschlusses als »Unterwerfung«, »Kapitulation«, »slavery« zurückgewiesen hat, obwohl diese, um es gelinde zu sagen, polemische Charakterisierung vollkommen lächerlich war; lt. dem damaligen Außenminister Halifax ging es um »simply peace«), Frankreich und Rußland entnehmen kann. Ich kann nicht erkennen, warum eine solche Forderung in Bezug auf Deutschland eine »stark nationalistische bzw. chauvinistische Position« sein sollte, wo sie in Bezug auf jede andere Nation als vollkommen selbstverständlich angesehen wird.

Und zu meiner Einschätzung des Status der BRD im vorigem Beitrag, genügt es, wenn ich aus aktuellem Anlaß exemplarisch etwa darauf verweise:

http://www.zeit.de/politik/deutschland/2013-10/nsa-uerberwachung-merkel-interview-foschepoth

Ganz linksaußen sieht man dies übrigens ähnlich:
http://rotefahne.eu/2013/11/regierung-merkel-im-koma-unterwerfung-statt-voelkerrecht/
http://rotefahne.eu/2013/11/sahra-wagenknecht-usa-regime-angst/

Gruß
Thomas

Spee

Sahra Wagenknecht spricht aus, was Patrioten heute fordern.

Ab da konnte ich nur noch lachen  :sonstige_154:

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Leutnant Werner

Sahra mit "h", der heiße Feger des realen Sozialismus.

Ich mag die, weil da kommt immer mal was Kurioses raus.

Muss mal schauen, dass ich Morgen oder Übermorgen wieder umfänglich hier einlasse, jetzt muss ich leider Fußball gucken.

Bis dahin alles Gute

Ekke

Karsten

Zitat von: Huszar am 05 November 2013, 18:10:12@Karsten:
Hamburg-Gijon/Santander/Bilbao jeweils ca. 1000sm, La Coruna ein klein wenig mehr, Vigo ca. 1150, Cadiz ca. 1500-1600, Ceuta 1650, Melilla 1700-1800.

@ Alex: Herzlichen Dank. Dann rechne/schätze/überschlage ich mal weiter ...
Viele Grüße,

Karsten

Leutnant Werner

Hallo Sportsfreunde,

hier ist mir gerade ein wenig viel Streuung drin.
Z.B.
- in dem Szenario kämpft nicht die französische Feldartillerie mit ihrem neuesten Material gegen das Reich, sondern artilleristisch schlecht bewaffnete Spanier

- Politische Erwägungen halte ich bis zu einem gewissen Grad  für sachfremd, hier soll ein von Kaimarex entworfenes Szenario strategisch und taktisch durchgerechnet werden. Politik ist nur insoweit von Interesse, als man Störaktionen anderer europäischer Großmächte in Rechnung ziehen muss, und da halte ich die Befürchtungen der meisten anderen Diskuttanten für stark übertrieben.

- Insbesondere die Franzosen werden still halten. In 1897 gibt es noch nicht so viele MGs,( und die Deutschen haben den Wert dieser Waffe schon begriffen und haben recht viele davon),. noch nicht so viel Stacheldraht, keine Flugzeuge, die Deutschen haben mehr  Feldartillerie als die Franzosen und die ganze taktische Durchbildung und Organisation = da liegen Welten dazwischen. 1897 wären die Deutschen innerhalb von 4 Wochen in Paris gewesen und die Franzosen wissen das auch. Warum haben die Franzosen 1904 den Pakt mit ihrem Erzfeind geschlossen? Aus Angst und Leidensdruck, würde ich mal vermuten.

- Und Urs: Wenn sich das spanische Panzerkreuzergeschwader nicht stellt, was dann? 1897 haben die deutschen Großkampfschiffe den Fernkampf schon geübt (fleißige Leser haben im Schmalenbach Admiral Thomsen kennengelernt, danach sollten deutsche See-Artilleristen in 1897 mit einer realen Chance auf Trefferwirkung bis 6.000 m feuern können, gegen stationäre Ziele vielleicht sogar bis 8.000 m. Die Spanier haben in 1898 gezeigt, dass sie auf 2.000 m keinen Blumentopf treffen, und warum sollten ihre Küstenbatterien weiter oder genauer schießen? Außerdem hat Deutschland dank Herrn von Tirpitz die vielleicht effektivste Torpedowaffe ihrer Zeit,  und kann mit Ankretauminen umgehen (da ist der Spanier noch schwach), da gibt es vielfältige Bekämpfungsmöglichkeiten


Karsten 1: Kriegsgrund/Anlass: Glaube ich nicht, dass Du Kuba und die Philippinen gleich streichen kannst, Alex. Auf Kuba und den Philippinen waren Aufstände gegen die Spanier im Gange, In Kuba war dieser Aufstand 1898 schon weitgehend niedergeschlagen, da General Weyler ein Genie in der Strategie gegen Insurgenten war. Wäre er auch sonst ein taktisches Genie gewesen, hätte er ein korpsstarken Verband gegen die Amerikaner geschickt und sie ins Meer geworfen. Hat er aber nicht.
Als Eroberer kannst Du auch Befreier sein, und da hätten die Deutschen genau so gute Karten gehabt wie die Amerikaner. Das hätte bedeutet, etwa 50.000 Mann nach dem Feldzug auf der Insel mit Polizeifunktion, später vielleicht 10.000 und lokale Hilfsrkäfte. Inwieweit Kuba jetzt wirklich Kriegsziel sein sollte, sei dahin gestellt. Puerto Rico beispielsweise lässt sich (als Kriegsbeute an Deutschland gebracht) wesentlich einfacher kontrollieren. Wenn es darum geht, nur ein Bekohlungs- und Informationszentrum für die deutsche Handels- und Kriegsmarine in der Karibik zu gewinnen, dies wäre das vorrangige Ziel, wäre der Ankauf dieser Dänischen Insel, bei der das Überseekabel anlandet, sicher Ziel führender. Aber wir diskutieren hier nicht die beste Lösung, sondern ein von Kaimarex entworfenes Szenario.
Auch halte ich Manila für besser als Kiaotschou, weil da viel Wasser darum herum ist. Ist genau so schlecht verteidigbar wie eroberbar.

So, jetzt bin ich aber müde, diskutiere Morgen wieder mit

Huszar

Hallo, Ekke,

Die beiden kannst du streichen, weil nicht die mindeste Möglichkeit besteht, ein genügend grosses Expeditionskorps da rüberzuschicken und zu versorgen.
Wie die Amis drauf reagieren, ist auch noch ne interessante Frage.

Insgesamt sehe ich keinen zwingenden Grund, weshalb Dtl Krieg erklären sollte. Da gibt es eigentlich nichts wertvolles, das einen Krieg rechtfertigen würde.

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Leutnant Werner

Aber Alex :-D

wenn es dem Spanier 1898 möglich war, die 8.000t-HAPAG-liner VICTORIA LOUISE und COLUMBIA anzkaufen, auszurüsten, als Hilfskreuzer PATRIOTA und RAPIDO in Dienst zu stellen, und auf jedem von den beiden 4.000 Infanteristen in Cadiz einzuschiffen mit Reiseziel Manila - was wäre dann dem Deutschen Reich erst möglich gewesen?

Ihr tut immer so, als sei das 19. Jahrhundert das Mittelalter gewesen. Aber in den 1890ern ist weltweite Logistik überhaupt kein Problem! Schon gar nicht für eine führende Handelsnation wie Deutschland. Ist Dir überhaupt klar, dass die Vereinigten Staaten und das Reich ab den 1890ern Kriegspläne gegeneinander entwickelten und das in den deutschen Szenarien Anlandungen von bis zu 200.000 Soldaten beispielsweise in New York City geplant waren? Also - stecken lassen....

Kuba liegt strategisch günstig und hatte damals einen hohen wirtschaftlichen Wert durch den Zuckerrohr- und Tabakexport, die Philippinen waren noch nicht entwickelt, aber relativ rohstoffreich und strategisch ebenfalls sehr interessant und günstig gelegen. Wenn ich ein alter Hegemonialist bin, der in Berlin sitzt, dann läuft mir schon der Speichel. Deutschland verfolgte nach dem erzwungenen Abgang Bismarcks durchaus eine "Weltmacht"-Politik. Das Szenario von kaimarex kann man ohne Weiteres als realistisch betrachten.

Langensiepen

#73
ich möchte nochmals auf meine Abbelsinnas zu sprechen kommen. Es mag ja sein, das Dittmeyer seine Abbels aus Marokko bekommt und dies schöne Ländchen noch nicht französisch ist. Aber die Plantagen und der gesamte Handel war in franz. Hand und die würde uns nix mehr schicken, also neuer Krieg mit Frankreich.
Kuba zu annektieren wäre aus folgenden Gründen unpässlich. Zucker ham wir reichlich( niedersächsisch-pommerische Runkelrübe) . Rum ? Da gibst Ärger mit den ostelbischen Junkern, die wo dann Probleme mit dem billigen Kartoffelschnaps haben werden bekommen. Zigarren ? Würden in Kuba durch dortige Lohnsklaven preiswerter hergestellt als durch die Tagelöhner ( Heimwerker) in Bremen, Hamburg, Berlin und Elberfeld.  Zucker, Rum und Tabak würden nur die Verelendung der werkstätigen Massen im Reich vergrößern und letztlich zu der ja bekannten "Kuba-Revolte" ( 2.4 bis 8.10.1899 ) führen, an deren Ende ( 1.4.1900 ) ja die  Ausrufung der " Erste allgemeinen, sozialistischen ,demokratischen Volksrepublik Deutsch-Österreich" stand. Nebenbei sind alle Kuba Produkte ( Syphilis , Alkohol , Nikotin , Zucker ) volksschädlich bis zum erbrechen und würden schon um 1913 herum einen jungen, talentierten Postkartenmaler aus München auf den Plan rufen , mit den dann bekannten Folgen ( 3. Reich = 1913 - 1925)   
Ne, laßt es sein und nehmt dafür als Gegner des Reiches die Innere Mongolei.     

Urs Heßling

#74
moin,

Ja, wir sollten uns auf das Seekriegs-Szenario à la Kaimarex beschränken, sonst prallen die unterschiedlichen Meinungen nur aufeinander.

Meiner Meinung nach hätten die USA keine deutsche Position in der Karibik geduldet, weder auf Kuba noch auf Puerto Rico (St. Thomas liegt außerhalb des Szenarios), sowohl wegen der Monroedoktrin als auch wegen wirtschaftlicher Interessen.

Zu den Philippinen siehe http://books.google.de/books?id=WyiNDRUOm_EC&pg=PA121&lpg=PA121&dq=kaiser+wilhelm+ii+manila&source=bl&ots=YA8vuYoJdc&sig=cHCXy5b97I52A4ffb4TDldEXVeE&hl=de&sa=X&ei=N5F7UtD9JYGttAbl4IHoBA&ved=0CEAQ6AEwAw#v=onepage&q=kaiser%20wilhelm%20ii%20manila&f=false 
selbst das "Erhandeln" eines "Tauschobjekts" wäre also wohl auf Widerstand gestoßen.

Mein persönliches Fazit ist : D hätte nach einem erfolgreichen Krieg im Pazifik als "Kriegsbeute" 1897 das bekommen können, was 1899 gekauft wurde, mehr nicht.

Zitat von: Leutnant Werner am 07 November 2013, 00:21:19
Urs: Wenn sich das spanische Panzerkreuzergeschwader nicht stellt, was dann? 1897 haben die deutschen Großkampfschiffe den Fernkampf schon geübt (fleißige Leser haben im Schmalenbach Admiral Thomsen kennengelernt, danach sollten deutsche See-Artilleristen in 1897 mit einer realen Chance auf Trefferwirkung bis 6.000 m feuern können, gegen stationäre Ziele vielleicht sogar bis 8.000 m. Die Spanier haben in 1898 gezeigt, dass sie auf 2.000 m keinen Blumentopf treffen, und warum sollten ihre Küstenbatterien weiter oder genauer schießen? Außerdem hat Deutschland dank Herrn von Tirpitz die vielleicht effektivste Torpedowaffe ihrer Zeit,  und kann mit Ankretauminen umgehen (da ist der Spanier noch schwach), da gibt es vielfältige Bekämpfungsmöglichkeiten.
Mine: OK
Torpedo: Die deutschen Boote hatten schon in der Nordsee ihre Schwierigkeiten, aber vor der iberischen Küste, in einem "Norder" ? Da reichte ein Stützpunkt auf den Kanaren nicht aus; da müßte ein besetzter spanischer Hafen her (mit allen politische/strategischen Problemen der Landbesetzung) oder eben doch ein portugiesischer in wohlwollender Neutralität.
Artillerie-Fernkampf: Denkst Du da an eine Beschießung der Spanier im Hafen ?

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Impressum & Datenschutzerklärung