Radargelenktes Feuer deutscher Kriegsschiffe im WWII

Begonnen von Matrose71, 09 August 2014, 17:08:26

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Gabler

Hallo Allerseits, und speziell an Leopard:

ZitatNun wird die Minimumpeilung im Net aber, egal wie oft ich gegoogelt habe, immer mit dem "Conical Scan"-Verfahren gleich gesetzt. Mit Parabolantennen wie der Würzburg-Serie oder dem SRC584 zB. Nicht aber mit der Verwendung in Rahmenantennen wie den Seetakt's. Wie "fachübersetzt" man denn dieses Prinzip ins Englische?

Das lobe-switching-Verfahren (=beam-switching anscheinend) scheint dem Vergleichsverfahren - also der LeitlinienPeilung im Deutschen zu entsprechen. Womit ab 01/1935 begonnen wurde (GEMA). Die Briten wendeten das System uA beim 284 von Beginn an (offenbar) an und behielten es bis zu den letzten Versionen des 274 bei. So mein derzeitiges Verständnis.

Genau wie Dir ging es mir auch. Nach Lektüre der Fachbeiträge hier und etwas Inet-Nachlese scheint es offenbar dieselbe Bezeichnung für zwei unterschiedliche Verfahren zu geben, wobei mir jedenfalls nicht klar ist, ob der Begriff "Minimumpeilung" im englischen überhaupt wörtlich für das "Conical Scan"-Verfahren verwendet wird oder ob es sich nicht vielleicht um eine unqualifizierte deutsche (Rück-)Übersetzung handelt. olpe hat da glaube ich den richtigen Riecher.

Unter generell meßtechnischer Betrachtungsweise muß man unterscheiden zum einen zwischen der Art und Weise, wie der gerichtete elektromagnetische Radarstrahl erzeugt wird und zum anderen, wie dieser mit Hilfe eines Ausgabegeräts wahrnehmbar und bspw. die Peilung einstellbar gemacht wird.

Zum ersten Punkt: Die Matratzenantennen erzeugen sowohl horizontal als auch vertikal ein tropfenförmiges Antennendiagramm, das im Raum wie eine Keule aussieht, daher auch die Bezeichnung "Antennenkeule". Bei zwei nebeneinander angeordneten Empfangsantennen für Vergleichspeilung wird ein überlappendes Doppelkeulendiagramm erzeugt. Der Schnittbereich ist so schmal, daß mit diesem Leitstrahl- oder Leitlinienverfahren wie v. Kroge schon schrieb, eine 10 mal höhere Peilgenauigkeit erzielt werden konnte als mit der einfachen Maximumpeilung.

Die beiden Antennenhälften wurden zu Anfangs an zwei Empfänger angeschlossen. Weil diese aber schwer zu synchronisieren waren, hat man einen Antennenumschalter konstruiert, der zunächst händisch, später motorisch beide Antennen abwechselnd anschloß. Nach meinen Dafürhalten entspricht dies der englischen Bezeichnung "lobe switching" oder "beam switching", wörtlich eher: "Diagrammumschaltung". Dieses technische Verfahren der Antennenteilung wurde bei der Gema Leitstrahl- oder Leitlinienverfahren genannt, die Bezeichnungen können nach meinem Dafürhalten synonym verwendet werden.

Die Telefunken-Antenne ist anders konstruiert: Der rotierende Dipol im Brennpunkt der Parabolantenne erzeugt wie beschrieben ein kegelförmiges (konisches) Antennendiagramm, das aber anders als die Keulen der Matratzenantennen nicht "gefüllt" ist, sondern im Zentrum offenbar eine Nullstelle, zumindest ein Minimum aufweist. Genau genommen entspricht das Diagramm einem Hohlkegelstumpf. Diese Diagrammform wird im demnach als "conical scan" bezeichnet.

Der zweite Punkt ist die optische Ausgabe des Empfangssignals auf der Braunschen Röhre. Chronologisch gab es in der deutschen Entwicklung so, wie ich das bisher aufgefasst habe, folgende Entwicklung (mit zunehmender Peilgenauigkeit):

1934: Maximumverfahren
1935: Leitlinien-(Vergleichs-)verfahren mit Kehrbildanzeige (=Kehrbildverfahren)
1940: Vergleichsfahren mit Schnittbild-(A/N-)Anzeige (=Schnittbildverfahren)
1941: Minimumverfahren
1943: Süselverfahren

Das Minimumverfahren oder die Minimumpeilung wird in den deutschen zeitgenössischen technischen Dokumenten nur für das Anzeigeverfahren verwendet, jedenfalls habe ich noch nichts anderes gelesen. Um allerdings noch etwas beckmesserich zu werden: Schaut man sich das Keulendiagramm der Gema-Matratzenantenne auf dem Bild von olpe (#1048) an, so liegt an der Stelle, an der die Antennennormale genau auf das Ziel gerichtet ist, auch ein lokales Minimum vor. Wir wissen aus den Versuchen von Gema und NVK, daß die Reichweite bei Vergleichspeilung bzw. Feinpeilung um etwa ein Drittel geringer war als bei Maximumpeilung. Das erkennt man an genau diesem Minimum. Man könnte als auch dieses technische Verfahren als Minimumverfahren bezeichnen ;-)

Das englische 284-Feuerleit-Radar wiederum hatte aber noch eine andere Darstellungsform: Nachdem zunächst nur nach dem Maximumverfahren gepeilt wurde, hat man mit einer Antennenteilung nebst -Umschaltung (also lobe switching) etwa 1940/41 ebenfalls das Vergleichsverfahren eingeführt. Die Anzeige sah aber aus wie eine "normale" Zackenanzeige, also ein "A-Scope", wobei die Zeitlinie in abwechselnden Segmenten dargestellt wurde. Bei außermittiger Peilung hat die Anzeige geflackert oder geblinkt und nur wenn das Ziel genau eingepeilt war, war ein kontinuierlicher Strahl zu sehen. Wie sich diese Anzeige in der Genauigkeit im Vergleich zu den deutschen Geräten verhielt, ist mir jedenfalls noch unklar. Die insgesamt höhere Seitenpeilgenauigkeit des englischen Geräts ist nach meinem Dafürhalten eher der Antennenkonstruktion zuzuschreiben als dieser Anzeige. Die Antennen waren ein ganzes Stück breiter und da mit dem Abstand der beiden Empfangsantennenschwerpunkte die Genauigkeit zunimmt, wird wohl eher dort die Ursache für die genaueren Peilwerte liegen.

Ja, und weil wir gerade wieder beim Thema Antennen sind, noch etwas zum verkomplizieren, einfach weil es gerade passt: Möglicherweise sind im deutschen die Bezeichnungen "Feinpeilung" und "Peilung fein" doch nicht identisch  :laugh:  (fsimon hat vor längerer Zeit einmal danach gefragt)

Als "Feinpeilung" wird generell die Vergleichspeilung bezeichnet im Unterschied zur "Grobpeilung", also dem Maximumverfahren. Bekanntlich wurden aber die Feinpeilzusätze der Gema für die Luftwaffe mit zwei Röhren geliefert, bei dem die obere Röhre eine senkrechte Zeitlinie mit Kehrbildverfahren aufwies, während die untere Röhre eine horizontale Zeitlinie schrieb und die beiden (phasenverschobenen) Echozacken in dieselbe Richtung nach oben zeigten, also das Schnittbild- oder A/N-Verfahren darstellen. Da das Schnittbildverfahren etwas genauer ist als das Kehrbildverfahren, wurde diese Anzeige als "Peilung fein" bezeichnet und die obere als "Peilung grob", obwohl doch beide Verfahren Feinpeilverfahren sind! Alles klar  :-D   :BangHead:

Grüße und gute Nacht

Gabler

olpe

Hallo,
ein Ausriss aus RM-45/II 505 ,,Pläne für neue Zerstörersäule (Konstruktion 43)". Recht interessante Details, so u.a. neben den eigentlichen Antennen die Anordnung der Geräte, die Schleifringkonstruktion u.v.a.m. Ein Download der RM lohnt sich ... :-) ...
Unten einige Ansichten (bildverbessert, tonwertkorrigiert, geschnitten). 

Soweit.
Grüsse
OLPE

Leopard2A6EX

Sehr interessant Olpe!

@Frank: danke für deine Antwort - habe sie natürlich längst gelesen und gespeichert. War die letzte Zeit nur etwas gesundheitlich be/verhindert für eine Reaktion.

Gabler

Olaf: Ja Wahnsinn, was da noch so alles zutage tritt! Erneut toller Fund, vielen Dank fürs Teilen!  :MG:
Bein Einblick in aller gebotenen Kürze folgende Erkenntnisse:

1. Die Dimensionen. Nun schwarz auf weiß die Konstruktionsmaße:
- Für die kleine 2x10-Dipol-Seetakt-Antenne: 1,9m x 4,0m
- Für die breite 2x16-Dipol-Calais-Antennne: 1,9m x 6,3m (genau 6,268m)

Daß die (Calais-)Landgeräte nur 6,2m breit waren, das war zwar bekannt, aber warum der Überstand nicht mit Lambda-Viertel bemaßt wurde (also Breite 6,4m), erschließt sich mir nicht. Damit hatten die äußeren Dipole eine kleinere Reflexionsfläche als die anderen, mit entsprechend geringerem Antennengewinn. Vielleicht war das das maximale Verlademaß.

2. Die Anordnung von Sende- und Empfangsantenne ergibt sich aus den Anschlüssen: Während für die Sendeantenne nur ein Anschluß erforderlich war, der an diese runden Flansche angeschraubt wurde, brauchte man für die Empfangsantenne zwei Anschlüsse, um das Vergleichsverfahren realisieren zu können. Die Empfangsantenne befindet sich also bei beiden Antennen unten, die Sendeantenne darüber. Das habe ich bislang bei allen Bordantennen so gesehen, nur bei den Drehständen (FuMO 1/2) wurde die Empfängerantenne über der Sendeantenne angeordnet. Dort gab es aber auch keine Antennenteilung!

3. Der innere Aufbau des "Hochfrequenz-Dreifach-Kontaktsatzes" erschließt sich mir noch nicht, obwohl der Leitungsverlauf klar ist. Jedenfalls soll die Antenne damit voll durchdrehbar sein. Ein Herstellername ist nicht angegeben. Auf der Zusammenbauzeichnung ist der Name SAM für den Kontaktsatz angegeben. Die Zuschreibung der "SAM-Säule" zu den Hochfrequenz-Schleifringen, die olpe schon früher vorgenommen hatte, wird damit bestätigt. Chapeau!

Die Antennen, die mit dieser SAM-Säule ausgestattet waren, sollten also voll drehbar sein. Jedoch ausgerechnet die Calais-Antennen auf den Auslegern für die beiden großen Einheiten Prinz Eugen und Nürnberg scheinen trotz SAM-Säule nicht voll durchdrehbar gewesen zu sein. Die Vermutung, daß der eingeschränkte Erfassungsbereich nur auf Abschattung durch Aufbauten zurückzuführen wäre, kann nicht zutreffen, da dies auch für die Zerstörer-Antennen (mit SAM-Säule) gelten müßte. Dort sind aber keine Einschränkungen der Erfassungsbereichs angegeben. Hm.

Nebenbemerkung: Es gab noch einen Zwischenschritt zwischen "alter" und "neuer" Antennenform, bei der nicht der komplette Sender nach innen wanderte, sondern nur die Bauteile der unteren Hälfte des T-Geräteschranks, namentlich das Netzteil TN und das Steuerteil TS, während das Ultrateil TU nach wie vor direkt hinter der Sendeantenne verblieb, des besseren Wirkungsgrades wegen. Das ist bei der gezeigten Anordnung in den Bedienräumen nicht mehr der Fall.

4. Die Antennenzeichnungen stammen vom Februar 1944, die Einbauzeichnungen für die aufgesetzte Zerstörersäule (FuMO24) vom Dezember 1943, für die abgesetzte Säule (FuMO 25) auch von Februar 1944. Das ist ganz hilfreich zur zeitlichen Einordnung.

5. Erneut kein Hinweis auf die Verwendung eines Hochleistungssenders. Die Darstellung der Geräte ist zwar vereinfacht, aber es hätte ja sein können...

PS Leopard: Kein Ding, mußt Dich nicht erklären.  :TU:)

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