Unterwassertorpedorohre bei Schlachtschiffen

Begonnen von Rheinmetall, 06 Oktober 2014, 12:11:15

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Rheinmetall

Moin, moin zusammen !

Beim Lesen von Mike  Whitley`s Werk über die Schlachtschiffe des Zweiten Weltkrieges ist mir aufgefallen, dass die meisten Marinen der damaligen Zeit ihre Giganten zur See mit Unterwassertorpedo-Rohren ausstatteten.
Bei der Kriegsmarine war vorgesehen, die nie vollendete H-Klasse gleich mit sechs 53,3 cm Rohren auszustatten, welche fest eingebaut werden sollten.
Meistens waren es jedoch zwei Rohre unter Wasser in seitlicher Aufstellung, während die italienische Cai Suilio-Klasse vor ihrem Umbau 1940 beide Rohre am Heck führte.
(Vermutlich um sich besser aus dem Staub zu machen, falls der Rückwärtsgang klemmen sollte.)  :-D

Nun hätte ich gerne gewusst, was diese Aufstellung unterhalb der Wasserlinie für Vorteile hatte ?
Kreuzer und Zerstörer trugen ihre Torpedo-Waffen ja auch auf Deck, also was sollte diese "Heimlichtuerei" bei den Dickschiffen ?
Kann mir darauf absolut keinen Reim drauf machen.
Denn für einen unerwarteten Torpedotreffer während eines Seegefechtes war die Reichweite zu gering, bzw. der Vorhaltewinkel viel zu groß.
Außerdem weiß ich nicht wie es funktionieren sollte, wenn ein Schlachtschiff bei großer Fahrt seitlich ein Torpedo unter Wasser ausstoßen sollte (Schlagwort Wasserwiderstand).
Um einem stillliegenden oder sinkenden Gegner mit Torpedos den Fangschuß zu geben, halte ich diese Waffe wiederum für zu kostspielig.

Was also waren die Vorteile bei dieser Installation ?

Würde mich sehr freuen wenn Ihr mir bei diesem Thema weiter helfen könntet.
Mit den besten Grüßen aus Süddeutschland,

Rheinmetall



 

Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Huszar

Hallo,

Es führten nicht nur Dickschiffe T-Rohre unter Wasser, sondern auch einige, frühere Kreuzer.
Bei den Dickschiffen warens meistens 4: zwei seitlich, eines am Bug, eines am Heck. Im Nachhinein betrachtet sind diese Mengen lächerlich, vor dem 1wk fuhren aber auch Zerstörer/T-Boote nur einzelne Rohre spazieren. Der Grund war mMn der, dass die Trefferwahrscheinlichkeiten der Torpedos massivst überschätzt waren, bzw man hoffte, wegen der rudimentären Feuerleitanlagen und begrenzten SChussweiten der Ari recht nahe ranzukommen.

Wie dann der Krieg zeigte, waren all diese Annahmen fehlerhaft, und die T-Rohre wurden bei den noch vorhandenen Einheiten ausgebaut.

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Kajot

... was aber nicht die Schnapsidee von T-Rohren bei den Hs erklärt.
Ich kann es mir nur im Kontext mit dem geplanten Handelskrieg erlären, um mit einem T-Fangschuss die MA zu entlasten.
Dabei lägen die Schiffe sowieso gestoppt, bzw. liefen mit kleiner Fahrt in geringem Abstand. Aber dafür 6 Rohre ...

ede144

ZitatNun hätte ich gerne gewusst, was diese Aufstellung unterhalb der Wasserlinie für Vorteile hatte ?

Nun ich möchte keinen Torpedo auf meinem Deck offen rumliegen haben, wenn man mit Artillerie aufeinander schießt. Nicht nur der Kopf ist gefährlich, sondern auch der Antrieb, der früher mit Druckluft ausgestattet war.
So ein explodierender Druckbehälter versaut dir alles was da im weiten Umkreis herum aufgebaut ist.

Imposand

Sehe ich wie ede144.

Da muss man sich ja nur mal anschauen, bei wieviele Schwere Kreuzer der IJN die an Deck liegenden Torpedos, durch Treffer expoldiert sind und immer große Schäden angerichtet haben.

Man siehe da nur mal die Mikuma bei Midway, die Suzuya und Mogami bei Leyte, die Chokai bei Samar... mehr fallen mir gerade nicht ein.

Daher ist es mit der "Sicherheit" von Unterwassertorpedorohren besser gestellt als mit an Deck befindlichen Aalen. Wobei man ja auch hier am Beispiel Lützow sieht, dass auch das, bei einem entsprechenden Treffer böse enden kann.
WoWs-Nick: Valletto

Im Übrigen bin ich der Meinung, gehört der Rundfunkbeitrag abgeschafft!!

halina

#5
Der Einbau des Bug-Torpedorohres im Grossen Kreuzer SMS "LÜTZOW" ist dem Schiff in der Skagerrak-Schlacht 1916 zum
Verhängnis geworden , als 2 Torpedos das Vorschiff trafen und eine gewaltige Explosion durch die im Vorschiff gelagerten Torpedos auslösten . Nach einem Wassereinbruch von ca. 7.500 t im Vorschiff konnte das Schiff nicht mehr gesichert werden
und musste am Morgen des 1.6. durch Torpedos der begleitenden T-Boote versenkt werden ,wobei 128 Seeleute mit der
Lützow in den Fluten der Nordsee versanken . Die Marineleitung zog daraus die Konsequenzen , so dass beim Grossen
Kreuzer "Derfflinger" das Bugtorpedorohr ausgebaut und bei der "Hindenburg" kein Einbau mehr erfolgte .
                                                                                                                                                                             :MG: halina

Edit: Auch wenn die Situation dramatisch war , evtl hätte man das Schiff durch Flutung  der achteren Abteilung in eine bessere Horizontallage bringen können , damit die Schrauben wieder im Wasser drehen und somit langsame Fahrt über
Heck hätte aufgenommen werden können .

Hier noch ein Foto von der "SMS Lützow" , mit ca. 210 meter die längsten 3 Grosskampfschiffe der KM
" Man muss nicht unbedingt das Licht des Anderen ausblasen , um das eigene Licht leuchten
zu lassen"
                      Phil Borman

bodrog

Um jetzt mal nicht dumm aus der Wäsche zu gucken: Welche Großkampfschiffe im WK II hatten denn überhaupt T-Rohre? mir fällt nur Scharnhorst-Klasse und Tirpitz ein sowie geplant für H.

Vor 1914 war die Ausgangslage mit dem avisierten Getümmel eine ganz andere und die sind auch von 40 Jahren theoretischer Friedensüberlegungen ausgegangen (Tsushima wurde selbstredend als nicht übertragbar angesehen).

MfG

J.I.M

Rodney und Nelson hatten Unterwassertopedorohre. Die Rodney hat diese auch im Gefecht gegen die Bismarck eingesetzt.
Grundsätzlich finde ich, dass die Torpedrohre auf ein geeignetes Begleitschiff gehört. Aus meiner Sicht ist es schon bemerkenswert, dass man Schiffe für die Hochsee gebaut hat, jedoch keine Zerstörer, die auch nur annährend für die Begleitung geeignet waren.(Von den viel später geplanten Dieselzerstörern sehe ich an dieser Stelle mal ab)

JIM

Huszar

Hood, die PzSchiffe, Royal Oak, Renown, Repulse, Nelson/Rodney, die drei Russen. Es ist möglich, dass weitere ältere englische/französische Einheiten welche hatten.

mfg

alex
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Kajot

#9
Alle Rs nd QEs hatten ursprünglich 4 x 21" Unterwasser-Torpedorohre. Bei allen Rs wurden die in den Modernisierungen ab 1930 entfernt, zu den QEs kann ich aus dem Gedächtnis nichts sagen.

t-geronimo

Ich meine, alle Briten haben irgendwann ihre TR ausgebaut bekommen, weil sie vom Zweck her spätestens zu Beginn des 2. WKs obsolet wurden, wie die stark gestiegenen Gefechtsentfernungen gezeigt haben. Die Briten waren ja nie als Handelsstörer gedacht wie die deutschen Schiffe.
Außerdem benötigte man jede Gewichtseinsparung, die man bekommen konnte, um mehr Panzer und Flak einzubauen.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Karlchen

Zitat von: halina am 07 Oktober 2014, 19:31:39
Der Einbau des Bug-Torpedorohres im Grossen Kreuzer SMS "LÜTZOW" ist dem Schiff in der Skagerrak-Schlacht 1916 zum

Waren das nicht die Torpedoräume für die "Breitseitentorpedos", welche getroffen wurden?

Huszar

Hallo, Thorsten,

Hab im Whitley geschaut, Royal Oak hatte definitv welche, die QEs aber keine mehr. Ob die anderen Rs welche hatten, war etwas schwammig.  :-D

mfg

alex
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bodrog

Edit: ich meinte, dass keines der neuen BBs T-Rohre hatte und das sicher aus gutem Grund...

Leipzig

Im ersten Weltkrieg hatten praktisch alle Dickschiffe Unterwassertorpedorohre. Man rechnete damals noch mit Gefechtsentfernungen, die deren Einsatz ermöglichen würden, und ganz falsch war das auch nicht, z. B. haben die deutschen Schlachtkreuzer auch in der Skagerrakschlacht Torpedos geschossen (getroffen haben sie wohl nichts, aber die Trefferquote der Torpedoboote war auch nicht sehr beeindruckend). Außderdem wollte man damit einem angeschlagenen Gegner den Rest geben können. Die Aufstellung unter Wasser hatte den Vorteil des besseren Schutzes gegen Artillerietreffer. Dafür erforderten sie allerdings unter Wasser größere Räume, die man schlechter wasserdicht unterteilen konnte, s. "Lützow", und waren natürlich weniger flexibel als drehbare Rohrsätze an Deck.

In der Nachkriegszeit sah man die Aufgabe der Torpedos zumindest in der deutschen Marine und für die großen Schiffe eher in der Versenkung von Handelsschiffen (die Erfahrungen im Ersten Weltkrieg hatten gezeigt, dass es manchmal gar nicht so einfach ist, ein Handelsschiff mit Granaten zu versenken), und sah deshalb Torpedorohre (jetzt aus den oben genannten Gründen an Deck) auf den Panzerschiffen und Schweren Kreuzern vor (die ohnehin nicht vorrangig Artilleriegefechte führen sollten), nicht hingegen auf den Schlachtschiffen. Das stellte sich dann aber als Mangel heraus, als man auch diese im Handelskrieg einsetzte, insbesondere bei der Operation "Berlin" im Frühjahr 1941. Daraufhin wurden dann auf den verbliebenen Schlachtschiffen "Tirpitz", "Scharnhorst" und "Gneisenau" (in Brest) Torpedorohrsätze nachträglich an Deck eingebaut. Bei der H-Klasse muss man sich das wohl auch schon vor diesen Erfahrungen überlegt haben. Dass man bei ihnen wieder auf Unterwasserrohre zurückging, könnte daran liegen, dass sie eben noch in erster Linie Artilleriekampf führen sollten. Die hohe Anzahl sollte wohl entsprechend viele Bestreichungswinkel ermöglichen, um die mangelnde Flexibilität der einzelnen Rohre auszugleichen. Vielleicht stand dahinter allerdings auch schon eine gewisse Neigung zum Gigantismus.

Ach ja, und das Problem des Querwiderstandes hatte man schon zu Kaisers Zeiten längst gelöst und konnte auch bei hoher Fahrt aus Unterwasser-Breitseitrohren schießen: Aus der Öffnung wurde eine Führungsschiene ausgefahren, an der der Torpedo lief, bis er vollständig aus dem Schiffsrumpf ausgetreten war.

Leipzig   

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