Schmalenbach: Langsdorff hats versaut....

Begonnen von Leutnant Werner, 22 August 2006, 12:25:40

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Leutnant Werner

Hallo,

in der letzten Zeit hatten wir ja wieder vermehrt Threads über die Graf Spee und River-Plate-battle. Paul Schmalenbach hat in "die Geschichte der deutschen Schiffsartillerie" seine völlig eigenen Ansichten über den honorigen Kapitän Langsdorff:

"Im vorletzten Abschnitt ist dargelegt worden, wie sich die Artilleristen bemüht haben, Schiffs- und Verbandsführung von der Rücksichtnahme auf die Artillerie bei Kurs- und Fahrtänderungen zu befreien. Im Gegensatz dazu war die Einstellung der Kommandanten und Befehlshaber zur Artillerieführung so starr geblieben, wie sie in der Hochseeflotte mit 20 eigenen Schiffen und noch mehr Gegnern gewesen war und hatte sein müssen. Der A.O. blieb damit im Gefecht reiner Schießleiter, womit seine taktischen Kenntnisse und Erfahrungen im Gefecht häufig unausgenutzt blieben.

Diese Einstellung hätte spätestens überprüft werden müssen, als die Entsendung der Panzerschiffe in den Handelskrieg geplant wurde, denn ein Panzerschiffskommandant hätte so im Gefecht nicht auf seinen wichtigsten taktischen Berater verzichten müssen. Mit dem Aufkommen der Kampfgruppentaktik nahmen die Aufgaben der führenden Kommandanten noch zu, ohne dass Ihnen taktische Gehilfen gegeben wurden. In diese Aufgabe hätten die Ersten Artillerieoffiziere gehört, da ja die Artillerie die Hauptwaffe der Panzerschiffe und Schlachtschiffe war.

Wie verhängnisvoll diese starre Haltung der Führung sein konnte, bewies "Admiral Graf Spee" im Gefecht vor dem La Plata. Der Kommandant, langjähriger Torpedobootsfahrer und kein Artillerist, ließ sich während des ganzen Gefechtes nur durch torpedotaktische Überlegungen leiten, richtete den Gefechtskurs nach möglichen (!) Torpedolaufbahnen und zwang die Artillerie zu immer neuem Einschießen und zur Munitionsverschwendung. Dass der Kommandant sein Schiff vom Vormars aus, d.h. vom Hauptartillerieleitstand aus, führte, bedeutete eine weitere schwere Belästigung und Behinderung der Artillerie (...)"

Schmalenbach: a.a. O., S. 120 f.

"Dass "Admiral Graf Spee" das Gefecht vor der La Plata-Mündung nicht eindeutig als Sieger beenden konnte, lag einerseits an der vorbildlichen Führung der britischen Kreuzergruppe und andererseits bestimmt nicht an der Artillerieanlage und ihrer Leitung."

Schmalenbach: a. a. O., S. 159

Irgendwelche Kommentare?

Mario

Das ist ein Argument, daß man nicht widerlegen kann, dem man aber auch nicht uneingeschränkt zustimmen kann.
Hinterher ist man immer schlauer, was würde heute nicht alles geschrieben, wenn Langsdorffs GRAF SPEE die HMS Exeter zwar versenkt, kurz darauf aber zwei vernichtende Torpedotreffer hätte einstecken müssen, weil sie es versäumt hatte, sich die leichten Kreuzer vom Leib zu halten ? ? ?
ZitatDass der Kommandant sein Schiff vom Vormars aus, d.h. vom Hauptartillerieleitstand aus, führte, bedeutete eine weitere schwere Belästigung und Behinderung der Artillerie
Das Argument mit dem Kommandanten als Torpedospezialist leuchtet mir ja noch ein, dieses aber nicht. Wer kann mich (uns) aufklären ?

Lutscha

Da gibts mehrere Möglichkeiten: Enge, Ablenken durch Gespräche/Befehle oder Anweisungen an die Artilleristen

Das kann dem Typen am Entfernungsmesser ganz schön nerven.
Das ist ja barer Unsinn, wenn das stimmen würde, hätten SIE ja recht!

Typisch deutsche Argumentationsweise.

Ralf

Ok, um hier weiter zu kommen müssen wir wissen, wie nah die CL ran mussten, um einen Torpedofächer anzubringen... Wie viele hatten Achilles und Ajax an Bord?

*peterkaufdieschulterklopftundfragendanschaut!*  :O/Y
Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

Mario

wenn ich micht recht entsinne, dann wurden die Torpedos tatsächlich auch abgefeuert.
Die Exeter feuerte ihre Aale allerdings nur aus reiner Verzweiflung ab, um ihren Rückzug zu decken. Die beiden leichten Kreuzer waren da schon etwas näher dran.
Vieleicht bekomme ich noch Genaueres raus.

Huszar

Exeter hatte zwei Drillinge, die CLs zwei Vierlinge. Wie viele Torpedos für diese vorhanden waren, ist eigentlich nebensächlich, da sowieso nicht nachladbar während des Gefechts...

Soweit ich mich erinnern kann, schossen die Japaner ihre LL meistens aus max. 100hm ab, bei den Engländern bin ich mir nicht sicher, aber mehr, als 70 dürften es nicht gewesen sein. (mit der Chance, wirklich etwas zu treffen)

Um wirklich sicher zu sein, wäre eine Entfernung von max 50hm vorteilhaft...


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Ralf

Dann ist ja auch die Frage, wie nah sie ran gekommen sind...

Ich für meinen unwissenden Teil hätte mich wohl erst um den etwas schweren CA gekümmert, sprich SA auf ihn konzentriert und mit der MA die anderen beiden bedacht, auch wenn 4x15cm pro Seite nicht viel waren, um die wirklich zu gefährden.

Hat GS denn noch Torps gefeuert?
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

winni

Jep.Laut M.Powell hatte GS zur gleichen Zeit wie Ajax ihre Aale abgefeuert.
Es sind immer die Abenteurer die große Dinge vollbringen.


Montesquieu.

Huszar

@Ralf:

rein aus dem Gedächtnis ca. 75 hm.


mfg

alex
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1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Hades

ja Huszar, es waren 75 hm. Bei dieser Entfernung waren nur die japanischen Torpedos zu gebrauchen (s. Java-Schlacht).
Servus
Lothar

Wilfried

Moin, moin zusammen!

Ich möchte hier aus Mangel an Informationen und Sachkenntnis nicht zum eigentlichen Thema Stellung nehmen.  :-D
Etwas irritiert hat mich eher der Titel dieses Threads ... eventuell kann man daß doch etwas kompetenter formulieren?  :-D

Mit einem lieben Gruß
der Wilfried
... Tradition pflegen, bedeutet nicht, Asche aufzubewahren sondern Glut am Glühen zu halten ...
http://www.passat-verlag.de
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http://www.forum-marinearchiv.de - wenn Marine Dein Ding ist!

Peter K.

EXETER hatte auf jeder Schiffsseite einen Drillingsrohrsatz, AJAX und ACHILLES einen Vierlingsrohrsatz. Reservetorpedos wurden von ihnen meines Wissens nicht mitgeführt.

Ich glaube einmal gelesen zu haben, daß ADMIRAL GRAF SPEE nur einen einzigen Torpedo abgefeuert hat und angeblich befanden sich bei ihrem Eintreffen in Montevideo noch 6 Torpedos an Bord.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Huszar

Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Leutnant Werner

@Wilfried,

klar hätte man den Titel kompetenter formulieren können. Aber die Formulierung ist nichtsdestoweniger zutreffend, weil dies die einzigen "bösen" Worte von Schmalenbach über irgendeinen deutschen Offizier in der "Geschichte der deutschen Schiffsartillerie" sind :-D

Grüßle
Lt.

Mario

Es mag vieleicht auch ein wenig daran liegen, daß sich die Artillerieoffiziere im Nachhinein reinwaschen wollten. Und die Schuld auf Langsdorff zu schieben war ja leicht, er konnte sich ja nicht mehr wehren.
Ist jemanden bekannt, was Schmalenbach so im Krieg getrieben hatte ? War er vieleicht auch Artillerieoffizier ?

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