Flotten der Welt > Deutsche Kriegsmarine - Geschichte und Einsätze

Kampfschwimmer der Deutschen Kriegsmarine

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Spee:
@Mario,

soweit ich mich noch erinnern kann (habe den Jung Leo geschenkt), wurden die Kampfschwimmer Ende 1944/Anfang 1945 alle der SS unterstellt. Da konnte auch ein Konteradmiral Heye nichts mehr ändern.

Mario:
Wenn dem so ist, dann würfelt die Dokumentation so einiges durcheinander.
Aber das ist man ja gewöhnt.  :-( :|

Spee:
@Mario,

wie gesagt, 100% sicher bin ich mir nicht. Ist schon eine Weile her, seit ich den Jung gelesen habe. Aber Peter wird uns da sicher genaueres sagen können.

Peter K.:
@ LEO

Nun, als (Hochsee-)Segler bin ich natürlich irrsinnig gerne am Wasser, allerdings nur bei "Skippertemperaturen" (Luft mindestens 30°, Wasser unbedingt über 25°) im Wasser und äußerst ungern unter Wasser!  :-D
Insofern hab´ ich vom Tauchen absolut keine Ahnung, aber das nachfolgende hab´ ich  ´mal für dich "ausgegraben":

Das Sauerstoff-Kreislaufgerät der Firma Dräger war klein, leicht und handlich. Am Gürtel war eine 0,6-Liter-Sauerstoffflasche befestigt, die unter einem Druck von 200 bar stand. Nach Werksangaben konnte man sich damit bei nicht zu schwerer Unterwasserarbeit in 10 bis 15 m Tiefe bis zu einer Stunde aufhalten. Die maximale Tauchtiefe soll laut Herstellerangaben 20 m betragen haben (dazu siehe aber unten !!!).
An der Flasche befand sich ein automatisches Dosierventil und durch einen dünnen Schlauch floß eine konstante Menge reinen Sauerstoffs in den Atemsack. Aus diesem Sack atmete der Taucher durch einen Faltenschlauch mit Mundstück ein und durch einen zweiten wurde die Atemluft in den Sack zurückgeleitet. Dabei strömte sie durch die Atemkalkpatrone.

Die Verbesserungen an dem Gerät, die von Hans Hass veranlasst wurden, umfassten eine Taucherbrille, die Nase und Augen schützte, und eine Nasenklammer zum Druckausgleich beim Tiefertauchen.

Damals wurden folgende Probleme erkannt:

Die Gefahr eines Sauerstoffmangels bestand dann, wenn der Atemsack und die Lunge des Tauchers vor dem Tauchen nicht leergeatmet wurden. Befand sich darin nämliche atmosphärische Luft und damit etwa 78 % Stickstoff, der durch die Atemkalkpatrone ja nicht absorbiert wurde (sondern nur das Kohlendioxyd), atmete der Taucher bald nur noch Stickstoff ein.
Das Atemkalk durfte nicht naß werden, denn dadurch entstand ätzende Natronlauge. Dennoch passierte genau dies, wenn das Mundstück abgenommen und das entsprechende Absperrventil nicht geschlossen wurde!
Außerdem durfte Sauerstoff nicht mit Fett in Berührung kommen - dann bestand nämlich Feuer- und Explosionsgefahr!

Nicht oder nicht ausreichend wurde damals erkannt - wie du richtig vermutet hast -, daß Sauerstoff schon bei 1,6 bar Druck, also etwas 6 m Wassertiefe, giftig wird. Hass selbst hatte zwei, allerdings glimpflich verlaufene Unfälle dieser Art!

Aufgrund der Tatsache, daß das Gerät praktisch geräuschlos - nur das leise Klicken der Ventile in den beiden Atemschläuchen war zu hören - arbeitete, prädestinierte es damals für die Verwendung durch die Kampfschwimmer. Theoretisch hätte übrigens auch die Möglichkeit bestanden, das Gerät mit einem Sauerstoff-Helium-Gemisch zu betreiben. Dafür war aber die damalige Heliumherstellung in Deutschland aus Luft viel zu teuer und zu aufwendig.
Für 100 Tauchstunden wurden übrigens 80 kg Atemkalk benötigt!

Nun, ich hoffe, du kannst damit ´was anfangen!  :wink:

QUELLE:
Michael Jung,
Sabotage unter Wasser - Die deutschen Kampfschwimmer im Zweiten Weltkreig
ISBN 3-8132-0818-4

Peter K.:
@ MARIO & SPEE

Als im Dezember 1943/Jänner 1944 mit der Aufstellung der "Meeresjäger-Abteilung Brandenburg" unter Hauptmann Neitzert in Valdagno die deutsche Kampfschimmerausbildung begann, gehörte der Verband dem OKW-Amt Ausland/Abwehr Abt. II an. Aber bereits zu diesem Zeitpunkt war klar, daß in Kürze entweder die Kriegsmarine oder die SS die Kommandogewalt über diese Truppe erhalten würde.

Die anfänglich ca. 60 Mann kamen auch aus den verschiedensten Verbänden:
Neben den etwa 20 Eliteschwimmern der Marine befanden sich ca. 24 Agenten der Abwehr, die hochmotiviert und bereits für Schiffssabotakeaktionen ausgebildet waren, einige Fallschirm- und Gebirgsjäger und Angehörige des Sondereinsatzverbandes z.b.V. "Oranienburg" der SS, eigentlich eine Bewährungskompanie des SS-Jagdverbandes Mitte, mit entsprechend niedriger Moral und auch einige Angehörige des SS-Reichssicherheitshauptamtes vor Ort. Später kamen vorallem Ubootfahrer hinzu.

Im März 1944 übernahm Hauptmann Hummel, alias Hellmers, das Kommando über den Verband.

Auf Befehl des OKW vom 15.04.1944 wurden alle zur Küstenverteidigung eingesetzten Verbände und Sonderkampfmittel der Kriegsmarine unterstellt und bereits am 20.04.1944 der Kleinkampfverband der Kriegsmarine (KdK) unter Konteradmiral Hellmuth Heye aufgestellt. Die "Meeresjäger-Abteilung Brandenburg", ab 21.06.1944 "KdK-Lehrkommando 700" genannt, bildete zusammen mit Teilen der "Küstenjäger-Abteilung Brandenburg" die Keimzelle des neuen Verbandes.

Am 11.06.1944 wurde der SS-Bewährungssoldat Maat Hermann Georges im kleinen Ort Contrada Borga in der Nähe von Valdagno von Partisanen erschossen, als er zusammen mit 3 Kameraden unbewaffnet auf einem Spaziergang war. Unter Führung von Leutnant Stey von der ebenfalls in Valdagno stationierten Luftnachrichtenbetriebsabteilung z.b.V.11 ermordeten Angehörige des ehemaligen Sondereinsatzverbandes z.b.V. "Oranienburg" als Vergeltung alle 17 männlichen Einwohner von Contrada Borga.

Ab dem Frühjahr 1944 erfolgte auch auf der SS-Junkerschule in Bad Tölz, ebenso wie in Valdagno, die Grundausbildung von Kampfschwimmern. Ab 01.07.1944 führte dieser Verband die Bezeichnung "Lehrgangslager 702".

Am 21.06.1944 übernahm Marinestabsarzt Dr. Armin Wedel das Kommando über das Lehrkommando 700 mit dem Meerausbildungslager Venedig und den Vorschulen Valdagno und Bad Tölz. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Kommando eine Stärke von nur 80 Mann, im August 1944 waren es dann 280.

Ende September 1944 wurde auf Befehl des KdK die gemeinsame Kampfschwimmerausbildung von Kriegsmarine und SS aufgrund disziplinarischer Schwierigkeiten mit Angehörigen der SS beendet. In Bad Tölz und später im Dianabad in Wien wurden dann nur noch SS-Kampfschwimmer ausgebildet.

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