Welches Einsatzkonzept hatten die Leichten Kreuzer der Swerdlow-Klasse ?

Begonnen von Flußpionier, 08 Mai 2016, 21:41:19

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Flußpionier

Hallo,

Bei der Suche nach vergleichbaren Schiffen der Bronstein - Klasse bin ich bei der Sowjetunion auf die 14 ,,Leichten Kreuzer" der Swerdlow – Klasse ( Projekt 68 ) gestoßen.
Ich hab mich dann gefragt welche Aufgaben sollten diese bereits beim Bau technisch veralteten Schiffe gehabt haben. Eine genannte ( bei Breyer/Wetterhahn ) soll die Anti Amphibik Konzeption gewesen sein, mag das mal bitte jemand erklären?

:MG:

Urs Heßling

#1
moin,

in der "westlichen" Marineliteratur über den "Kalten Krieg" wird das sowjetische Nachkriegs-Rüstungs-Programm als "Anti-Amphibik" bezeichnet; dies geht u.a. auf den verstorbenen Professor Rohwer :MG: zurück.

Als Ausgangspunkt sowjetischer Überlegungen wurde die im 2. Weltkrieg im Pazifik unter Beweis gestellte Kapazität der US Navy zu weitreichenden und großangelegten amphibischen Operationen (Marianen, Philippinen, Iwojima, Okinawa) gesehen.

Kernpunkte der sowjetischen "Strategie" waren demnach eine erste Verteidigungslinie durch ozeanische U-Boote (u.a. W-Klasse) und eine 2. Verteidigungslinie durch Minensperren, die von Überwasserstreitkräften gelegt und auch gegen Räummaßnahmen verteidigt werden sollten.
Hierfür waren 40 Kreuzer (Sverdlov) und etwa 200 Zerstörer (Skoryy und Folgemuster) geplant.

Etwa ab 1956 wurde diese Ausrichtung durch eine Rüstung ersetzt, die sich gegen die Träger der US-Marine richtete und in deren Zentrum FK-tragende Schiffs- und U-Bootstypen standen.

Quelle: Potter, Nimitz, Rohwer, "Seemacht"

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Flußpionier

Hallo,

das die Sowjetunion zum damaligen Zeitpunkt Befürchtungen hinsichtlich einer großangelegten amphibischen Operationen durch die USA gegen ihr Festland gehabt hat, war mir so nicht bekannt.

Wieder was dazu gelernt...... top

:MG:

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Flußpionier am 09 Mai 2016, 13:30:08
das die Sowjetunion zum damaligen Zeitpunkt Befürchtungen hinsichtlich einer großangelegten amphibischen Operationen durch die USA gegen ihr Festland gehabt hat,
Bitte noch einmal lesen :  Es ist nicht belegt, daß diese Befürchtungen ernsthaft bestanden, noch, daß sie eine ernsthafte Grundlage hatten.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

2M3

Was die Befürchtungen der SU betrifft, die hatten Jahrzehntelang am Blitzkrieg-Trauma vom Juni 1941 zu knappern und das wirkte sich auch auf die anderen Armeen des WV aus, siehe hohe Gefechtsbereitschaft, auch am Wochenende 80-90 % Anwesenheit.

Zu den Artillerie-Kreuzern. Ab den 50ern bis etwa Mitte der 70er Jahre wurde die Entwicklung neuer schiffsgestützte Mittelartillerie bei der sowjetischen Marine absolut stiefmütterlich behandelt. Man setzte gegen Seeziele auf Lenkraketen, sodass auf Neubauten nur noch leichte Flak (30/57mm) und Universalgeschütz mit 76mm eingerüstet wurden. Als einen Grund hierfür sehe ich u. a. das Vorhandensein der vielen älteren, aber noch nicht veralteten Artillerieträger, von den Kreuzern mit 152mm, Zerstörern mit 130mm bis zu den Wachschiffen der Riga-Klasse mit ihren 100mm Geschützen. Diese wären für das verbleibende Aufgabenspektrum, dem Küstenbeschuss bei eigenen Seelandeoperationen vollkommen ausreichend gewesen. Wobei ich hier weniger Seelandeoperationen in Kalifornien oder Florida  :wink: meine, sondern an der eigenen Tausende Kilometer langen Küste am Nordmeer und Pazifik. Da lagen die negativen Erfahrungen aus dem Bürgerkrieg und der Invasion bis 1924 noch nicht all zu lange zurück.

Gruss Frank
Flottenschule Parow 78-79, Ausbildung Ari-leicht, 25mm 2M3/M110 und 30mm AK-230, 79-82 Ari-Maat 1. MSR Abteilung/1. Flottille Peenemünde auf Proj. 89.2 MSR-lang/Kondor-II

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