Robert J. Walker - und die wirksame Torpedobekämpfung mit einer 20 mm Kanone !

Begonnen von Rheinmetall, 25 Dezember 2018, 18:51:41

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Rheinmetall

Guten Abend zusammen,

habe vorhin etwas (für mich) interessantes und außergewöhnliches gelesen, was sich an Weihnachten 1944 im Pazifik ereignet hatte.

Und zwar schoß U 862 (Heinrich Timm) um 16.30 Uhr des 24.12.1944 ca. 165 Seemeilen südöstlich von Sydney auf den Einzelfahrer "Robert J. Walker".
Bei diesem handelte es sich um ein von Kapitän Murdock D. MacRae geführten Liberty-Ship welches mit 10.8 Knoten einen Zickzack-Kurs lief.
Bei dem Torpedotreffer wurde das Heckruder abgerissen, die Welle verbogen sowie das Lenkgetriebe zerstört.
Ebenfalls hatte es ein 1 x 1,80 Meter großes Loch in der Steuerbordseite.
Um 18.20 Uhr wurde in etwa 900 Meter Entfernung ein Torpedo gesichtet, welcher ebenfalls auf die Steuerbordseite zulief.
Einer der "armed guards" eröffnete daraufhin mit einer 20 mm Kanone das Feuer auf den Torpedo, welcher wiederum ca. 100 Meter vor dem Schiff daraufhin explodierte.
Im Anschluss war die Besatzung Rauchkörper von Bord, welche das Schiff für weitere 45 Minuten vernebelten !

Um 20.00 Uhr wurde erneut aus 900 Meter Entfernung ein Torpedo gesichtet, welcher auf die Steuerbordseite zu lief.
Jedoch war diesmal das Abwehrfeuer nicht effektiv genug, sodass der Torpedo sein Ziel traf und ein Loch von 6 x 2 Meter bei der Einschlagstelle, sowie ein 1,8 x 2 Meter großes Loch in die Backbordseite riss.
Bei dieser Explosion wurde neben einer Wasserfontäne auch Öl über das Schiff geblasen, sodass die Besatzung das Schiff verließ und in drei Boote und auf vier Flöße ging.

66 Besatzungsmitglieder und ein Passagier über lebten diesen Vorfall, zwei weitere Besatzungsmitglieder starben auf dem Schiff.
24 Stunden später wurden diese  durch die australische HMAS Quickmatch aufgenommen.

Die "Robert J. Walker" war hierbei das einzige Schiff, dass durch ein deutsches U-Boot im Pazifik versenkt wurde.
U 862 hatte bei diesem Angriff fünf Torpedos eingesetzt.

Habt Ihr schon mal so etwas ähnliches gehört oder gelesen, dass ein Gunner mit einer leichten Waffe einen Torpedo erfolgreich bekämpfen und zur vorzeitigen Explosion bringen konnte ?
Timm wird dabei bestimmt ordentlich geflucht haben, als er sah, dass der Aal zu früh hoch ging.
Auch ist mir neu, dass Handelschiffbesatzungen ihre Einheit mit Rauchkörpern vernebelten.
So etwas war mir bislang immer nur von fliehenden Kriegsschiffen bekannt gewesen.
Hat jemand eine Idee / Ahnung, was dies gewesen sein kann, mit was sie die Vernebelung durchführten ?
Leider habe ich weder das KTB von U 862 vorliegen, noch kenne ich weitere Umstände zu dieser Geschichte, aber kann sich jemand einen Reim drauf machen, wo die weiteren, beiden Torpedos abgeblieben sind, welche das U-Boot bei diesem Einsatz verbrauchte ?

Vielen Dank für jede Antwort und schöne Feiertage wünscht Euch,

Matze
Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Thorsten Wahl

Mich würde ganz stark interessieren wo der vorhaltpunkt lag.
Die Abgase aus einem Dampfgastorpedo gehen mit maximal 40 cm je sekunde nach oben.
Bei 3 m Tiefeneinstellung sind das etwa 8 Sekunden bis die Blasen die Oberfläche erreichen. Setzt man ca 15 m/s Torpedogeschwindigkeit an muss man etwa 100 m vor die sichtbare Blasenspur schießen.

Würde also auf Legende tippen. ;)
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

Schorsch

Hallo Rheinmetall,

zu dem, was Thoddy schreibt, kommt noch, dass das 20 mm-Geschoss vom Auftreffpunkt auf der Wasseroberfläche erst einmal ins Wasser eindringen und, so es das geschafft hat, ohne von der Wasseroberfläche abgeprallt zu sein oder der Zünder angesprochen hat, noch eine erkleckliche Strecke unter Wasser zurücklegen müsste, bis es dahin käme, wo der Torpedo seine Bahn zieht. Dabei ist zu beachten, dass Wasser einen ca. 800- bis 1000-fach größeren Widerstand der Geschossbewegung entgegensetzt, verglichen mit der Bewegung eines Geschosses im luftgefüllten Raum.

Im KTB von U 862 wurde der erste Fangschuss (der dritte Torpedo von den fünfen, die auf das Schiff losgemacht wurden) und der die ROBERT J. WALKER nicht traf, als Grundgänger eingeschätzt.

Ich schließe mich Thoddys Meinung an, das Ganze scheint mir eine hübsch erzählte Schnurre zu sein.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Rheinmetall

Guten Abend Ihr beiden !

Herzlichen Dank für Eure Antworten.
Ja, dass habe ich mir im Nachhinein auch gedacht.  :roll:
Hab diese Geschichte bei uboat.net auf der entsprechenden Seite des Schiffes gefunden.

Mit Ausnahme des G7a (mit seiner sehr markanten Blasenbahn) wäre es meiner Meinung nach auch recht schwer geworden, die Torpedos, welche ja für gewöhnlich in einer Tiefe von 4 Metern unterwegs waren, auszumachen, geschweige denn zu bekämpfen.
Danke auch für die Information, dass man von einem Grundläufer ausging.
Könnte es auch sein, dass ein Frühdetonierer hierfür in Frage kommt und dann aus US-amerikanischer Seite als "Treffer" fehlinterpretiert wurde ?

Beste Grüße,

Matze

Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

The Voice

Moin!
Auch ich halte aus den zwei bereits geschilderten Gründen den "Abschuss" eines Torpedos für unwahrscheinlich:
1. Trefferwahrscheinlichkeit durch fehlende Vorhaltberechnung annähernd Null.
2. Falls die Munition nicht an der Wasseroberfläche abprallt, wird die Geschossgeschwindigkeit im Medium Wasser extrem reduziert.

In diversen Lektüren habe ich nie von einem Erfolg Artillerie versus Torpedo gelesen.
Angeblich haben es US Flak Schützen im WWII gegen luftgestützte Torpedos vergeblich versucht.
Eine japanische Quelle berichtete von einem Jagdflieger, der aus der Luft einen Torpedo mit Kurs auf seinen Träger beobachtet hatte
und sich dann mit seinem Flugzeug auf denselben stürzte. Bewiesen ist die Geschichte nicht.

Erst in letzter Zeit hat die Industrie sich des Themas angenommen:
Abwehr von Unterwasserzielen durch superkavitierende Munition der norwegischen Firma NAMMO:
https://navaltoday.com/2018/10/12/video-nammos-new-supercavitating-ammunition-swims-through-water/

Gruß: Uwe
In God we trust - all others we track

suhren564

In einem Buch(welches ist mir zz nicht geläufig, möglicherweise Kemp "Verluste.....") wurde erwähnt, daß SqnLdr. Bulloch einen an der Oberfläche fehllaufenden Mark 24 Torpedo(Geräuschtorpedo) durch Bombenabwürfe zur Detonation brachte. Dies ist für mich zumindest viel glaubwürdiger als mit einer 20mm-Kanone.
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

suhren564

Nicht nur den Engländern, sondern auch den Deutschen gelang so etwas:

Chronik des Seekrieges 6.- 8.09.1943

Zitat......Ein Angriff des sowj. U-Bootes S-51 (und weiterer ?) auf den Konvoi am 8.9. im Kongsfjord scheitert. Mehrere Torpedos werden ausmanövriert. Einer Ar 196 gelingt es, einen unentdeckt auf Roland zulaufenden Torpedo im letzten Moment mit 2 Wasserbomben zu Detonation bringen.
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

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