deutsche Luftschiffe 1.Weltkrieg

Begonnen von rosenow, 23 Dezember 2006, 17:18:35

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

rosenow

Hallo, und schöne Weihnachtsfeiertage!  :-D

Habt ihr schon gewusst, dass zum Ende des 1. Weltkrieges sich die deutsche Kriegs- Luftschifffahrt unter dem Druck der immer größeren Abwehrmaßnahmen des Feindes, auf  2 Typen ,,L50" und ,,L70" spezialisierte?

Typ L50:
5 Motoren je 260 Ps mit 4 Propeller, die beiden hinteren Motoren sind auf einen Propeller gekuppelt.
Diese Motoren sind höhenleistungmotoren, die auch in dünner Luft, also bei großer Höhe, noch genügend Geschwindigkeit entwickeln, immerhin ca. 110 km/h, bei einer Nutzlast von 38 Tonnen.
Gasballon 55000 Kubikmeter Inhalt,  Wasserstoffgas.
Leergewicht:  26 Tonnen
Auftrieb. 64 Tonnen
Der innere Laufgang hatte eine Länge von 196,5 m
Breite des Schiffes. 23,9 m
Besatzung: 21 Mann

Typ L70
7 Motoren, je 260 PS mit 6 Propellern
innere Laufgänge sind 211,5 m lang
Breite: 23,9 m
Gasinhalt: 62000 Kubikmeter
Geschwindigkeit: 130 km/h
Nutzlast:  43 Tonnen
Besatzung: 25 Mann

Bewaffnung dieser Schiffe :
Zwei Maschinengewehre
Eine 2cm Kanone, wurde später hinzugefügt
Bomben in 2 Typen:
Brandbomben mit einem Gewicht von 11,4 Kilo
Sprengbomben mit einem Gewicht von 50, 100 und 300 Kilo.

Die Beatzung bestand aus einem Kommandanten, 1 Wachoffizier, 1 Steuermann, 1 Leitender Maschinist, 2 Höhensteurer (Signalmaate), 2 Seitensteurer (Bootsmannsmaate),  2 Motorenmaate (Maschinistenmaate) für je ein Motor, 1 Segelmachermaat, 1 F.T.Maat, 1 F.T.Gast zur Bedienung der Funksprucheinrichtung

Zu Beginn des Krieges wurden die englischen Städte noch mit Luftschiffen heimgesucht, aber später?
Habt ihr gewusst, dass die Luftschiffe der Deutschen ca. ab 1916  fast nur noch über der Nordsee eingesetzt worden sind, wegen der Flugzeuggefahr?
Und das war für die Luftschiffbesatzungen eine ganz besondere Anstrengung, denn über freien Wasser, ohne Anhaltspunkte zu navigieren ist eine der größten Schwierigkeiten gewesen.
Aber dort waren sie sicher vor Flugzeugen, die noch nicht die Ausdauer eines Luftschiffes hatten.
Denn Einsätze mit 24 Stunden und darüber waren für Luftschiffe möglich.

Wusstet ihr schon, dass 1 Grad Temperaturunterschied die Tragfähigkeit der Luftschiffe um 240 Kilo verschlechtern oder verbessern kann?
Der Kommandant musste also ständig ein Auge auf die Temperaturen haben.

Wusstet ihr schon, das diese Waffe nach der U-Bootwaffe, die größten Verluste hatte?
Von 61 Zeppelin-Luftschiffen haben nur Zehn den Krieg überlebt.
17 Luftschiffe sind durch Feindeinwirkung zerstört worden,
28 Luftschiffe sind durch Strandung oder sonstige Unfälle zerstört worden,
und 6 Luftschiffe mussten wegen Unbrauchbarkeit  außer Dienst gestellt werden.

Ihr wisst bestimmt noch eine Menge mehr zu berichten,
immer dazu schreiben.

Fröhliche Weihnachten!  :-D
rosenow
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

winni

Es sind immer die Abenteurer die große Dinge vollbringen.


Montesquieu.

Langensiepen

#2
Besonderst hervorzuhebende, meißt unterschlagene Glanzleistungen der deutsche Zeppelinführer:
Mitnahme von Geheimmaterial, das den Briten ermöglichte die Zeps selbst, bzw. noch erfolgreicher deutsche U-Bootsbesatzungen in den  Tot zu schicken.
Aufklärungsergebnisse, die mehr Unsicherheit und Fragen aufwarfen als wenn die Dinger am Boden geblieben wären.
Bomben auf Zivilmenschen, wie Frauen und Kinder geworfen. Was bei dem britischen Kriegpropaganda-Geschichtenerfindern große Freude hervorrief, da sie dies Mal noch nicht mal lügen mussten um deutsche Schweinereien an zupangern.
Bleibt letztlich an euch EXPERTEN die eigentlich wichtige Frage aus dem Nachlaß dieser Heldentruppe. Warum erschienen sie nicht auf der War-Crime List?   :?   :?
BERND   8-)
PS: Manch einer aus diesem Forum erwartet noch Nachricht von mir. Gemach. Geht zur Zeit nicht, da ich meine Enkel( und deren Eltern ) im Haus habe, von wegen Weihnachten. Am Montagmorgen fahrten die aber alle ab nach Tulln und ich werde auf euere Fragen antworten!  :wink:

wer

@rosenow:

Wirklich lesenswerter Beitrag.

Ich persönlich bewundere den Mut dieser Männer, denn wenn ich nur einmal in die Nähe einer Flak komme, dann wird das explosive Gasgemisch über mir wohl für einen unschönen Tod sorgen. Hut ab vor diesen "Helden"!

Gruß

Christian

Ralf

Puh! Kontroverser können zwei Beiträge neben einander kaum sein!  :|

Frohe Weihnacht!  :MG:
Gruß
Ralf
___________________________________________
,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

Woelfchen

Was schließen wir daraus?
Manches hat geklappt, manches nicht. Fehler werden immer gemacht. Und wenn es irgendgemand in einer gehobenen Position befiehlt Operation XY durchzuführen muss die im Nachhinein nicht unbedingt gut gewesen sein.

Johannes

Langensiepen

#6
So locker sollte man das nicht sehen. Es ging schließlich um MENSCHENLEBEN.
Ich bin beileibe kein Pazifist, ordne aber auch die Ereignisse in ihre Zeit ein. Man sollte mit etwas mehr kritischem Sachverstand ans Thema gehen, oder sabbeln wir hier nur so rum?
Der 1.WK war der unsinnigste der Neuzeit. Es gab überhaupt für keine der beteiligten Seiten Gründe Millionen von jungen Staatsbürgern in den Tod zu treiben. ( Es sage mal wer so richtige: `Auf den Schlachtfeldern der Welt sollte man Schilder aufstellen, auf denen steht ` Hier wird nur Frischfleisch verarbeitet` ) So ist jeder der in deutscher, britischer, russischer, portugiesischer, französischer, serbischer, italienischer, österreich-ungarischen, osmanischen, usw, usw Uniform
an der Somme, im Kaukasus , am Isonzo, auf dem Atlantik, mit austretendem Gedärm, mit zerplatzter Lunge, mit aus 150m Höhe am Boden aufschlagend Körper sein meist junges Leben beendete OPFER und nicht Held. Wenn nun die Staatsführung es für berechtigt hielt Leben millionenfach auszulöschen, ist es berechtigt ihre Handlungen kritisch zu betrachten. Der Einsatz der Zeppeline für etwas anderes als Transport- oder Aufklärungsgerät über See war in WK1, auch aus der Erkenntnis  der Zeit, überflüssig und schädlich für das Image des Reiches. `Sinn` machte der Tod der Luftschiffer nicht, sie wurden gedankenlos verheizt.  Ich kann somit  für diese Opfer des Krieges keine Bewunderung empfinden, sondern nur Mitleid. Mitleid für eine Generation von Menschen aller Nationen, die meißt kaum das 20 – 25jährige Lebensalter erreichten. Auch Begriffe  wie Mut sind auf den Krieg angewandt mit sehr viel Vorsicht anzuwenden. Der Großvater meiner Frau kam 1916 als 19 jähriger Sohn eines ostfriesischen Landarbeiters zum RIR 92. Erlebte im Sommer 1916 Verdun im Caillette Wald , war 1917 am Chemin des Dames , in Flandern und erneut vor Verdun. Am 25.April 1918 bei der Erstürmung britischer Stellungen bei Kemmel Berg zerriss eine britische Handgranate ihm den Sehnerv des rechten Auges, zerfetzte den rechten Unterarm und machte ihn zum Invaliden. Das Reich bedankte sich bei ihn damit, das er bis zum Rentenalter als Landbriefträger seiner Heimatgemeinde tätig sein durfte. 1939/45 hatte er dann Gelegenheit Grüße des Führers und Reichskanzler  zum Ableben Teile der nächsten Generation von Frischfleisch den stolzen Eltern zu überbringen. Mir gegenüber sprach er nie von Mut oder Heldentum, sondern von Angst und dem Glück diesem Massenabschlachten entronnen zu sein. Also sein wir froh, das uns erspart geblieben ist, eine erneute Generation von Helden zu liefern. Lockere Sprüche halte ich- milde gesagt- für nicht angemessen.
So viel an diesem 2. Weihnachtsfeiertag
BERND

rosenow

Die Luftschiffe griffen zum letzten mal am 5. August 1918 die englische Küste an.
Das neueste Luftschiff ,,L 70" wurde dabei über  England abgeschossen.
Die Engländer hatten inzwischen eine starke Abwehr aufgebaut und der ungleiche Kampf über Land gegen Flugzeuge zwang das Luftschiff in immer größere Höhen.
Mit mehr als 6000 Meter Höhe sind die Besatzungen an ihre Grenzen gelangt.
Trotzdem konnte man auf das Luftschiff auf See, zur Aufklärung für die Kaiserliche Seekriegsflotte, nicht verzichten, da die Luftschiffe mit ihrer Ausdauer dem Flugzeug gegenüber weit überlegen waren.
Seeflieger waren zu solchen Leistungen noch nicht fähig.
Allerdings sind Luftschiffe auch nur Schönwetter-Fahrzeuge und somit auch nur bedingt Einsetzbar.
Wolkenbildungen, die elektrisch Aufgeladen waren, waren für die Luftschiffe sehr gefährliche Hindernisse.
Sie mussten, wenn es nicht möglich war diese zu umschiffen entweder über den Wolken oder unter den Wolken ausweichen, was zu einer großen Belastung des Ballons und Mannschaft führte.
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Langensiepen

Na, na!  Wann haben denn Luftschiffe je brauchbare Ergebnisse von ihren Fernaufklärungen mitgebracht?  Mir sind keine Beispiele geläufig. An der Ostfront ( Land ) vielleicht mit etwas Erfolg. Selbst beim auffinden von Minenfeldern lag ihre ``Trefferquote`` recht niedrig. Der Weiterbau der Luftschiffe ab Mitte 1915  war militärisch und wirtschaftlich ne Nullnummer. Es wurde wertvoller Rohstoff ( Aluminium ) vergeudet , Ingenieur- und Facharbeiterkapazität verschwendet , letztlich auch Soldaten sinnlos geopfert und dies wegen Uneinsichtigkeit der leitenden Stellen. Details in den KTB des Admiralstabes der Marine , Abteilung B , Verfügung des Kogenluft  u.ä.  Ich bin kein Freund von `was wäre wenn `  , aber die Flugzeugindustrie war ab 1917 in der Lage technisch Flugzeuge für die Fernaufklärung zu erstellen.   
Der Zeppelin wurde als Bombenträger `missbraucht`, der seine Last meist aufs freie Feld warf oder aber Frau und Kinder das Lebenslicht auslöschte. Und das war – den moralischen Standpunkt  mal außer Acht gelassen –  in keiner Weise dem Kriegsziel (dem Sieg über den Gegner ) förderlich. `` Zep and Gotha `` Generationen von Briten wohl bekannt als die niederträchtige Superwaffe der Huns.
BERND

rosenow

#9
Ich bin ja nun kein Experte und daher kann ich nicht entscheiden ob brauchbar oder nicht, aber Ergebnisse haben sie geliefert und sogar aktiv an der Vernichtung von feindlichen Seestreitkräften teilgenommen.

Es lohnt auch mal ein Blick auf diese Seite: http://www.altearmee.de/luftkrieg/luftkrieg2.htm
Kleiner Ausschnitt: "Auf dieser Fahrt hatten sich die neueren großen Luftschiffe ausgezeichnet bewährt für lange Aufklärungsausgaben, während......."

Noch ein Beispiel:
Am 1.Juni 1916 stieg L11 in Nordholz auf, um Aufklärung für die Flotte.
Es sichtete eine Starke Gruppe feindlicher Großkampfschiffe, gab einen FT ab und verfolgte sie.
Bei dieser Verfolgung sichtete L11 ein weiteres starkes Geschwader des Feindes, 6 Großkampfschiffe mit zahlreichen leichten Kräften.
Dann sichtete L11 noch eine Gruppe von 3 Schlachtkreuzern und vier leichten Schiffen.
Bei Zeitweiser Unsichtigkeit und bei blendender aufgehender Sonne geriet das Luftschiff zu dicht an den Feind und wurde entdeckt.
Die feindlichen Schiffe nahmen L11 sofort unter Beschuss.
Nichtweniger als 21 große und viele kleine schiffe beschossen L11.
L11 gelang es sich aus dem Bereich der Geschosse heraus zu manövrieren und kam bald außer Sicht.
Eine neuangesetzte Verfolgung war Erfolglos und L11 begab sich auf den Rückweg.
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Langensiepen

Auf der Aufklärungsfahrt am 3. Mai 1915 traf L.9 bei Terschelling mit mehreren feindlichen U-Booten zusammen, die er rasch entschlossen angriff und eines der Boote durch Bombentreffer versenkte.   Na, was haben wir denn da versenkt!!! Ach so, die Sache mit E5 ! Das Boot wurde NICHT getroffen. So viel zu dieser Vernichtung .  Mathy glaubte nicht nur ein Boot versenkt , sondern ein weiteres beschädigt zu haben. Aber weder ein 2. noch ein 3. Boot waren vor Ort. Bitte, nehme 1925 gedruckte Werke nicht für voll. Das gilt auch für britische oder andere Machwerke aus dieser Zeit. Die Fahrt nach Afrika war eine gutes Beispeil für was man die Zep einsetzen konnte. Aber sonst?  Ich hab ja die `gemeinsamen `Operationen der Zeps und TBoote ausgearbeitet. Also, ob nun die Zeps dabei waren oder nicht, machte keinen Unterschied. Eine Hilfe waren sie nicht.
BERND

rosenow

Sicherlich wird es Mißgeschicke und Ungereimtheiten gegeben haben, Erfahrungen mussten gesammelt werden.
Die Menschheit zu dieser Zeit hat ja erst begonnen mit der Entwicklung technischer Fluggeräte und man muss auch berücksichtigen, dass die Menschheit in der Mehrheit keine solche Aufgeklärten Menschen, wie es heute der Fall ist, waren.
Da ging alles noch recht robust und brachialer vor sich, dort wurde noch sehr roh in ihrem Verhalten mit Menschenschicksalen umgegangen.
Man muss da wohl auch die Interessen und den Wissensstand der einzelnen Schichten unterscheiden.

Eine Erfahrung die vielleicht jeder einmal gemacht hat, ist die des unbedingten Erreichens eines Zieles, den Ergeiz den man dabei entwickelt und dabei ganz schnell mal das Umfeld nicht mehr so richtig wahrnimmt.
Nur noch fixiert auf das Ziel, den Erfolg.
So was kann durchaus auch in die Hose gehen.

Sollte der Admiral Scheer auch seiner Sicht der Dinge nicht ganz optimal geschrieben haben, wird er sich doch wohl an die Fakten gehalten haben, oder?
Aus meiner Sicht schreibt er ganz loyal und deutschbekennend in seinen Ansichten über die ihn bekannten Geschehnisse des 1.Weltkrieges.
Eben sehr Zeitgemäß.
Es wäre schon interessant zu sehen wie er das wohl aus heutiger Sicht sehen würde.
Aber dafür haben wir heute Historiker wie dich Bernd und deine Freunde Dirk Nottelmann und Jochen Krüsmann.
Das Buch "Halbmond und Kaiseradler - Breslau und Goeben am Bosperus 1914 - 1918" interessiert mich schon, steht leider kein Preis bei, aber vielleicht werde ich mir es mal zulegen, wenn es denn noch irgendwo erhältlich ist.

Du schreibst:
Zitat,,Ich hab ja die `gemeinsamen `Operationen der Zeps und TBoote ausgearbeitet."
Das würde mich auch sehr interessieren.

Mich beschäftigt noch eine Frage:
Wie kann Admiral Scheer so viele Einsätze mit Erfolg und ohne Erfolg in sein Buch beschreiben, wenn sie doch Nutzlos waren?
Hatten sie nicht dazu beigetragen wichtiges Armeepotenzial an den englischen Küsten zu binden?
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Langensiepen

#12
Erst ein Mal natürlich  `` Wer von Rathaus kommt ist immer schlauer ``  Will sagen, wir können heute die Vorgänge besser deuten als z.B. die Herren Scheer und Hipper am 12.August 1917 beim gemeinsamen Frühstück. Wir haben die Möglichkeit ihren Entscheidungen an der tatsächlichen Lage zu messen. Was heißt das für die deutschen Zeppeline?
Sie erreichten bei ihrer Hauptaufgabe, der taktischen Aufklärung , nicht die in sie gesetzten hohen Erwartungen. Gründe dafür: die Wetterlage, die Missinterpretationen von Sichtungen und dergl. mehr. Für einen militärischen Führer war es kaum hilfreich wenn er aus Erfahrung wußte, das die ihm vorlegten Meldungen mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zutreffen. Die T-Boot Operationen mit `Unterstützung ` von Luftschiffen endeten meißt als Null-Nr., da der Zeppelin nicht starten konnte, wo anders sich herum trieb und der Dinge mehr.  Die Angriffe auf GB waren politisch und militärisch eine Niederlage. Sie schädigten die britische Rüstung nicht im geringsten, waren aber –durch die Ziviltoten – eine absolute Hassnummer. Es ist für das kaiserliche Deutschland bezeichnet, das es nie die Rolle der Propaganda erkannte, sondern auch hier von einem Fettnapf  in den anderen trapste. Beispiel:  Als das Reich durch die britische Blockade am hungern war ließ man es zu, das Postkarten verlegt wurden auf denen ne Reihe fetter Männer zu sehen waren, mit  der Bildunterschrift `` Die Opfer der britischen Blockade ``  Recht lustig !  Eine gute Propaganda hätte die Vertreter der neutralen Presse, der Kirchen und Gewerkschaften u.d.m.  durch die Elendsviertel von Berlin geführt und auf die Ergebnisse dieser menschenverachtenden britischen Politik verwiesen. Ein weiteres Argument ist, das durch die Zeps  ja Fliegerpotenzial in GB gebunden wäre, was sonst an der Westfront gelegen hätte. Das ist wohl richtig, aber die Zahlen waren nun wiederum nicht so entscheidend und die Materialüberlegenheit der Entente begang sich ja ab 1916/17 auszuwirken , vom Kriegseintrit der USA mal ganz abgesehen.  Es wäre Sache der deutschen Reichsleitung gewesen dies abzuwägen.   So viel nur dazu. Bleibt die Frage was mit den Zeps? Ich bin ja –wie schon gesagt –kein Freud von `was wäre wenn `. Aus der Sicht von 1915/16 hätte man die vorhandenen Zeps , nach intensiver Schulung des Personals, als Aufklärer über der Ost – und Nordsee benutzen könne. Den Weiterbau sofort eingestellt und dafür das Material, Geld und die Arbeitskräfte für den Bau, der Weiterentwicklung  von `Langstreckenflugzeugen ` verwand. Technisch war Deutschland dazu in der Lage und begann die ersten dieser Dinger zu bauen. Letztlich: Der WK1 war ein Krieg in dem die Nachrichtentechnik weit hinter der militärischen Entwicklung des Massenkrieges zurück geblieben war. Bei fast allen Abschlachtorgien an der Westfront und an den Dardanellen konnten blutig erkaufte Erfolge meist nicht ausgenutzt werden, weil es an Nachrichtenverbindung fehlte. Im Seekrieg war es nicht anders. Nach jedem Krieg oder Regierungswechsel beginnen die Rechtfertigungsschreiber ihr Werk. Hat man den Krieg oder die Wahl verloren muß die Nachwelt davon unterrichtet werden, das man persönlich nicht die Verantwortung trägt . Scheers Werk gehört in diese Gruppe. Literatur die so bis 1960/70 auf den Tisch kam ist daher mehr als mit Vorsicht zu betrachten. Heute haben wir die Situation, das auch dem Seekrieg 14/18 aus deutscher Sicht etwas mehr Beachtung zuteil wird. Leider gibt es keine Gesamtdarstellung und wie ich die Sache sehe wird es sie in voraussichtlicher Zeit auch nicht geben.
BERND
PS: Für Leute die etwas `modernes `über den Seekrieg 14/18 lesen wollen gibt es leider nur das nicht immer objektiv und in englisch  geschriebene: A NAVAL HISTORY OF WORLD WAR I  von Paul G. Halpern

Aber vielleicht macht sich ja hier einer auf und findet Interesse an dem Thema....es muß ja nicht immer dieses Schiffe von B+V sein.

rosenow

Vielen Dank für deinen Hinweis und deinem großen Bericht, man sieht, da steckt doch einiges an Wissen hinter.
Das politische Geflecht ist schon ein Kreuz, die deutsche haben ja auch später noch politisch sehr Einfach gedacht.
Dann waren die Zeps also auf verlorenen Posten und nur als kleines Druckmittel für das englische Festland und somit war es auch unnötig Mensch und Material so zu verheizen.
Dennoch tut es doch den Mannschaften kein Abbruch, sie haben sich doch die größte Mühe gegeben bis zur höchsten Belastung für ihren Glauben, wie andere Einheiten auch.
Mit solchen zügellosen Gefährten, das Gefährt alleine ist schon sehr gefährlich,  sind sie doch dem Tod schon vom Aufstieg an ganz nahe gewesen.
Vielleicht findest du ja noch ein paar Worte zu meinen folgenden Fragen.
Wie wurden die Leute ausgesucht oder geworben?
Hatten die Briten eigentlich auch Luftschiffe?
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Langensiepen

#14
Andere Nationen hat so was ähnliches als U-Jagd-Überwachungsgerät in der Luft. Ich bin kein Luftfahrzeugexperte für deren technische Unterschiede. Die Besatzungen der Zeps waren Freiwillige. In wie weit nach 1917 `freiwillig `ist wohl noch zu klären, denn selbst die U-bootswaffe ( des Kaisers ) nahm es ab 4.1917 mit der Freiwilligkeit bei den Steuerleuten ( -männern ) nicht mehr so genau.   Bleibt aber immer noch die Frage an euch `: Warum kamen die Kommandanten der Zeps -soweit noch am Leben - nicht auf eine der vielen War Crime List(s) ? Nicht das ich denke sie gehörten darauf, sondern die Briten u.a. ließen sie bewußt weg. Ja warum wohl? Man sieht zum Them 14/18 gibt es noch viel zu sagen. BS allein macht den Kohl nicht fett.
BERND

Impressum & Datenschutzerklärung