Radar – gestern und heute

Begonnen von olpe, 22 März 2024, 21:34:36

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Gabler

:laugh: Also 31.02.43 kann dann doch nicht sein, fällt mir gerade auf... es heißt wohl 3/2 43. In dem Feld rechts daneben steht 3/II...

olpe

Hallo,
aus dem aktuellen und historischen Geschehen rund um Radar hier weitere zwei posts:

Aktuell: Elektronische Kriegsführung: Schlüsseltechnologie im Ukraine-Krieg, Oberst Reisner und Major Schmidt von der Theresianischen Militärakademie Wiener Neustadt
--/>/> klick Elektronische Kriegsführung
Gute Erklärung der Thematik, einschließlich der Darlegung russischer Electronic Warefare-Systeme

History: Nike Zeus Missile System mit den dazugehörigen Radaren
--/>/> klick Nike Zeus
Entwicklung und Einsatz dieses Luftabwehrsystems

Grüsse
OLPE

olpe

Hallo,
weitere Mosaiksteine der Radargeschichte:

Radarturm von Weesow bei Werneuchen in Brandenburg
Neben dem Radarturm in Tremmen westlich von Berlin (siehe --/>/> https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?msg=449876) existieren noch weitere Relikte der damaligen Luftabwehr im WKII, so der Radarturm von Weesow nordöstlich von Berlin. Auf diesem Turm wurde von der Firma Lorenz 1943/44 eine Rundsicht-Versuchsanlage (Panorama-Anlage) mit der Bezeichnung ,,Propeller" eingerüstet, obgleich die (zu erkennende) Antennenform nicht so wirklich wie ein Propeller aussah. Aus nicht geklärter Ursache brannte die Anlage allerdings ab ...

--/>/> klick Radarturm Weesow, euroluftbild
--/>/> klick Radarturm Weesow wikide
--/>/> klick Google Maps

Ein Bild des Turmes mit Antenne (das einzige, welches in der Literatur kursiert), kann ich aus urheberrechtlichen Erwägungen leider nicht einstellen. Siehe aber [Trenkle] ,,Die deutschen Funkmessverfahren bis 1945" Ausg. 1979, S. 77.


Französisches OTH-Radar (over-the-horizon) ,,Nostradamus"
In diesem Clip ist in einer Sequenz zu erkennen, was die Operatoren an Zielen auf dem Bildschirm sehen können - obgleich diese hunderte oder gar tausende Kilometer entfernt sind. Die Ionosphärenreflexionen machen es möglich, die dazu nötigen Computerkorrekturen der Signale an den F-Schichten sind sicher sehr umfangreich.

--/>/> klick youtube ,,Nostradamus"

Grüsse
OLPE

olpe

#33
Hallo,
Frank (@Gabler) schrieb hier --/>/> https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?msg=468306 über das Flakleitgerät FuMO 201 (202) bzw. "Flakleit 41 g".

Zitat von: Gabler am 30 April 2026, 08:42:23Die Gema hat versuchsweise schon 1941 ein Flakleitgerät entwickelt, das "Flakleit 41 g"

Unten hierzu einige Bilder und Angaben aus eher ungewöhnlicher Quelle:
,,Deutsche Land- und Seefunkmesstechnik" in: ,,Übersicht von Trophäentechnik" Band 13 vom Komitee für Funkmess beim Ministerrat der UdSSR, 1947 («Германская Радиолокационная Техника на суше и на море», «Обзор трофейной техники», Выпуск 13, Комитет Радиолокации при Совете Министров Союза ССР).
Wie in anderen Ländern wurde Kriegsbeute auch in der Sowjetunion ausgewertet, analysiert und zu verschiedenen Zwecken (Forschung, Lehre, Nachbau etc.) publiziert. Die Bilder des FuMO 201 sind qualitativ leider ziemlich Grotte, trotz Bildverbesserung. Aber nichtsdestotrotz geben sie einen Überblick über den Gerätebestand der Anlage.

Daten:
  • Arbeitsfrequenz: 81,5 cm
  • Impulsleistung: 14 kW
  • Tastfrequenz: 500 Hz
  • Impulslänge: 2 µs
  • Reichweite gg. Flugzeuge: 25 km
  • Reichweite für genaue Koordinatenbestimmung gg. Flugzeuge: 15 km
  • Genauigkeit der Entfernungsmessung: ± 50 m
  • Genauigkeit der Peilung: 0,25°

Noch einige weitere Angaben aus dem o.g. Buch:
Die stationäre Küsten-Funkmessanlage für die Geschützsteuerung von Flak-Batterien ,,FuMO 201" wurde von der Firma GEMA gefertigt.
Die Station wurde zusammen mit den Entfernungsmessposten der Küsten-Luftabwehrbatterien aufgestellt. Antennen und Sender befinden sich auf dem drehbaren Turm eines optischen 9m-Entfernungsmessers.
Das Antennensystem besteht aus drei eigenständigen Antennen vom Typ ,,Telefunken": eine Sendeantenne, eine Empfangsantenne für die Seitenpeilung und eine Empfangsantenne für die Höhenpeilung. Die Sendeantenne sowie die Empfangsantenne für die Seitenpeilung sind fest miteinander verbunden und schwenkbar in der im Bereich von 0°-50°. Die Antenne für die Höhenpeilung besitzt einen unabhängigen Antrieb in der Vertikalebene in den Grenzen von -5° bis 82,5°. Die Drehung aller Antennen im Seitenwinkel erfolgt durch die Bewegung des Entfernungsmessturmes.
Die (Geräte)blöcke der Station befinden sich in einem betonierten Raum zusammen mit den Gerätschaften für die Artillerie-Feuerleitung.
Die Station gibt die Schrägentfernung, den Seitenwinkel und den Höhenwinkel des Ziels aus. Die Datenübergabe in die Feuerleitgeräte erfolgt automatisch mittels synchron (Anm.: arbeitenden) Verbindungsgebern.
Die Blöcke (Anm.: Geräte) der Station ,,FuMO 201"unterscheiden sich nicht von den Blöcken der Station ,,Calais".
Interessant ist u.a. Bild ,,FuMO 201 Flakleit_Gerät B_1a.png" mit dem Buchstaben ,,B". Hier wird der Indikator des Höhenfinders dargestellt. Ein derartiges Gerät bzw. eine derartige Benennung mit ,,B" war mir von anderen FuMO bzw. FuMG nicht bekannt ...

Bilder:
  • Bedienkonsole mit Handrädern(?)
  • Gerät O: Entfernungsmessgerät mit Beobachtungseinsatz und Messkette
  • Gerät R: Regel- und Sendernetzteil
  • Gerät R: Regel- und Sendernetzteil Innenansicht
  • Gerät Z: Frequenz- und Tastgerät
  • Gerät B: Indikator für die Höhenermittlung
  • Gerät P: Peilgerät

Die Geräte T Sendegerät und N Empfangsgerät sind in der Bildserie im Buch (leider) nicht enthalten. Zumindest der Sender befindet sich - wie Frank bereits beschrieb - in einem Gerätekasten außen neben der (Haupt)Antenne. Ob der Empfänger dort auch untergebracht war, bleibt noch zu recherchieren.

Soweit zu dieser Station.
Grüsse
OLPE

olpe

#34
Eine interessante Akte der Funkmessgeschichte

Funkmessversuchstelle Göhren auf Rügen (Marine, Telefunken, Luftwaffe)

Hallo,
im Hinblick auf die Entwicklung der Funkmesstechnik im WKII in Deutschland ist eine interessante Location erwähnenswert: die Funkmessversuchsanlage in Göhren auf der Insel Rügen. In der Akte ZA 9/40 (invenio.bundesarchiv.de) beschreibt ein (ziviler?) Ingenieur/Spezialist auf 19 Textseiten, 47 Seiten mit Fotografien und 26 Seiten handgefertigte Zeichnungen die einzelnen Anlagen (Gerätebeschreibungen, Bedienhinweise, Mannschaften). Die Ausführungen scheinen allerdings aus dem Gedächnis heraus formuliert zu sein und haben m.E. – gerade im Textteil – eher einen allgemeinen Charakter.

Gefertigt wurde der Bericht im Oktober 1945(!), Auftraggeber: anscheinend die damalige Rote Armee. Neben Anlagenbildern sind Fotos von besonderem Interesse, auf denen auch sowjetischen Militärangehörige (teils Marineleute/Offiziere) zu sehen sind. Diese Unterlage liegt in deutscher Sprache vor, eine handschriftliche Anmerkung in russischer Sprache ist zu sehen. Die Mappe kam dann wohl zu späterer Zeit wieder nach D zurück.
Unten nun einige Bilder. Sie sind vergrößert, bildverbessert und lotrecht gedreht. Die Beschriftung ist den Originalen entlehnt, in den Klammen Ergänzungen.
Von März 1944 bis Oktober 1944 stand die Versuchsstation direkt am Nordstrand von Göhren, also fast Meeresspiegelhöhe. Seit Oktober 1944 ist sie auf das ,,Göhrener Hövt" verlagert worden, Aufstellhöhe ca. 50m.
--/>/> Nordperd wikiDE.

6 Geräte kamen zum Einsatz: ,,Seetakt" und ,,Flum" (Unterstellung Kriegsmarine, ,,Eisvogel" und ,,Rotterheim" (Unterstellung Fa. Telefunken), ,,Würzburg D" und ,,Mannheim" (Unterstellung Luftwaffe). Eine konkrete Zuordnung der allgemein verwendeten Benennungen zu den offiziellen FMG-Bezeichnungen ist schwierig, ich versuche es trotzdem mal:
Gerät Seetakt = ,,Calais A" (FuMO 1 ,,Calais") oder ,,Calais B" (FuMO 2 ,,Calais")
Gerät Flum = (Marine),,Freya" (FuMO 5 ,,Boulogne")

Zu den Bildern:
  • Funkmessversuchsanlage. Teilansicht 1 (Flum, Flakleit ,,Würzburg", Seetakt, Flakleit ,,Mannheim")
  • Funkmessversuchsanlage. Teilansicht 2
  • Gerät Seetakt. Antennenseite (mit zwei deutschen Zivilisten und einem sowj. Marineoffizier)
  • Gerät Seetakt. Eingangsseite Türen geöffnet (mit einem deutschen Zivilisten und einem sowj. Marineoffizier)
  • Gerät Seetakt. Antenne abgenommen, Tragegerüst senkrecht
  • Gerät Seetakt. Antenne abgenommen, Tragegerüst waagerecht

Der Marineoffizier auf den Bildern scheint ein Ingenieuroffizier zu sein, er trägt an der Uniform keine Ärmelstreifen.

Soweit erst mal für den Moment.
Grüsse
OLPE

PS: inwieweit die Anlage ,,Würzmann" auf dem Bakenberg (Mönchgut) in der Nähe von Göhren (ca. 6km Luftlinie südwestlich gelegen) etwas mit der Versuchsstation zu tun hatte, bleibt noch zu recherchieren ...
--/>/> https://forum-marinearchiv.de/smf/index.php?msg=458439
--/>/> https://www.google.de/maps/@54.3195268,13.6729893,8276m/data=!3m1!1e3?entry=ttu&g_ep=EgoyMDI2MDcxNS4wIKXMDSoASAFQAw%3D%3D

Bilder Teil 1:

olpe

Bilder Teil 2:
  • Gerät Flum. Antenne normal
  • Gerät Flum. Antenne hochgedreht
  • Gerät Flum. Eingangsseite, Türen geöffnet (gut erkennbar sind die horizontal polarisierten Breitband-Dipole. Der Rahmen ist m.E. eine Holzkonstruktion)
  • Gerät Seetakt Antenne. Frontalansicht
  • Gerät Seetakt Antenne. Rückansicht mit geschlossenem T-Gerät (Sender)
  • Gerät Seetakt Antenne. Rückansicht mit geöffnetem T-Gerät (Sender)

Leopard2A6EX

#36
Danke Olpe - wieder sehr interessant!!

Will Samstag wieder ne kleine Rügen-Tour machen - nochmal nach Sassnitz-Dwasieden zurück und über Göhren Richtung Tiessow. Göhren ist ein wunderschöner Touristenort heutzutage mit zT Steilküste bzw einigen steilen Hängen etwas weiter landeinwärts. Sowohl die Ostsee als auch der Greifswalder Bodden Richtung Peenemünde kann von hier erfasst werden.

Viele Grüße aus Stralsund - Frank

Gabler

Hallo olpe,

vornweg: Hammer!

Die Verwendung der frühen FuMG39-Vorseriengeräte sind allesamt bekannt. Von den mobilen Drehständen wurden offenbar nur 4 Geräte überhaupt gebaut, die im übrigen noch die kleine Seeetakt-Antenne hatten. Alle weiteren Geräte mit 500Hz Tastfrequenz (FuMG40) hatten schon die breite Calais-Antenne.

Bei dem gezeigten Seetaktgerät handelt es sich also um ein FuMG40 G g(B) = FuMO 2 (Calais B) mit vergrößerter 2x6m-Calais-Antenne mit 2x16 Dipolen. Ein baugleiches Gerät ist in der Funkmessgerätekunde (MDV 971) abgebildet. Die Empfangsantenne ist nicht geteilt und der Gerätesatz enthält auch kein Feinpeil (P-Gerät).

Der geöffnete T-Schrank zeigt zudem zwei TS6-Senderöhren im Gegentakt. Das ist also ein Gerät nach dem Entwicklungsstand von 1940, lediglich der Sender wurde modernisiert. Oben rechts am Senderschrank übrigens noch ein ebenfalls nachgerüsteter Frequenzmesser TF 100 mit Einstellrad und Röhre zu sehen - also selbe Ausstattung wie auf PG.

Das zweite Gerät, die Flum-Anlage hat offenbar eine 8x5-Dipol-Breitbandantenne. Das ist noch interessanter, mal sehen, was sich da noch findet. Vielen Dank für den tollen Fund, werde mich da auch mal reinlesen!

Grüße

Gabler


Gabler

Noch ergänzend:

Zum ersten Mal so detailliert fotografisch erfasst ist der Aufbau der Meßeinrichtung des NB-Einsatzes zu sehen. Dieser enthält zwei späte "Flatscreen"-Bistrahlröhren von Siemens. Auf der unteren ist ein Meßbereich von 200km aufgetragen, der Verfasser hat diese auch in seiner Skizze so angegeben, übrigens links dort zu sehen das Nullzeichen. Die obere Röhre hat, anders als das Gerät aus England, das seinerzeit von Artur Bauer auf der CDVandT-Seite beschrieben wird, keine vorgeblendete Skala, jedoch ist auf der nach links weggeklappten "Maske" nicht nur zum ersten Mal überhaupt der mit dem "Skala"-Drehrad verschiebbare vorgeblendete Schieber zu sehen, sondern oben auch noch ein vor dem "Übersichtsrohr Fein" vorgespannter senkrechter Faden erkennbar, der vom Verfasser als "Nullinie" bezeichnet wird, und der als Meßlinie für die genaue Einmessung des Zielzeichens dient. In seiner Skizze der Röhrenanzeigen hat er den Faden allerdings vergessen, wie übrigens auch in der Darstellung in dem Stanner-Buch, obwohl man eine Messlinie benötigt, um die Entfernung am oberen Rohr genau einzustellen, sonst ergäbe das zweite Rohr ja fast keinen Sinn.

Immerhin das haben wir nun mal dank olpes Entdeckung endlich aufgeklärt, wobei ich glaube, daß dieser NB-Einsatz aus dem Flum-/Freya-Gerät stammt und nicht aus dem Seetakt-Gerät. Dafür spricht der Meßbereich des NB-Rohrs von 200km, der für ein Seetaktgerät eigentlich unsinnig ist. Zumindest für die Bordgeräte war der Meßbereich auf 40km eingestellt, das reichte zum einen für Seeziele und sorgte für deutlich höhere Anzeigeauflösung. Beträgt diese bei dem 200km-Rohr +/-2,5km (in 5km-Schritten), was für Luftaufklärung der Flum-Geräte offenbar als ausreichend erachtet wurde, so liegt sie bei dem 40km-Rohr für die Bordgeräte bei +/-5hm (1km-Schritte), was für Navigation auf See erforderlich und sinnvoll erschien.

Es gibt noch eine weitere Unterscheidung der Flum- und der Bord-Seetakt-NB-Einsätze: Das Skalenrad für die hm-genaue E-Messung und die Anzeige zwischen den Röhren. Davon haben wir noch immer keine bildliche Darstellung, komme ggf. später darauf zurück. Das ist jedenfalls bei diesem Gerät anders.

Für die obere Röhre kann man anhand des in der Skizze offenbar (zu unserem Glück) sehr genau eingezeichneten Plexiglas-Schiebers den Ausschnitt im unteren Rohr zwischen 90km und 110km, also zu 20km ablesen, was den Quellenangaben (Stanner, v. Kroge) für die Freya-Geräte entspricht. Der im oberen Rohr gezeigte Ausschnitt hatte also eine 10-fache Vergrößerung (20km/200km). Gleiches gilt übrigens auch für die Bord-NB-Einsätze. Hier ist das Verhältnis 4km/40km.

Erstaunlich jedoch ,daß sich anhand der Antennenkonstruktion und der Aufnahmen des Gerätesatzes erneut zu bestätigen scheint, daß die mobilen "Calais"-Landanlagen offenbar nicht für Feinpeil vorgesehen waren. Da frage ich mich doch, mit welchen Geräten man die Feuerleitung der Küstenartillerie per Funkmess geleitet hat. Ein FuMO 2 kann es wohl nicht sein.

Was die 8x5-Breitband-Antenne für das Flum-Gerät betrifft, so schreibt der Verfasser, daß es sich tatsächlich um eine Experimentalkonstruktion handelt. Auf den Fotos im Gerätehaus sieht man den links an der Wand stehenden Sender, der aber nicht nach Hochleistungssender aussieht (kein Einstellrad zu erkennen) und im Empfängergestell "N" befindet sich ein "normaler" Empfänger, auch ohne die Möglichkeit, die Empfangsfrequenz zu variieren. Die Anlage selbst ist also auch nicht breitbandig.

Grüße und schönes Wochenende

Gabler

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