Frage zum Hergang der Versenkung vom Kreuzer Blücher

Begonnen von rosenow, 08 März 2007, 10:32:00

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Peter K.

@HUSZAR

Für "Weserübung" stand das I. Bataillons des Fallschirmjägerregiments 1 (I./FJR1) unter Major Walther zur Verfügung.

Die 4. Kompanie (ohne einem Zug) unter Hauptmann Gericke nahm zunächst die wichtige Brücke zwischen Falster und Fünen im Sprungeinsatz.
Der fehlende Zug besetzte ebenfalls im Sprungeinsatz den wichtigen Flugplatz Aalborg(-Ost). Dort wurde dann am selben Tag noch das III./IR159 luftgelandet.

Die 3. Kompanie unter Oberleutnant von Brandis nahm den Flugplatz Stavanger-Sola im Sprungeinsatz. Hierher wurden am selben Tag unter anderem noch die I. und II./IR193 eingeflogen.

Die 1. und 2. Kompanie sollten eigentlich den Flugplatz Oslo-Fornebu im Sprungeinsatz nehmen, dichter Nebel zwang die Transportmaschinen aber zur Umkehr. Sie landeten zunächst im soeben besetzten Aalborg. Erst gegen Mittag wurden die beiden Kompanien auf dem Luftweg nach dem inzwischen besetzten Flugplatz Oslo-Fornebu überführt. Dort trafen im Laufe des Tages unter anderem außerdem noch das I. und II./IR324 auf dem Luftweg ein.

Wenig später wurde die 1./FJR1 bei einem Sprungeinsatz bei Dombas beinahe vollständig aufgerieben. Das restliche Bataillon wurde dann in Drontheim versammelt und sprang später zur Verstärkung Dietls bei Narvik ab. Auch das II./FJR1 war noch später dafür vorgesehen und verlegte dazu im Bahntransport von Oslo nach Drontheim. Zu einem derartigen Einsatz kam es allerdings dann nícht mehr.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Ulrich

Moin, moin Seeleute,
Zur Diskusion über die Blücher kann ich den folgenden Erinnerungsbericht meines Vaters beisteuern der bei der MAA 517 war. Gerne höre ich euren Kommentar.

Grüße von Ulrich

Ende 1942 Fredrikstad am Oslofjord

Aus: http://www.nuav.net/coastgr1.html
Artillery units, Group 1
Oslofjord area. Commanded by LXX Army Corps, commander General der Artillerie Tittel.
Artillery commanders: Territorialabschnitt Oslofjord: Generalmaj v.d Hoop, Seekommandant Oslofjord: Kpt. Z. See Schönberg, and Artilleriekommandeur Oslofjord: Oberstleutnant Sprockhoff (HKAR 980)
MKB 2/ 501 Rauöy
Equipped with 4 x 15 cm SKL /45, range 16 000 m. Rauöy was also used as the site of an artillery school.

Es ging also durch Nord-Schweden mit dem Bus bis zu einer Eisenbahn in Schweden dann nach Norwegen und von dort mit dem Zug nach, Fredrikstad am Oslofjord. Von dort zur Insel Rauøy, da lag die Ausbildungsstelle, ca. 30 km von Oslo entfernt. Ich bin länger als 6 Wochen dort gewesen. Das war ein Sperrfeuerlehrgang mit 15 cm Geschützen. Die Ausbildung war sehr schulmäßig, wir haben viel Theorie gehabt. Der Nahme Sperrfeuer komt von den Zerstörern, die hatten vor allem 15 cm Geschütze und mußten bei Feindberührung dem Hauptkampfverband vorausfahren bis sie auf Schußweite vom Gegner waren. Dann schossen sie das sogenannte Sperrfeuer.
Dort lernte ich auf der einen Insel automatische 12 bis 24 cm Geschütze kennen. Unter anderem eine 15 cm Krupp C28 Kanone. Sie hatten nur eine Verkleidung mit Sehschlitz vorne und Seitenschutz, zur Rückseite hin waren sie offen. Auf der Nachbarinsel waren Schwedische Bofort-Geschütze mit "Ofenrohrverschlüssen", dies im Gegensatz zu den Deutschen Kanonen die Keilverschlüsse hatten. An diesen Geschützen wurde ich ebenfalls geschult.

Zu den Inseln fuhr man mit einem Beiboot welches den Motor in Schiffsmitte hatte. Der Ausbilder, Bootsmann Klotz, sang dann auf der Rückfahrt zum Lager immer das Lied "Heimweh nach Sankt Pauli". Nach einigen Tagen hat jeder mitgesungen.

Während dieser Schulungszeit machten wir mit dem Zug einen Ausflug nach Oslo. Den Rückweg, oder einen Teil davon, machten wir zu Fuß. Kameraden im Zug sagten zu mir "guck da mal raus, da ist die Blücher untergegangen". Der Ausbildungsleiter hat hiervon nichts erzählt, das Ereignis wurde totgeschwiegen. Im Reich wurde das nicht bekannt gegeben, es war geheime Kommandosache. (Laut e-mailberichte stimmt das nicht) Ich habe dies auch nicht weitererzählt. In der Marine war allerdings allgemein bekannt daß die Blücher vor Norwegen versenkt worden ist.

"Über die Versenkung der Blücher ist noch viel erzählt worden. Die war verschwunden. Das Schwesterschiff ist auch verschwunden. Die wurde vor dem Krieg verkauft, aber genau weiß ich das nicht. Über die Versenkung der Blücher haben haben mehrere Seeleute auf der Fahrt nach Deutschland debattiert. Die Matrosen saßen auf der Steuerbordseite. Die ersten Jahre hat man gar nicht darüber geredet, das war tabu.

Es wurden dann die militärischen Anlagen von denen aus das Schiff beschossen wurde besichtigt. Allerdings nur die Unterkünfte, eine davon hieß Horten, die waren in den Fels gesprengt. In Horten lag auch eine Kaserne. Die Anlage war nicht so modern wie auf Helgoland, sie bestand nur aus leichten Geschützen und einer alten Torpedobatterie. Die Abfeuerungsanlagen hiervon lagen vollkommen unter Wasser und war von außen also nicht zu sehen. Auf der anderen Fjordseite lag in ca. 3 Kilometer Entfernung eine 28 cm Batterie die war ebenfall nicht so modern wie in Helgoland. Vor dem Bau dieser Batterie haben die Norweger vor dem Krieg bei Krupp eine Offerte für die Lieferung einer modernen 30,5 cm Batterie angefragt. Da diese zu teuer waren kauften sie die gebrauchten 28 cm Geschütze, die kosteten die Hälfte.

Nach Abschluß erhielt ich einen Urlaubsschein (Kommandierte durften durch Schweden reisen) und es ging mit dem Zug nach Trelleborg, Sasnitz und mit dem Bummelzug nach Lübeck.

Die Versenkung der Blücher.
Mir wurde die folgende Geschichte über den Untergang der Bücher erzählt:
In 1940, das war im April, ich hatte gerade die Grundausbildung hinter mir und war auf Helgoland stationiert, als Deutschland Norwegen besetzte. Der Grund waren die Eisen- und Zinkvorkommen und weil englische Voraustruppen schon in Norwegen waren, also konnte man den Angriff nicht verzögern. Es lief also ein Verband mit der Blücher in den Oslofjord ein. Sie hatten den Befehl schnell einzufahren, aber der Flottilienkommandant bestand wiederholt auf langsame Fahrt. Sie fuhren im Schrittempo ein. Man hatte scheinbar keine Informationen über die Batterien, da muß also jemand geschlafen haben. Die norwegischen Batterien waren nur teilweise besetzt. Laut den Erzählungen, die ich gehört habe, wäre nichts passiert wenn die Blücher mit Volldampf durchgefaren wäre, denn sie wurde sehr spät entdeckt. Ein Leutnant der 28 cm Batterie war geistesbewußt und befahl zu schießen und das große Geschütz hat mit der ersten Salve die Geschütze der Blücher weggeblasen (sie haben zu hoch gerichtet). Das Geschütz hat dann doll auf die Unterwasserlinie der Blücher geschossen. Von der gegenüberliegenden Batterie bekam sie auch noch 2 Torpedotreffer und sie sank innerhalb von 15 Minuten. Die Torpedos alleine können unmöglich das Schiff so schnell zum Sinken gebracht haben, dafür gibt es zu viele Schotten und Sicherungen.

Die Mannschaften auf den Gefechtsstationen sind wohl nicht mehr herausgekommen. Von den Matrosen auf Deck und in den Geschütztürmen sind die meisten ertrunken, denn das Wasser, es war April, war zu kalt. Man konnte nur einige Minuten (max. 4?) schwimmen bis man unterkühlte und ertrank. Es wurde erzählt, daß einige Matrosen sich auf einen flachen Felsen im Fjord gerettet haben. Erfroren lagen sie da, als man sie fand. Die deutschen Minen- Räumboote (es wurde damals nur das Wort Räumboot verwendet) haben mit geschleppten Fischnetzen ca. 1 bis 2 Wochen (die Zeitspanne braucht nicht zu stimmen) die Toten aus dem Fjord gefischt.

Ritchie

Die Blücher wurde nur durch zwei 28 cm Granaten im Artillerieleitstand und im Bordflugzeughangar getroffen. Nach Berichten Überlebender waren die 15 cm Geschütze der Batterie Kopas für das Niederkämpfen des Schiffes verantwortlich (20 Treffer innerhalb kürzester Zeit), beim Ablaufen mit 15 Kn trafen dann noch die beiden Torpedos und beschleunigten den Untergang.

Peter K.

Die Artillerietreffer verursachten zwar böse Brände und Ruderversager, aber wirklich tödlich waren die beiden Torpedotreffer!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Münchner

#34
 
Anerkennung.

Anerkennung an dieses Forum.

Seit einiger Zeit beschäftigt mich die vermutliche Lagebeurteilung des Adm. Kummetz (9. April 1940 ab ca.0.25 Uhr) nach dem Beschuss der Blücher durch Küstenbatterien auf Bolärne und Rauöy (?) sowie dem nahezu zeitgleichen Gefecht zwischen Albatros und Pol III, also einige Stunden VOR Dröback. (Quelle: Cajus Bekker und Rohwer / Hümmelchen)

Kummetz musste nmE fest damit rechnen, dass er die Dröback-Enge bei Morgendämmerung gegen 5.00 Uhr nicht unbehelligt passieren kann.

Natürlich interessiert mich auch immer der Mensch hinter einer Entscheidung.
Hierüber könnte man lange diskutieren. Meine Gedanken hierzu bewegen sich (neben anderen unerwähnten Aspekten) in der Rivalität zwischen Marine und Luftwaffe (und die Rolle der Marine in der Wehrmacht als solche), drehen sich um die menschlichen Schwächen von Adm. Raeder und gehen zu sehr in den Bereich der Spekulation.
Wie schwer es ist, den eigenen luftmobilen Infanteriezug noch während des Anfluges auf Grund einer veränderten Lage anders als geplant einzusetzen, weiß ich aus eigener Erfahrung als junger Offizier (vor vielen Jahren). Es bedarf einer gewissen Überwindung, von seinem Auftrag abzuweichen und damit SELBST Verantwortung zu übernehmen.

Deswegen beschränke ich mich hier auf meine Anerkennung.
In ein paar Stunden habe ich hier mehr Detailinformationen gefunden, als in den ganzen letzten Jahren.

Grüße an das Forum.
et si omnes, ego non!
(Wenn auch alle, ich nicht. - Ein Bibelzitat.)

Baunummer 509

Toll, was?
Ich freu mich immer wieder wie viel Fach- und Detailwissen hier versammelt ist. Teilweise zu Themen von denen ich überhaupt keine Ahnung habe.

Wünsch Dir noch viele schöne Stunden hier

Münchner

 

ZitatIch freu mich immer wieder wie viel Fach- und Detailwissen hier versammelt ist. [...] Wünsch Dir noch viele schöne Stunden hier

Dem kann ich absolut zustimmen. - Danke für Deine freundlichen Wünsche.  :-)

Allerdings würde ich mir in kontroversen Diskussionen manchmal etwas mehr Respekt wünschen, der dem Menschen entgegengebracht wird, der (nur scheinbar anonym) 'auf der anderen Seite des Bildschirms' an der Tasta sitzt und auch mal einen nicht ganz ausgegorenen Gedanken, oder eine durchaus fundierte, aber abweichende Meinung formuliert.
et si omnes, ego non!
(Wenn auch alle, ich nicht. - Ein Bibelzitat.)

toppertino

Könnte man den genauen Hergang noch etwas visualisieren? Lage der Lichtsperre? Wer hat wann wohin geschossen (wurde getroffen).
Quasi sowas wie die Karte über das Gefecht in der Dänemarkstrasse.
Lebensende mit 3 Buchstaben: EHE!


toppertino

Lebensende mit 3 Buchstaben: EHE!

Seefuchs

In der Werft: SMS König; KM Lützow

smutje505


Baunummer 509

Müsst Antonio danken, der hat sich die Arbeit gemacht  :wink:

toppertino

ZitatMüsst Antonio danken, der hat sich die Arbeit gemacht 

:O-_ :O-_ :O-_

Antonio hat´s drauf.
Lebensende mit 3 Buchstaben: EHE!

Götz von Berlichingen

Bei der Frage des Verlusts der Blücher scheint mir, daß sowohl die Planung verfehlt, als auch die Ausführung durch Kummetz sehr unglücklich war.

Zum einen wäre es doch anzustreben gewesen, daß die einzelnen Kriegsschiffgruppen die gefährlichsten Stellen (d.h. die durch norwegische Küstenbatterien gesicherten Nadelöhre, die auf Zwangskursen und mit relativ geringer Geschwindigkeit durchfahren werden mußten, wobei der Verteidiger den großen Vorteil hatte, daß er die Entfernung und den Kurs (und z.T. auch die mögliche Fahrt) des potentiellen Gegners und damit die Schußwerte schon im Frieden genau kannte, so daß eigentlich jeder Schuß ein Treffer sein mußte) möglichst zeitgleich passieren, um den Überraschungseffekt zu wahren und die Norweger nicht zu alarmieren. Dies ist natürlich nicht ganz einfach zu planen und einzuhalten, da diese Engstellen ja in unterschiedlicher Entfernung von den jeweiligen Fjordeingängen und damit vom erstmaligen Eindringen in die norwegischen Hoheitsgewässer liegen (wenngleich dies ja auch nicht unbedingt identisch mit dem Zeitpunkt war, an dem mit dem erstmaligen Sichten durch die Norweger gerechnet werden mußte).
Es wäre aber auf jeden Fall bei der Planung besonderes Augenmerk darauf zu legen gewesen, daß die gefährlichsten Stellen von den einzelnen Kriegsschiffverbänden möglichst gleichzeitig erreicht werden und der aufgrund der geographischen Gegebenheiten naturgemäß unterschiedlich lange Weg durch die Fjorde bis zu diesen Stellen so zügig wie möglich zurückgelegt wird, so daß die Vorwarnzeit für die Norweger so kurz wie nur irgendwie möglich gehalten wurde (im Falle Narvik erwies sich ja z.B., daß die befürchteten Küstenbatterien Hamnes und Ramnes gar nicht existierten).

Deshalb kann man es nur als unverständlich bezeichnen, daß die Oslo-Gruppe nach Eindringen in den Oslofjord, wo mit Sichtung und Meldung der Gruppe gerechnet werden mußte (und was ja durch das Wachboote Pol III und durch die Küstenbatterie Rauøy gegen Mitternacht erfolgte), dann lt. Planung der Verband um 00:30 Uhr bei Bolärne zur Auschiffung der Landungstruppen für Rauøy, Bolärne und Horten auf die Räumboote bis 02:00 Uhr stoppen mußte (und damit den Norwegern wertvolle Vorwarnzeit schenkte)! Anschließend erfolgte der Vormarsch zunächst nur mit 8 kn, da beim Ausschiffen lt. Angaben des NO der Schiffsort ungenau geworden war und das Lot abnehmende Wassertiefen von 300 m bis 150 m gemeldet hatte [Binder/Schlünz »Schwerer Kreuzer Blücher«, Ullstein Taschenbuchverlag 1996, S. 86 und 104].
Dies scheint mir ein schwerer Planungsfehler zu sein. Man hätte m.E. geeignete schnelle Truppentransporter (Fahrgastschiffe oder dgl., die die Fahrt des Verbandes beim Marsch durch den Belt und das Kattegat halten konnten) dem Verband beigeben müssen, die dann dort mit den Räumbooten zur Ausschiffung detachiert werden konnten, während der Hauptverband ohne Zeitverzug weiter Richtung Dröbak-Enge und Oslo marschiert wäre.

Durch diesen unnötigen Zeitverlust kam man dann erst im Morgengrauen gegen 05:20 Uhr vor der Dröbak-Enge an.

Die Admiral Hipper war unterdessen bereits gegen 04:00 Uhr durch die Sperre bei Agdenes in den Drontheim-Fjord durchgebrochen, wobei sie von den Küstenbatterien beschossen worden war und das Feuer auch mit der achteren Turmgruppe erwidert hatte [Jochen Brennecke, »Eismeer, Atlantik, Ostsee. Die Einsätze des Schweren Kreuzers Admiral Hipper«, Heyne, München 1982, S. 69 ff.].

Eine solche Zeitdifferenz von fast 1½ Stunden beim Passieren der gefährlichsten Engstellen war natürlich fatal. Es hätte darauf geachtet werden müssen, daß die Engen bei Agdenes und Dröbak zur gleichen Zeit durchbrochen werden.

Ein weiterer Punkt ist das einfallslose Verhalten von Kummetz.

Heye hatte für »Admiral Hipper« folgenden Blinkspruch vorbereitet, der an die Norweger gegeben werden sollte, falls man angemorst würde und nach Identität und Absichten befragt würde:

»Auf Anruf: British HMS Revenge
Auf Aufforderung zum Stoppen:

  • Please repeat last signal
  • Impossible to understand your signal
Bei Warnungsschuß: Stop firing. British ship. Good friend.
Bei Frage nach Ziel und Zweck: Going for Trondheim. Chasing German steamer.«
 [Brennecke, a.a.O., S. 71]

Und den vier am 11. April in Narvik noch fahrbereiten deutschen Zerstörern war von der Gruppe West der Durchbruch für die Nacht vom 11. auf den 12. April mit folgender Weisung befohlen worden:

»An Chef 4. Zerstörerflottille:
1. Bei Rückmarsch jede Art Kriegslist, auch englische Flagge anwenden.
2. Tanker Skagerrak bleibt auf angegebener Standlinie.
3. Bei Brennstoffmangel oder Schäden anlaufen Bergen oder Kristiansund.
4. Drontheim möglichst meiden.«


[Karl Springenschmid, »Die Männer von Narvik«, Ullstein 1979, S. 99]

Die Verwendung der feindlichen Kriegsflagge war eine erlaubte Kriegslist, sofern sie bei Feuereröffnung niedergeholt wurde und die eigene Kriegsflagge gesetzt wurde (siehe auch den Angriff der Campbeltown am 28.03.1942 auf St. Nazaire.

Hätte Kummetz die engl. Kriegsflagge gesetzt und einen ähnlichen Morsespruch, wie ihn Heye für Admiral Hipper vorbereitet hatte, in Richtung Festung Oscarsborg absetzen lassen (man hätte ebenso ein englisches Ein-Schornsteinschiff mit zwei schweren Türmen auf dem Vorschiff als »alter ego« aussuchen müssen), wäre nicht auszuschließen gewesen, daß die Norweger so lange hätten in Verwirrung gestürzt werden können, bis die Engstelle durchbrochen und die beste Schußgelegenheit dahin war.


Weiterhin wurde von Seiten des Heeres Kritik geübt:

»So berichtete [...] Fregattenkapitän Nieden am 28. Juli 1941 aus Oslo: "Aus Äußerungen verschiedener Mitglieder des Stabes der Heeresgruppe XXI, so unter anderem der Ia der Gruppe, Oberstleutnant von Butlar, habe ich entnommen, daß in Heereskreisen eine falsche und der Marine abträgliche Beurteilung über die Führung der Blücher-Gruppe und das Verhalten des Blücher-Kommandanten [...] herrscht.
Der Führung wird der Vorwurf gemacht, daß bei der Forcierung der Dröbak-Enge nicht ein kleines, weniger wertvolles Schiff vorausgesandt worden sei, um das Verhalten der Batterie festzustellen und eventuell deren Feuer von dem wertvollen Objekt abzulenken [...]«


[Binder/Schlünz, a.a.O., S. 227]

Auf deutscher Seite wußte man von der Torpedobatterie in der Dröbak-Enge nichts, man ging aber vom Vorhandensein einer elektrisch fernzündbaren Minensperre, die nicht vorhanden war, aus. Deshalb sollten zwei Sperrbrecher im Oslo-Fjord zum Verband stoßen und die Spitze übernehmen. Diese erschienen aber nicht. [Binder/Schlünz, a.a.O., S. 107 und Cajus Bekker, »Verdammte See. Ein Kriegs-tagebuch der deutschen Marine, Ullstein 1978, S. 100 ff.]

Bekker berichtet auf S. 99: »Admiral Kummetz ist gewarnt. Über Funk kommt [wohl am späten Abend des 8. April, Anm. GvB] die Meldung, daß zwei deutsche Dampfer im Eingang zum Oslofjord versenkt worden sind.«

Weiß jemand, um welche Dampfer es sich dabei handelte und ob es die zwei vermißten Sperrbrecher waren?

Bestünde die Möglichkeit einer Überrumpelung der Norweger (was aber aufgrund der wiederholten Meldung (mit Anleuchten und Abgabe von Warnschüssen) des Verbandes seit Mitternacht auszuschließen war), wäre es verständlich gewesen (sofern man nicht vom Vorhandensein eines Minenfeldes ausgehen mußte), die wertvollen Schiffe die Enge zuerst passieren zu lassen.
Da die Norweger aber ohne jeden Zweifel vorgewarnt waren und sich seit Stunden auf das Gefecht vorbereiten konnten, muß es als sehr fragwürdig angesehen werden, nicht zuerst ein Torpedoboot durch die Enge vorauszuschicken, ehe man mit Blücher und Lützow den Durchbruch wagte.

Impressum & Datenschutzerklärung