Graf Spee macht es ganz anders

Begonnen von Urs Heßling, 21 Dezember 2025, 19:29:21

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Urs Heßling

moin,

ich habe die Fahrt des Kreuzergeschwaders einmal zu einer "Sea Story" geändert  :O/Y

Graf Spee macht es ganz anders ...

Die Fahrt und das Schicksal des deutschen ostasiatischen Kreuzergeschwaders unter Admiral Graf Spee und seiner Schiffe sind bekannt.  Es hätte aber auch ganz anders kommen können ...

Der kleine Kreuzer Dresden bleibt im Südatlantik (die Trennlinie zum weiter nördlichen Operationsgebiet der Karlsruhe ist der Äquator), verlegt nicht in den Pazifik und führt zuerst auf der Route Rio de la Plata-Europa, dann auf der Route Kapstadt-Europa Kreuzerkrieg. Nach dem Bekanntwerden des Verlustes der Emden am 9.11.1914 funkt Kapitän Lüddecke an die Admiralität die Überlegung, dass es einen enormen Eindruck im Indischen Ozean machen werde, wenn er mit der Dresden wie eine "wieder auferstandene" Emden in dieses Gebiet vorstoße und er für sein Schiff ein solches Vorgehen befürworte. Die Admiralität stimmt zu.
Dresden erreicht mit maschinenschonender Fahrt und der Kaperung mehrerer Frachter und Übernahme derer Kohle in der Walvis Bay den Indischen Ozean und beginnt im Januar 1915 dort den Handelskrieg. Wegen der immer dringlicher werdenden Maschinenprobleme läuft Lüddecke schließlich den neutralen niederländischen Hafen von Padang an der Westküste Sumatras an. Dort wird das Schiff von einem britischen Geschwader gestellt und beschossen. Da Lüddecke ein Auflegen freigestellt wurde, läuft er mit seinem Schiff aus dem Hafen aus, um Verluste der Zivilbevölkerung zu vermeiden, und lässt die Dresden in der Bucht vor Padang versenken.

Die Admiralität beordert die bisher an der Westküste Südamerikas südlich des Panamakanals Handelskrieg führende Leipzig anstelle der Dresden in den Südatlantik aufgrund der Überlegung, dass ein Ansteigen der Versicherungsraten in London wegen Verlusten vor dem Rio de la Plata und Kapstadt für Großbritannien einen größeren Verlust bedeute als für Deutschland der des alten Kleinen Kreuzers. Nach einigen Erfolgen auf dem Weg nach Süden an der Westküste Südamerikas wird die Leipzig auf der Reede von Coronel vom Cradock`schen Geschwaders gestellt und von Good Hope und Glasgow in neutralen Hoheitsgewässern beschossen. Auch Fregattenkapitän Haun versenkt sein Schiff, fast die gesamte Besatzung überlebt und wird in Chile interniert. Viele Offiziere und Unteroffiziere der Leipzig kehren mit der alten Bark Tinto (1916/17) über Norwegen in die Heimat zurück.

Als die Nürnberg nach ihrem Besuch in Honolulu und der Zerstörung der Funkanlage auf der Fanning-Insel am 8.9. wieder zum  Geschwader stößt, überredet Kapitän von Schönberg unter dem bei den Alliierten bestehenden Eindruck der Erfolge der Emden im Indischen Ozean anhand der auf Hawaii erschienenen Zeitungen und auf Fanning gefundener Meldungen Graf Spee, ihn und sein Schiff an die Küste Australiens und Neuseelands zu detachieren. Die von dort zum europäischen Kriegsschauplatz abgehenden Truppentransporte  sollen durch Beschießung von Hafenanlagen wie Sydney, Melbourne, Auckland und Wellington – unter Wahrung des Kriegsrechts, das Beschießen unverteidigter Häfen verbietet – aufgehalten oder zumindest verzögert werden.

Nürnberg wird entsprechend entlassen, ihr Kommandant erfährt bei der Aufbringung eines kleinen Seglers von der Einschiffung und dem Aufenthalt der NZEF (New Zealand Expeditionary Force (8.500 Mann))  für den europäischen Kriegsschauplatz im Hafen von Wellington und benachrichtigt Graf Spee, der nun – trotz einer angenommenen Gefährdung durch den Schlachtkreuzer Australia – seinen Plan, mit den beiden eigentlich schon veralteten Panzerkreuzern um Kap Hoorn herum in den Atlantik durchzubrechen, im Sinne der traditionell-deutschen Auftragstaktik wegen eines übergeordneten Kriegsziels (der Landkriegführung) aufgibt

Nach der Beschießung von Papeete am 22.9. werden bei den Marquesas am 24.- 27.9. je vier 8,8 cm-Geschütze der Panzerkreuzer ausgebaut und auf dem 15 kn schnellen Reichspostdampfer Yorck eingebaut, der danach als Hilfskreuzer auf der Australien-Panama-Route eingesetzt wird. Die Yorck wird nach einigen Erfolgen wie die Geier wegen Unbrauchbarkeit ihrer Maschinenanlage auf Hawaii interniert und dort im April 1917 aufgebracht und als Hilfsschiff der US Navy verwandt.

Auf die Meldung der Nürnberg hin laufen die Panzerkreuzer mit den Versorgungsschiffen Göttingen und O.J.D.Ahlers über Tonga zurück nach Westen zur Lord-Howe-Insel nordwestlich von Neuseelands Nordinsel. Ihre Bewegungen werden von der britischen Funkaufklärung erkannt, aber die britische Admiralität geht davon aus, daß der britische Panzerkreuzers Minotaur zusammen mit dem japanischen Schlachtkreuzer Ibuki ,,more than a Match" (überlegen) gegenüber den beiden deutschen Schiffen seien. Das taktische Geschick Spees zieht man nicht ins Kalkül ...

Nach weiteren Nachrichten der Nürnberg treffen die Panzerkreuzer am 12.10. westlich der Cook-Straße mit ihr zusammen und greifen an deren Westausgang den am 16.10. unter dem Schutz der beiden alliierten Schiffe aus Wellington ausgelaufenen Konvoi von 10 Transportschiffen aus der Landdeckung durch Cape Farewell, der Nordspitze der Südinsel, heraus in der Morgendämmerung des 17.10., die die deutschen Schiffe im Westen schwer erkennbar macht, an.
Entsprechend der bei der tatsächlichen Versenkung der Emden bewiesenen Bevorzugung britischer Schiffe steht Minotaur an der Spitze des Geleits, das andere Geleitschiff am Ende.

Während die Panzerkreuzer die Minotaur zu zweit aus einer Crossing the T-Position heraus bekämpfen und in kurzer Zeit ausschalten, greift die Nürnberg , die von Graf Spee Befehl hat, sich aus dem Artilleriegefecht herauszuhalten und von Scharnhorst und Gneisenau je 6 Torpedos übernommen hat, die Transportschiffe an; es wird allerdings keine Katastrophe für den Geleitzug.
Von den 10 Schiffen versenkt Nürnberg die Spitzenschiffe Maunganui (7.527 BRT) und Tahiti (7.585 BRT), bei den anderen Schiffen Athenic (12.234 BRT), Arawa (9.626 BRT), Waimana (8.128 BRT), Ruapheu (7.705 BRT), Orari (7.207 BRT), Limerick (6.827 BRT), Hawkes Bay (4.583 BRT) und Star of India (7.316 BRT) gelingt es den Kapitänen, ihre Schiffe in der Golden Bay und der Tasman Bay an der Nordseite der Südinsel aufzusetzen und den eingeschifften Soldaten das Leben zu retten.

Dann kann das zweite Geleitschiff in das Gefecht eingreifen. Die sehr gut schießende Ibuki erzielt mit ihren 30,5 cm-Geschützen einen schweren Treffer in einem Maschinenraum der Gneisenau, die fast bewegungsunfähig liegenbleibt. Dann treffen Scharnhorst und Ibuki mit gleichzeitigen Salven ein Munitionsmagazin des Gegenübers. Beide Schiffe gehen in heftigen Detonationen unter, auf Scharnhorst gibt es keine Überlebenden, auf Ibuki nur wenige.

Da der nun dienstälteste Offizier, Kpt.z.S. Märker, der Kommandant der Gneisenau, den größtmöglichen Gewinn eines weiteren Vorgehens darin sieht, die kampferprobten Besatzungen seiner Schiffe  in die Heimat zu bringen, plant er eine Rückkehr über Mexiko.
Die Gneisenau wird selbstversenkt, ihre Besatzung von Prinz Eitel Friedrich übernommen. Der Hilfskreuzer und die Nürnberg laufen in Richtung der mexikanischen Westküste. Aufgrund der durch Room 40 entschlüsselten Funksprüche mit der deutschen Etappe, die die Kohlenversorgung sicherstellen soll, werden sie aber schon bei Samoa von einem australisch-japanischen Geschwader (KAdm Patey) mit dem Schlachtkreuzer Australia, dem brit. Kreuzer Newcastle und den japanischen Panzerkreuzern Izumo und Asama abgefangen und gestellt. Da Märker die Besatzungen der artilleristisch hoffnungslos unterlegenen und maschinell heruntergefahrenen Schiffe nicht sinnlos opfern will, läuft er das US-Gebiet Ost-Samoa an und geht mit mehr als 1000 Mann, darunter beiden Söhnen des Grafen Spee, in die Internierung.
Beide Schiffe werden dort im April 1917 selbstversenkt, die Besatzungen gehen in die Gefangenschaft

Damit ist der Handelskrieg auf den Weltmeeren mit Kreuzern der Kaiserlichen Marine beendet.

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Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

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