Die Torpedovorführung vom 28. Juli 1880

Begonnen von karli1, 19 Juli 2026, 12:34:48

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karli1

Moin,
ich möchte hier ein interessantes Stück aus meiner Sammlung vorstellen.
Es handelt sich um das Modell eines Torpedos, bei dem vermutlich ein Schwarzkopf-Torpedo dargestellt werden soll. Das aus Stahl gefertigte Modell ist auf einer Holzplatte montiert, die die Inschrift ,,S.M.S. Barbarossa am 28. Juli 1880" trägt.
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Doch was geschah an diesem Tag?

Um diese Frage zu beantworten, muss man etwas weiter ausholen. Wir befinden uns in der Ära Albrecht von Stoschs, in der die Entwicklung des Torpedos als Waffe entscheidende Fortschritte machte. Zunächst wurden Whitehead-Torpedos aus England beschafft, die später durch die in Deutschland gefertigten Schwarzkopf-Torpedos ersetzt wurden.
Bereits 1879 fanden die ersten Torpedoschüsse auf kleinen Fahrzeugen (Ruderkanonenbooten) statt. Die Versuche wurden durch das Kommando der SMS Ziethen unter Leitung des damaligen Kapitänleutnants Tirpitz durchgeführt, der gleichzeitig zur Dienstleistung bei der Torpedoversuchs- und Prüfungskommission kommandiert war.
Im Frühjahr 1880 war die Entwicklung der neuen Waffe so weit fortgeschritten, dass General der Infanterie Albrecht von Stosch plante, sie dem damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm vorzuführen. Als Plattform für diese Vorführung wurde die Barbarossa ausgewählt, ein Veteran der deutschen Flotte,die zu diesem Zeitpunkt als Wohnhulk für die Schiffsjungen in Kiel genutzt wurde.

Der Kronprinz befand sich während der Vorführung an Bord der kaiserlichen Yacht Hohenzollern (der späteren Kaiseradler). Der Ablauf dieser Demonstration ist ausführlich in dem Werk Albrecht von Stosch als Chef der Admiralität von Paul Koch beschrieben, das 1903 im Verlag Mittler in Berlin erschien.
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Ich vermute, dass das hier vorgestellte Modell im Zusammenhang mit dieser Vorführung am 28. Juli 1880 angefertigt wurde. Zwar lässt sich dies bislang nicht zweifelsfrei belegen, doch sprechen sowohl die Datierung als auch die Inschrift auf der Grundplatte dafür.
Neben dem genannten Werk von Paul Koch kann ich auch die Dissertation von Oliver Straß zur Torpedoversuchsanstalt (TVA) empfehlen.

Zur Provenienz des Stückes:

Das Modell stammt aus dem Nachlass des Admirals Adolph Wilhelm Berger.
Aus den in meinem Besitz befindlichen ,,Tagesnotizen" Adolph Wilhelm Bergers, die den Zeitraum von 1870 bis 1897 umfassen, geht hervor, dass Berger und Tirpitz sich gut kannten. Insbesondere während Bergers Dienstzeit in Kiel verkehrte Tirpitz häufig auch privat bei ihm.
Es erscheint daher durchaus möglich, dass Berger das Modell unmittelbar von Tirpitz erhielt. Zwar lässt sich auch diese Annahme bislang nicht eindeutig belegen, sie würde jedoch gut zur überlieferten Provenienz des Stückes passen.
Noch einige Worte zu Berger:
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(Quelle: Deutschlands Admirale Band 1, Seite 99 )
Adolph Wilhelm Berger gehörte zu den ersten Seekadetten der preußischen beziehungsweise späteren deutschen Marine. Es handelte sich um die sieben ,,See-Cadetten 1. Classe": Batsch, Hoffmann, Berger, Berendt, Przewisinski, Struben und Grapow.
In diesem Zusammenhang kann ich die Veröffentlichung von Karl H. Peter, Seeoffizieranwärter – ihre Ausbildung von 1848 bis heute (1969/1973), empfehlen.
Von diesen sieben See-Cadetten stiegen sowohl Batsch als auch Berger später zum Admiral auf. Aus den bereits erwähnten ,,Tagesnotizen" Bergers geht außerdem hervor, dass beide bis zu ihrem Tod eng befreundet blieben.
Im Gegensatz zu Batsch spielte Berger aus meiner Sicht jedoch keine herausragende Rolle in der deutschen Marinegeschichte. Gerade deshalb erscheint mir sein Nachlass besonders interessant, da er einen Einblick in das Leben und Wirken eines heute weitgehend in Vergessenheit geratenen Marineoffiziers vermittelt.

Leider wurde der komplette Nachlass, bestehend aus Alben, Urkunden usw. im Laufe der Zeit unter seinen Kindern und Enkeln aufgeteilt; einzelne Stücke gelangten später über verschiedene Auktionshäuser in den Handel. Ich hatte das Glück, die hier erwähnten Unterlagen direkt von den Erben der Enkeltochter Bergers erwerben zu können.

Neben den ,,Tagesnotizen" gehören dazu auch seine ,,Ausgabenhefte" aus den Jahren 1854 bis 1883, in denen er akribisch sämtliche Ausgaben dokumentierte – wofür sie getätigt wurden, an wen Zahlungen erfolgten und an welchem Ort.

Abschließend noch ein Foto Adolph Wilhelm Bergers als Pensionär, aufgenommen um 1890. Auch dieses Foto befindet sich in meinem Besitz und stammt aus seinem Nachlass.
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VG
Rainer


Teddy Suhren

Gruß
Jörg

WoWarships Nick: Teddy191 im FMA Clan

AvM

Illustrirte Zeitung 22 Jan 1881 No.1960 -1

AvM

Mittheilungen aus dem Gebiete de Seewesens Vol VIII 1880

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