Fluss- und Binnenschiffsregister Hamburg 1885-1975

Begonnen von collnav, 08 August 2026, 09:30:17

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Darius

Zitat von: Muchibushi am 09 Oktober 2026, 19:59:51Ruhe in Frieden, Bernd!
Das ist eine sehr traurige und unerwartete Nachricht. Wird Bernds Werk fortgesetzt? Zweifellos – ja! Genau daran arbeite ich. Ich besitze das Buch von Bernd Schwarz: *Binnenschiffe zwischen Ostpreußen und Schlesien* (Cuxhaven, Strandgut-Verlag, 2012). Im Grunde schreibe ich derzeit eine Fortsetzung dieses Buches. Ich vervollständige die Geschichte der Schiffe, die nach dem Krieg in die UdSSR gelangten – für den Zeitraum von 1945 bis 1948. Bis heute liegen mir Daten zu 2300 Schiffen vor, und das ist noch nicht alles. Es ist nicht mehr allzu viel zu tun; ich muss noch Daten aus vier Reedereien in Archiven beschaffen. Das entspricht etwa zwei Jahren Arbeit. Ich hoffe, dieses Werk vollenden und das fertige Buch ebenfalls in den Händen halten zu können. Ich hatte zwar schon zwei Herzinfarkte, werde aber vorsichtig sein und habe die Absicht, das Projekt zu Ende zu bringen.
Mit freundlichen Grüßen, Vladislav.

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Darius

Muchibushi

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Rudergänger


Deichkind

#18
Hallo,
ich bin jetzt auch zufriedener Eigentümer eines Exemplars von Bernd Schwarz Buch, des "Fluss- und Binnenschiffsregister Hamburg 1885-1975". Ich habe mich gleich ans Blättern begeben und zum besseren Verständnis das Vorwort und die Einführung gelesen. Das war sehr hilfreich, denn als Laie in Sachen Fluß- u. Binnenschiffahrt hatte ich, zugegeben, andere Erwartungen an das Buch (ich interessiere mich für das Buch, weil ich viele Hafenfotos aus Hamburg mit kleinen Schiffen und Booten habe, die ich anhand des Buches hoffe identifizieren zu können). Um es aber vorweg zunehmen: es ist und bleibt aus meiner Sicht ein tolles, sehr gut umgesetztes Projekt.
Das Hamburger Seeschiffsregister für 1889-1914 wurde in bearbeiteter Form bereits 1969, bzw. 1974 durch Walter Kresse und im Verlag des Museums für Hamburgische Geschichte herausgegeben. Nun stellt Bernd Schwarz dem sein "Fluss- und Binnenschiffsregister Hamburg 1885-1975" zur Seite. Dabei basiert das von ihm bearbeitete Register nicht auf den Originalquellen, sondern auf umfangreichen Exzerpten der Herrn Harald Kunick und Herold Oetjen. Beide Exzerpte unterscheiden sich erheblich, enthalten Teils unterschiedliche Angaben. Beide sind nicht frei von Lese- und Übertragungsfehlern, die Bernd Schwarz, soweit sie ihm auffielen und es ihm möglich war, korrigierte (Schwarz S.9).
Es ist vielleicht interessant, kurz auf die in der Einleitung und im Vorwort von Herrn Schwarz selbst gemachten Bemerkungen einzugehen. Daraus werden der von ihm gewählte Arbeitsauftrag an sich selbst, und damit Umfang und Grenzen dessen deutlich, was in dem nun vorliegenden Buch enthalten ist.
Bei der Etablierung der Binnenschiffsregister (BSR) innerhalb der deutschen Staaten spielte Hamburg eine Vorreiter-Rolle. Wurden bis 1885 nur Seeschiffe registriert, richtete der Hamburger Staat mit seinem "Gesetz, betreffend Register für hamburgische Flußschiffe" vom 27.04.1885, das erste BSR in deutschen Landen ein. Erst 1895, mit dem "Gesetz, betreffend die privatrechtlichen Verhältnisse der Binnenschiffahrt" erfolgte durch die §§ 120-130 eine reichsweite Einführung der Binnenschiffsregister, deren Führung in der Regel bei den Amtsgerichten (AG) lag. In Hamburg wurde zu diesem Zeitpunkt das Hamburger Flußschiffsregister (FSR) als BSR geführt, allerdings nicht durch ein Amtsgericht in Hamburg, sondern durch die Schiffsregisterbehörde. (Schwarz S. 12). Zudem wurden bei den damals preußischen Amtsgerichten für Altona, Blankenese und Harburg-Wilhelmsburg eigene BSR eingerichtet.
Das Buch von Schwarz enthält das Hamburger FSR von 1885-1895, das Hamburger BSR ab 1895 und die BSR von Altona, Blankenese und Harburg-Wilhelmsburg seit deren Einrichtung, bis zur Verschmelzung dieser Register mit dem Hamburger Register aufgrund der Auswirkungen des Groß-Hamburg Gesetzes von 1937. Mit der Schiffsregisterordnung von 1940 (RG T1 Nr 212 v. 19./20. 12. 1940) wurden folgende BSR in das BSR Hamburg umregistriert:
Bleckede, Boizenburg, Crivitz, Dannenberg, Dömitz, Elmshorn, Glückstadt, Grabow, Hagenow, Itzehoe, Kellinghusen, Krempe, Lauenburg/E., Lenzen, Lüchow, Lüneburg, Marne, Neuhaus/Elbe, Parchim, Pinneberg, Schwerin, Uetersen, Wilster und Winsen/Luhe (Schwarz S. 13f).
Nach eigener Aussage vom Autor findet man fast alle in den aufgezählten Schiffsregistern verzeichneten Fahrzeuge im Buch von Schwarz. Im Format DIN A4, und im Umfang von mehr als 750 Seiten wird es den Interessierten bei der Identifizierung von Booten und Schiffen innerhalb dieser vom Verfasser gewählten Grenzen hilfreich sein, bzw. eine Zuordnung von Fotos dieser Fahrzeuge anhand ihres Namens ermöglichen, und darüber hinaus in groben Zügen die Geschichte dieser Boote und Schiffe nachvollziehbar machen. Über 1000 Fotos illustrieren die Angaben aus den Registereintragungen. Das Anfangsdatum der Erfassung der Fluß- und Binnenschiffe ergibt sich aus dem erwähnten Gesetz von 1885. Warum das Jahr 1975 als Kappungsgrenze gewählt wurde, erschließt sich mir als Laie nicht. Vielleicht kann sich dazu der eine oder andere Spezialist hier äußern?
Keine Berücksichtigung im Buch fanden Boote und Schiffe aus Hamburg, die nicht in den oben genannten Registern geführt wurden, sondern in eigenen Listen registriert waren:
Parallel zum BSR wurde bei der Schiffsvermessungsbehörde das "Register der Flußfahrzeuge" geführt. Darin wurden ca. 1000 Boote/Schiffe erfaßt. Ab März 1908 erfolgte die Übertragung aller nicht BSR-pflichtigen Schiffe in die beim Oberhafenamt angelegte "Liste der kleinen Fluß- und Hafenfahrzeuge". Diese Liste wurde 1980 mit insgesamt 1381 eingetragenen Fahrzeugen geschlossen (Schwarz, S. 16).
Zusätzlich gab es noch das "Register für Küsten- und Elbfischerfahrzeuge" und ein "Schutenregister".
Auch die Hamburger Behördenfahrzeuge waren nicht im Fluß- oder Binnenschiffsregister registriert, genauso wenig wie die als Seeschiffe registrierte Schleppdampfer. Diese sind weder bei Schwarz noch komplett bei Kresse verzeichnet. Barkassen, die zur Personenbeförderung zugelassen waren, finden sich entweder im BSR, dann sind sie im Buch enthalten, oder in der oben erwähnten "Liste der kleinen Fluß- und Hafenfahrzeuge", dann wird man sie vergeblich suchen. "Der Autor ist sich dabei der z. T. empfindlichen Lücken bewußt [besonders im Bereich der Barkassen]." (Schwarz, S.9).
Trotz dieser selbst gewählten Einschränkungen bei der Erfassung der Hamburger Schiffe und Boote im Betrieb auf den Binnengewässern, sind über die ausgewerteten Register deutlich über 21000 Nummern schwimmender Einheiten registriert. Die Ausführungen zu den Schiffsschicksalen machte die Auswertung weiterer Quellen wie andere BSR und weitere Primär- u. Sekundärquellen nötig (Schwarz, S. 18). Damit findet sich "der größte Teil der Schiffe im BSR innerhalb des Bearbeitungszeitraumsa 1885-1975" im Buch (Schwarz S.9), wobei das BSR Hamburg "mit Abstand das umfangreichste seiner Art in Deutschland" ist. Der Altbestand der Register für den Zeitraum 1885-1940 (Bd. 1-214) liegt mit der Sig. 231-4 nun im Staatsarchiv - oder in ausgewerteter Form sogar bis 1975 - in den Händen der Leser des vorgestellten Buches von Bernd Schwarz.
Vielleicht finden sich ja mittelfristig ein paar Enthusiasten, die sich der Aufgabe zuwenden, auch die bisher nicht in den anderen Listen der Hamburger Fluß- Hafen- u. Binnenschiffahrt aufgeführten Boote und Schiffe auszuwerten, und in Buchform gesammelt vorzulegen. Ein Klacks, so scheint es mit einem Augenzwinkern, im Vergleich zu der Arbeit, die Bernd Schwarz, aufbauend auf den Vorarbeiten von Harald Kunick und Herold Oetjen, noch kurz vor seinem Tod beenden konnte. Er selbst wünschte sich im Vorwort ausdrücklich Ergänzungen und Korrekturen aus dem Leserkreis.
Deichkind

TW

#19
Zitat von: Deichkind am 16 Oktober 2026, 17:14:31deutlich über 21000 Nummern
Danke für Deine hervorragende Übersicht, Klaas.
Ja, über 21000 Nummern, aber viel weniger Einträge, denn es gibt überall große Lücken. Im Bereich der Folge 12001 bis 12999 sind es nur 340 Einträge, von 19001 bis 19999 knapp 600 Einträge. Dies ist keine Kritik, sondern nur ein Hinweis. Ich wüsste zu gerne, wieso so viele Einträge fehlen.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Deichkind

Hallo Thomas,
freut mich, dass sie dir gefällt. Ja, das mit den Lücken hat mich auch gewundert, deswegen habe ich ja versucht vorsichtig zu formulieren und "Nummern" geschrieben und nicht "Einträge".
Die von dir erwähnte Lücke umspant den Zeitraum von März 1954 bis Oktober 1962, also gut 8 Jahre. Um genau zu ergründen warum unter den möglichen Nummern nur verhältnismäßig wenig Einträge gelistet sind, müsste man sich die Originalliste anschauen, denn Bernd Schwarz hat seine Infos ja aus den Exzerpten. Vielleicht haben die Verfasser dieser Auszüge eben (warum auch immer) nicht alle Einträge erfasst, oder es gibt andere Gründe.
Schöne Grüße!
Deichkind

TW

Es gibt noch sogenannt "verstreute Nummern".
Hier versuchte der Autor wahrscheinlich Doppeleinträge zu vermeiden.
Hier die 29 "Verstreuten" für 19000 bis 19999:

Num.  Seite  Eintragungsdatum
19013   72    1954-05
19062   273   1954-09
19137   129   1955-05
19204   438   1955-12
19299   533   1956-10
19431   169   1957-11
19474   294   1958-02
19482   79    1958-03
19483   160   1958-03
19566   133   1958-10
19652   439   1959-05
19691   375   1959-09
19732   552   1960-02
19733   489   1960-02
19734   489   1960-02
19735   489   1960-02
19741   543   1960-02-24
19774   227   1960-06
19812   305   1960-09
19832   139   1960-12
19840   488   1961-01
19901   363   1961-08
19906   594   1961-08
19941   466   1962-02
19957   414   1962-05
19964   226   1962-06
19995   434   1962-09
19998   245   1962-10
19998   247   1962-10
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

Deichkind


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