Vorstellung "Strandbatterie"

Begonnen von Strandbatterie, 30 September 2026, 18:29:33

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Strandbatterie

Moin allerseits,

hiermit stellt sich "Strandbatterie" vor - ein Name, der sogleich auf die Insel Borkum verweist. Dort befand sich im heutigen Kurpark samt Gezeitenland, Kletteranlage und weiterem touristischen Equipment die "Batterie Lüderitz", und diese wiederum hieß zuvor von 1909-18 Strandbatterie :-)

Mich haben Recherchen, Herumsucherei, Bücherwälzen, Aktenwälzen mittlerweile hierher geführt: denn mich interessieren folgende drei Themengebiete:

1. die möglichst präzise Baugeschichte en detail sämtlicher Borkumer Festungsanlagen im Zeitraum 1907 bis 1918. 1907? In diesem Jahr erschienen die ersten Akten zum Festungsbau auf der Insel (die leicht erreichbaren Quellen wie IMKK Akten vom UN Archiv Genf, Apfelds Buch "Seefestung Borkum", die digitalisierten Bestände zu Borkum im Freiburger Archiv, Erinnerungsbücher, Kriegszeitung Borkum kenne ich)

2. die weitere Nutzung und Ausstattung der Festungsanlagen in der Zwischenkriegszeit sowie im Zuge der Wiederbewaffnung der weitere Ausbau der Festung Borkum mit allen seinen "Neubauten" wie Batterie von Holtzendorff, Batterie Strasser samt "Muni Gelände", Batterie Ostland/Richthofen, Batterie Flughafen II, Batterie Fischerbalje, Leitstand Coronel, Übungsbatterie Kunde, (Übungs?)Batterie Togo, Batterie Duala/Steerenklipp

3. insgesamt die Küstenverteidigung an der Nordsee von 1890 bis 1945

Mir ist klar, dass die Marine nicht die kaiserzeitliche Festung Borkum gebaut hat - aber sie unterhielt einerseits auf Borkum die Seefliegerstation, war zuständig für die Minensperren (was sicher nicht ohne genaue Absprachen mit der Festungskommandantur bewerkstelligt wurde) Insofern ist das 1. Thema von mir keine Lichtjahre vom hauptsächlichen Gegenstand des Forums entfernt (hoffe ich jedenfalls)

Um nicht mit leeren Händen hier hineinzuplatzen eine kuriose Neuigkeit und eine "Mini-sensation":
- 1918 (sic) in KuK Österreich meinte man, dass die Insel Römö ganz besonders stark fortifiziert sei, gestand aber ein, dass man leider nichts darüber wisse  :-D https://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno?aid=mir&datum=19180529&seite=3&zoom=33&query=%22Borkum%22&ref=anno-search
- man kann auf Borkum in einem zu zwei Dritteln eingekrachten/gesprengten Bunker Inschriften aus dem Zweiten Weltkrieg finden, allerdings ist es nicht ganz ungefährlich, in diesen gut versteckten begehbaren Teil der Sprengtrümmer zu kriechen... Unklar ist, ob es sich um einen älteren und dann von der Marine weiter genutzten Festungsteil (Mannschaftsbunker) handelt oder um einen jüngeren.

Genug vorerst - ich versuche, mich hier zu orientieren und freue mich auf, hier teilnehmen zu dürfen.

t-geronimo

Herzlich willkommen und viel Spaß bei uns!  :TU:)  :O/Y
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Sven L.

Ein herzliches Willkommen  :birthday:

Ein Interessantes Themengebiet was du dir ausgesucht hast  :TU:)
Grüße vom Oberschlickrutscher
Sven


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Solange man seinen Gegner nicht bezwungen hat, läuft man Gefahr, selbst bezwungen zu werden.
Clausewitz - Vom Kriege

Strandbatterie

vielen Dank für die Willkommensgrüße  :-)
Ich wage mal ein Frage hier, da ich noch nicht weiß, wo ich sie ansonsten sinnvoll stellen könnte: die Fahrwasser um/bei Borkum waren 1914 mit Minensperren versehen und obendrein im Schussfeld der Borkumer Seezielbatterien. Pläne von z.B. den gestaffelten Minensperren in der Kieler Bucht, bei Swinemünde, bei Pillau finden sich in der Literatur (z.B. ausführlich in "der Festungsbau auf dem Weg in den Weltkrieg") - aber wie das bei Borkum organisiert war, dazu finde ich gar nichts (jedenfalls nichts, was über die Info "ja da waren Minensperren" hinausginge)
Gibt es irgendwo Materialien, Dokumente, Akten, Pläne dazu, oh, und gerne auch über die Zusammenarbeit von Festungskommandantur und Marine?

Urs Heßling

moin,
willkommen an Bord :MG:  :MZ:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

beck.Schulte

Bitte nicht Birnen mit Äpfel vergleichen ! Die deutsche 1914 Sperre , wie auch die späteren bis 1917  lagen zw. Borkum Riff FS und Ost-Ems, hatten mit Borkum nix zu tun.
obendrein im Schussfeld der Borkumer Seezielbatterien.  .absolut nö!
Über alles das was gefragt wurde gibt es reichlich Material ,meist nicht im Internet womit eigen Forschung erforderlich!    8-)

Strandbatterie

Zitat von: beck.Schulte am 01 Oktober 2026, 18:16:04Bitte nicht Birnen mit Äpfel vergleichen !
das war auch nicht meiner Absicht.
Ich weiß schlichtweg - noch - nicht, wo und wie bei Kriegsbeginn die Fahrwasser um/bei Borkum mit Minensperren gesichert waren (das gibt meine bisherige Literatur- und Aktensammlung zur Festung Borkum nicht her) und überlegte mir ganz simpel, ob das ggf ähnlich organisiert war wie bei Kiel, Swinemünde, Pillau (wobei mich zwar stutzig gemacht hatte, dass Borkum keine Torpedobatterien wie die drei genannten Festungen/Kriegshäfen hatte, aber dabei dachte ich mir nichts weiter)
Wenn ich dich richtig verstehe, war das Fahrwasser entlang der Insel (Ost-Ems) also nicht mit Minen gesperrt? Dann erinnert sich sich Petzold in seinem Erinnerungsbuch vermutlich nicht richtig, denn da ist von Minensperren die Rede https://digital.wlb-stuttgart.de/pdf/urn:nbn:de:bsz:24-digibib-bsz50025186X3/divid/LOG_0000 S.32,33 ff - Pläne freilich, wie sie etwa für Kiel vorhanden sind, finden sich da keine.
Wo könnte ich denn "außerhalb" des Internets mittels "eigener Forschung" (deretwegen meine Regale bald platzen) fündig werden?

beck.Schulte

#7
Zuvor Danke für die Regt.Geschichte Fuß.Art.Regt 2. Kannte es  noch nicht, sehr schöne Sachen betr. Borkum.
Gut. Die Minensperre hatten mit der Insel wenig bis nix zu tun. Die weit draußen liegenden deutschen Sperren waren eine Absicherung der Ems-Zufahrt. Primär:  a) Ruhrkohle über Emden in die NL und Schweden, Dänemark. b) Erztransport aus Schweden, Norwegen nach Emden  c)  Deutsche und neutrale Küstendampfer über den Kanal nach Groningen. Weit mehr machten die brit. Minenfelder und deren U-Boote der deutschen Küstensicherung Sorgen. So ging ja auch der Zwangsweg Schwarz, Gelb und 700 ungefähr von Borkum Riff FS aus.
Ich schicke dir mal eine Seekarte von 1914 betr. der Gegend. 

Strandbatterie

Zitat von: beck.Schulte am 01 Oktober 2026, 20:21:22Zuvor Danke für die Regt.Geschichte Fuß.Art.Regt 2. Kannte es  noch nicht, sehr schöne Sachen betr. Borkum.
gern geschehen  :-)
Es gibt noch ein weiteres Erinnerungsbuch: https://digital.wlb-stuttgart.de/sammlungen/sammlungsliste/werksansicht?tx_dlf%5Bid%5D=8616&tx_dlf%5Bpage%5D=1&cHash=4cbf00f9a97997bb27d78b78e0c4fb52 aber dieses ist bzgl. Borkum nicht ganz so ergiebig (und amüsant) wie der Petzold. Was letzteren betrifft: der kurze Abschnitt über Pellworm ist köstlich  :-D  und wenn man mal eine Weile auf Pellworm war, durchaus nachvollziehbar.

Was halt ein wenig irritierend ist: drei umfangreiche Quellen enthalten Auskunft über die Festung Borkum kurz vor und während dem Ersten Weltkrieg:
Recensement Place de Borkum (IMKK - UN Archiv Genf)
Petzold Erinnerungsbuch
Bade, Becker, von Bergen Erinnerungsbuch
Aber diese drei lassen sich in ihren Details (Bewaffnung, welche Festungsanlagen wann und wo etc) großenteils nicht synchronisieren. Ich selber neige dazu, die IMKK Unterlagen zu präferieren. Sicherlich gibt es weitere Quellen (Akten, Dokumente - was in Freiburg digitalisiert ist, habe ich schon, für alles andere einen Termin im Winter; Stiftung geheimes Staatsarchiv Preußen ist im Umbau, da kann ich erst ab März nachschauen (dort lagert viel zu den Befestigungen Emsmündung, also Borkum) - aber es ist schon jetzt klar, dass ein Großteil dieser Akten sich mit Baumaßnahmen ab 1914 und besonders ab 1916 befasst, also nur indirekt für den Zeitraum 1907-14 nützt) aber bis ich die durchackern kann, das wird dauern.
Die vorhandenen Bücher (Apfeld, Rudi, Gosch) beziehen sich in ihren Quellen erstaunlicherweise nicht auf die IMKK Akten, z.B. Rolf Rudi hat eine vom Recensement Place de Borkum abweichende Zählung der bis Kriegsende 1918 auf Borkum eingerichteten Flak-Stellungen. - - wie dem auch sei: die Quellenlage ist etwas löchrig und etwas undurchsichtig, bleibt also spannend.

Zitat von: beck.Schulte am 01 Oktober 2026, 20:21:22Die Minensperre hatten mit der Insel wenig bis nix zu tun. Die weit draußen liegenden deutschen Sperren waren eine Absicherung der Ems-Zufahrt.
Wahrscheinlich hatte ich es missverständlich formuliert. Meine Überlegung betraf nicht die von Borkum aus gesehen ab bzw. jenseits des Borkum-Riffs ausgelegten Minensperren - hier vermute ich, dass diese Angelegenheit der Seekriegsleitung (nennt man das so?) waren und mit der Küstenbefestigung nichts zu tun hatten. Aber (siehe Petzold) im direkten Schußfeld der Borkumer Batterien muss es, wie in/bei Kiel, Pillau, Swinemünde, Wilhelmshaven (wohl auch Cuxhaven und Brunsbüttel) weitere Minensperren gegeben haben. In "Der Festungsbau auf dem Weg in den Ersten Weltkrieg" (sehr empfehlenswertes Buch!) wird ausführlich dargestellt, innerhalb welcher recht kurzen Zeiträume solche Minensperren im Festungsrayon ausgelegt wurden: dort der Aufsatz von Markus Thiele, der Armierungsausbau der deutschen Festungen, S.84-87 (mit einem sehr schönen "Hauptsperrplan Kieler Förde 1911). Wenn Petzold sich korrekt erinnert, muss es innerhalb des Wirkungsbereichs der Borkumer Batterien (der nicht gering war, 10-20km je nach Geschütz) diese von mir gemeinten Sperren gegeben haben - und die waren wohl hinderlich, weil sie das Fahrwasser enger machten.

Ich möchte aber noch auf eine weitere Perspektive hinweisen, die meiner Ansicht nach gleichermaßen Militär (zu Lande wie zu Wasser) und Zivilleben betraf: ich nenne es die "Hightech-Explosion" von ca. 1900-1918. Der techn.-wiss. Fortschritt hatte rasante Fahr aufgenommen, und das in allerlei Bereichen: Artillerie, Kriegsschiffe, U-boote, Luxusdampfer, Stahlbetonfestungen, Explosivstoffe, Elektrifizierung, Kabel/Telefon, Funk - nehmen wir das Jahr 1912: weit weg sank überraschend die Titanic (wird sogar in Thomas Manns Zauberberg erwähnt) während auf Borkum die spektakuläre Jugendstil-Wandelhalle in Stahlbeton (!) gebaut wurde - - - auf die Gefahr hin, mich in einem Marine-Forum furchtbar in die Nesseln zu setzen, bitte ich darum, in dieser Quelle zu blättern und die alten Fotos sowie Baupläne zu bestaunen:
https://opus4.kobv.de/opus4-btu/frontdoor/deliver/index/docId/2476/file/z2491_Mitteilungen_9.1912_13_18.pdf
(darin zu den Seiten 117 und 129 scrollen)

...ist der Ruf erst ruiniert, lebt sich´s doppelt ungeniert... :wink:  nachdem ich nun schon so einen langen Roman verzapft habe, kann ich auch nochmal (m)eine sozusagen maritime stilistische Beobachtung loswerden: die beiden erwähnten Erinnerungsbücher erweisen ihre jeweiligen Autoren nicht eben als professionelle Erzähler oder gar literarische Stilisten... wie anders lesen sich da die präzisen, sachlichen, völlig ohne jeden sentimentalen Schnickschnack verfassten KTBs der U-Boote!!! WOW !!! Ich habe erst in drei solchen ein wenig quergelesen/geblättert, aber das - dieser kühl sachlich präzise Stil und Tonfall - das hat mich fasziniert!!!


MarkusL

Hallo,
nur aus Neugier
"Strandbatterie"
wäre dann die beigefügt erwähnte (um 1914/18)?
Gruß
Markus

Strandbatterie

ja genau die, 1909-11 gebaut - - was für eine Quelle ist das?

Darius

Hallo Strandbatterie,

ein Herzlich Willkommen  im FMA.


 :MG:

Darius

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