Ist das Echte. Schwein auf VII-C Boot

Begonnen von Andreas A, 09 Oktober 2026, 18:37:31

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Andreas A

Hallo !

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Quelle Bundesarchiv RM7/1258.

Urs Heßling

moin,

Ich nehme an, daß es hier um bemannte Torpedos der italienischen Marine geht, offizielle Bezeichnung SLC, marine-interne Bezeichnung "maiale" = Schwein

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Rast

Lieber 5 Minuten vorsichtig als ein Leben lang tot!

wirbelwind

Moin,

wenn ich mir die bisherigen Posts durchlese, heißt das, die italienische Marine hatte Spezial-U-Boote für den Einsatz der bemannten Torpedos im Mittelmeer. Wie erfolgreich waren diese bemannten Torpedos? Die DKM setzte ja quasi gegen Kriegsende ebenfalls mit den Kleinst-U-Booten in meinen Augen mehr oder weniger bemannte Torpedos ein.Der Erfolg hielt sich dabei in überschaubaren Grenzen.

MfG Rüdiger

Schorsch

#4
Hallo Rüdiger!

Zitat von: wirbelwind am 10 Oktober 2026, 09:46:33(...)
Wie erfolgreich waren diese bemannten Torpedos?
(...)
Die meiner Meinung nach bedeutsamsten Einsatzerfolge der italienischen Torpedoreiter waren die Angriffe auf die beiden britischen Schlachtschiffe HMS VALIANT und HMS QUEEN ELISABETH in der Nacht vom 18./19.12.1941. Die Schiffe wurden schwer beschädigt (HMS VALIANT bis in den Juli 1942 in Reparatur, HMS QUEEN ELISABETH für ca. 18 Monate wegen Reparaturen außer Gefecht). Beide Schiffe gingen nach dem Angriff im Hafen auf Grund, was im Freigewässer mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar den Totalverlust nach sich gezogen hätte. Dazu kamen noch die Beschädigung eines norwegischen Tankers (SAGONA, 7554 BRT) und des Zerstörers HMS JERVIS während dieses Einsatzes.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

kalli



wirbelwind

Moin.
danke Schorsch für die Infos. Aus den im letzten Post enthaltenen Links konnte ich unter anderem entnehmen, dass auch einige ,,Schweine" bei den Kleinkampfverbänden der DKM landeten. Gab es da einen entsprechenden Einsatz und wenn ja, mit welchem Ergebnis.
MfG Rüdiger

TW

#8
Habe vor vielen Jahren mal diese Zusammenstellung veröffentlicht:
 --/>/> https://wwwstatic.wlb-stuttgart.de/seekrieg/ksp/mittelmeer/decima-mas.htm

Einsätze der DKM mit italienischen SLC-Geräten (maiali) sind mir nicht bekannt.
Allerdings gab es Schulungen für deutsche Tauchschwimmer durch italienische Ausbilder:
siehe dazu Manfred Lau: Schiffssterben vor Algier. Motorbuch Verlag, 2001

ZitatManfred Lau, 1925 im ostpreußischen Braunsberg geboren, war in seiner Jugend Rettungsschwimmer und Wassersportler. 1942 zur Kriegsmarine eingezogen, durchlief er die Ausbildung zum Seeoffizier ("Walfisch"-Crew 12/42). Als U-Boot-Wachoffizier wurde er 1944 bei der italienischen Sondereinheit Decima MAS als Kampfschwimmer und Torpedoreiter ausgebildet, um anschließend bei der so genannten 1. "Maiale"-Gruppe des deutschen K-Verbandes in San Andrea/Venedig Verwendung zu finden. Als ehemaliger deutscher Kampfschwimmer des II. Weltkriegs gehört er zu den wenigen Zeitzeugen der elitären Kleinkampf-Verbände der Kriegsmarine.

Den könnte man auch in die Crewlisten aufnehmen.
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

wirbelwind

#9
Moin Thomas,

vielen Dank für den Link und die Infos.Bleibt festzuhalten, dass die ,,Schweine" nicht bei den Kleinkampfverbänden der DKM zum Einsatz kamen. Ich erkläre mir das so, dass die sich verschlechternden Einsatzbedingungen ein wichtiger Grund dafür waren. Außerdem gab es dann die Klein-U-Boote, die tiefer tauchen und länger unter Wasser bleiben konnten, als die bemannten italien. Torpedos.

MfG Rüdiger

Schorsch

#10
Hallo Rüdiger,

für einen Vergleich zwischen den verschiedenen bemannten Torpedos müssten in Bezug auf die italienischen SLCs statt der deutschen Klein- und Kleinst-U-Boote eher Entwicklungen wie die ,,Neger" oder ,,Marder" herangezogen werden.

Dazu mal folgende Kurzzusammenfassungen einiger Daten der jeweiligen Kleinkampfmittel:

SLC ,,Maiale":
max. 4,5 kn, 15 sm bei 2,3 kn; max. 30 m Tauchtiefe; abwerfbarer 300 kg Gefechtskopf; zwei Mann Besatzung;
ab Oktober 1935 entworfen; erster Einsatz im September 1940; werden von U-Booten mit druckfesten Oberdecksbehältern an den Einsatzort gebracht

,,Neger" bzw. ,,Marder":
max. 4 kn; 30 sm bei 3,2 kn, max. 40 m Tauchtiefe (nur beim ,,Marder"); ein modifizierter G7e mit 2000 m Laufstrecke bei 20 kn als Bewaffnung; 1 Mann Besatzung;
ab Dez. 1943 entwickelt; erster Einsatz am 20.04.1944; werden mit LKW-Anhängern in den Einsatzraum gebracht und über Rampen vom Strand aus zu Wasser gelassen; U 997 führt im Januar 1945 vor Norwegen Übungen zum Mitführen und Absetzen von vier Marden aus; zudem Versuche in der Ostsee, MFP zum Aussetzen und Wiederaufnehmen von Mardern zu nutzen

Nach meinem Dafürhalten muten die deutschen Entwicklungen etwas weiter entwickelt an (bitte nicht missverstehen – bei einer angenommenen Verlustquote von 60 bis 80% der Besatzungen waren deren Einsätze dennoch Himmelfahrtskommandos), insbesondere, da die Neger und Marder mit ihren Torpedos über eine Art von Distanzwaffe verfügten, während die SLC ihren Opfern de facto ,,in den Pelz kriechen" mussten, um wirksam zu werden. Zudem waren die deutschen bemannten Torpedos eher für den Masseneinsatz im Freigewässer vorgesehen, während die Italiener ihre Angriffe jeweils mit wenigen Fahrzeugen in besonders geschützte Hafenanlagen vorgetragen haben, wofür die SLC Werkzeug mitführten, um z.B. Sperrnetze zu durchtrennen und auch vorgesehen war, dass einzelne Besatzungsmitglieder dafür ihr Fahrzeug verlassen konnten.

Die italienischen und die deutschen bemannten Torpedos unterscheiden sich also in ihren Einsatzprofilen deutlich und so ist es mir nicht verwunderlich, dass SLC, die der deutschen Marine zur Verfügung standen, nicht bei Operationen verwendet wurden. In diesem Sinne interpretiere ich auch Folgerungen, die in dem Dokument aus dem Eingangsposting gezogen werden. Interessanterweise hatte die Royal Navy da weniger Berührungsschwierigkeiten. Deren ,,Chariots" waren als Entwurf sehr eng an die SLCs angelehnt, wenn man nicht so weit gehen möchte, diese als Kopien der italienischen SLCs zu bezeichnen. In Ergebnis dessen gelang es italienischen und britischen Kleinkampfverbänden unter Verwendung von ,,Chariots" am 22.06.1944 in La Spezia den in deutsche Hand gefallenen Schweren Kreuzer BOLZANO und am 19.04.1945 in Genua den noch unfertigen Flugzeugträger AQUILA zu zerstören.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

wirbelwind

Moin Schorsch,

wie immer ein fundierter Post von Dir zum Thema, der für mich viel Wissenswertes bringt und Spaß macht, ihn durchzulesen. Als Landratte unterlief mir bei meinem letzten Beitrag in diesem Thread wohl ein gedanklicher Fehler. Mehr oder weniger dachte ich, bestimmte Typen von Kleinst-und Klein-U-Booten der DKM seien sozusagen verbesserte bemannte Torpedos. Deinen Ausführungen entnehme ich, dass ich da einem Trugschluß erlegen bin. Nun ja, wieder etwas gelernt. Danke. Bleibt für mich die Frage offen, wie hoch die personellen Verluste der italienischen Marine beim Einsatz der ,,Schweine" war?

MfG Rüdiger 

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