Kaiserliche Marine, 4 Minensuch Halbflottille

Begonnen von 4 Minensuch Halbflottille, 03 November 2026, 22:26:06

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karli1

#15
Moin,

noch eine Ergänzung zum Thema Schiffsjungen:

Schiffsjungen gehörten in der Kaiserlichen Marine nicht dem Soldatenstand an. Erst nach Beendigung ihrer Ausbildungszeit in der Schiffsjungendivision wurden sie zum ,,Matrosen" ernannt und gehörten somit erst ab diesem Zeitpunkt dem Soldatenstand an. Anschließend erfolgte ihre Versetzung in die verschiedenen Marineteile.

Wenn ich von dem genannten Alter ausgehe, erfolgte die Aufnahme 1919 oder später, da es sich meiner Meinung nach um Angehörige des Freiwilligen Minensuchverbandes handelt (siehe Ärmelabzeichen mit dem nach oben zeigenden Winkel).

VG R.

4 Minensuch Halbflottille

Das könnte sein, die Legende in der Familie geht halt, das er mit 14 aus dem Nürnberger Waisenhaus zur Marine "gegeben" wurde, ob freiwillig oder per ordre bleibt offen. Fakt ist, das er offenbar eine fundierte nautische Ausbildung bekommen hat. Er war bereits 1920 Steuermann bei der Fischereihochseeflotte und hatte mit 25 das B5 Patent -Kapitän auf großer Hochseefischerei-.
Später war er Feuerschiffskapitän. Beim Untergang von Elbe 1 (1936) hatte er Freitörn, seine Kollegen sind damals alle gestorben. Im WK2 war er Kommandant eine Vorpostenbootes im Kanal, Lorient, Cherburg und später Kurlandfahrer. Nach dem Krieg hat er Minen geräumt unter englischem Kommando. 1965 war sein letztes Kommando Elbe 3 von wo aus er in Pension gegangen ist. Ich wollte da mal ein wenig Fakten rein bringen, insbesondere im WK I sind halt viele weiße Flecken und nur Hörensagen. Laut modernem Orakel war das V am Ärmel nicht etwa "Freiwilliger" sondern ein Zeichen für "erfahrener" Matrose. Vielleicht eine Erfindung der KI. Deshalb bin ich ja hier gelandet.
Herzliche Grüße aus Hamburg
Jens

karli1

Hier mal ein Foto von dem genannten Abzeichen, welches sehr gut auf Deinem Foto erkennbar ist:Sie dürfen diesen Dateianhang nicht ansehen.

4 Minensuch Halbflottille

Wow, ich bin beeindruckt, vielen Dank. Der Dank geht an Alle die hier ihre Erfahrung und ihr Wissen einbringen. Höchste Anerkennung.

Herzliche Grüße aus Hamburg
Jens

4 Minensuch Halbflottille

Zitat von: beck.Schulte am 06 November 2026, 17:52:37Zum Boot auf dem Foto: Diese Art von Windhutze waren -so weit es meine Unterlagen zulassen- nur auf Booten von Tecklenborg ab 1917. später auch von Booten der Flensburger SB. .  Der Ausrüstungszustand Herbst / Ende 1918 Die in Frage kommenden Boote  hatten als Kommandanten 2x eine OL z.S. , 3x einen Lz.S.  1x einen Mine Ob.St.M.   Es würde somit M72 ausschließen.  Sieht man sich die Leute an, so fällt die ungewohnte ,,Ernsthaftigkeit" auf.Ich würde nach allem sagen, dass es eines der typischen ,,Abschiedsfoto" kurz nach dem Waffenstillstand ist. 
Die Offiziere auf dem Foto passen ziemlich gut zu der Auflistung. Das bringt uns wohl relativ dicht an die Fakten. Vielleicht sollte ich mich mal an Freiburg wenden und versuchen weitere Daten zu bekommen. Sind dort auch die Personalakten zu finden? Ist Freiburg nur WKI oder auch WKII. Das würde mich auch mal interessieren. Er hat im WKII das Eiserne Kreuz 1 Klasse verliehen bekommen. Ich erinnere Fotos aus verschollenen Alben, wo er neben dem Decksaufbau des Vorpostenbootes steht, wo in weißer Farbe zwei 2 Mot Flieger und ein Schnellboot aufgemalt waren.

HG
Jens

beck.Schulte

#20
Sind dort auch die Personalakten zu finden?   14/18 nur die der Offiziere.
Er war bereits 1920 Steuermann bei der Fischereihochseeflotte Nein, mit 20 herum war man nicht Steuermann (oder ist Rudergänger gemeint) in der Hochseefischerei. Um das zu werden war eine Fahrenzeit in der Fischerei von einigen Jahren sowie der Besuch der Seefahrtsschule von Nöten. Außerdem stand in den 20zigern reichlich befahrenes Personal zur Verfügung.
Was die vorläufige Reichsmarine angeht, so ist F.O.Busch MINEN & MENSCHEN Darstellung die beste. Der war zwar ein begeisterter Nazi, aber seine Alttagsbeschreibungen von 14 bis 22 sind lesbar.
Mit den familiären Erinnerungen ist das so was. Väterlicherseits aus dem Raum Wülfrath stammend wurde uns immer erzählt, das die Familie unserer Urgroßmutter um 1830 herum einen erfolgreichen Pferdehandel bis an den Zarenhof betrieb. Die Wirklichkeit sah anderes aus. Sie waren armen Tagelöhner aus Dönberg (heute Teil von Wuppertal) und waren zeitweise ,,Kohlentreiber" , das war ne wilde Horde , dem Suff ergeben und bar jeder Bildung. Ergo: Was Oma erzählt muss nicht immer genau der Wahrheit entsprechen. ..tun wir ja auch nicht immer! 

TW

Zitat von: beck.Schulte am 07 November 2026, 10:42:04F.O.Busch MINEN & MENSCHEN
Kleine Anmerkung:
Der Autorenname zu dem Buch "Minen und Menschen" lautet allerdings PETER CORNELISSEN (ein Pseudonym).
Schönen Gruß aus Stuttgart
Thomas

beck.Schulte

#22
Mit aller Vorsicht. Vielleicht kommt man so der Sache näher: Jag: 1900   Okt. 1918 zur 4. Halb. Belegt das Mützenband, das so nicht in der Vorläufigen Reichsmarine getragen wurde ( bei FOB nachzullesen). Die 4te wurde im Dez. 1918  a.D.gestellt. . Wenn nicht entlassen, dann war er   dann  wohl in WHV.  Auf den Gruppenfoto ist ,,längerer" Text auf den Mützenband ( da kann vielleicht Rainer aus Berlin was zu sagen) So ab Febr. / März frühestens bei der ,,vorläufigen".  Ob er dann zur   4. Nordsee Minensuch-Halbflottille kam, oder zu einer andern Halbflottille ist ungeklärt. Zwischen 12.18 und 2/3.1919 jedenfalls waren die Boote in WHV ohne Besatzung .1920/21 in die Fischerei als Jungmann , Steuermann nur dann, wenn er da noch so um 1930 gewesen wären. Nun aber! Auf den Feuerschiffen der Elbe ist sein Werdegang recht einfach zu erfragen. Die Schiffe unterstanden dem Hamburger Senat und daher ist im StA HH recht viel  zu finden..Bitte immer daran denken, das StA möchte bei  nicht freigegebenen Personenanfragen gern den Nachweis , dass man Nachfahre des ,,Gefragten" ist.

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