Unterbringung der Mannschaften

Begonnen von Tri, 11 Mai 2007, 20:34:55

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Tri

Hallo,

wie sah es eigentlich mit der Unterbringung (Unterkunft) der Mannschaften auf den größeren Einheiten der Kriegsmarine aus.
Hatte jeder eine eigene Schlafgelegenheit (wohl eher nicht), oder gab es für bestimmte Mannschaften größere Räumlichkeiten in denen gegessen und geruht wurde. Wenn ja schlief dann die eine Wache in einer Ecke und die anderen essen und kloppen Karten in der anderen Ecke?

Hoffe auf Aufklärung. :-)

Grüße
Tri   

Wozu brauchen wir Bürgerrechte, wir leben doch in der EU.

harold

Ich könnte da wohl einiges reinstellen - allerdings nicht aus der KM, sondern der französischen Marine der Zeit.
Bitte aber nicht böse sein, wenn sich bei mir derzeit alles a bissele langsam abspielt, Priorität haben meine Korrekturen.

Ciao,
Harold
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Peter K.

Mannschaften und Unteroffiziere "wohnten" in Gemeinschaftsräumen, letztere in etwas größeren. Als "eigene Schlafgelegenheit" besaß jeder seine Hängematte, die im übrigen - gut gezurrt - auch als Rettungsmittel im Ernstfall diente. Außerdem verfügte jeder über seinen eigenen Spind, Mannschaften in "Mini-Ausführung", Unteroffiziere etwas größere. Die Backen und Banken waren aus Platzmangel üblicherweise unter den Decksbalken angeschlagen und wurden nur zu den Essenszeiten, Freizeit, etc. aufgestellt!
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Tri

Hallo,

danke Peter für die Informationen.

@ Harold, vollstes Verständnis. Hoffe du greifst das Thema mal wieder auf wenn du mehr Zeit hast.


Grüße
Tri
Wozu brauchen wir Bürgerrechte, wir leben doch in der EU.

byron

Hallo,

Anbei ein Bild der Hängematten des historischen griechischen Schiffes "Averof" das fast allein während der Balkankriege 1912 die türkische Flotte niederkämpfte und die ägäischen Insel befreite.


www.wehrmacht-in-griechenland.de.vu

Big A

ZitatMannschaften und Unteroffiziere "wohnten" in Gemeinschaftsräumen, letztere in etwas größeren. Als "eigene Schlafgelegenheit" besaß jeder seine Hängematte, die im übrigen - gut gezurrt - auch als Rettungsmittel im Ernstfall diente. Außerdem verfügte jeder über seinen eigenen Spind, Mannschaften in "Mini-Ausführung", Unteroffiziere etwas größere. Die Backen und Banken waren aus Platzmangel üblicherweise unter den Decksbalken angeschlagen und wurden nur zu den Essenszeiten, Freizeit, etc. aufgestellt!
Auf der Gorch Fock wohnen die Lehrgangsteilnehmer heute noch so und ist auch gar nicht unbequem!
Auf den Fregatten 120 (KÖLN-Klasse) haben auch einige Mannschaften in Hängematten geschlafen, da einfach nicht genug Kojenplätze vorhanden waren
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Ralf

#6
Hallo,

schaue Dir mal bei Tone die Pläne an... Da wirst Du schnell sehen, wie viel platz dort war. Gut zu sehen bei den Plänen vom Prinzen. Guckst Du hier:

http://www.dreadnoughtproject.org/plans/KM_Prinz_Eugen_1940

Aber auch andere interessante Schiffe gibt es bei ihm...  :O/S Sehr schön die Pläne des Hilfskreuzers Pinguin... Schiff 33...

Wir hatten hier mal vor einiger Zeit einen Thread, wo wir darauf eingingen, wie viel jeder Mann so "wog", was Ausrüstung und Proviant anging... Ich habe da im Buch von Israel über GZ eine sehr gute Aufstellung gefunden... Ich wieß nur nicht, ob man sie hier reinstellen darf!?
Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

harold

Lang schon versprochen, nun auch endlich mal im Bild (alle Fotos aus R.Dumas, "Dunkerque")

Mannschaftsunterbringung auf "Dunkerque", Backen und Banken, Hängematten gezurrt. War Schlaf-, Wachfrei- und Eßraum, in der Ecke (kaum sichtbar) das "pissoir de nuit" (Pißrinne für nächtliche Bedürfnisse, da der Raum dann abgeschlossen war - im Eck gabs dann noch dazu die Kammer des "maître", der die ca 60 Leute überwachte):


Zum Vergleich eine Offizierskabine (in etwa die doppelte Kubatur, wie sie die vorige Aufnahme zeigt):



Ja, aber: gegessen wird in so einer Offizierskabine natürlich nicht (abgesehn von amuse geules und Cognac).

Dafür gibt es die Messe, einmal, (oben) für Unteroffiziere



und (unten) für Offiziere. Man beachte die jeweilige Gestaltung der Decke, oder die "Kunst am Bau"...

Ein bißchen zur Erklärung: das Frankreich der Zwischenkriegszeit war eine deutliche Zwei-Klassen-Gesellschaft, hie Führungskräfte, da Proletariat - das zeigt sich natürlich auch krass in der jeweiligen Schiffsinnenarchitektur (und ist auch -mit Abstrichen- heute noch so; eine "Mittelklasse" gibts in F kaum).
Die deutsche Schiffsinnenarchitektur ab den Mittdreißigern hat -natürlich im Sinn der NS-Propaganda!- sehr viel Wert darauf gelegt, so wenig krasse Unterschiede wie möglich sichtbar zu machen.
Paradebeispiel dafür ist sicher die "Gustloff"; an Innen-Fotos von deutschen Kriegsschiffen fällt auf, dass die "Dekoration" eher spartanisch ist -auch und eben im Offiziersbereich!- um ein möglichst geringes Gefälle zwischen Mannschaft und Führung zu signalisieren (Gemeinschaftsduschen, keine separaten Baderäume unter Stabsebene etc).

Was mir noch fehlt: Innenräume der Pötte der Regia Marina! (ei da werd ich doch noch... so Ende Juli... n paar Fragen stellen, an E.B.)

Generell: Fotos von Mannschaftsunterbringung, ihren Sanitärräumen etc sollten wir immer in Bezug auf die Offiziers-Gelegenheiten sehen. Macht eher Sinn, als nur das eine oder das andere zu vergleichen.

Ciao,
Harold


4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Big A

ZitatDie deutsche Schiffsinnenarchitektur ab den Mittdreißigern hat -natürlich im Sinn der NS-Propaganda!- sehr viel Wert darauf gelegt, so wenig krasse Unterschiede wie möglich sichtbar zu machen.
Das beruhte auch sicherlich auf den Erfahrungen der Matrosenaufstände. Grundsätzlich gibt es bei der Marine inzwischen sehr gute Unterkunftsbereiche, Verpflegung ist für alle gleich (ganz anders als bei der USN). Die gemütlichste Messe an Bord ist meist die PUO-Messe, da hier oft Kameraden lange Stehzeiten haben und die Messe ist nun mal das Wohnzimmer!
Zitatan Innen-Fotos von deutschen Kriegsschiffen fällt auf, dass die "Dekoration" eher spartanisch ist -auch und eben im Offiziersbereich!- um ein möglichst geringes Gefälle zwischen Mannschaft und Führung zu signalisieren (Gemeinschaftsduschen, keine separaten Baderäume unter Stabsebene etc).
Die geringe Dekoration hat in erster Linie mit dem Brandschutz und der Schadensabwehr zu tun. Ein abgerissenes Foto kann sehr schnell eine Leckabwehrpumpe verstopfen, herumfliegende Gegenstände ev. den Verschlußzustand behindern und sonstige Deko aus Holz oder Stoff brennt, Kunststoff erzeugt giftige Dämpfe usw.
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Hastei

Hallo,
sehr interessante Fotos vom Innenleben eine Schiffes.

@ Big A

also ,ich fuhr auf der Köln von 1970- 71. Einmal nur  wurden für eingeschifftes Personal Hängematten
ausgegeben. Für ein-zwei Nächte nur, sonst feste,bzw.klappbare Kojen.
Gorch Fock , klar, aber auch SS Deutschland hatte Hängematten. Das erste mal habe ich dort in der Hängematte geschlafen, war gar nicht so einfach ,da reinzukommen. Vorne rein , eine Rolle und man lag an Deck.( Oder hatten wir abends zu viel gefeiert ?)

Gruß Hastei

Big A

@ Hastei
Ich war auch FGS Braunschweig von 87 - 89 (F 225), da wurden meine Funker im vorderen Mannschaftsdeck z.T in Hängematten untergebracht, da Besatzung größer geworden war. Die Neuen mussten immer in die Matten (weiß nicht mehr genau, 4-5 Matten),
als FMO habe ich damals auf dem C-Deck "gewohnt", hinter der Brücke, und da war es manchmal schon sehr schaukelig, man musste sich inseiner Koje immer "festkeilen"
auf der Deutschland waren auch Matten, stimmt, aber bei dem Seeverhalten dieses Dampfers, nicht unähnlich einer schwangeren Auster bei Notwasserung war das gar nicht so übel.

Gruß

Big A
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(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

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Hastei

Noch etwas zur spartanische Dekoration.
Wie Big A schon erwähnte, war es notwendig,so wenig wie möglich  unnütziges "Zeug" im Deck zu haben. Im Manöver ,vor allem aber in Portland, beim flagofficer sea training,wurde alles rausgeschmissen. Teppiche und Vorhänge vor den Kojen als erstes. Selbst Spiegel, wenn sie fest installiert waren, wurden mit Klebeband zusätzlich fixiert. Brandgefahr, Splittergefahr verstopfen der Lenzeinrichtung und und und.

Gruß Hastei

Big A

Und das ist nach Falkland noch intensiver geworden, nur der FOST ist jetzt in Devenport, aber alle fluchen noch immer genau so über die Checker ääääh.... Searider (Seefahrer wissen was ich meine)
"Progres has been obvious, however, there still is much room for improvement..."
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