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Treibstoffversorgung der Kriegsmarine 1935 bis 1945

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Spee:
Ja, sei so nett. Ich warte noch auf ein Buch und dann können wir das mal genauer angehen. Sollte so Ende der Woche hier eintreffen. Hoffe ich doch!!

Woelfchen:
Noch was als Ergänzung, aus sicht der Luftwaffe.
Problematisch war vorallem die Versorgung mit Benzin mit hohen Oktanwerten.
Es gab:
B4 Kraftstoff mit 87 Oktan
C3 Kraftstoff mit 100 Oktan (nein, kein C3 Bunkeröl  :-D)

Der C3 Kraftstoff war schon knapp, aber um hohe PS zahlen aus kleinen leichten Motoren zu bekommen braucht man Benzin mit hohen Oktanzahlen. Oft mussten die Motoren auf B4 ausgelegt werden.
Die Allierten (USA/GB)hatten Sprit mit bis zu 150!!!! Oktan.

Ein Paar Vergleichswerte (bitte nicht auf die Goldwage legen, ist etwas vereinfacht):
Motoren:      Hubraum (in Liter):    PS            PS pro Liter:
RR Merlin45   27                          1470         54,4      (SpitfireV, 42)
RRGriffon65   36,75                      2035         55,4      (Spitfire XIV)
DB 603A       44,5                       1750          39,3      (B4, ab Ende 42, Anfang 43)
DB 605         35,7                       1475          41,3      (erst ab Ende 43, vorher 1310PS wegen Motorprobleme, B4)
BMW 801
Jumo 213

Wenn ich mehr Zeit habe trage ich die anderen Motoren noch nach.
Johannes


Thomas:
Hallo Thomas,

das dt.-russ. Kredit- und Wirtschaftsabkommen wurde am 19.8.1939 unterzeichnet (ADAP D VII, Nr. 131), also vor dem Nichtangriffspakt. Die Anlage C ist allerdings nicht mit abgedruckt, die beinhaltet die russischen Warenlieferungen aufgrund von Art. 5. Die deutsche Seite kreditierte russische Bestellungen über 200 Mio. RM. Die deutschen Lieferungsbereiche sind im Vertrag genannt.

Die Verhandlungen waren die erste Phase der dt.-russ. Annäherung im Juli 1939, als Vorbedingung der Interessenabgrenzung. Damit war der Weg frei für Ribbentrop.

Im Sep39 wurden dann die Gespräche weiter geführt, wobei es zunächst internes Gerangel gab, ob Göring mit Reichsverteidigungsrat oder AA zuständig ist.

Durch den Briefaustausch Molotow-Ribbentrop am 28.9.39 (ADAP D VIII, S. 131) in Fortführung des Kredit-und Wirtschaftsabkommens vom 19.8.39 wurden Rohstofflieferungen angekündigt und die Aufstellung eines beidseitigen Wirtschaftsprogrammes bzw. Wirtschaftsplans verbindlich vereinbart.

Grüße
Thomas

Spee:
@Thomas,

aha, eine Lücke in Herrn Fallins Gedächtnis?
Ich warte jetzt noch auf den Schwendemann, dann können wir mal genaue Zahlen über die deutsch-sowjetischen Lieferungen ansehen.

Thomas:
Hallo Thomas,

dann noch etwas weiter im diplomatischen Hintergrund.
Am 6.10.39 trafen Schnurre und Ritter zu weiteren Gesprächen in Moskau ein, Zwischenbericht vom 6.10.39 (ADAP, D VIII, Nr. 237). Von deutscher Seite gab es die Absicht, ein 6-Monate-Sofortprogramm zu vereinbaren, das "mit besonderer Beschleunigung und unter äußerster Anspannung aller Hilfsmittel von beiden Seiten" durchzuführen ist. Deutsche Wunschliste: Erdöl, Erz und Metalle, Futtermittel, Fette und Häute.
Deutsche Delegation (neben der Politik):
IG Farben, Benzolverband, Otto Wolff, REichsgetreidestelle, Deutsche Werft Hamburg, Ruhrchemie, Gutehoffnungshütte, Stahlunion Export, Flachshandel Berlin-Nicolasee, Fa. Theodor Thorer, Wolle und Tierhaare AG, WOTIRAG.

18.10.39 Ritter beichtet über den "langsamen, aber nicht ungünstigen Verlauf der Wirtschaftsgespräche" (Nr. 272)
19.10.39 In der englischen Presse große Aufregung über mögliche Weiterlieferung von Waren (z. B. Kautschuk) über Rußland nach Deutschland wegen der Wirtschaftsvereinbarungen-
(Anm.: am 19.10. wird auch berichtet, dass sich Ribbentrop darum beschwert, dass Suwalki im deutschen Interessengebiet keine kapitalen Rothirsche aufweist, sondern dass die in dem russischen Bereich liegen. Für Ribbentrop soll hier ein Ausgleich erfolgen - immerhin Meldung an Botschaft Moskau, sich darum zu bemühen).
30.10.39 Da die Gepsräche langsam laufen, sollen runde Zahlen in die Listen aufgenommen werden und die Besuchsprogramme von 24 Tagen verkürzt werden (Nr. 316)
1.11.39 Göring, Raeder, Keitel äußern sich besorgt über die großen Mengen an Kriegsmaterial, die von russischer Seite gefordert wrerden (Nr. 321)
10.11.39 Molotow-Zusage auf einige Mio. to. Eisenerz mit Gehalt von 35-40% Eisen, was bei dem hohen Stand deutscher Technik keine Rolle spielen dürfte. Außerdem Zusage auf sofortige Lieferungen bei Getreide und Ölprodukten, im Vertrauen darauf, dass man sich auf die deutschen Lieferzusagen noch einigen werde (Nr. 342)
1.12.39 Interministerielles Rundschreiben des AA über russische Bestellungen in Deutschland: Schiffskörper Se<dlitz und Lützow, Prinz Eugen, Pläne der Bismarck, Schulschiff, Werkstättenschiff und Tankdampfer, 31.000 to. Panzerplatten als Schiffsbaumaterial, kontaktlose Torpedozünder neuster Konstruktion, Minen neuster Konstruktion mit magnetischen Zündern, Me209 und andere Typen neuster Konstruktion, Flugzeugmotoren. Als Gegenleistung wurde angeboten, diese Flugzeuge und Motoren in Rußland für Deutschland in Serie zu bauen.
Weiter: BEsichtigung einer 24cm-Kanone, Feuerleitgeräte für Feldartillerie und Flak, flugzeuggesteuerte Feuer-Fernleitungen, Pulver, Sprengstoffe und Munition, Industrie-Anlage zur Kohlehydrierung zwecks Herstellung von Flugbenzin, Gegenleistung: erhöhte Benzinlieferungen.
Zu dem russischen Bestellkatalog soll Führerentscheid eingeholt werden.
2.12.1939: Protokoll Ministeriensitzung vor Führerentscheid, nötig für Lieferung der Me209 und He 110 (Druckfehler: He100 oder Me110?), Lieferung Sydlitz und Prinz Eugen, Baupläne Bismarck und 15cm-Zerstörer, Gesamtwert 1500 Mio. RM (Protokoll Nr. 412).
2.12.1939: Führerentscheid, da abgelehnt, aber von russ. Seite erneut vorgebracht: Seydlitz, Bismarck, Torpedos, Minen, 24cm-Kanone (Nr. 413).
9.12.1939 Molotow beschwert sich erregt über die Durchlieferung von Flugzeugen von Italien über Deutschland nach Finnland (Nr. 432)
11.12.1939 deutsches "Erstaunen" über die russischen militärischen Lieferwünsche wird mitgeteilt. Ein solcher Gesamtwert sei vorher nicht vereinbart worden (Vertrag vom 19.8.39 und Briefaustausch vom 28.9.39) - Nr. 442
15.12.1939 Raeder ist mit Weitergabe der Bismarck-Pläne einverstanden, wenn diese zu einem hohen Preis erfolge und Weitergabe an GB ausgeschlossen sei. Es entsteht dadurch keine erhöhte Gefährdung der deutschen Schiffe - Nr. 457
22.12.1939 Gespräch Schulenburg-Molotow und Verständigung: Moskau sei auch mit 1 statt 3 Kreuzern einverstanden, deutsche Preise seien zu hoch, auch wenn Milliardenkosten in den Entwicklungen steckten, gleiches gelte für die russische Kohle- und Ölindustrie, die auch zu vernünftigen Preisen liefere - Nr. 484
24.12.1939 Gespräch Molotow: man nehme bei den Flugzeugen Abstand, die Preise von pauschal 300 Mio. RM haben verstimmend und ablehnend gewirkt. Neuer Schwerpunkt: schwere Marine- und Küstenartillerie, bei der D. nicht ablehne, aber keine festen Terminzusagen machen könne; Gespräche werden schwierig, Molotow wirke verstimmt, da man doch industrielle Lieferunen vereinbart habe, die militärische selbstredend einschließe, auch wenn sich D. im Krieg befindet - Nr. 487
2.1.1940 Memo Delegationsgespräche vom 31.12.1939 unter Teilnahme von Stalin, der auf den verminderten russwischen Forderungen besteht (Nr. 499 mit Anlage). Schwerpunkte: Eisenerzeugung, Schiffsbestückung, Marineartillerie, wenige U-Boot-Periskope, Werkzeugmaschinen, Flugzeuge, Lützow.
10.1.1940 Hilger berichtet Molotow, dass D. nicht zahlen könne. Gegenlieferungen erstreckten sich über einen längeren Zeitraum als die russischen Sofortlieferungen. Um Verzögerungen zu vermeiden, schlägt er russische Kreditierung vor. Molotow entgegnet, über russische Kredite sei nichts vereinbart, vielmehr kreditiere D. über 200 Mio. RM. Vorschlag: Man könne ja ein paar Flugzeugmuster sofort im austausch liefern, die seien doch von D. so teuer angesetzt worden, dass man damit die Rohstofflieferungen bezahlen könne. Man werde schon praktische ege finden. Auch die Lieferungen an D. bedeuten für SU eine große volkswirtschaftliche Belastung - Nr. 520.
28.1.1940 sowjetische Beschwerde über Schwierigkeiten, russische Aufträge aus den Absprachen in D. unterzubringen. Mißtrauen in dt. Lieferfähigkeit und -willigkeit wächst. Firmen antworten entweder überhaupt nicht oder nannen jahrelange Lieferfristen - Nr. 582
30.1.1940 Antwort auf Stalin-Programm: Freigabe der Schiffstürme, Flugzeuge, 2 Sätze WErkzeugmaschinen für 15cm Munition, Periskope, U-Boot-Akkumulatoren. Deutsche Wünsche: Ölkuchen, Ölsaaten, Hülsenfrüchte, Flachs, Hanf, Posphate. Stalin diskutiert über 28cm-, 30cm und 38cm-Türme - Nr. 584. Stalin wolle 38cm-Drillingstürme, 3 für das wohl geplante oder in Bau befindliche Schiff. Das andere könne mit 3 Drillingstürmen 28cm aus deutscher Lieferung ausgerüstet werden. Die Anfrage sei geheim. Bezüglich des Kredtiwunsches schlägt Stalin einen zweiten Jahresvertrag vor, nach dessen Clearing die Bilanz dann ausgeglichen sein müsse, da SU an D. keinen Kredit geben könne - Nr. 584
11.2.1940 Wirtschaftsabkommen D-SU, in Nr. 607.
Deutsche Lieferungen: Lützow-Baukörper, Schiffsbaumaterial, u.a. 31000 to Panzerplatten, elektrische Anlagen, Meßgeräte, Motoren, Marineartillerie (38,1cm Doppelturm mit voller Ausrüstung und Ersatzteilen zum 1.4.41, Zeichnungen für 40,6cm und 28cm-Drillingsturm, 2 8,8cm Antikorrosionskanonen für U-Boote, 8m-Periskop für U-Boote, Richt- und Meßgeräte)
Minen-und Torpedoausrüstung, hydroakustische Geräte, hydrographische und optische Geräte, Pläne für Bismarck und einen 15cm-Zerstörer, komplette Motorenausrüstung für einen großen Zerstörer
10 He100, 5 Me109, 5 Me110, 2 Ju88, 2 Do215, je 3 Bü131 und Bü133, 3 FW 58-V13, 2 Fa 266-Helikopter, 1 Me209 innerhalb von 15 Monaten, Flugzeugmotoren, Instrumente, Bordwaffen, Munition,
2 210mm Feldhaubitzen, 4 Flakgeschütze 105mm mit vollständiger Ausrüstung, Laboratorium für Schussmessungen,
Nachrichtenmuittel, chemische Ausrüstungen, synthetischer Kautschuk, Pionierausrüstungen,
ein Panzer III mit vollständiger Ausrüstung, 10to und 20to-Zugmaschinen, Halbraupenschlepper,
Werkzeugmaschinen, Bergbauausrüstung, Lokomotiven für 7,7 Mio. RM, Ausrüstung für Ölindustrie.




wird fortgesetzt ...

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