Die letzte Fahrt des AT 914.

Begonnen von Zerstörerfahrer, 23 Juni 2007, 20:26:28

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Zerstörerfahrer

Quelle: Nara-Microfilm



Gretzbach Paul                                                     
Bootsmann
LO. 5943/39 SB

Bericht über die Fahrt des " AT 914 " bis zur Sprengung am 21.09.44
und Rückkehr nach Linz.


Am 29.07.44 lief der AT 914 im Schlepp der DDSG von Linz aus. Ohne besondere Vorkommnisse ging das Schlepp bis Wien, Albernhafen. Nach der Schleifenfahrt übernahm uns ebenfalls wieder die DDSG über Pressburg, Budapest, Semlin, Moldava, Drenkova, Orsova (Rumänien).
Die Schleppfahrt verlief ohne Störungen. Hier musste das Schlepp verlassen werden, wegen Wasserübernahme. Schleppmöglichkeit bestand nun nicht mehr. Die Fahrt wurde daher mit eigener Kraft fortgesetzt. Die Gesellschaft stellt uns einen Lotsen zur Verfügung.
Am 21.08.44 ausgelaufen Orsova, passierten wir das " Eiserne Tor ", um am 23.08.44 in Russe (Bulgarien) festzumachen. AT 815 war inzwischen nachgefolgt. In Russe trafen wir AT 912 und AT 913.
Am 23.08.44 Wasserübernahme in Russe, am 24.08.44 Proviantübernahme in Giurgiu. Kaptl. Brauer übernahm am selben Tage den Befehl über sämtliche schwimmende Einheiten in Russe.
Am 25.08.44 09.00 Uhr machte AT 914 auf Befehl in Giurgiu an dem Anleger des Hafenbahnhofes fest. Höchste Alarmbereitschaft auf Grund der Erklärung Rumäniens. Um 11.00 Uhr auf Befehl Feuererlaubnis E. 3000 m Innenstadt Giurgiu.
AT 914 legte hierzu ab und feuerte vom Strom 22 Salven vordere und achtere 10,5 cm. Beobachtete Wirkung war gut.
Um 11.00 Uhr Einflüge feindlicher Bomberverbände. 11.55 Uhr Überflüge von 12 – 15 Bombern vom Typ Lancaster unter Bombenabwurf. Keine Ausfälle. Um 15.00 Uhr in Russe festgemacht. 16.00 Uhr abgelegt zur Ölübernahme. Zwei Meilen stromauf.
Am 26.08.44 Proviantübernahme von Wehrmachtsleichter 1106. 15.00 Uhr in Russe festgemacht.
Am 28.08.44 00.30 Uhr abgelegt im Geleit sämtlicher Kriegsschiffeinheiten (3 AT, ungefähr 9 MFP, 5 Schleppe, 4 Fahrzeuge der DoFlo). 18.00 Uhr ankern vor Sanowitsch (Rumänien). 19.00 Uhr Gefecht mit Landbeschuss 2 cm, keine Ausfälle.
Am 29.08.44 Gefecht bei Calafat. Beschuss durch MG, Granatwerfer und 7,65 cm Feldhaubitzen. Ausfälle: 1 Toter, 9 Verwundete (Matr.Ob.Gefr. Goller).
Am 31.08.44 Anker auf ! 17.00 Uhr abholen des ASM mit 2 KT, 15 MFP, 3 Schlepper, 3 KFK, 9 MS-Boote. Zwei Gefechte auf dem Rückweg bei Calafat. Keine Verluste. Eintreffen und Ankern in Brahovo um 08.00 Uhr.
Am 09.09.44 15.00 Uhr seeklar. AT 914 und AT 915 mit Schleppen längseits und 8 MFP donauaufwärts bis km 900 ohne Gefechtsberührung. 18.00 Uhr Kehrtwendung zurück nach Brahovo. Ankern um 22.00 Uhr.
Am 10.09.44 befehl vom ASM zur Sprengung, 14.00 Uhr Gegenbefehl. Bis auf AT 914, AT 915, 9 MFP und 4 Schleppern wurden sämtliche Einheiten der Kriegsmarine gesprengt. Um 06.00 Uhr: Ablegen der SF-Fähren und L-Boote mit 6 Sturmbooten nach Brcza – Palanka.
Führung Hptm. Berkey.
Am 11.10.44 05.00 Uhr seeklar. Für AT 915 mit 8 MFP nach km 900.
In Prahovo aufgefangener FT, Gefechtsberührung bei Tiganasu. Beschuss durch leichte Granatwerfer und MG.
Am 12.09.44 06.00 Uhr seeklar ! AT 914 und MFP F 373 und ein Schlepper, der MFP F 373 im Schlepp 10.00 Uhr Gefechtsberührung bei Tiganasu. Schwerster Beschuss durch überschwere Granatwerfer, 7,65 cm Feldhaubitze, 2 cm L-Spur und LMG, SMG.
10.35 Uhr Volltreffer Maschinenraum Schlepper. 2 Tote, unbekannt.
14.45 Uhr Volltreffer achtere 10,5 cm auf AT 914. 6 Tote (Matr. Golka, Matr.Gefr. Reissner, Matr.Ob.Gefr. Heinert, Matr Gefr. Moldau, Matr.Ob.Gefr. Voje, Masch.Ob.Gefr. Lothammer). Vorderer und achterer Vierling durch Rohrkrepierer ausgefallen.
Grund: Einschüsse durch MG in die einzelnen Rohre. Volltreffer MFOP F 373 vorderer 2 cm-Stand. Anschliessend Explosion des mit 60 Schuss gefüllten Magazins. 4 Tote der russ. Hilfstruppen und 1 Toter der Besatzung F 373.
11.00 Uhr ankern vor Brcza – Palanka. 15.00 Uhr Begräbnis der Toten durch Kommandant und Btsmt. Caczeck und Btsmt. Pietschmann.
Am 15.10.44 durch Feindeinwirkung Räumung des Bootes, zugleich Bergung aller wichtigen Geräte, Geheimsachen und Verpflegung.
Am 17.10.44 Zuteilung zu dem Pi.Btl.214. Verwendung an ausgebauten 2 cm Geschützen und als Gruppen innerhalb der 4. und 5. Komp. Pi.Btl. 214.



Fortsetzung folgt...

t-geronimo

Danke schön für Deine Fleißarbeit!  :O/Y
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

TD

Hallo René,

das sind Informationen die sich nirgendwo finden lassen !!

Ich freue mich schon auf die weiteren Seiten des Berichtes.

Du wird ja immer besser, Landungsfahrzeuge und nun noch die speziellen Donau- Schiffe, die geliepten MPS usw.

Hoffendlich gibt es noch weitere Fälle von Landungsschiffen auf diesen Film ( Vermutlich Abfall Rumänien.-Bulgareien)
Auch auf der Donau gab es eine große Anzahl Landungsfahrteuge.

Trotz all der Verzögerunge soll es  ja wohl einmal richtig losgeben

Nochmals Dank

Theo
...ärgere dich nicht über deine Fehler und Schwächen, ohne sie wärst du zwar vollkommen, aber kein Mensch mehr !

Zerstörerfahrer

Am 21.09.44 Sicherung ausgestellt in Richtung donauaufwärts bis km 890 unter Führung von Hptm. Flemming (Luftwaffe). Ungefähr 14.00 Uhr Sprengung des AT 914 nach Zerstörung sämtlicher wichtigen Anlagen. Verschlüsse der Geschütze ausgebaut.
Am 22.09.44 Übersetzversuche der Russen bei Turnu – Severin, in Stärke von 3 Batl. mit leichten und schweren Waffen. Einkesselung der Kampfgruppe bei Gladova. 22.00 Uhr Eintreffen der einzelnen Kampfgruppen hinter unseren Sicherungslinien.
Am 23.09.44 03.00 Uhr Abrücken der durchbrochenen Verbände aus Gladova in Richtung Brcza – Palanka, Brahova. Komp. Hptm. Flemming übernimmt weite Sicherung.
09.10 Uhr Angriff und Umklammerung der Russen von der Donauseite in Verbindung mit zwei Tito-Brigaden in den Bergen. Bis 12.00 Uhr Aufgabe des Geländes von den aufgestellten Sicherungen.
Den Befehl, den Komp.-Tross zurückzuführen wurde durchgeführt. Auf dem Wege nach Mirocz musste der Tross aufgelöst werden, bis auf wenige Ausrüstungsgegenstände. Grund: schlechtes und langsames Vorwärtskommen.
14.00 Uhr Zusammentreffen mit Oblt. Meier und einer kleinen Einheit der 1. Komp.214. 14.15 Uhr Weitermarsch nach Mirocz. Eintreffen um 18.00 Uhr. Quartiernehmen in 4 Häusern. Doppelposten aufgestellt.
Bemerkung: Der Weg war mit Baumsperren und durch aufgesprengt Stücke der Strasse, angeblich von den Partisanen, unterbrochen.
Vom Boot AT 914 befanden sich in meiner Begleitung Masch.Mt. Prühs, Matr.Ob.Gefr. Schäferling, Ob.Gefr. Weinfurter, Ob.Gefr. Wagner, Ob.Gefr. Harbers, Ob.Gefr. Winter, Matr. Grunau und Ob.Gefr. Rentner.
24.09.44 um 00.20 Uhr in Mirocz Gefechtsberührung mit kleiner Gruppe von Tito-Partisanen. Dauer bis 03.00 Uhr. Verluste 2 Tote, Angeh. Der Pioniereinheit und 7 Schwerverwundete. Darunter Oblt. Meier (Wadenschuss).
06.00 Uhr Abmarsch mit den Verwundeten Richtung Milanovac. Ungewissheit über Besetzung durch deutsche Truppen. Nach Feststellung eines Spähtruppe, dass unsere eigenen Truppen in der Stadt sind, Einrücken um 17.00 Uhr. 18.00 Uhr Abtransport der Verwundeten nach Weisskirchen (Banat). Um 18.00 Uhr Überfahrt nach Svinitza (Rumänien). Aufnahme durch Ltn. Schütze der Div. Brandenburg. Erste Verpflegung seit 8 Tagen empfangen.
Am 25.09.44 Abtransport zum Auffanglager (Luftwaffe) Weisskirchen. Notdürftige Einkleidung.
Am 26.09.44 Inmarschsetzung nach Belgrad.
Am 27.09.44 Abfahrt Wien – Linz/Donau.
Am 30.09.44 Eintreffen in Linz/Donau, Flott. Stützpunkt. Meldung bei Kaptl. Nienkerk.



Zusatz:
Über den Verbleib der übrigen Besatzungsangehörigen von AT 912, AT 913, AT 914 und AT 915 ist mir nichts bekannt.
Ltn. Bässler, Kommandant von AT 914 gab bei seiner letzten Begegnung, kurz vor dem Abrücken des Komp.-Trosses bekannt, dass er noch ins Dorf Brcza – Palanka wollte.
Die Sprengung des AT 914 erfolgte erst, als ich bereits 6 km landeinwärts abgerückt war.


gez. Paul Gretzbach

rosenow

mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Impressum & Datenschutzerklärung