Einsatz der US Navy gegen Piraten vor Somalia

Begonnen von Leutnant Werner, 24 August 2007, 12:15:50

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Leutnant Werner

In einem Artikel in der Faz.net las ich:

Im Juni war ein amerikanisches Kriegsschiff bis unter die Küste von Puntland und damit in das Zentrum der somalischen Piraterie gefahren, um Spezialkräfte abzusetzen und gleichzeitig ein Lager mutmaßlicher Islamisten unter Feuer zu nehmen.

Weis jemand etwas über diese und andere Aktionen der US Navy gegen somalische Piraten?

Gruß
Lt.


Spee

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Ulrich Rudofsky

#3
Ulrich Rudofsky

Leutnant Werner

Danke für die Info, Männer,

was ich nicht verstehe: Da sind drei Dutzend Kriegsschiffe im fraglichen Gebiet im Einsatz, und trotzdem schaffen es diese analphabetischen Arschgeigen in Motorbooten und bewaffnet mit Panzerfäusten, Schiffe zu kapern, Geiseln zu nehmen und Lösegeld zu erpressen. Verschiedentlich war zu lesen, dass amerikanische und französische Schiffe an der Hoheitsgrenze die Verfolgung aufgegeben haben und abdrehten. Gehören die nicht gefeuert? Es gibt keine staatliche Gewalt in Somalia, daher sollte auch die 3- oder 12-Meilenzone keine Beachtung finden.

Ab davon: Wie siehts denn mit Konvoys und ähnlichen Ideen aus? Was machen die da eigentlich?

Meint jedenfalls der
Lt.

Ulrich Rudofsky

Lieber Lt.
Die USN hat ja oefters die Piraten bis in den Sand verfolgt und ist deswegen von der UNO und Europa beschimpft worden.  Ich glaube, dass es USN SOP (standard operating procedure) ist, in solchen Faellen die UNO zu ignorieren.  top top



Ulrich Rudofsky

Spee

@Ulrich,

SOP gefällt mir  top ! Wenn ein Staat seine Hoheitsgewässer nicht sichern kann, muß er sich ein solches Vorgehen gefallen lassen. Ob das der UN oder anderen paßt oder nicht, egal.

@Ekke,

Nachtrag zum Think-Tank: Oriana Fallaci; Die Wut und der Stolz
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Ulrich Rudofsky

Hier ist eine USN Dia Power Point Presentation ueber die ROE "Rules of Engagement" [Gefechtsvorschriften] und die dazugehoerigen US NAVREG [MDv] und internationalen Regeln. 

http://www.hkmla.org/events/HKMLA%20Brief.ppt   (Oeffnet sich nur mit Power Point)

(Frei von Microsoft: Power Point Viewer http://www.microsoft.com/downloads/details.aspx?FamilyID=428d5727-43ab-4f24-90b7-a94784af71a4&displaylang=de )

Siehe: REO Training http://www.globalsecurity.org/military/library/report/call/call_96-6_roetoc.htm

Appendix A, Part 2
Paragraph 8.c.5 Piracy
....." every effort should be made to obtain the consent of nation sovereignty to continue pursuit."  Also ich verstehe dies so:  man muss alles versuchen um Bewilligung zu erbeten, aber wenn's unmoeglich ist......dann einfach weiterverfolgen... bis in's territoriale Gewaesser.
Ulrich Rudofsky

t-geronimo

@ Uli:

Der Power Point Viewer ist aber auch von Microsoft.
Siehe den von Dir angegebenen Link...  :-D


Den von Dir angegebenen Paragraph 8.c.5 Piracy verstehe ich aber so, daß zuerst jeder Versuch unternommen werden sollte, die Zustimmung der jeweiligen Nation zu erhalten, die Verfolgung fortzusetzen.
Was passieren soll, wenn diese Zustimmung nicht erhalten wird oder eine Anfrage nach selbiger nicht möglich ist, davon steht zumindest in dem von Dir zitierten Teil des Paragraphen aber nichts.
Reinzuinterpretieren, daß man dann eben einfach so in Hoheitsgewässer eindringt, halte ich für gewagt. Davon steht da nämlich nichts. Genauso könnte man interpretieren, daß eine Verfolgung dann abgebrochen werden muß.
Wenn ein Kommandant also trotzdem ohne Erlaubnis in fremde Hoheitsgewässer eindringt, tut er das demnach auf eigene Verantwortung - mit allen Folgen für Schiff und Besatzung.
Es sei denn, dieser Problemfall ist anderswo noch geregelt. Alles habe ich mir nicht durchgelesen.
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Ulrich Rudofsky

#9
Der Kommandant  soll/muss in schweren politischen Entscheidungen immer  bei einer "hoeheren Autoritaet" (higher power = Schreibtisch-Admiral in Washington) nachfragen, aber am Ende ist er doch auf seinen eigenen Entschluss angewiesen, wenn es auf 'Selbstverteidigung' des Schiffes und der Wohlfahrt der Mannschaft ankommt, fuer die er allein die Vollmacht und Verantwortung hat.  Und so darf er und muss er u.Um. die Piraten bis in ihr Heimatland verfoglen. Dann aber......muss er sich leider vor's Militaergericht stellen und sich verteidigen.....und
Ulrich Rudofsky

Big A

Ich glaube mich aber aus meinem Rechtsunterricht zu erinnern, dass es die sog. Nacheile gibt, die es bei Gfaht im verzug ermöglicht, in Hoheitsgewässer einzudringen falls der Küstenstaat nichts unternimmt.
Trotzde, die letzte Entscheidung ist immer beim "Master nest to God", dem Kdt. Für solche Entscheidungen wird er bezahlt!
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

t-geronimo

Ist glaube ich wie fast überall im Leben bei Entscheidungen, die nicht explizit in einem Regelwerk definiert werden:

Gehts gut, bist du der Held.
Gehts schief, bist Du der A*sch und keiner rettet deinen selbigen.

Aber irgendeine Rechtfertigung muß die Gehaltsgruppe für Kommandanten ja auch haben...  :-P
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Big A

Kann mich erinnern, wie wir mal eine Weiterbildung zum Thema Piraterie im FlottenKdo hatten. Der Referent stellt die Frage: Sie sind im Indischen Ozean auf Auslandsfahrt und hören den Notruf eines Deutschen Schiffes, das von Piraten bedrängt wird. Was machen Sie?? Antwort: Ich rufe erst mal im FlottenKdo an!! Aber im Ernst, t-geronimo hat recht, man kann nicht alles regeln, und irgendwo habe ich auch mal etwas von Auftragstaktik gehört...
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(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

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Ulrich Rudofsky

T geronimo hat recht.

Man sagt in der USN: "Take the bull by the horns!" [Erfasse den Stier bei den Hoernern!.......man muss ueber die Lage Herr werden]

Und dann sagt man auch in der USN: "Damned if you do and damned if you don't!" [Verdammt, wenn man was tut und verdammt, wenn man nichts tut!"]  Also fuer Euch Lateiner:  "Quidquid agis prudenter agas et respice finem!" Was auch immer du tust, [tue es klug] und bedenke das Ende!"

Und was die US Navy anbetrifft, ist die legendaere "Monroe Doctrine 1823" noch immer sehr massgebend.  Das bedeutet,  man kann Piraten/Feinde bis in den eigenen oder fremden Hafen verfolgen, auch ohne Kriegserklaerung usw., wenn es im besten Interesse der USA ist. Das politische/menschenrechtliche Risiko muss der Kapitaen selbst entscheiden und verantworten.   Ein Problem in 1823 war damals die Karibik....und das hat sich nun weltweit ausgedehnt.   Siehe den woechentlichen Bericht:   http://www.icc-ccs.org/prc/piracyreport.php .  "Damned if you do and damned if you don't!
Ulrich Rudofsky

Big A

@Ulrich:
wie heißt es doch so schön bei der Marines - Hymne: From the walls of Motezuma to the shores of Tripoli, Tripoli kommt vom us-tripolitanschen Krieg gegen Piraten, unter Führung von Lt O'Bannon (so heißt heute noch ein Schiff) und sieben Marine räumten hunderte berittene Beduinen mit den maurischen Piraten auf
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