Interview KptLt Rolf Thomsen, U 1202

Begonnen von harold, 04 November 2007, 16:57:36

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Big A

@ufo und Ralf
Beiden Dank für die fundierten und reflektierten Beiträge! Das genau macht die Qualität unseres Forums aus!
Gruß
Axel
Weapons are no good unless there are guts on both sides of the bayonet.
(Gen. Walter Kruger, 6th Army)

Real men don't need experts to tell them whose asses to kick.

Ralf

Da sind wir uns einig, Ufo... Aber kannst Du es ihm verdenken? Ohne das ich die Meinungen und sagen wir mal "Verdrehungen" aus seiner Sicht als richtig oder gut bezeichne, hat der Mann einen Teil seines Lebens, einen seiner Besten Teile für etwas geopfert, was ganz klar monströs war... Das muss einen schocken, das muss einen dazu bringen auch an sich zu zweifeln, auch wenn sie wahrlich dazu verführt wurden...
Und wenn er dann davon erzählt, mit Begeisterung, dann doch nur eine begeisterte Erinnerung... Ich meine schon, dass auch die Verurteilungen von Taten wichtig sind. Doch muss ich, wenn ich denn die Geschichte verstehen will, auch versuchen den Menschen zu verstehen, der da dem Hakenkreuz hinterher gerannt ist... Viele taten dies ja auch, ohne in Ausschwitz gemordet zu haben. Viele taten es, und "taten ihre Pflicht" an anderen Teilen der Fronten...

Ich will hier kein Verständnis für die Verbrechen hegen und auch nicht für die Verbrecher. Ich möchte nur diese "das hätte ich nie getan Verurteilung" in Frage stellen und versuchen den Leuten klar zu machen, dass wir zu dem Zeitpunkt sicher druchaus auch hätten braune Uniformen und rotweiße Armbinden getragen, wenn wir ebenso "verführt" worden wären...

Über die Heldentaten sprachen wir ja seinerzeit schon tiefgriefend als wir die Versenkung der "Wilhem Gustloff" unter die Lupe nahmen. Wobei genau das auch schon wieder ein son Ding ist... Ich meine der russische Kommandant bekam den Leninorden für diese Tat, endete aber wohl als Alkoholiker... Aber ich bin mir da nicht sicher... Scheinbar ist er auch an seiner Heldentat zerbrochen...

ZitatWir selbst waren nicht da. Wir selbst sollten nicht (ver)urteilen. Wir sollten nur daraus lernen wollen.

Hier ist des Puddels Kern... Völlig einig!

ZitatDie aber da waren und Zeit hatten sich zu besinnen tragen Verantwortung für das was sie weitergeben.

Da bin ich auch einig, aber das tut ja kaum einer.

ZitatGeschichtsklitterung

Was bedeutet das?
Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

ufo

Zitat von: Ralf am 22 November 2007, 12:34:11
...

ZitatGeschichtsklitterung

Was bedeutet das?

Ich schwaetze ja gern aber hier habe ich mich mal einfach nur der Formulierung von Wikipedia bedient. Ich haette es nicht besser beschreiben koennen:

"Geschichtsklitterung: Als Geschichtsklitterung bezeichnet man eine unkritische Geschichtsdarstellung, die den Sinn entstellt. Der Begriff geht auf den Titel des 1575 erschienenen Buches Affentheurlich Naupengeheurliche Geschichtklitterung von Johann Fischart zurück. Nicht selten wird der Begriff aber nicht nur für die unabsichtliche sondern auch für die absichtliche Geschichtsfälschung gebraucht."

Ich meinte hier ausdruecklich die unabsichtliche Geschichtsfaelschung. Ich glaube das ist etwas, dem wir gerade in unserem Fachbereich, der Militaer- oder speziell der Marinegeschichte aus verschiedensten Gruenden oft begegnen.

Ufo


Ralf

Aha, danke... :)

@Big A: Danke für die Blumen... Aber ich denke, dass dies einer der wichtigesten Punkte in meiner Art des Verdauens der Geschichte meines Landes ist. Vielleicht führt die Einsicht dann auch dazu, dass die Deutschen eine so unterwürfige Art haben, was die Geschichte angeht und es ihnen deswegen so schwer macht "stolz" zu sein... Auch wenn dies nach der WM sicher etwas besser geworden ist...   :O/Y
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

mhorgran

#34
Hallo
Ich sehe Ausführungen Dönitz zur Weiterführung des U-Bootkrieges, wie ufo und Lt.Werner, als Ausrede. Eine intakte, gutausgebildete U-Bootflotte hätte eine Fleet-in-Beeing dargestellt. Die Allierten wären nicht in der Lage gewesen Begleiteinheiten anders einzusetzen. Evtl. hätte man die Kampfkraft des Typs VII durch Umbau zu quasi "windschnittigen" Elektrobooten erhöhen können. Trotzdem wäre der Übergang zum Typ XXI nötig gewesen.

Hier möchte ich noch auf folgendes hinweisen:
Im "(erweiterterten) Flottenbauprogramm 1943" sollten der Kriegsmarine Unmengen an Schiffen zufließen. Man wußte schon damals nicht wie man die dazugehörigen Besatzungen aufbringen sollte.
Das hat die sowj. Kriegsführung im Osten wahrscheinlich mehr erleichtert, als das Verheizen der U-Bootflotte die allierten Konvoibegleitstreitkräfte gebunden hat. (edit: Satz verständlicher umgeschrieben)
Durchgesetzt hat dies Dönitz mit seinem guten und direkten Draht zu Hitler.

ZitatSicher! Aber das waren sie ja fast alle. Die schiere Panik vor dem, was da aus dem Osten auf einen zu kam gepaart mit der Hoffnung der Dritte Weltkrieg zwischen West und Ost möge doch gern 1944 ausbrechen mit den Deutschen Seite an Seite mit den ,Guten' – das hielt wohl viele aufrecht.
Ich denke, dass das bei aller Ehrfucht für den Horror Gestapo eher noch eher eine Rolle spielte als der lange Arm der Partei. Jedem war klar, dass eine bedingungslose Kapitulation den Russen gegenüber absolut und vollkommen undenkbar war. Viele hofften, wünschten, glaubten, dass irgendwann eine Westkapitulation kommen könnte ... bis zuletzt.
Wobei, nmM., auch die Erinnerung an Versailles die Verbindung zum Regime erheblich stabilisiert hat.
Vor allem da der Kriegsausbruch 1914, wie auch 1939, nicht nur mit deutschem "Kriegs- und Eroberungsdrang" zu tun hat sondern auch mit Handlungen der anderen beteiligten Staaten.

ZitatIch will hier kein Verständnis für die Verbrechen hegen und auch nicht für die Verbrecher. Ich möchte nur diese "das hätte ich nie getan Verurteilung" in Frage stellen und versuchen den Leuten klar zu machen, dass wir zu dem Zeitpunkt sicher druchaus auch hätten braune Uniformen und rotweiße Armbinden getragen, wenn wir ebenso "verführt" worden wären...
sehr ich genauso.
Vor allem kann man heutzutage ähnliches bemerken.




Leutnant Werner

@mhorgran: Im ersten Absatz greifst Du nicht nur die These der Bedrohung trotz Nichtauslaufens auf, sondern weist indirekt noch auf einen anderen Punkt hin - letztendlich war es ja so, dass bis zur Erfindung des Schnorchels und dann des Elektrobootes die U-Boot-Waffe essentiell mit der Technik des ersten WK kämpfte. Und da sehen wir, dass Dönitz nicht nur ein ignoranter Fanatiker, sondern auch ein schlechter Militär war, aus zwei Gründen:

1.) Er schickte seine Soldaten mit stumpfen Schwertern in den Krieg, das war spätestens seit den Geleitzugschlachten im Winter 42/43 klar
2.) Er war verantwortlich dafür: Forderungen vom BdU ergingen immer grundsätzlich nach "mehr Booten", Forderungen auf Verbesserungen an diesen Booten bestanden lange Zeit nur hinsichtlich der Einsatzreichweite und der Anzahl der mitgeführten Torpedos.

Nochmal zum Thema Verheizen: Beim Heer ging Verheizen ja nota bene so, dass Hitler einen Befehl herausgab, dass nicht zurückgewichen werden durfte, und das haben die Russen z.B. dann ausgenutzt.

Dennoch wagten einzelne Offiziere (darunter der von mir für seine kriecherische Haltung gegenüber dem Nationalsozialismus eigentlich verachtete Feldmarschall Erich von Manstein), ihre Truppenteile operativ zu führen und entgegen der Befehlslage zurückzuweichen und der Vernichtung dadurch zu entgehen. Meiner Erinnerung nach wurde von Manstein dafür gefeuert, etlichen anderen erging es ähnlich. Aber sein Truppenteil, die Heeresgruppe Süd entging im Gegensatz zur Heeresgruppe Mitte der Vernichtung. Und wohlgemerkt - die deutschen Wehrmachtssoldaten hatten nicht etwa die schlechteren Waffen, sie hatten nur erheblich weniger davon als die Sowjets.

Dönitz´ Soldaten hatten stumpfe Schwerter. Zurückgewichen ist dieser Durchhaltekrieger deswegen trotzdem nicht.

@Ralf, ufo: Trotz aller politischen, gesellschaftlichen und historischen Indoktrination: Die militärischen Befehlshaber des WK 2 wußten genau, was vor sich geht, welches die richtige Entscheidung hätte sein müssen. Die Faktenlage war eindeutig auch für sie und ich finde es nicht richtig, diesen Menschen bei ihren bewußt getroffenen Fehlentscheidungen zuungunsten der ihnen Anvertrauten Brücken zu bauen und ihnen die Exkulpation zu erlauben. Auf deutsch: Der Dönitz war nicht verführt und auch nicht blöd: Der war ein Verbrecher.

Gruß
Lt

Ralf

#36
@Lt: Das hat auch hier keiner anders gesagt... Ich habe es fast befürchtet, als ich die Zeilen vorhin schrieb, dass genau dieser Ausbruch kommen wird... Ich habe extra darauf hingewiesen... So meine ich jedenfalls. Verbrechen bleibt verbrechen.

Ich habe lediglich davon gesprochen, dass eben wir heute nicht da stehen dürfen und sagen, alles A...Löcher und die haben ja selbst Schuld... Ich werde es nicht tun... Und hier wurde zu Beginn des Threads auf die verherrlichende Art des Interviews eingegangen. Aber warum ist das verherrlichend? Weil er es erlebt hat und damals eben begeistert war, dass in Deutschland sich etwas tat, was keiner nach dem WWI zu glauben wagte nach Depression und den Revolutionsjahren Beginn und Mitte der 20iger... Sorry, kann ich das nicht differenzieren, dann habe ich Geschichte nicht verstanden...

Ich höre noch die Aussagen vieler Zeitzeugen nach dem Krieg: "Das war nicht alles verkehrt beim Adolf!" Natürlich waren das Verbrecher. Aber war zB mein Opa es auch, wenn er das sagte? Er war nur Adjutant an der Ostfront und schlief bis zu seinem Tod nicht mehr ordentlich. Und er wurde 83 Jahre alt... Aber auch er war begeistert von der "Zucht und Ordnung" die dann plötzlich scheinbar Deutschland aus dem Schlamassel holte... Ich hege Verständnis für dessen Sichtweise und glaube, ich hätte damals ähnlich gefühlt. Aus heutiger Sicht mit dem Wissen von Schule, Geschichte und Hobby, der reine Wahn!!! Aber das ist ja auch einfach! Sich da hinzustellen und Ihnen "Ihr Dussels" zuzurufen, erhaben über alles und überheblich es damals es bestimmt "richtig" hätte gemacht zu haben... Nene, ich verstehe deren Begeisterung! Und eben das macht mich wirklich betroffen... Denn ich kann nicht sagen: "das hätte ich aber nicht getan!" Sorry, das wäre einfach gelogen. Und das ist für mich mein wichtigen Grund, warum ich eher defensiv mit meinem Land und meiner Geschichte umgehe...

Lt, ganz ehrlich, die Saubacken ganz vorn konnten im Prinzip doch machen was sie wollten...

Ich erteile keinem eine Absolution - steht mir auch gar nicht zu... Schon gar nicht baue ich Brücken zu Dönitz oder den anderen, die durchaus noch hätten den Krieg verkürzen oder stoppen können. Ich zeige nur Verständnis für die Leute, die von der Sache überrollt wurde, mit rollten und dann fast alles nieder rollten, bis Ihnen endlich Einhalt geboten wurde und sie sich umdrehten und sahen, was sie angerichtet hatten...

Ich habe heute das Recht meine Meinung zu sagen. Ich habe die Möglichkeit irgendwo hin zu fahren und mir Dokumente anzuschauen, mir Verhöre durchzulesen, mir Fotos anzuschauen und wissenschaftlich das eine oder andere zu beweisen... Wer hatte das denn damals? Niemand und in den neuen Bundesländern war es bis zur Wende nach dem Krieg noch nicht einmal besser, oder?

Mich interessiert bei diesem ganzen hochtrabenden Diskutieren fast immer wieder der eine Aspekt am meisten: Was hat Otto - Alias Normalverbraucher - gedacht, gemacht, getan... Dem war nicht wichtig, ob die BS nun Wotan hart oder weich hatte, oder ob die Yamato nun größer war. Der wollte was zu beißen und seinen Ablegern ein etwas besseres Leben geben, als er selbst es hatte. Und er wollte lebend nach Hause... Komisch, das will ich heute auch...

Mein solidarisches Verständnis gilt den armen Schweinen, die da für - man entschuldige meine Ausdrucksweise - Ärsche ihren hingehalten haben... Und ich kann auch verstehen, dass ein junger Mann begeistert von einer Sache (Er wusste ja nicht das es verbrecherisch war) in den Krieg zog und später auch gar nichts davon hören wollte, was da so passierte... Es war ja die beste Zeit seines Lebens, das musste doch gut sein!!!

Das ich dafür Verständnis habe, heißt aber nicht - UND ICH UNTERSTREICHE ES NOCHMALS -, dass ich heute alles vergesse, was geschehen ist und dann den Leute sage: "Naja, Ihr wusstet es nicht, also seit Ihr unschuldig." Sondern eben genau das Gegenteil! Ich wäre auch schuldig gewesen.

Und ich bin völlig einig mit Dir. Dönitz war ein Verbrecher! Aber ich hatte schon befürchtet, dass das missverstanden werden würde…  :|

EDIT: Eine schöne Sache, dass ausgerechnet diese Antwort meine 2000este ist... Passt ganz gut, weil sie viel von meiner Einstellung zur Geschichte beinhaltet...
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

rosenow

Ufos letzte Beiträge von Seite 2 finde ich sehr gut und Ralfs ebenfalls, da ist genau das, was BigA schreibt, einfach hervorragend!  top


Över enns, dat find ick nich so gaut, dat ihr mi inner Reegen stan lasst,
min Froch vonne twieten siet is wohl nich kloch west?  :cry:
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Leutnant Werner

@Ralf: Da sind wir doch grundsätzlich beieinander vom Inhalt her -
und herzlichen Glückwunsch zu Deinem Jubiläum. Unser Forum lebt - es lebt ganz außerordentlich durch die, die sich mit viel Engagement einbringen. Das kann ein Ralf (trotz der eingetretenen Gefechtsschäden) in Rostock persönlich und das kann er jeden Tag hier im Forum :-D. Menschen wie Du prägen für diese Gemeinde und gerade die kontinuierlichen Mitleser Identifikation mit dem Forum - und das Forum lebt und gedeiht dank Mitgliedern wie Dir. Gerade in den Debatten, wo es um eine persönliche, ethische Bewertung von Vergangenheit geht, waren und sind Deine Beiträge von außerordentlicher Wichtigkeit und generieren einen gewissen Nachhall in der Leserschaft.

Auf die nächsten 10.000 Beiträge!
Und das wir Crewtreff in Flensburg anschieben, dass muss ich mal auf die Bildfläche schieben, aber dazu ein anderes Mal.

Herzlichen Glückwunsch noch einmal :MG:

@Rosenow: Dummes Zeuch mit den überlesenen Fragen - bloß:
Vom ersten Fragenkomplex löst Du m.E. die vorhergehenden Fragen mit Deiner letzten (rhetorischen) Frage. Da kann jemand anders eine gegensätzliche Position haben und auch vertreten. Ich tue das nicht.
Der zweite Fragenkomplex ist explizit an UFO gerichtet, der diesen Thread mit Argusaugen verfolgt und daher auch darauf eingehen wird. Bin ich überzeugt von.

Liebe Grüße
Lt.

rosenow

Von mir auch einen  Glückwunsch Ralf zu deinem 2000sten Beitrag!  :TU:)

Hallo L.W. Danke für deine Anteilnahme, so schlimm ist das nicht, wollte nur mal drauf aufmerksam machen, da ihr euch so ereifert hattet.  :-D

Übrigens, dein Lob an Ralf ist toll !!!  :=D>
mit freundlichen Gruß
Michael


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Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Ralf

*ganzrotis* :| ...so nun mal schnell wieder ins Topic, Jungens...  :MG: Danke!
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

Big A

@ralf
Du sprichst mir aus der Seele!
Niemand kann mir heute das Denken verbieten und mich zwingen, irgendetwas als wahr anzusehen, nur weil man ex post andere Informationen hat. Man hat mir gottseidank beigebracht, nicht diejenigen zzu verurteilen, die in ihrer Zeit keine Möglichkeit hatten, sich anders als aus offiziellen Quellen zu infomieren, denn sonstiges war u.U. sogar mit dem Tode bestraft worden. Nur muss ich allen Apologeten, die heute noch sagen, "es war ja nicht alles schlecht beim Adolf" vorwerfen, dass sie die Augen verschließen vor den vorliegenden Erkenntnissen.
Ist es wirklich ehrrührig fetszustellen, dass man sich geirrt hat, reingelegt, getäuscht wurde und erst nach dem zusammnebruch die wahre Ungeheurlichkeit des Regimes erkannt hat? Das Eingestehen eigener Fehler ist doch Größe! Es fällt schwer einzusehen, dass man in seinem jugendlichen Feuer und seiner Begeisterung schamlos für Verbrechen mißbraucht wurde. Die Analyse dieser Vorgänge aber hilft, erneute Ansätze in diese Richtung a priori zu verhindern, da ist jeder gefragt, auch wenn man manchmal ein wenig Zivilcourage braucht, so etwas in bestimmten Kreisen auch auszusprechen.
Noch einmal, in ihrer Zeit haben der Großteil der Soldaten der Wehrmacht so gehandelt, wie es ihnen beigebracht wurde, ich kann aber nicht verstehen, wenn heute noch glorifizierend über diese Zeit gesprochen wird.

Gruss 

Axel
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Ralf

#42
Hallo Alex,

ich bin Deiner Meinung... Und ich bin auch davon überzeugt, dass an den Einstellungen unserer Mitglieder bestimmt nichts verkehrtes ist...

Aber: Versuche mal Dich hinein zu versetzen. Sie glaubten es nicht nur, nein ,sie lebten und sie liebten es... Die Enttäuschung nach dem Kriege und den Veröffentlichung der Greuel wollte man teilweise nicht mehr glauben... Die tollen Typen die immer noch behaupten, der Holocaust ist eine Lüge sterben ja eh nicht aus...

Ich sehe es aus meiner Sicht. Ich bin Sportler. Ich will ein Spiel gewinnen. Man geht zum Training... Man hat Erfolg... Alles ist gut... Ich bin begeistert, ja ich verkaufe meine Seele für den "Führer"... Dann die Stunde Null... Und dann die Verbechen, die aufgedeckt werden. Dann die Wut über die Führer, dann die Ohnmacht darüber, dass man etwas gelebt hat, was wirklich von allen, aber auch allen als bestialisch verurteilt wird...
Dann stehst Du da. Als Herrenmensch einen Sieg nach dem anderen gefeiert, dann den Hintern von der Welt versohlt bekommen und dann noch "unehrenhaft" entlassen... Viel bleibt Dir da nicht mehr... Vielen nur noch die Erinnerung an die "ach so tolle Zeit der Jugend", wobei das Wort "Unschuld" einen wirklich faden Beigeschmack bekommt...

ZitatNoch einmal, in ihrer Zeit haben der Großteil der Soldaten der Wehrmacht so gehandelt, wie es ihnen beigebracht wurde, ich kann aber nicht verstehen, wenn heute noch glorifizierend über diese Zeit gesprochen wird.

Wenn Du die Menschen kennst, dann kannst Du schon verstehen. Der Mensch neigt dazu nur das Gute sehen zu wollen. Vor Allem in seinem eigenen Handeln. Der einzelne Mensch kann das, ein Volk kann das nicht... Und wenn alles nur Mist war, dann hält man sich an Kleinigkeiten fest. Zeltlager, Kameradschaft, Treue...

ZitatNur muss ich allen Apologeten, die heute noch sagen, "es war ja nicht alles schlecht beim Adolf" vorwerfen, dass sie die Augen verschließen vor den vorliegenden Erkenntnissen.

Auch hier sind wir völlig einig. Ich versuche nur zu verstehen, warum sie es wider besseres Wissen tun. Die einen meinen das, die anderen wissen es nicht besser, denke ich. Aber warum sind sie so ignorant den Fakten gegenüber? Weil sie dann als die absoluten Looser dastehen würden und sich gar noch den Vorwurf gefallen lassen, warum sie nichts getan haben... Dass dann das, "so schlimm war es ja gar nicht" und das "davon wusste ich nichts" kommt ist doch logisch und menschlich... Aber das macht die Sache aus unserer Sicht ja fast noch schlimmer...

Leider fehlt den stolzen Leuten von damals oft, sehr oft die Demut über das Geschehene. Aber darf ich da richten? Ich meine nicht... Auch nach mir hätte man sicher keine Straßen benannt!!!  :O/S

EDIT: Unser Ziel muss es doch hier sein, dass wir der Jugend die Augen öffnen und helfen zu differenzieren. Aber eben nicht Oberlehrerhaft sondern verstehend, erklärend. Und dass wir selbst durch das Verstehen den Durchblick bekommen und aufpassen, wenn evt. eine ideologische Süßspeise lockt!
Gruß
Ralf
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Gorch Fock

Kuestenjaeger

Sehr gut geschrieben,Ralf!

Sogar unsereiner kennt es doch aus der Bundeswehrzeit,es wird sich meistens nur an die guten Sachen erinnert,egal wie blödsinnig einige andere Sachen auch waren.

Bei mir z.B. gab es sehr wenig richtige Kameradschaft,jeder versuchte selber irgendwie durchzukommen oder man schloss sich in kleinen Grüppchen zusammen.
Traditionsbewusstsein gleich NULL,es wird ja vorher versucht,sowas nicht aufkommen zu lassen.
(im Schulungsgebäude in Borkum gab es interessanterweise fast alle Hilfskreuzermodelle in Schaukästen,sowie ein grosses Foto von Kap.z.S. Rogge,da bekam ich die Kinnlade garnicht mehr hoch)
Ich will mir garnicht vorstellen,wie einige dieser Jungchen miteinander umgehen,wenn es mal wirklich ernst wird.
Fast jeder versucht sich immer nur einen Vorteil zu verschaffen.

Vorallem,wenn man diese Zeit überstanden hat,verdrängt man wohl automatisch fast alles Schlechte,das muss man so hinnehmen oder man beschäftigt sich lieber nicht weiter mit gewissen Themen.
"Hätte und würde" ändern an den Ansichten der Leute auch nichts!




mhorgran

#44
Hallo Ralf

ZitatAber: Versuche mal Dich hinein zu versetzen. Sie glaubten es nicht nur, nein ,sie lebten und sie liebten es...
hm, Krieg lieben?
Verletze die schreien, Blut, Körperteile?
Krieg lieben?

General Lee hat während / nach der Schlacht von Fredericksburg folgenden Ausspruch getätigt.
"It is well that war is so terrible — we should grow too fond of it!"[8] ,,Es ist nur gut, dass der Krieg so schrecklich ist - wir würden sonst vielleicht Gefallen daran finden."
Hintergrund war ein großer taktischer Erfolg und eine Metzelei unter den Unionstruppen.

ZitatWenn Du die Menschen kennst, das kannst Du schon verstehen. Der Mensch neigt dazu nur das Gute sehen zu wollen. Vor Allem in seinem eigenen Handeln. Der einzelne Mensch kann das, ein Volk kann das nicht... Und wenn alles nur mist war, dann hält man sich Kleinigkeiten fest. Zeltlager, Kameradschaft, Treue...
Man sollte, nmM., auch folgendes im Blick haben.
Menschen geben Fehler ungern zu, wenn sie es tun zeigen sie ein gutes Selbstbewußtsein und / oder das gesellschaftliche Umfeld toleriert Fehler.
Das kann man heute, bei weiter zurückliegenden Ereignisse, gut beobachten.
Zb Zeigt "Soldat Ryan" die Erschießung von Gefangenen durch US-Soldaten. Werden die US-Übergriffe thematisiert? Kaum.
In Deutschland dagegen ist das Thema 3.Reich / 2.Wk mit vielen vielen Tabus, aber auch falschen Darstellungen verbunden. Beispiele Eva-Hermann, die Machwerke von Guido Knopp.
Ähnlich wenn der Spiegel Ritterkreuzträger pauschal als Nazis bezeichnet.
Diese Tabus, dieses Verhalten der Medien fördert nicht wirklich offenes reflektierendes Verhalten, gerade von Entscheidungsträgern.

ZitatEDIT: Unser Ziel muss es doch hier sein, dass wir der Jugend die Augen öffnen und helfen zu differenzieren. Aber eben nicht Oberlehrerhaft sondern verstehend, erklärend. Und dass wir selbst durch das Verstehen den Durchblick bekommen und aufpassen, wenn evt. eine ideologische Süßspeise lockt!
sehe ich auch so.
Die Vergangenheit kann man nicht ändern.
Man kann - man soll - man MUSS aus ihr lernen, sonst begeht man denselben Fehler immer wieder.
Ob allerdings unser heutiger Umgang mit dem Thema 2.Wk / 3.Reich aber auch mit Israel / Moslems zeigt das "wir" (wobei ich hier differnzieren würde zwischen "Volk" und "Regierenden") die Lernziele erreicht haben, wage ich zu bezweifeln.

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