Des Teufels Admiral

Begonnen von ufo, 26 Juni 2008, 17:26:00

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Thomas

Zitat von: Olaf am 15 September 2009, 21:15:05
Die vorgestellten Bücher erinnern mich an 'Die Titanic-Verschwörung' ...

Hallo Olaf,

da verkennst Du die Qualität des Buches von Howard Grier.
Es geht hier um die Frage, welchen Hintergrund die Entstehung des Kurland-Kessels hatte, in welchem Kontext dieses stand.

Memoiren sind stets kritisch zu lesen, die Angaben (sofern sie überhaupt erfolgen) sind eben durchaus der Prüfung durch weitere Quellen zugänglich und dabei offenbaren sich auch Widersprüche oder andere Abläufe der Ereignisse. Dass man zu Kurland und zum Osten solche Angaben, die Grier anhand von Quellen belegt, nicht findet, liegt wohl auf der Hand. Wenn ich das richtig sehe, ist Guderians Darstellung zu Hitler/Kurland das Muster der Erklärung in den frühen Nachkriegsjahren.
In den 50ern war gängige Erinnerungskultur der militärischen Führungsschicht, dass Hitler an allem Schuld war, natürlich auch bzgl. Halten des Kurland-Brückenkopfes.

Das Bild ist im Zeitablauf - nicht nur bei Dönitz - differenzierter geworden, und das Verhalten von Generalität und Admiralität 1944/45 im Sog der absehbaren Niederlage wird heute nicht nur unter dem Aspekt Widerstand gesehen.

Grüße
Thomas

Pam

Zitat von: Götz von Berlichingen am 15 September 2009, 22:56:10
Zitat von: Pam am 15 September 2009, 19:55:46
Eine offizielle Biographie von Dönitz gibt es ... sie wurde von ihm selber geschrieben.

Das Buch heisst Dönitz - Zehn Jahre und Zwanzig Tage 

Es ist bereits 1958  im Athenäum Verlag Bonn erschienen.

[...]

Was mich nur gestört hat war der Satz es gäbe von Dönitz keine offizielle Biographie !!!

Das ist nun aber eine Autobiographie. Allerdings frage ich mich auch, was unter einer offiziellen Biographie zu verstehen ist - etwa eine vom MGFA oder von Guido K.?

Es gibt von Dönitz noch ein zweites Buch:

ZitatLink zu diesem Datensatz       http://d-nb.info/95417027X
Titel    Mein soldatisches Leben / Karl Dönitz
Personen    Dönitz, Karl
Ausgabe    2., verb. und erw. Aufl. / mit einem Vorw. von Karl Höffkes
Verleger    Schnellbach : Bublies
Erscheinungsjahr    1998
Umfang/Format    285 S. : Ill. ; 22 cm
ISBN    3-926584-48-3
Einband/Preis    Gewebe : DM 39.80
Schlagwörter    Dönitz, Karl ; Autobiographie
Sachgruppe    21 Militär


Hier die Erklärung zur Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Biographie

Und die Erklärung zur Biographieforschung:

http://de.wikipedia.org/wiki/Biographieforschung


Das Wort Offiziell bedeutet das es eine von der Person genemigte bzw. daran mitgearbeitete Herausgabe/Veröffentlichung der zu beschreibenden Person ist.
Das Wort Inoffiziell bedeutet das alles was in dieser Herausgabe/Veröffentlichung nicht in Zusammenarbeit mit der Person, auf Grund der Zusammengetragenen Dokumente zugrundeliegt und nicht von der zu beschreibenden Person genehmigt werden muss.

Sollte in meiner Erklärung Offiziell /Inoffiziell  noch ein wesentlicher Punkt fehlen, dann bitte hinzufügen. :-D

Gruß
Pam

Populanten von Domizilen mit fragiler, transparenter Außenstruktur sollten sich von der Transformation von gegen Deformierung resistenter Materie distanzieren ;)

Götz von Berlichingen

Zitat von: Pam am 15 September 2009, 23:21:23

Das Wort Offiziell bedeutet das es eine von der Person genemigte bzw. daran mitgearbeitete Herausgabe/Veröffentlichung der zu beschreibenden Person ist.
Das Wort Inoffiziell bedeutet das alles was in dieser Herausgabe/Veröffentlichung nicht in Zusammenarbeit mit der Person, auf Grund der Zusammengetragenen Dokumente zugrundeliegt und nicht von der zu beschreibenden Person genehmigt werden muss.

Sollte in meiner Erklärung Offiziell /Inoffiziell  noch ein wesentlicher Punkt fehlen, dann bitte hinzufügen. :-D

Gruß
Pam

Ach so, eine authorisierte Biographie...  Nun ja, allzu kritische Biographien finden da erfahrungsgemäß recht selten das Placet des Portraitierten.  :wink:

ufo

Zitat von: Olaf am 15 September 2009, 21:15:05
...
Wird jetzt die Geschichte des U-Boot-Krieges komplett neu geschrieben werden müssen? Ich denke nicht. Eins, zwei oder drei Autoren werden vielleicht auf den Zug noch aufspringen, aber wenn wir ehrlich sind, werden wir uns niemals ausmalen können, wie es wirklich war und wer nun Recht hat. Dönitz beschreibt seine Sicht der Dinge, andere beschreiben ihre, auch wenn sie vielleicht noch nicht einmal Zeitzeugen sind.

Wie können wir uns anmaßen, darüber zu urteilen?

Dennoch würde ich die Bücher gerne Lesen. Und falls ein Übersetzer gebraucht wird ...  :roll:

Happy guessing ~ Olaf!

Klar wird die Geschichte des U-Bootkrieges nochmal geschrieben werden. Und danach vermutlich dann nochmal. Die Leut', die Heut' im ersten Semester Geschichte studieren wollen auch noch was zu tun haben. Geschichte ist wandelbar. Geschichte wird dauernd neu geschrieben.

Was vor einem Jahrhundert noch die glorreiche Erschliessung des Wilden Westens war ist Heute Voelkermord an den Indianern. Eben noch waren die Roemer Kulturbringer und schon mutieren die Aermsten zu den Abmurksern der Europaeischen Keltenkultur. Grad wurde noch dem Neger die Zivilisation gebracht und schon werden die Bringer zu ueblen, ueblen Unterdrueckern. 

Geschichte funktioniert immer in beide Richtungen. Geschichte erzaehlt immer mindestens genausoviel ueber die, die sie schreiben wie ueber die, ueber die da geschrieben wird.

'Wie können wir uns anmaßen, darüber zu urteilen?', fragst Du.
Forschen, suchen, Zusammenhaenge entdecken, fragen, ... wie sonst. Doenitz habe seine Sicht der Dinge ... nun - viele Groessen des Nazi Regimes haben so ihre Sicht der Dinge gehabt.
 

Ich denke man kann eben nicht einen Japanischen Beitrag ueber die Befriedung Chinas aus 1956 neben einen Chinesischen Beitrag ueber das Masaker von Nanking von 1998 halten und lakonisch feststellen, dass es eben offenbar verschiedene Sichtweisen der Geschichte gaebe. Manche Sichtweisen sind schlicht und einfach falsch - manchmal irrtuemlich, manchmal mutwillig.

Klar beschreibt Doenitz seine Sicht der Dinge. Das ist sein gutes Recht. Ich denke die Geschichtsschreibung hat ihn nu' wohl eingeholt. War auch Zeit.

Ufo

ufo

Zitat von: Pam am 15 September 2009, 23:21:23
Zitat von: Götz von Berlichingen am 15 September 2009, 22:56:10
Zitat von: Pam am 15 September 2009, 19:55:46
Eine offizielle Biographie von Dönitz gibt es ... sie wurde von ihm selber geschrieben.

Das Buch heisst Dönitz - Zehn Jahre und Zwanzig Tage 

Es ist bereits 1958  im Athenäum Verlag Bonn erschienen.

[...]

Was mich nur gestört hat war der Satz es gäbe von Dönitz keine offizielle Biographie !!!

Das ist nun aber eine Autobiographie. Allerdings frage ich mich auch, was unter einer offiziellen Biographie zu verstehen ist - etwa eine vom MGFA oder von Guido K.?

Es gibt von Dönitz noch ein zweites Buch:

ZitatLink zu diesem Datensatz       http://d-nb.info/95417027X
Titel    Mein soldatisches Leben / Karl Dönitz
Personen    Dönitz, Karl
Ausgabe    2., verb. und erw. Aufl. / mit einem Vorw. von Karl Höffkes
Verleger    Schnellbach : Bublies
Erscheinungsjahr    1998
Umfang/Format    285 S. : Ill. ; 22 cm
ISBN    3-926584-48-3
Einband/Preis    Gewebe : DM 39.80
Schlagwörter    Dönitz, Karl ; Autobiographie
Sachgruppe    21 Militär


Hier die Erklärung zur Biographie:

http://de.wikipedia.org/wiki/Biographie

Und die Erklärung zur Biographieforschung:

http://de.wikipedia.org/wiki/Biographieforschung


Das Wort Offiziell bedeutet das es eine von der Person genemigte bzw. daran mitgearbeitete Herausgabe/Veröffentlichung der zu beschreibenden Person ist.
Das Wort Inoffiziell bedeutet das alles was in dieser Herausgabe/Veröffentlichung nicht in Zusammenarbeit mit der Person, auf Grund der Zusammengetragenen Dokumente zugrundeliegt und nicht von der zu beschreibenden Person genehmigt werden muss.

Sollte in meiner Erklärung Offiziell /Inoffiziell  noch ein wesentlicher Punkt fehlen, dann bitte hinzufügen. :-D

Gruß
Pam



Hab Dank fuer die reichhaltigen Informationen. Stets freut es mich aus einem Beitrag irgend etwas zu lernen.

Fast habe ich den Verdacht, dass den meisten Lesern doch recht deutlich geworden ist auf welche Art Biographie ich warte und die Existenz welcher Sorte Biographien ich getrost ignoriert habe.
Aber - gewiss, gewiss - stets genau sein! Hab Dank! :MG:

Oh, und - nein - zugegeben ich werde Deinen Anspruechen da keineswegs gerecht! Ich recherchiere durchaus nicht fuer jeden Satz. Das wuerde mich langweilen und wo bliebe dann auch Ansatz fuer Reibung ...

Ufo

Dmitri Donskoi

Hallo UFO

Sehr eindrücklich Deinen Thread "Des Teufels General". Habe Ihn durchgelesen und er beschäftigt mich ziemlich.
Bin noch neu in diesem Forum, daher auch die verspätete Frage an Dich.

Ich habe letzhin das Buch die "eisernen Särge" von Herbert A. Werner gelesen. Er war U-Boot Kommandant auf einem deutschen U-Boot im Atlantik.
Er war im Stützpunkt von Brest stationiert. Das Buch gibt einen extrem beklemmenden Eindruck, was es geheissen hat, auf einem U-Boot Dienst zu tun.

Darf ich Dich fragen, was Du von diesem U-Boot Buch hälst.
Es wurde mir von diversen Leuten empfohlen, weil U-Schiffe eine Leidenschaft (Nur Hobby bedingt) von mir sind.

Mit getauchten Grüssen
Thomas
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet,
dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen,
was sie nicht hören wollen.

Pam

Moin Zusammen !!

Es ist ein Einfaches zu sagen die Geschichtsschreibung hat Dönitz heute eingeholt.

Nun mal aus Reiner Logik heraus geschrieben.

Die Historiker die sich mit der Geschichte befassen was tun sie ?  Richtig sie beschäftigen sich mit Zahlen, Daten, Fakten .. und woraus ?  Auch richtig... aus den KTB´s, aus diversen anderen Dokumenten  usw.
Was vergessen sie dabei ?
Richtig sie vergessen den oder die Menschen die hinter all dem standen. Haben sie sich die Mühe gemacht ihn zu seinen Lebzeiten kennenzulernen ? Wohl kaum !!
In den 80´ern waren die meisten noch Schüler oder Studenten. Oder eben die Nachkriegsgeneration in der das Thema "Todgeschwiegen" wurde.
Wie war es mit den zugänglichen Unterlagen ??? Die waren zu dieser Zeit Teilweise noch verschlossen ... wobei angemerkt sei das die Briten jetzt erst so langsam ihre Unterlagen vom Seekrieg freigeben !!
Bei den Amerikanern weiß ich es nicht, aber ich denke mal die haben die Unterlagen schon früher freigegeben oder sagen wir mal Öffentlich zugänglich gemacht.

Und diese Historiker schreiben unsere Geschichte neu ????? Na super ... dann kann man ja bald nichts mehr glauben was in den Lexika und diversen Enzyklopädien steht.

Auch im Fall von Dönitz meine ich das er mit Seiner Sicht und seinem Tun nicht Geschichte geschrieben hat, sondern wie eben Trommpelt auch .. so wie er es erlebt hat oder empfunden hat.
Unsere Generation lebt davon sich seine Eigene Meinung zu bilden und diese zu Vertreten. Das war damals nur begrenzt oder hinter vorgehaltener Hand möglich und heute wird eben diese "offene" Möglichkeit genutzt.
Dafür sollte man Verständnis haben und nicht versuchen deswegen "die Geschichte neu zu Schreiben" denn es bringt weder uns noch den Nachfolgenden Generationen etwas.. und wenn dann nur verwirrung ... Was wir heute Lernen ist Übermorgen wieder Falsch ??? Kann doch nicht der Ernst sein oder ???

Gruß
Pam
Populanten von Domizilen mit fragiler, transparenter Außenstruktur sollten sich von der Transformation von gegen Deformierung resistenter Materie distanzieren ;)

kalli

ZitatWas wir heute Lernen ist Übermorgen wieder Falsch  Kann doch nicht der Ernst sein oder

Das ist so. Wenn auch nicht immer mit dieser Radikalität.

Q

@ pam

Les dir mal bitte diesen Threat durch. Meiner Meinung nach ist "das neu schreiben" der Geschichte schon lange notwendig gewesen. Gerade dank der oft gefaerbten Geschichtsschreibung und Geschichtsklitterung ist das neu schreiben mehr als angebracht.

Damit erst mal Pause bin grad aufm Sprung nach Glasgow und zu UFO. Bis naechste Woche dann.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

ufo

@Pam

Hm... viele, viele Fragezeichen da!
Ok - Lass mich mal versuchen meine Sicht der Dinge auszurollen – die ist (zugegeben) weit, weit von der Deinen entfernt.


Doch! Ich denke Geschichte kann eben doch Heute 'richtig' und Morgen 'falsch' sein. Ich entsinne da aus eigenen unangenehmen Erinnerungen in feurigen Debatten mit und auch mal gegen Historiker (angehende und fertige) beim Studium an der Uni. Einige Historische Seminare waren oeffentlich und luden auch bewusst Beitraege von Besuchern ein. Der eine oder andere Einwurf ward dann abgebuegelt mit: 'Aber den Autor duerfen sie doch Heute nicht mehr ernst nehmen!'.

Ups. Und da war ich so stolz mal ein richtiges ernstzunehmendes Beuch gelesen zu haben ...

Geschichtsbuecher, Sichtweisen der Geschichte koennen 'falsch' werden.


Der Blick auf die Geschichte muss eben immer auch beinhalten wer hat da Geschichte geschrieben. Und wenn ich zum Beispiel ein Geschichtsbeitrag von einem Taeter des Naziregimes vergleiche mit einem Beitrag von einem schlichten ueberlebenden Soldaten, dann stehe ich vor einem Berg von Problemen.

Der einfache Soldat hat nie auch nur den Ueberblick gehabt, um manche Sachen einschaetzen zu koennen. In dem Sinne mag zum Beispiel das Buch von Trompelt Fehler enthalten. (Daher schrieb ich das sei nur mit Hintergrundwissen brauchbar.)

Doenitz auf der anderen Seite hat nicht den leisesten Grund gehabt in seinen doch recht reichlichen Buechern (ich schliesse mal so autorisierte Werke wie die '40 Fragen' mit ein) die Wahrheit und nichts als die Wahrheit zu schreiben. Waer ja auch doof gewesen. Er haette sich wenig Freunde gemacht, wenn er geschrieben haette, dass er Material und Truppen nach Osten bringen musste und dass die Fluechtlinge laestige Beifracht auf der Ruecktour waren. Und – doch – als Quelle sind seine Buecher natuerlich ganz massgeblich Teil der Deutschen Nachkriegs-Geschichtschreibung geworden. Das duerfte ihm auch sehr, sehr klar gewesen sein. Die Kriegsmarine brauchte eine (saubere) Geschichte. Was lag da naeher als die selbst kurz zu schreiben. 


Ob Geschichte mal richtig und mal falsch sein kann? Ja – klar doch! Haettest Du 1959 in einer Abi Arbeit geschrieben, dass die miesen Saecke von der Kriegsmarine haufenweise Soldaten und Material ostwaerts zum Verrecken geschippert haben und denn noch so nebenbei auf der Leertour westwaerts einige Fluechtlinge mitgenommen haben, waerst Du damit durchgefallen. Diese Sichtweise der Geschichte waere im Deutschland von 1959 sachlich falsch gewesen.

Heut' koenntest Du mit sowas Abi machen.

Selbes Land.
Selbe Geschichte.

Selbst die Informationen, die zur Verfuegung stehen haben sich tatsaechlich so sehr nicht vergroessert, verkleinert, veraendert. Es hat sich die Gesellschaft geaendert, die da ihre Geschichte beguckt. Dinge, die Schmerzhaft waren, moegen Erinnerung geworden sein.


Du schreibst man konne dann ja bald nichts mehr glauben, was in Enzyklopaedien steht. Nein – ich persoenlich denke das kann man so pauschal auch nicht; nicht, wenn man nicht nachguckt von wann die ist und wer die rausgebracht hat. Da greift dann wieder das Beispiel mit der Kolonialzeit. Die Historiker von 1910 waren doch nicht schlechter oder boesartiger als Heute. Ein Beitrag zur Kultivierung der Neger von 1910 und einer von 2001 aber sind (notwendigerweise!) grundverschieden.


Da kommt ein Riesenproblem mit hinein. Olaf schrieb weiter oben man muesse sich hueten zu urteilen. Wichtiger Punkt!

Ich denke Urteilen muss bis zu einem gewissen Grade erlaubt sein. Behutsam muss man mit dem Verurteilen sein. Da aber hat gerade die Deutsche Geschichtsschreibung leicht ihre Probleme mit. Man kann schlecht Hermann dem Cherusker vorhalten er habe seine Gefangenen schlecht behandelt oder Paul Emil von Lettow Vorbeck vorwerfen ein Rassist zu sein. Da legen wir Heutige Masstaebe an vergangene Zeiten an.
Aber zum Beispiel Kindersoldaten zum Verrecken in einen Aussichtslosen Kampf gegen weit ueberlegene Gegner zu schicken war auch nach den Moralvorstellungen der Deutschen Gesellschaft von 1945 unangemessen. Und dass der Krieg verloren war haben manche Deutschen Befehlshaber frueher erkannt als andere. Doenitz hat das wohl gegen Anfang Juni 1945 realisiert als die Westallierten immer noch nicht zum Angriff auf Stalin bliesen.

Doch – urteilen muss erlaubt sein, wenn man jedem einen fairen Masstab seiner Epoche zur Seite stellt.     



Man muesse auch die Menschen hinter den Zahlen betrachten schreibst Du. Klar! Unbedingt! Ein KTB Eintrag, der ueber Schwierigkeiten im Frontabschnitt berichtet, kann bedeuten, dass drei von vier tot waren oder es kann bedeuten, dass man irgendwo in der Ferne Katjuschas hat orgeln hoeren. Solange man nicht weiss welcher Mensch das war, der da bewertet hat, der da damals leibhaftig gesessen hat und das eingetragen hat, kann das kaum nachvollziehen. Zu jeder nuechternen Zahl gehoert auch immer ein Mensch, der sie mal in die Welt gesetzt hat.

Das aber bringt Ambivalenz in die Geschichte. Ab dem Punkt ist das nicht mehr einfach wie Mathematik. Und gute Historiker begucken eben nicht nur die nuechternen Zahlen. Wo kam der her, der das geschrieben hat? War schon sein Vater Kriegsheld im ersten Weltkrieg? Oder war die ganze Familie eine Bande Pazifisten? War der das schrieb reich geschmueckt mir Orden oder hatte der drei Disziplinarverfahren hinter sich.

Ein einziger KTB Eintrag ... genug fuer eine Semesterarbeit. Geschichte ist kompliziert. Ich finde man muss sich vor Vereinfachungen hueten. Ja – da hast Du unbedingt recht – man muss die Menschen hinter den Zahlen begucken. Aber - ja - Geschichte wandelt sich und 'richtig' und 'falsch' sind mit grosser Behutsamkeit zu verwenden. Und wer eine im philosophisch, abstrakten Sinne 'Wahrheit' sucht ist in der Geschichte nicht unbedingt gut aufgehoben.


Genug der nachdenklichen Worte!
Gruesse aus einem (grad) warmen und sonnigen Schottland,  :-D

Ufo     



ufo

Zitat von: Dimitri Donskoi am 16 September 2009, 13:32:34
Hallo UFO

Sehr eindrücklich Deinen Thread "Des Teufels General". Habe Ihn durchgelesen und er beschäftigt mich ziemlich.
Bin noch neu in diesem Forum, daher auch die verspätete Frage an Dich.

Ich habe letzhin das Buch die "eisernen Särge" von Herbert A. Werner gelesen. Er war U-Boot Kommandant auf einem deutschen U-Boot im Atlantik.
Er war im Stützpunkt von Brest stationiert. Das Buch gibt einen extrem beklemmenden Eindruck, was es geheissen hat, auf einem U-Boot Dienst zu tun.

Darf ich Dich fragen, was Du von diesem U-Boot Buch hälst.
Es wurde mir von diversen Leuten empfohlen, weil U-Schiffe eine Leidenschaft (Nur Hobby bedingt) von mir sind.

Mit getauchten Grüssen
Thomas


Verzeih die verspaetete Antwort. Ich verlor mich etwas in mehr philosophischen Gedanken ueber richtige und falsche Geschichtschreibung.

Der Werner ist fein!

Das Buch ist – so finde ich – aus vielen Gruenden bemerkenswert. Es ist relativ alt. Es stammt aus einer Zeit als der U-Bootkrieg auf Deutscher (und Westallierter) Seite noch relativ einheitlich gesehen wurde als eine Art ehrbarer, heroischer Opfergang zum Nutzen und Frommen der Nation. (Das Bild findest Du bis zum Heutigen Tage relativ unverfaelscht bei Besuchen im U-Bootarchiv. (Das ist weder gut noch ist das schlecht! Es ist einfach so! Geschichte wird unterschiedlich betrachtet!))

In dieses heroische Bild hinein schrieb Werner sein Buch in dem nun wirklich nix heroisch ist. In dem Buch tauchen zahllose Heuler der Deutschen U-Bootkriegfuehrung von dem infamen Rammbefehl fuer Nicht-Schnorchelboote im Kanal, von der vollkommen planlosen Fuehrung gegen die Allierte Luftueberlegenheit bis hin zu den Briefings fuer Kommandanten von Wegwerfmissionen mit alten Booten. Aber auch die Haesslichkeiten der anderen Seite werden nicht ausgespart: das Verschachern von Kriegsgefangenen an die Franzosen zum Totmachen oder in die Fremdenlegion stecken.

Vielleicht war es das? Vielleicht hatte sich Werner damals auf keiner Seite Freunde gemacht? Jedenfalls ist sein Buch relativ unbeachtet geblieben. Am Lack der Deutschen U-Bootwaffe hat es damals kaum gekratzt und verfilmen mochte die truebsinnige Geschichte auch niemand.

Werner beschreibt eben ganz, ganz beeindruckend die Zeit nach den Glorienfahrten der bekannteren U-Boot Asse. Und er beleuchtet eben auch woher ein so ambivalentes Bild von der U-Bootkampagne kommt. Jemand der zur rechten Zeit auf See war (Kriegsbeginn vielleicht und dann nochmal zum Paukenschlag), der hat einen glorreichen recht erfolgreichen U-Bootkrieg erlebt; gewuerzt mit Kammeradschaft und einer vaeterlichen Lichtgestalt Doenitz.  Jemand, der 1944 / 1945 U-Boot gefahren war (war sowieso meistens tot – also die Ausnahme, die noch am Leben waren) hat eine absolut hoffnungslose Kampagne aus Flickschusterrei, Wunschdenken und Menschenverschleiss erlebt. Werners Buch war lange Zeit das einzige bekanntere Werk aus der Goetterdaemmerung der Deutschen U-Bootwaffe.

Feines aber bedrueckendes Buch!


Ansonsten aber muss ich gestehen, dass ich in Sachen U-Bootkrieg Amateur bin. Da findest Du hier im Forum viel Berufenere, die Dir das Buch in den Zusammenhang einordnen koennten.

Mir begegnen U-Boote (die ganz Grossen) bestenfalls mal vor der Haustuer, wenn eine Victorious Class die enge S-Kurve in oder aus dem Gareloch nimmt. Sehenswert!     

Ufo

Captain Hans

Hallo UFO

ich bin kein Marine Historiker, aber dein Artikel war für mich sehr interessant top top

beste Grüße

Hans
,Nur wer sich ändert,bleibt sich treu"!!!
,,Nicht was du bist,ist das was dich ehrt,wie du bist,bestimmt den Wert"!!!

Dmitri Donskoi

Hallo Ufo

Danke Dir  :O/Y vielmals  :O/Y für die ausführliche Beantwortung meiner nebensächlichen Frage in diesem doch ,,ernsten-philosophischen" Thread. Deine Antwort hat mich sehr gefreut. Durch Deine Meinung kann ich meine Gedanken zu diesem beklemmenden Buch verifizieren.

Aber das eindrückliche an Deiner Antwort ist, dass Du einem nicht Marineexperte, einem der nicht mal in der Marine gedient hat, einem der aus einem Alpenland kommt und einfach U-Schiffe fasziniert und beeindruckend findet, eine so ausführliche Antwort gegeben hast.
Es ist nicht leicht als ,,Fan" unter Experten oder Profis, die in der Materie oder mit der Materie arbeiteten, die man so bewundert, sich zu bewegen.
Man wird meistens belächelt.

Aber gerade für mich als Fan ist es sehr wichtig Kontakt zu Leute zu bekommen, die eine Ahnung von U-Booten oder U-Schiffe haben im militärischen und wie im technischen Sinne.

So kann ich lernen und mein Wissen über meine Leidenschaft vertiefen. Aber Menschen die in der Marine Dienst tun, gibt es nicht wie Sand am Meer. Kommst Du noch aus einem Alpenland die  keine Marine hat, vereinfacht die Sache auch nicht. Bewunderst Du Menschen vom Leistungsprofil her, die Dienst auf einem U-Boot leisten, wird die Luft extrem dünn!
Da nimmst Du als Schweizer und ,,Fan" gleich mal die Sauerstoffflasche unter den Arm.

Danke Dir vielmals

Mit aufgestellten getauchten Grüssen
Thomas
Wenn Freiheit überhaupt etwas bedeutet,
dann das Recht, anderen Leuten das zu sagen,
was sie nicht hören wollen.

vader01

...auch ich habe mir das Buch von Herrn Tropmplet gekauft und stimme den bisherigen Meinungen zu. Machmal etwas "unbeholfen" geschrieben, gibt es doch mMn jede Menge Neues und Wissenswertes. Sehr kritisch geschrieben, räumt Herr Trompelt mit vielen bisher zu lesenden Dartellungen (Freiwilligkeit, Elite usw.)auf
...habe nicht nur das Buch, sondern auch fast den kompletten URKUNDENNACHLASS!!! :-D :-D

Freue mich sehr!

vader01

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