Saratoga 1940 - ein Umbau aus Lexington der Firma Neptun (N1316)

Begonnen von omega1250, 27 Juli 2008, 15:13:37

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omega1250

Moin,

nachdem ja hier vor einiger Zeit das tolle Enterprise Diorama von Thomas Schröder zu sehen war (Hallo Thomas, warum postest du hier eigentlich nicht mal persönlich?), möchte ich hier mal einen der ersten US Träger präsentieren und kurz beschreiben, was ich am Modell alles geändert un ergänzt habe. Die hier noch etwas mangelnde Qualität der Bilder bitte ich zu entschuldigen, sie stammen noch aus analogen Zeiten und wurden erst nachträglich digital auf Schwarz/Weiß geändert.

Ich hatte schon immer eine Vorliebe für die farbenfrohen amerikanischen Trägerflugzeuge aus der Zeit vor dem 2. Wk.. Besonders haben es mir die beiden Träger Lexington und Saratoga angetan, denen der schlanke, elegante Rumpf und der massive Schornstein ein einmaliges Aussehen verliehen hat.
Da es nach meiner Ansicht zur Lexington von Neptun kein qualitativ ebenbürtiges Modell der Saratoga im Vorkriegszustand gibt, habe ich mich entschlossen sie aus der Lexington umzubauen.
Basis dieses Umbaus ist ein Plan des Zeichners Baker III, der vor vielen Jahren in Warship International (4/77 o. 7/78) veröffentlicht wurde und die Saratoga im Zustand von 1936 bis etwa Anfang 1941 zeigt.

Bauliche Unterschiede zwischen Saratoga und Lexington:
Das Flugdeck im Bugbereich ist im Vergleich zur Lexington noch nicht verbreitert worden und es fehlt auch die bei der Lexington 1936 erweiterte Flakbewaffnung mit 0,5inch MGs um den Schornstein und an den Seiten des Flugdecks. Statt dessen führt die Saratoga auf der Steuerbordseite des Schornsteins noch zwei Scheinwerfer und auch auf beiden überhöhten 8inch Türmen sind 0,5inch MGs installiert. Weitere Unterschiede finden sich im Brückenbereich rund um den Entfernungsmesser der 8inch Geschütze und auf der Backbordseite des Schornsteins.

Die Zahl der Fangseile beschränkt sich bei der Saratoga auf 12 auf dem achteren Flugdeck. Sonstige Unterschiede lassen sich am besten durch das von mir vorzugsweise als Baumaterial verwendet weiße Plastik erkennen.

Der Umbau:
Nach Zerlegen des Modells in seine Einzelteile werden zuerst die MG Flakstände am Schornstein und an den Flugdeckseiten rigoros entfernt und die Oberflächen geglättet. Wichtigstes Werkzeug hierbei ist meine Kleinbohrmaschine und eine biegsame Welle bestückt mit Sägeblatt und diversen Fräsköpfen (Dentallaborbereich). Dann folgt der Schritt, der aus der Lexington erst eine Saratoga werden lässt. Das festgeschraubte Flugdeck wird am Bug samt seiner Unterbauten am Rumpf mit dem Sägeblatt verjüngt. Das normalerweise nur verschraubte Flugdeck wird zusätzlich verklebt und die durch das Entfernen der Flakstände entstandenen Lücken mit Plastikstreifen und Sekundenkleber Gel verschlossen und verspachtelt. Die 12 5inch Flakgeschütze an den Flugdeckkanten habe ich ebenfalls entfern (Sägeblatt an der biegsamen Welle), weil sie im Modell zu hoch bauen und die korrekte Passform des Flugdecks behindern. Durch Abschleifen des Bodens werden sie tiefer gelegt und später wieder aufgeklebt. Entfernt habe ich auch diverse Boote, die nicht den amerikanischen Vorbildern entsprechen, beispielsweise unter den Davids  auf der Backbordseite des Schornsteins.
Bevor es an das Aufrüsten geht, habe ich als Bemalungshilfe mit einer Nadel und einem Stahllineal feine Linien für die Decksmarkierungen, den schwarzen Streifen sowie den Umriss für das Efficancy E am Schornstein eingeritzt, was man auf den Fotos des unbemalten Modells auch mit etwas Wohlwollen erkennen kann. Am Schornstein werden auf der Steuerbordseite die Scheinwerferplattformen, Niedergänge, Catwalks, Handläufe und andere Details ergänzt. Hierfür benutze ich normalerweise Polystyrolplatten und -profile von Evergreen, aufgeschnittene und gesäuberte Tubenbleche (z.B. von Senftuben), Draht und dünn gezogene Plastikfäden. Für die Herstellung von Niedergängen benutze ich einen kleinen Fräser der ungefähr das Aussehen eines Zahnrads hat und 0,2 mm starkes Plastik. Den Fräser mit Druck auf dem Plastik abgerollten und schon ergibt sich das gewünschte Profil, es müssen nur noch die Ränder passend zugeschnitten werden.
Das zuvor abgeschliffene Flugdeck erhält 12 neue Fangseile und auch alle am Rumpf angegossenen Spiere werden durch selbstgefertigte Exemplare aus Messingdraht ersetzt. Hervorzuheben ist noch, dass die Unsauberkeiten am Heck, entstanden durch zu heißes Gießmaterial und Ausfressen der Gussform, verspachtelt und alle Bullaugen neu gebohrt wurden. Dass Aussehen profitiert ungemein von dieser Maßnahme.
Eine weitere Schwäche des Modells sind die Schornsteinöffnungen, hier hat Neptun einfach zu viel gewollt. Ich habe die Öffnungen ausgefräßt und durch sternförmige Strukturen ersetzt, wie sie auch am Neptunmodell der Saratoga von 1944 zu sehen sind. Zu guter Letzt wurde dann auch noch der US Standardkran vor der Brücke durch einen vorbildgerechten Eigenbau ersetzt.

... das war's für's Erste, mehr mit dem nächsten Post,

Peter



Herzlichen Gruß, Peter

omega1250

#1
Wie versprochen geht's jetzt weiter - auch mit bunten Bildern.

Die Bemalung:
Das Modell ist komplett mit dem Pinsel und mit Humbrolfarben bemalt worden, auch alle Decksmarkierungen inklusive Schriftzug am Heck und die schwarzen Streifen mit Efficancy E am Schornstein. Als Hilfe dienen hier, wie bereits bemerkt, fein eingeritzte Linien. Ich male grundsätzlich mit relativ stark verdünnten Farben, für den hellgrauen Anstrich habe ich beispielsweise bis zu 4 Lagen benötigt, um die Details nicht zu verdecken. Allerdings sieht man mit dem Kameraauge oft mehr, so dass ich nach den hier gezeigten Aufnahmen noch einige Stellen korrigiert habe. Auch sollte man die Bemalung bei kritischen Stellen in kleine, überschaubare Abschnitte unterteilen. Auf dem Flugdeck ixten sich hierzu beispielsweise Fangseile, Fahrstühle und der Windabweiser an.
Die Farben sind Hellgrau für den Rumpfanstrich, Rotbraun (Mahagoni) für das Flugdeck und Gelb für die Flugdeckmarkierungen sowie Dunkelgrau für die Stahldecks. Ganz gegen meine sonstige Gewohnheit habe ich an diesem Modell nur das Flugdeck mit stark verdünnter, schwarzer Farbe behandelt um die Konturen der Fahrstühle und anderer Details etwas zu verstärken. Rost und Wasserspuren am Rumpf habe ich mir einfach verkniffen, weil sie auf den mir bekannten Fotos auch nicht zu sehen sind. In Friedenszeiten hatte man offensichtlich noch die Muße, sein Schiff zu pflegen.

Nach der Bemalung habe ich dann noch aus Ätzteilen die rund um das Flugdeck angebrachten Schutznetzrahmen angebracht, die sowohl für Saratoga als auch für die Lexington charakteristisch sind.

Und hier noch die Bilder. Die Saratoga hat hier wegen der Optik gerade Besuch von der Lexington(gelbe Leitwerke). Ich habe es noch nicht geschaft, die Saratoga Airgroup zu komplettieren.

Peter
Herzlichen Gruß, Peter

omega1250

#2
... und ein paar Bilder habe ich noch!
Herzlichen Gruß, Peter

Big A

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Gruß, Thorsten

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kiekut

Moin Peter,

tolles Modell und super gemacht. Die Flugzeuge an Deck sind ja auch eine Augenweide.top Gute Idee hier mal genauer zu beschreiben wie du gearbeitet hast. Danke für die Arbeit und die Zeit die du dafür geopfert hast. Sammelst du nur Graue-oder auch BUNTE Schiffchen?

Freue mich über deinen Einsatz hier,
der kiekut

Ulrich Rudofsky

Ulrich Rudofsky

Hastei

Tja, was soll ich sagen? Wieder phantastisch ! Was gibt es doch für Könner !

Gruß  Hastei

Ulrich Rudofsky

Ulrich Rudofsky

Chrischnix


Ahoi

Und ich will doch nur das meine "Friesenland" mal gut aussieht.


kiekut

Du schaffst das Chrischnix, Kopf hoch!

Bin schon gespannt auf das Ergebnis. Mit Sicherheit ein Topmodell. top

Ahnt,
der kiekut

omega1250

Zitat von: kiekut am 28 Juli 2008, 12:16:48
Sammelst du nur Graue-oder auch BUNTE Schiffchen?

Hallo Kiekut,
nur mal kurz zur Erinnerung, wir sind uns vor einigen Jahren mal persönlich in Kassel und auch bei Dr. Eullner begegnet, ist aber schon 'ne Weile her.

Ja ich sammle auch bunte Schiffchen, vorzugsweise bis 1939. Aber aus besonderem Interesse für die Hamburg-Süd habe ich in Kassel auch eine "Greenlandcore" mit rot weißem Schornstein von dir erstanden.

Peter
Herzlichen Gruß, Peter

omega1250

... und auch vielen Dank an alle anderen für die netten Kommentare.

@kiekut, momentan baue ich übrigens an der Homeric ex Columbus(CM), Antonio Delfino(Mercator) und Monte Sarmiento(G-Modell) und auch ein wenig für Herrn Kraus.
Herzlichen Gruß, Peter

Ralf

...ich bin erschüttert... 1:1250 und dann so eine tolle Detallierung... Hut auf!
Gruß
Ralf
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,,Du kannst Dein Leben nicht verlängern und Du kannst es auch nicht verbreitern. Aber Du kannst es vertiefen!"
Gorch Fock

kiekut

@ omega 1250,
das waren ja noch meine wilden Jahre und speziell in KS sind mir in den wenigen Stunden so viele Menschen begegnet, dass ich mich daran kaum mehr erinnern kann. Allerdings kann ich mir Gesichter gut merken, bei einem Foto keimt die Erinnerung dann meistens wieder auf. Wenn ich es schaffe, bin ich im Mai 09 in KS wieder dabei, allerdings nur als Zuschauer. So, und nun zeig uns mehr aus deinem Fundus, gerne vor 1939.

In Erwartung,
der kiekut

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