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Der Dampfer WIEN

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Ferenc:
Hallo

Eine kurze Lebensgeschichte des Österr. Lloyddampfers Wien

(Wegen der Bilder in ein paar Beiträgen geteilt)

PO ex VIENNA ex WIEN

NAME                              WIEN
ART                               Dampfer
Schwesterschiff                 HELOUAN
EIGNER                              Österr Lloyd
WERFT                             Lloydarsenal
BAUORT                            Triest
BAUJAHR                            1911
LÄNGE                             135 Meter
BREITE                             16,20 Meter
TIEFGANG                   6,91 Meter
BRT                              7.357
NRT                              3.199
PS                               10.000
ANMERKUNG                 2 Schrauben
UNTERGANGSDATUM            14.03.1941
UNTERGANGSURSACHE   Britische Flieger
                                     Type Swordfish
UNTERGANGSORT               Bucht von Valona/Flores
TIEFE                              Min.: ca 12 Meter
                                      Max. ca 35Meter


Der Lloyddampfer WIEN

Der Dampfer WIEN wurde wie sein Schwesterschiff HELOUAN im Arsenal des Österreichischen Lloyd in Triest gebaut und 1911 in den Dienst gestellt.
Der Lloyd setzte die beiden Schiffe als Eildampfer auf der Linie nach Alexandrien, der umsatzträchtigsten Verkehrsverbindung im Mittelmeer, ein. Es gelang die schnellste Verbindung vom Kontinent nach Alexandrien herzustellen. Die Fahrzeit verkürzte sich um einen Tag und Alexandrien konnte von Triest aus, bereits in drei Tagen erreicht werden. Weiters legte man bei der Ausstattung des Schiffes auf den Komfort und das Wohlergehen der Passagiere größten Wert. Durch diese Verbesserungen, wurde die Stellung des Österreichischen Lloyd im Alexandrienverkehr ausgebaut. Der Lloyd gewann an Bedeutung und konnte seine Position gegen die internationale Konkurrenz erfolgreich behaupten.
Der Beginn des Ersten Weltkrieges. brachte massive Einschränkungen des internationalen Seeverkehrs.

Ferenc:
Hallo,
2. Teil

Der Erste Weltkrieg
Der Dampfer WIEN wurde wie schon andere Schiffe des Österreichischen Lloyds, vom Militär angemietet, als Lazarettschiff ausgerüstet und als solches ab dem 16.02.1916 eingesetzt. Jedoch hatte der Dampfer bei einer Fahrt eine Grundberührung und beschädigte dabei einen seiner Propeller. Aus diesem Grunde kam es am 29.06.1916 zur Entlassung des Schiffes aus dem Militärdienst. Am 07.12.1917 mietete das Militär den großen Dampfer neuerlich an und setzte ihn als Wohnschiff für die Besatzungen der kaiserlich deutschen U-Boote in Pola ein. Weiters wurden von der deutschen Funkaufklärung auf dem Dampfer WIEN “Beobachtungs- und “Entzifferungsstellen” zur Überwachung des mittleren und westlichen Mittelmeeres eingerichtet. Bei Kriegsende, in der Nacht zum 01.11.1918, als das Flottenflaggschiff VIRIBUS UNITIS im Hafen von Pola von italienischen Kampfschwimmern versenkt wurde, sank nach einer Explosion ebenfalls der Dampfer WIEN auf den Grund des Hafens. Die Untergangsursache konnte nicht geklärt werden. Möglichkerweise ist der Dampfer ebenfalls einer italienischen Haftmine, oder der deutschen Besatzung der Funkaufklärungsstelle an Bord im Versuch ihre Ausrüstung zu vernichten, zum Opfer  gefallen.

Ferenc:
3. Teil


Der Zweite Weltkrieg
Nach dem Krieg wurde das Schiff von Italien gehoben und wieder hergestellt. 1921 nahm der Lloyd Triestino, die italienische Nachfolgegesellschaft des Österreichischen Lloyd, das Schiff in Betrieb und änderte den Namen auf VIENNA.
VIENNA fuhr auf der der Fernroute nach Asien und 1935  wurde der Namen abermals gewechselt. Es erhielt den Namen PO.
Italien trat am 10. Juni 1940 in den Zweiten Weltkrieg ein. Der Dampfer PO wurde wieder von der Armee requiriert und ab dem 21.11.1940, wie bereits im Ersten Weltkrieg, als Lazarettschiff eingesetzt. Es transportierte und versorgte im Zuge von 14 Einsatzfahrten 6.600 italienische Soldaten, die bei den Kämpfen in Griechenland und Lybien verwundet worden waren.
Im März 1941 lag das Schiff anlässlich des italienischen Feldzuges in Albanien und Griechenland gemeinsam mit anderen Schiffen der italienischen Flotte in der Bucht von Valona, dem heutigem Vlore, vor Anker.


Besondere Aufmerksamkeit verdient, dass zu dieser Zeit die Tochter des italienischen Diktators Benito Mussolini und Ehefrau des italienischen Aussenministers Conte Galeazzo Ciano, die Contessa Edda Mussolini Ciano sich auf dem Schiff befand und als Krankenschwester tätig war.

Nach internationalen Bestimmungen waren Lazarettschiffe durch einen auffälligen weiß-roten Anstrich, aufgemalten großen roten Kreuzen sowie der Beleuchtung des Schiffes zur Nachtzeit, kenntlich zu machen.
Da jedoch das Licht die anderen Kriegsschiffe in der Bucht ebenfalls beleuchtet hätte, ordnete das Marinekommando in Valona dem Kapitän des Lazarettschiffes an, während der Nacht die Beleuchtung nicht einzuschalten.

Ferenc:
4. Teil

Der Angriff
In der Nacht zum 14. März 1941 erfolgte ein Luftangriff britischer Torpedobomber des Types Swordfish Mk.1. Es handelte sich um den gleichen Flugzeugtyp, welcher der Bismarck durch einen Treffer in die Ruderanlage zum Verhängnis wurde.

Die angreifenden Flugzeuge gehörten der 815 NAS (Naval Air Squadron) FAA (Fleet Air Arm) an und waren auf dem RAF Airfield von Paramythia stationiert
In Paramythia war in einem unzugänglichen südalbanischen Bergtal auf einer Seehöhe von etwa 1.000 Metern hinter den feindlichen Linien ein geheimes Flugfeld der Royal Air Force errichtet worden, von dem britische Flugzeuge Ziele in Albanien, Griechenland und Süditalien angriffen..

Ob das verdunkelt in der Bucht liegende Schiff von den Angreifern als Lazarettschiff erkannt werden konnte ist zu bezweifeln und kann nicht mehr genau eruiert werden.
Die italienische Propaganda behauptet bis heute, der Dampfer sei hell erleuchtet und und als Spitalschiff zu identifizieren gewesen.
Zum Glück waren zum Zeitpunkt des Angriffes keine Verwundeten an Bord. Dem Angriff fielen dadurch “nur” drei Personen zum Opfer. Es handelte sich um die Krankenschwestern Tramontani, Sechi und Federici.
Der Contessa Ciani Mussolini gelang es, wie den anderen Überlebenden, ins Wasser zu springen und schwimmend das Ufer bei der Ortschaft Radhima, südlich der Stadt Valona, zu erreichen.

Der Luftangriff wurde vom Chef der 815 Squadron, Lt Cdr Jago, angeführt. Ziel waren Schiffe der in der Bucht von Valona liegende italienische Flotte. Bevor die italienischen Schiffe erreicht wurden, stürzte Lt Cdr Jago mit seiner Maschine ins Meer. Er und seine Crewmitglieder Lt Caldecott-Smith und L/A PN Beagfley überlebten den Absturz. Nachdem sie 7 Stunden in ihrem kleinen Schlauchboot im Meer getrieben hatten, wurden sie von einem italienischen MAS-Boot aufgenommen und gerieten in Gefangenschaft.
Die Leitung des Angriffes wurde von Lt Charles Lamb übernommen. Beim Zielanflug tauchte er mit dem Fahrgestell ins Wasser ein. Ihm gelang es jedoch die Kontrolle über sein Flugzeug zu behalten, den Angriff gegen den von ihm beschriebenen dunklen Schiffskörper weiter zu führen und den Torpedo abzuwerfen. Der ihm nachfolgende Lt Torrens-Spence erkannte in der Dunkelheit ein großes unbeleuchtetes Passagierschiff, den er mit seinem Torpedo angriff. Die anderen Topedobomber fanden keine lohnenswerte Ziele und kehrten mit den Torpedos um. Lt Charles Lamb führte den Verband sicher wieder nach Paramythia zurück.
Später stellte sich heraus, dass bei dem Angriff das Lazarettschiff PO sowie der 3.539 BRT große Dampfer SANTA MARIA versenkt worden waren.
Die SANTA MARIA wurde laut ital. Quellen wieder gehoben, nach Venedig gebracht, am 8. Sept. 1943 von Deutschland beschlagnahmt und im Oktober 1944 vor dem Porto di Lido versenkt worden sein..
Das Lazarettschiff PO sank auf ebenen Kiel auf den Grund der Bucht.

Nach diesem Angriff wurde die Leitung der 815 Squadron Lt Torrens-Spence übertragen.

Am nächsten Tag wurden von den Torpedobombern die Dampfer STAMPALIA und LUCIANO sowie am 17.03.1941, der ausserhalb der Bucht von Valona liegende Zerstörer ANDROMEDA versenkt.

Am 22.03.1941 griff die ital. Luftwaffe den Feldflugplatz in Paramythia an und zerstörte fast alle Flugzeuge. Nur einem Torpedobomber gelang es nach Kreta zu entkommen.

Die Versenkung des Lazarettschiffes PO wurde von der ital. Propaganda gehörig ausgeschlachtet (Siehe Propagandapostkarte) und es wird bis heute behauptet, dass das Schiff beleuchtet gewesen sei.


Ferenc:
5. Teil

Das Wrack
Lange Zeit lag das Wrack eines der stolzesten Schiffe des Österreichischen Lloyds unbeachtetauf dem Grund der Bucht von Valona. Erstmalig im Jahre 2005 wurde es von Italienern und meinem montenegrinischen Freund Ilir Capuni betaucht.
Anfang August 2008 machte ich meine ersten Tauchgänge an diesem beeindruckenden Schiff.
Es liegt aufrecht am Grund. Die Brücke erreiche ich schon in ca 12 Metern Wassertiefe. Die hydraulische Steuersäule steht frei. An den leeren Davits hängen Netze und geben dem Wrack im Gegenlicht eine mystische Stimmung Das oberste Deck ist eingebrochen. Schiffsteile wie Lufthutzen und Lüftungsrohre liegen wirr herum. Die Stiegen sind bunt mit Schwämmen überwachsen. Besonders fiel mir die rot dominierte Farbenpracht in den lichtdurchfluteten großen Räumlichkeiten der oberen Decks auf. Reste eiserner Bettgestelle sagen mir, dass ich mich in einem der Krankensäle befinde. In einem der unteren Decks sehe ich Reste der sanitären Einrichtungen aus dem Schlamm ragen. Ich schwimme wieder hinaus und beginne den Rückweg. Durch die 135 Metern Länge des Schiffes ist es von Vorteil, wenn man sich die Position der Aufstiegsleine merkt und beim Rückweg in die richtige Richtung schwimmt. Während ich, die zum Abbau des im Körper gesättigten Stickstoffes notwendige Dekompressionspause in drei Metern Tiefe verbringe, blicke ich hinunter zum Wrack, dessen Konturen noch immer erkennbar sind.

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