Tsushima: Japanische Mun-Vorräte bei XGH

Begonnen von Leutnant Werner, 25 November 2005, 20:32:49

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Leutnant Werner

Hallo Leute,

Eine Frage beschäftigt mich schon länger in Bezug auf die Schlacht von Tsushima: Was wäre gewesen, wenn Njebogatow nicht kapituliert hätte.

Die Schlacht dauerte am Vortage fast 6 Stunden. Die Japaner feuerten, was das Zeug hielt. Die Russen feuerten langsam und schlecht. Folge: 4 russische Schlachtschiffe waren im Feuer entweder gesunken oder kampfunfähig geschossen.

Am anderen Tage hatten Njebogatows Schiffe, obwohl sie nur langsam gefeuert hatten, nur noch wenig Munition. Aber Togo muss ja noch weniger gehabt haben!
Er kann doch nicht in der Nacht auf hoher See neue Mun geladen haben, oder? Und die Dotierung war auf den Schiffen 60 pro Rohr für 12 Zoll, 80 für 8 Zoll und 200 für 6 Zoll.

Togo eröffnet das Feuer und nach wenigen Minuten streicht Njebogatow die Flagge. Wenn er das Feuer nun eine halbe Stunde lang ausgesessen hätte: Hätte Togo dann keine Munition mehr gehabt? Und was wäre dann passiert? Hätte Togo versucht zu rammen? Ich glaube nicht. Er hätte die Schlacht wohl abgebrochen.

Weiß jemand Näheres über die Problematik?

Gruß
Ekkehard

kalli

@Leutnant Werner,

ich persönlich glaube nicht, dass in dieser Schlacht durch die Munitionsfrage noch eine Wende eingetreten wäre.
Aber wer sich mit der Thematik weiter beschäftigen möchte, dem empfehle ich das Buch von Frank Thiess "Tsushima- Roman eines Seekrieges".
Roman klingt etwas abwertend, in diesem Falle würde ich Tatsachenroman als Kategorie bevorzugen.

Gruß
kalli

Leutnant Werner

He Kalli,
Das Buch habe ich, ist sogar lange meine bevorzugte Quelle gewesen. Das gibt dahingehend aber keine Hinweise. Kein Wunder: Thiessen hatte keinen Zugang zu japanischen Informationen im Sinne von Primärquellen.
Gruß
Ekkehard

Im übrigen: Thiessen stellt die Kampfkraft von manchen der russischen Schiffe zu schlecht dar, so dass ich inzwischen mit dem Buch differenziert umgehe.

kalli

Das was Du geschrieben hast sind Zweifel, wir wissen eben zu wenig.
Ich mache Dir folgenden Vorschlag : Formuliere Deine Frage noch einmal neu und übersetze sie ins englische oder ich versuche es, ins russische zu bringen,
Anschließend stelle ich das in ein russisches Forum, in dem ich seit geraumer Zeit Mitglied bin :D
Dann werden wir mit Gedult mal was erfahren und hier wieder einstellen können.
Einverstanden ?
Kannst mir auch alles per PN schicken.
Schöne Gerüße
kalli

Leutnant Werner

Hallo Kalli,
ich habe gerade ein neues Buch reingekriegt: "battleship" von Padfield. Der Autor nimmt überraschenderweise auch zu den von mir  gestellten Fragen Stellung. Ich werde diese darstellen und auch das Buch vorstellen, wenn ich es mir gründlich durchgelesen habe. (Ich habe von Beruf wegen wenig Zeit, wie man an meinen wenigen Posts sehen kann).
Gruß
Lt.

kalli

@Leutnant Werner,

nur zu - ich bin sehr gespannt.
Lass es ruhig dauern. Was wird, das wird. :D

Gruss
kalli

egima

Moin,

ich bin zum ersten mal hier auf diesem Forum und freue mich, nachdem ich einige Beiträge gelesen und ein paar bekannte – und sehr geschätzte –  Namen entdeckt habe, daß ich es gefunden habe.

Zur Frage, was wohl aus Nebogatow geworden wäre: Ich denke, er wäre von Togo ohne viel Federlesens versenkt worden. Nach dem vierteiligen Artikel von Campbell, "The Battle of Tsu-Shima" (Warship; Teil 1: Vol. II, Nr. 5, S. 38-49; Teil 2: Vol. II, Nr. 6, S. 127-135; Teil 3: Vol. II, Nr. 7, S. 186-192; Teil 4: Vol. II, Nr. 8, S. 258-265) war der Munitionsverbrauch in der Schlacht folgender:

I. Division:
30,5cm-Granaten: 446 (Mikasa 124, Shikishima 74, Fuji 106, Asahi 142)
25,4cm-Granaten: 50 (Kasuga 50)
20,3cm-Granaten: 284 (Kasuga 103, Nisshin 181)

Kamimuras II. Division hatte bei Tsushima vor dem Niederkämpfen der Uschakow 915 20,3cm-Granaten mit ihren 6 Panzerkreuzern verschossen. Zum Vergleich dazu haben die 4 Panzerkreuzer vor Ulsan 958 Granaten dieses Kalibers verbraucht.

Der Verbrauch an 15,2cm-Granaten wird angegeben mit
Togo: 5748 (davon Shikishima 1395)
Kamimura: 3716 (erneut ohne Berücksichtigung der Niederkämpfung der Uschakow)

Analog für die 7,6cm-Geschütze:
Togo: 4046 (Shikishima hier 1272)
Kamimura: 3480

Nach diesen Zahlen dürften alle Schiffe der I. und II. Division noch über ein Viertel und teilweise über die Hälfte der Munition vorrätig gehabt haben.

In jedem Fall genug, um die Schiffe um Nebogatow in einer aussichtslosen Lage zu belassen.

Neben diesen Artikeln und dem Roman von Frank Thiess gibt es m.E. noch weitere interessante Literatur zum Schicksal der russischen Flotte in diesem Krieg:
Wladimir Ssemenow: ,,Raßplata", ,,Die Schlacht von Tsushima" und ,,Unser Lohn"
Alexei Silytsch Nowikow-Priboi: ,,Tsushima"

Gerade der Vergleich beider Autoren (die beide an der Schlacht teilgenommen haben) ist eine spannende Sache, da ihre Blickwinkel nicht verschiedener sein könnten (Ssemenow als pro-Roschdjestvenski schreibender Offizier gegenüber Nowikow-Priboi als Mannschaftsdienstgrad und Vertreter des ,,sozialistischen Realismus").

Die Bücher tauchen bisweilen bei Ebay auf und lassen sich im antiquarischen Buchhandel leicht finden.

Grüße,
Frank

Leutnant Werner

Servus egima,

schön, dass Du auch hier bist!

Gerade erst unlängst kam ich auch zu dem Schluss, dass die Japaner noch reichlich Mun hatten.

In seinem Werk Tshushima erweckt Thiess den Eindruck, die Japaner schossen wie die Teufel. Das taten sie nicht, sie haben nur getroffen wie die Teufel, nachdem sie den ganzen Winter mit Captain Percy Scotts Zielhilfen geübt hatten. Ich zitiere aus Padfield: Battleship, S. 180-181:
"The main reason for the victory was undoubtedly superior gunnery at decisive range. This is clear in all British observers´reprots. While the Russian ships had kept up a constant, rapid fire wether they could see the target or not, the Japanese had carefully husbanded their nervous energy, only firing when within range and sure of their aim. Captain Jackson reported from the cruiser ADZUMA: " The discipline in this respect was marvellous. From time to time the firing died away, not in consequence of any order, but because the numbers one did not think they were justified in firing into the brown on the offchance of hitting..." The Japanese had three bugle calls for opening fire, either "deliberate", "ordinary" or "rapid",  onboard the ADZUMA rapid fire never sounded and that for ordinary fire only twice, when the range was less than 4,000 yards."

Gruß
Lt.

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