Da tun sich ja Fragen und Unwägbarkeiten ohne Ende auf...
Ist ja schon klar das man ein neues Schiff unter optimalen Bedingungen testet, aber ich kann doch nicht von der Werftseite z.B. 33kn als Dauerhöchstgeschwindigkeit angeben wenns nur 30 sind. Da müsste ja jeder Kommandant sein neues Schiff erstmal intensiv Probefahren um rauszufinden wie gerade stand der Dinge ist, und was er von seinem Untersatz erwarten darf??? War mir so noch nicht klar.
Ich habe leider so gut wie nichts über den Ablauf von Probefahrten etc., nur im Gröner finde ich folgende Angaben:
"Die Probefahrtswerte der Neubauten werden stark durch äußere Umstände beeinflußt (und unterscheiden sich daher oft selbst bei Schwesterschiffen erheblich): durch Wassertiefe, Windstärke, Qualität des Treibstoffes, Grad der Forcierung, die vor allem im Krieg auf im Hinblick auf mögliche Schäden nicht zu hoch getrieben wurde.
Die Erprobungsrichtlinien>>Wind nicht über Bft 3, stromloses, tiefes (mindestens 3mal Schiffstiefgang) Wasser<<konnten nicht immer eingehalten werden. Auch bei der genannten Mindestwassertiefe ist für die meisten Schiffe noch ein erheblicher Flachwassereinfluß vorhanden.-
Im Frontdienst verringern sich Maschienenleistung, Geschwindigkeit und vor allem Fahrbereich gegenüber den Probefahrtwerten wesentlich infolge Seegangs, evtl. Flachwassers, Abnutzung der Maschinenanlage, unreinen Schiffbodens, unsorgfältigen oder nicht eingefahrenen Maschinenpersonals"
Bei Probefahrten waren doch sicher Marineangehörige anwesend, wenn dort ein Schiff 30kn erreichte, wurde der Wert dann übernommen oder pauschal 10-15% abgezogen um einen realistischen Wert für spätere Einsätze zu haben?
Wenn man das so alles liest, dann weis man das man nichts weis...
Da werde ich Kommandant von nem tollen Kreuzer der vor zwei Jahren auf der Probefahrt 32,5 kn machte. Ok, ich weiß das um die 30kn realistisch sind, mein Vorgänger hat mir geraten das Schiff nicht länger als max. zwei Stunden am Stück so zu scheuchen weil sonst ein längerer Werftaufenthalt wahrscheinlich wird, "aber bei 27 kn machte er sich damals ganz gut, wenns nicht zu rauh ist, sonst lieber nur 24kn". Dann erfahre ich das der Unterboden seit einem halben Jahr keine Reinigung gesehen hat und das Kriegsbedingt minderwertiger Treibstoff gebunkert wurde, ach so und das Maschinenpersonal ist größtenteils neu bzw. hat seit Monaten das Schiff nicht mehr außerhalb des Hafens bewegt. Intensiv testen ist nicht, da sparen angesagt ist. Mein LI meint:"vielleicht macht er dauerhaft 25kn, mit Glück mal für ne Stunde oder so 28, würde ich mich aber nicht drauf verlassen". Na toll, und wie weit komme ich mit vollen Bunkern? Betretenes schweigen! Aber alles kein Problem, in vier Wochen darf ich ja Kreuzerkrieg im Atlantik spielen, danach bin ich schlauer...
Muß ich mir das so oder ähnlich vorstellen? Oh man, ich glaub ich würde mich freiwillig zu Infanterie melden

Hab im Gröner bei der Derfflinger-Klasse gerade noch was gefunden:" Den Kriegs-Meilenfahrten auf flachem Wasser und angenähert größtem Tiefgang entsprechen Normal-Werte, die mindestens 2 kn höher liegen." Für Derfflinger sind 25.5kn, für Lützow 26,4kn und für Hindenburg 26,6kn angegeben. Soll also heißen das die unter genormten Probefahrtbedingungen um die 28kn laufen müßten, die angegebenen Werte aber viel mehr der Praxis entsprachen.
Eine Frage hab ich noch, gab es im WW2 eigentlich ein wirklich schnelles Schiff das diesen Trumpf im Gefecht tatsächlich ausspielen konnte? Oder waren die hochgezüchteten eher im Nachteil, da andere Gefechtswerte schwächer ausfielen, mir scheint es fast so...
Gruß aus Kiel