Wehrmacht zur Bundeswehr; Kontinuitaet und Diskontinuitaet - Matthias Molt

Begonnen von ufo, 23 November 2009, 17:29:42

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ufo

Von der Wehrmacht zur Bundeswehr
Personelle Kontinuitaet und Diskontinuitaet beim Aufbau der Deutschen Streitkraefte 1955 – 1966
Dr. phil Matthias Molt
Heidelberg 2007


Langsam, langsam versickert die Fruehgeschichte unserer eigenen Republik im Dunkel der Geschichte. Kaum aber liegt das Sediment der Zeit auf den Jahren, schon kommen die ersten Historiker und bringen Probebohrungen nieder.

In den letzten Jahren sind einige gute Arbeiten zur Ur- und Fruehgeschichte der Bundeswehr entstanden.

Der Buechergourmet in mir sieht mit Sorge die Tendenz akademische Arbeiten nurmehr als elektronische Medien zur Verfuegung zu stellen; der Student in mir hat es damals zu schaetzen gewusst. Wer mag schon hunderte vom Mark auf den Tisch blaettern, nur um seine Promotion im Sinne der Promotionsordnung veroeffentlich zu haben. Jetzt geht das einfach als pdf File auf den Uni-Server und dann liegt das da.

Tja – ist da die Arbeit fleissiger Wissenschaftler damit jetzt zugaenglicher oder sind die Server der Unibibliotheken doch nur kleine Winkelchen im Onlinedschungel?
Wie auch immer – als Leser muss man jetzt vielleicht mehr suchen als frueher aber dann braucht man auch nurmehr den Download Knopp zu druecken. Bequem.
Und preiswert!

Fuer gratis gibt es hier nagelneu auf dem Server:
http://archiv.ub.uni-heidelberg.de/volltextserver/volltexte/2009/8935/pdf/Diss_Molt_2009.pdf
die ausnehmend schoene Promotionsarbeit von Herrn Dr. Molt ueber die Personalstruktur der fruehen Bundeswehr und personeller Uebergange und Brueche gegenueber der Wehrmachtszeit zu haben.

Ganz lesenswert!

Viele, viele Hintergruende zum Thema Tradition in den Streitkraeften, viel ueber das Wechselspiel Politik-Bundeswehr, die Rolle massgeblicher Politiker jener Jahre, die Wirkung (oder eben auch mal nicht) von alten Seilschaften.

Ufo

Urs Heßling

Hi, ufo,

guter Tipp  top

Herr Molt hat aber auch einige Schwächen. So wird der einflußreiche Admiral a.D. Meisel ("Meisel-Kreis") nicht einmal erwähnt !  Eine kleine, aber doch auffallende Ungenauigkeit ist die Nennung eines falschen Urteils für Raeder in Nürnberg (10 Jahre wie Dönitz).

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

OLtn. z. S.

Hi, Ufo, danke bestens für den guten Link zur Dissertation von Herrn Molt. Allemal interessant für Gediente und gleichermaßen auch für Ungediente ..... :O/Y

Zitat v. Ufo:
"Wer mag schon hunderte vom Mark auf den Tisch blaettern, nur um seine Promotion im Sinne der Promotionsordnung veroeffentlich zu haben. Jetzt geht das einfach als pdf File auf den Uni-Server und dann liegt das da."

Am Rande: Ich bin in dem Punkt Traditionalist und finde es unerfreulich, dass die online-Entwicklung diesen Bereich rigoros "geschluckt" hat. Früher war es so, dass man bei der Promotionsfeier was Gedrucktes verteilen konnte. Aber das sind heute "alte Zöpfe". Beides - hier Druck, da online-Präsentation - hielte ich für angemessen.
Manche drucken natürlich heute auch freiwillig Ihre Dissertation auf Papier zwischen zwei Deckeln.....
Tempora mutantur ....

Grüße!
Ricky

Q

Vielen Dank nach Rhu fuer diese Quelle. Ich habe dein Geschenk noch bei mir liegen, leider sind die Internationalen Buechersendungen dermassen teuer, bei ueber 1000 Gramm Sendungen, das ich die Sendung Incl. einer Familien und eines SW Fan Presentes, von dem Hochzeitspaar nach Scotland mitgenommen wird. Dies soll auch verdeutlichen, wie schoen die Entwicklung gerade fuer auswaerts der deutschen Grenzen wohnenden User die Onlinestellung solcher Dokumente ist. So hat jetzt auch Hans in Mittelamerika die Moeglichkeit diese PDF zu lesen. Ohne 6 Wochen auf diese Disse. warten zu muessen um dann deren Wert in Frage stellen zu muessen. Ich bin ausdruecklich fuer diese Entwicklung der PDF Onlinestellung.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex


Q

Off Topic: @Werner, Peter K und Kalli

Gibts noch mehr Fotos von eurer Adriatour? Nur bezogen auf dein aktuellesavatar Bildchen.

Don´t Panic
Quand tu veux construire un bateau, ne commence pas par rassembler du bois,
couper des planches et distribuer du travail,
mais reveille au sein des hommes le desir de la mer grande et large.

St.Ex

ufo

Zitat von: Urs Hessling am 23 November 2009, 20:50:33
Hi, ufo,

guter Tipp  top

Herr Molt hat aber auch einige Schwächen. So wird der einflußreiche Admiral a.D. Meisel ("Meisel-Kreis") nicht einmal erwähnt !  Eine kleine, aber doch auffallende Ungenauigkeit ist die Nennung eines falschen Urteils für Raeder in Nürnberg (10 Jahre wie Dönitz).

Gruß, Urs


Da muss ich diesen Thread einfach mal ganz unverschaemt nutzen, um nochmal Werbung fuer ein Buch, welches ich wirklich schaetze, zu machen  :-D :

http://forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,6610.0.html
Douglas Peifer
"Three German Navies"
(Deutsch bei Winkler)

Tja – das gibt es halt nicht gratis. Das ist aber auch was ganz, ganz fein Recherchiertes zum Thema Uebergang von der Kriegsmarine zu den zwei Nachfolgemarinen.

Stimmt – der Herr Dr. Molt kommt sicher nicht aus der maritimen Ecke. Hie und da stolperte ich auch ueber Fehler. Irgendwo versinkt der arme Kreuzer Hipper ... :roll: Ich denke es tut dem Gesammtwerk nicht sooo viel zu Leide; liesst sich fuer den Fachmann aber natuerlich immer etwas holperig. Wer es mehr maritim akurat haben will ist halt mit dem Peifer viel, viel besser bedient.

Aber dass man einfach mal so das Ergebnis vieler Jahre wissenschaftlicher Arbeit geschenkt bekommmt, ist schon ein bemerkenswerter Trend. Und – ich denke Alles in Allem ist die Arbeit schon gut recherchiert und fuellt eine dicke Luecke in der Fruehgeschichte der Bundeswehr.  top



Ob die Onlineveroeffentlichung den Test der Zeit bestehen wird?

Hat die Papierveroeffentlichung den Test der Zeit bestanden? Wenn ich mir angucke was ich in meinen Onlinesuchen bei verschiedenen Buchsuchmaschienen so eingetragen hab, sind da allerlei Dissertationen aus den Fuenfzigern und Sechzigern des letzten Jahrhunderts bei. Manche davon sind hie und da bei wenigen Bibliotheken vorhanden aber dann nicht ueber die Grenze ausleihbar; andere sind einfach im Sediment der Zeit verschwunden und tauchen tatsaechlich nur mehr antiquarisch zu manchmal horrenden Preisen auf.

Ist aber ja was Schoenes so ein gedrucktes Buch!

Tja – und online? Wenn ich eine Arbeit in Ruhe und mit Genuss lesen will, dann freue ich mich halt, dass mich der Erwerb nix gekostet hat und zahle dann einen Copyshop fuers Drucken und Binden. Dann hab ich doch wieder ein 'richtiges' Buch in der Hand; oft in besserer Qualitaet als die billigen Leimbindungen mancher gedruckt verlegter Arbeit.
Aber wird das ganze Konzept der Onlineveroeffentlichung funktionieren? Eine in Fraktur gedruckte Dissertation kann ich ohne Probleme lesen (Bei Suetterlin wird es schwirig aber das ist dankenswerter Weise selten gedruckt.). Damit ist das Medium Buch erstmal ueber die letzten Jahrhunderte immer noch zugaenglich.
Wird man in dreissig Jahren im Keller einer Universitaetsbibliothek sitzen und muehsam, muehsam mit Hilfe von deren IT Personal versuchen eine altertuemliche pdf Datei in ein lesbares Format zu bringen?
Wird man das Ding ueberhaupt noch auf einem Server finden? Oder liegt sowas dann doch nur mehr auf irgendwelchen Backup Servern, an die man doch wieder nur via Fachbibliothek herankommt?
Sind da "Grenzen des Wachstums" in unserer schoenen, neuen, vernetzten Welt?

Man darf gespannt sein.   

Ufo

dr.rudolf

Hallo ufo,

vielen Dank für das Einstellen der MOLTschen Dissertation, über die ich erst heute
"gestolpert" bin. Sie war mir bisher nicht bekannt (Schande über mein Haupt !).

Ein interessantes Werk v.a. für jeden Aktiven und zusätzlich - wie in meinem Fall - für einen,
dessen Vater zum behandelten Personenkreis gehörte !

Für die akribische Arbeitsweise des Autors spricht alleine schon der Lebenslauf von 6 (!) Seiten !
Ich komme da mit 62 Lebens- und fast 40 Dienstjahren locker mit zwei Seiten hin (weiß aber
auch nicht mehr ganz genau, wann ich wo in welchem Kompanie-Block auf der Toilette war !).

Bei der Thematik "Buch oder online-Veröffentlichung ?" tendiere ich immer noch zum Buch,
obwohl eine pdf-Datei (gerade im wissenschaftlichen Bereich) auch immense Vorteile bietet
(z.B. Suchfunktion). Aber eine Dissertation ist und bleibt für mich ein Buch, und das will ich
in der Hand halten. Bei einer Dissertation ist das zwar kein Thema, aber alleine die Cover-
Gestaltung ist bei manchen "Werken" ein Genuss, und die muss man "anfühlen".

Da meine eigenen "Werke" inzwischen (auch) als eBook-Version erhältlich sind, habe ich mir
einen eBook-Reader zugelegt (man ist ja als Ingenieur nicht technikfeindlich !), kann mich
damit aber immer noch nicht so recht "anfreunden" !

. . . und wenn ich an die Erstellung von Dissertation oder Buch denke: Ich kann am Bildschirm
nicht Korrekturlesen ! Ich glaube, meine Diss. (1993) habe ich zehnmal ausgedruckt, um sie
(einigermaßen) fehlerfrei hinzubekommen. Wir haben immer gelästert: "Das papierlose Büro
ist ebenso eine Illusion wie das papierlose Klo !" (...obwohl: Beim Klo sollen die schon etwas
weiter fortgeschritten sein !)

In diesem Sinne noch einen ruhigen Feiertag
und alles Gute für 2013 !
Rudolf (KINZINGER)
Besucht doch mal meine Website:
http://www.rudolf-kinzinger.de

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