Operationen der Hochseeflotte in der Ostsee, 10. August 1915

Begonnen von Leutnant Werner, 28 März 2010, 20:28:30

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Leutnant Werner

Hier schließe ich nochmal ein paar Fragen an den Thread betreffend SMS ELSASS und SMS BRAUNSCHWEIG versus SSLAVA an. Zwei Tage später, am 10. August 1915, kam es aufgrund von Beschießungsoperationen zu Gefechtsberührungen mit der russischen Flotte.

1.) Laut Wikipedia (engl.) kam es am 10. August bei einem Beschießungseinsatz gegen die russischen Batterien auf der finnischen Insel Utö zu Artillerieduellen mit russischen Panzerkreuzern:
"On 10 August 1915, VON DER TANN shelled the island fortress at Utö, in the eastern Baltic,[38] during which she took part in an artillery duel with the Russian armoured cruiser ADMIRAL MAKAROV.[39] Von der Tann also engaged the Russian armoured cruiser BAYAN and five destroyers, during which VON DER TANN was struck by a shell through the funnel, which caused no casualties."

Mich interessiert hier:
- Von welcher Dauer waren diese Gefechte?

- Auf welche Entfernungen wurden sie geführt?
- Wurden Treffer auf den russischen Schiffen erzielt?




2.) Laut Halpern operierten zeitgleich zwei deutsche Panzerkreuzer erfolgreich gegen die russischen Positionen auf der Sworbe-Halbinsel am Rigaer Meerbusen:

,,In the meantime, on 10 August the cruisers ROON and PRINZ HEINRICH bombarded the Russian positions at Zerel at the tip of the Sworbe peninsula, the most southern tip of Osel island, the northern shore of the Irben strait. The Russian destroyers at anchor off Zerel were surprised, and one was damaged."

Alle Informationen über dieses Gefecht sind überaus erwünscht!

Grüßle

Ekke

Spee

@Ekke,

"Mit Hellerwerden in Sicht der Küste nördlich Zerel. Beim Näherkommen nördlich des Leuchtturms mehrere (etwa 10) Torpedoboots-Zerstörer in Sicht, die Anker aufgehen oder loswerfen. Deshalb Absicht, 3 minensuchende Torpedoboote vorzuschicken aufgegeben, mit hoher Fahrt herangedampft und auf den vorgesehenen Beschießungskurs gegangen. Signal an "Prinz Heinrich", Torpedobootszerstörer unter Feuer nehmen und 3h 50m Feuer auf 120hm unter Aufnahme von kleiner Fahrt eröffnet. Torpedoboot in Feuerbereitschaft. Zerstörer laufen mit südlichen, dann östlichen Kursen ab. Mehrere gut liegende Salven beobachtet, auf einem Zerstörer ("Sibirski Strelok") heller Brand, offenbar von entzündeter Munition herrührend, im Achterschiff. 4h 10m Auf Gegenkurs gedreht, da Zerstörer aus Schußweite und 10,5m Wasser gelotet."

"Um 12h 30m meldet I.B.d.A., daß "von der Tann" 2 Kreuzer der "Makarov"-Klasse (wohl doch nur einer), die hinter Utö lagen, auf 165hm, ein Torpedoboot auf 112hm, dann Landbattereien auf 78-91hm beschossen hat. Batterien anscheinend zum Schweigen gebracht, jedenfalls gute Trefferwirkung beobachtet, bei Kreuzern einige gut liegende Salven. Kreuzer haben sich zurückgezogen."

Quelle: Hopman
Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Leutnant Werner

Herzlichen Dank, Thomas. Muss das Buch jetzt doch mal endlich ankaufen.
Gruß
Ekke

Spee

Servus

Thomas

Suicide Is Not a War-Winning Strategy

Peter Strasser

Ansonsten hilft wie üblich der Blick in "Der Krieg zur See 1914-1918 -  Der Krieg in der Ostsee - Zweiter Band"
In meiner Version auf Seite 248 die Beschreibung der Zerel-Beschießung und auf Seite 249 die zugehörige Skizze.

Gruß
Piet

Leutnant Werner

Der Krieg in der Ostsee steht auch auf meiner Wunschliste, Piet. Da werde ich wohl demnächst ebenfalls zuschlagen.

Alex Shenec

Den 1. und 2. Band "Der Krieg in der Ostsee" wurden auf die russische Sprache übersetzt. Sie sind im Internet.  :-D

Zitat von: Leutnant Werner am 29 März 2010, 11:11:10
Der Krieg in der Ostsee steht auch auf meiner Wunschliste, Piet. Da werde ich wohl demnächst ebenfalls zuschlagen.

Gruss

Alex

Köln

Hier der Auszug aus Ostsee Bd. 2, S. 250:

"Der Kommandant des Schlachtkreuzers (von der Tann), Kapitän zur See Hahn, lief ungeachtet der Enge des Fahrwassers und der Ungewißheit, wo sich etwa eine Minensperre befand, bis auf 75 hm an Utö heran, drehte Auf westlichen Kurs und nahm 5,56 Uhr zunächst die Seestreitkräfte unter Feuer: mit der schweren auf 150 hm einen Kreuzer der "Bajan"-Klasse, der hinter der Insel sichtbar geworden war und sich jetzt entfernte, mit der Mittelartillerie die fortlaufenden Zerstörer. Wider Erwarten nahmen drei Landbatterien den Kampf auf, so daß 6,01 Uhr auf sie übergegangen wurde. Sie verfügten nur über mittlere und leichte Kaliber, doch lagen ihre Salven bei der geringen Gefechtsentfernung öfters dicht am Schiff. Eine Granate ging in den vorderern Schornstein, wodurch jedoch nur geringfügiger Schaden angerichtet und keine Verluste herbeigeführt wurden. 6,05 Uhr drehte "von der Tann" auf Gegenkurs, da "Kolberg" voraus ein U-Boot meldete. Das Gefecht ging weiter. Eine Batterie nach der anderen wurde zum Schweigen gebracht, so daß sich die Artillerie 6,14 Uhr noch einmal kurz auf 180 hm der "Bajan" sowie dem Leuchtturm und der FT-Station zuwenden konnte. 6,18 Uhr wurde das Feuer eingestellt. Der Kommandant hatte seine Aufgabe erfüllt."

Das Loch im Schornstein findet ihr auf meiner Webseite: http://www.u54.suedholland-ferienhaus.de/html/im_gefecht.html


Gruß

Köln

Alex Shenec

Hallo.

In den russischen Dokumenten ist dieser Kampf etwas anders beschrieben.
Ich werde mich bemühen, diese Information in den Samstag oder der Sonntag zu übersetzen, wenn mehr freier Zeit wird.



@Köln,
ich erinnere mich an deine Frage. Ich werde im Laufe von dieser Woche antworten.

Schöne Grüße
Alex

Leutnant Werner

Erstmal herzlichen Dank an euch für die ausführliche Information!

Bin schon gespannt, wie Alex die russische Perspektive darstellt.

Fraglich ist auch weiterhin: War nur ein oder vielleicht zwei Panzerkreuzer der BAYAN-Klasse im Gefecht.

Beste Grüße
Ekke

Köln

Ich bin auch schon sehr gespannt auf die russische Schilderung.
Hier noch ein paar Bilder von den Resten der russischen Bunkeranlagen auf Utö.

@Alex: Danke. Freue mich auf die Nachricht.

Viele Grüße
Köln

Alex Shenec

Hallo.
Ich werde auf die zweite Frage antworten.

Zitat von: Leutnant Werner am 28 März 2010, 20:28:30
2.) Laut Halpern operierten zeitgleich zwei deutsche Panzerkreuzer erfolgreich gegen die russischen Positionen auf der Sworbe-Halbinsel am Rigaer Meerbusen:

,,In the meantime, on 10 August the cruisers ROON and PRINZ HEINRICH bombarded the Russian positions at Zerel at the tip of the Sworbe peninsula, the most southern tip of Osel island, the northern shore of the Irben strait. The Russian destroyers at anchor off Zerel were surprised, and one was damaged."

1. Die Quelle - die russische Zeitschrift "Des Meerzettels" № 56, herausgegeben in die Emigrarion.
N.Fomin. "Noch über die Schutz Irben-Meerenge In die Kampagne 1915"

Ich werde den Text kurz übersetzen.

Bei der Morgendämmerung sind unerwartet zwei Panzerkreuzer den 10. August erschienen. Sie gingen von der maximalen Geschwindigkeit aus dem Norden dicht entlang der Küste der Insel Osel. Wenn des Kreuzers neben dem Leuchtturm und den Beobachtungsstelle auf der Insel eingefunden haben, so haben ihre Beschießung erzeugt.
Die Ankerhaltestelle unserer Torpedoboote hat sich innerhalb der Beschießung der feindlich Kreuzer auch eingefunden.
Zum Glück, war der Rauch der Kreuzer früher bemerkt. Auf den Torpedoboote haben die Alarm rechtzeitig erklärt. Die Torpedobootzerstörer sind dazugekommen, die Anker zu heben und haben begonnen fahre in die Tiefe des Golfes ab, wenn des Kreuzers das Feuer vom Leuchtturm auf unsere Haltestelle verlegt haben.
Nur hat «Sibiriskij Strelok» die Beschädigungen bekommen. Er bekam Kohle in diese Nacht in Kuiwast und gerade erst ist zu Zerel zurückgekehrt, um den Befehlshaber von der Division zu übernehmen, der sich auf dem "Pogranitchnik" zeitweilig befand.
Der Übergang des Befehlshabers fand nicht statt, da «Sibiriskij Strelok» zwei 15-cm geraten sind. Die Verluste im Kommando waren nicht. Nur hat die leichten Brandwunden etwas Mensch von seinen aufleuchtenden Patronen bekommen. Die Beschädigungen waren unbedeutend, aber den Torpedoboot mußte man für die Reparatur in das Hinterland schicken.

Diese Episode hat bei den russischen Seemann die Bezeichnung "Zerelinsch Erwachen" bekommen.

Ich hoffe mich, dass der Text klar ist. Ich werde später ausführlich über die Beschädigungen des Torpedoboot schreiben.

Schöne Grüße

Alex

Leutnant Werner

Super Alex, Danke für die Information!

Bemerkenswert, dass die Russen das Kaliber der Treffer zuordnen konnten, denn die Deutschen schossen mit 15 cm, 21 cm und 24 cm, und die Unterscheidung in der Aufschlagbeobachtung ist da nicht so einfach...

Ein Zerstörer mit Rammbug...hat man auch nicht so häufig

Gruß
Ekke

Alex Shenec

die Beschädigungen des Torpedoboot "Sibirskij Strelok"

Der erste 15-cm das Geschoß ist in den Überwasserteil Starbords geraten und die wesentlichen Zerstörungen hat nicht erzeugt. Aber die Scherben haben die Antrieb des mechanischen Telegrafes und des Ruder geschadet. Das Schiff machte die Kurve in diesen Moment, der zum Zusammenstoß mit den benachbarten Torpedoboote führte. Sein Kommandeur hat die Anwesenheit des Geistes gespeichert, hat befohlen, die Maschine anzuhalten und hat die Verwaltung auf die Heckbrücke übersetzt. Der Torpedoboot begann, sich von neuem zu bewegen und konnte von der Beschießung weggehen.

Das zweite Geschoß ist in 10,2-cm Heckgeschütz geraten und hat bei dem Abpraller über den gepanzerten Geschützeschild explodiert. Der Geschützenplatz war zerstört und wieder hat das Steuerrad in der Lage an Bord verkeilt. Auch sind 102-cm die Patronen, die für das Schießen vorbereitet sind, aufgeflammt. Und von neuem hat der Torpedoboot stehengeblieben. Der Mannschaft gelang es, den Brand zu löschen, und auch das Ruder zu reparieren.

Zitat von: Leutnant Werner am 12 April 2010, 11:37:38
Ein Zerstörer mit Rammbug...hat man auch nicht so häufig

"Sibirskij strelok" gehörte zu DOBROVOLETS-Klasse (Typ "Ochotnik" - "Ochotnik", "Pogranitchnik", "Sibirskij strelok" und "General Kondratenko" - 1905-1906). In der russischen Flotte gehörten diese Schiffe zur Zerstörer-Klasse. Das Entwurf deutscher Firma "Vulkan" (Stettin).

Schöne Grüße

Alex

kgvm

Ekke, die mußten sich nicht nach Aufschlagbeobachtung richten, die hatten ja von den beiden Treffern Sprengstücke an Bord, die wohl eine Rekonstruktion des Kalibers erlaubt haben.

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