Flucht Februar 1945 teil1

Begonnen von Kaffee, 05 April 2010, 16:09:31

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Kaffee

moin liebe forumsteilnehmer
ich möchte heute etwas darstellen, was mir meine mutter erzählte.
Sie ist als 7jähriges mädchen mit vater, mutter und schwester aus nordenburg über königsberg kommend nach meheren wochen flucht im januar 1945 in gotenhafen angekommen. an bord eines der dort liegenden schiffe zu gelangen ging nur, wenn man proviant dabei hatte und vorzeigen konnte. so organisierte der vater verschimmelte brotreste und durfte daraufhin mit seiner familie an bord. sie wurden mit einem boot zu den auf reede liegenden schifffen gebracht. an bord gelagte man  nur über eine "strickleiter", wobei anzumerken ist das meien mutter schilderte wie die "matrosen" den schwachen und verletzten (z.B. der mutter meiner mutter)über die hohe bordwand an bord halfen. sie kamen nicht mehr an bord der Gustloff, weil die voll war wie sie sagte. sie kamen an bord eines "grossen Frachters" der eigentlich zur front fahren sollte, jedoch wohl aufgrund der lage flüchtlinge nach westen transportieren sollte.
mich würde interessieren, ob man herausbekommen kann, welches schiff das war.
ich kann aus den erzählungen meiner mutter nur vage angaben zum schiff machen.
Das schiff war wohl relativ gross (eine leiter war notwendig um im laderraum über einen wellentunnel oder ähnliches zu gelangen. eine weitere leiter führte an deck)
es hatte trockene rübenschnitzel geladen. die ladung wurde wahrscheinlich nicht gelöscht, die flüchtlinge wurden buchstäblich auf der ladung transpotiert.
das schiff lief nach der gustloff aus, einen tag oder ein paar tage danach. ziel war eigentlich swinemünde, jedoch wurde dies geändert und lübeck/travemünde wurde angelaufen
das schiff wurde mehrfach angegriffen. meine mutter sprach von ständigen angriffen durch ein uboot, welches jedoch durch ein deutsches schiff bekämpft worden sei.   

Kaffee

#1
(ich scheine die maximale anzahl der zeichen erreicht zu haben, daher mehrere teile, sorry)
das oben beschriebene szenario erstreckte sich wohl über längere zeit. das ganze schiff habe von explosionslärm gedröhnt. nahc den erzählungen meiner mutter wurden die "fahrgäste" wohl über die angriffe und die verteidigung durch ein deutsches schiff informiert. jedoch gab es auch friedliche momente an bord. die kinder liefen neugierig auf dem schiff herum und meine mutter fragte (einen besatzungsnagehörigen) wohin die reise ginge. die antwort war: eigentlich swinemünde aber jetzt lübeck.
die flucht meiner mutter dauerte auf dem landwege noch länger. besonder der teil vor der schiffspassage aber auch dannach, und enthält viele erschütternde einzelheiten, die ich hier aber nicht erwähnen will.
ich bin gespannt, ob hier etwas zu dem erwähnten schiff, das zumindest von einem bewaffneten deutschen schiff begleitet sein musste, herauszubekommen ist. natürlich habe ich auch schon selber gesucht, jedoch kein befriedigendes ergebniss gefunden. meine mutter kann sich (sie ist gestern 73 geworden) nicht mehr an den namen des schiffes erinnern.

bin für jede antwort dankbar
thomas

Glasisch

Hallo Kaffee,
ich glaube, daß ein 7 - jähriges Kind, sich kaum sogar an das Datum erinnern kann, aber wenn man es ungefähr wüßte, dann wäre das schon ein kleiner Schritt vorwärts.
Schönen Gruß
Micha
,,Ruhe in den Telefonen. Denkt daran, daß auch in England auf jeden Mann eine Mutter wartet!" KzS Helmuth Brinkmann Kommandant der ,,Prinz Eugen"  in der Dänemarkstrasse am  24. Mai 1941, nachdem die ,,Hood" kurz davor explodiert worden war.

Kaffee

moin micha
stimmt. daher auch die wenigen details die ich kenne.
das schiff lief kurz nach der gustloff (ein bis zwei tage, somit anfang februar 1945) aus gotenhafen mit ziel swinemünde aus, kam aber in travemünde an.
gruss
thomas

mfbb330

Hallo Kaffee,

das ungefähre Auslaufdatum in Gotenhafen steht ja fest (Gustloff), die Fahrtzeit bis Travemünde max. 20-30 Std?
Nautiker vor!!

In eigener Sache habe ich das DRK in Kiel, bzw. München, wo die meisten Unterlagen archiviert sind, angeschrieben. Nichts, obwohl die Betreuung usw. in Travemünde/Lübeck von ihnen durchgeführt wurde.

Dann aber ... habe ich das Landesarchiv S-H in Schleswig angeschrieben und dort wurde ich fündig. Liegen jede Menge Passagierlisten (Registrierungsunterlagen) vor, unsere Familie ist jedenfalls dort aufgeführt.

Ich würde mich mit Namen und Datumseingrenzung an das Archiv wenden, sind sehr hilfsbereit und falls Du im Norden wohnst (nicht nur), kannst Du den Aktenvorgang dann auch dort einsehen.

Landesarchiv Schleswig-Holstein   Prinzenpalais   24837 Schleswig   Tel.04621-861800
e-mail: landesarchiv@la.landsh.de    internet: www.landesarchiv.schleswig-holstein.de

Viel Glück bei der Nachforschung
 

Urs Heßling

moin

Zitat von: mfbb330 am 05 April 2010, 21:22:54
das ungefähre Auslaufdatum in Gotenhafen steht ja fest (Gustloff), die Fahrtzeit bis Travemünde max. 20-30 Std? Nautiker vor!! 

Nicht nur Nautiker ! Die Fahrtzeit(en) wurde(n) immer wieder durch Warten auf das Freigeben der Minenzwangswege verlängert.

Die bösen Engländer schmissen ja fast jede Nacht neue Minen "nach".

Die Veröffentlichungen zu der nicht mit Ehren und Orden belohnten, aber lange erfolgreichen Arbeit der Minensucher sind immer noch Mangelware im Vergleich zu denen über die deutschen U-Boote.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Kaffee

moin
vielen dank für eure antworten und hinweise.
ob bei der einschiffung in gotenhafen registrierungen stattfanden weiss ich nicht, ist aber durchaus denkbar (ohne formulare lief und läuft ja in D garnichts)
da bei der fraglichen überfahrt kampfhandlungen stattfanden, will ich nochmal schauen ( auch im zu diesem forum gehörenden marinearchiv), ob es hierüber etwas zu erfahren gibt.
thomas

mfbb330

Hallo Kaffee,

habe ich mich mißverständlich ausgedrückt? Ich meinte nicht die Registrierung in Gotenhafen, sonder die in Travemünde/Lübeck, von diesen liegen Akten im Landesarchiv vor.

Viel Spaß und Erfolg beim nachforschen

Dieter

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