Selbstmorde bei der Kriegsmarine

Begonnen von Karsten, 08 Juni 2010, 07:42:23

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Basti552

Hallo zusammen,

Selbstmorde bei der U-Flotille war aber nur dann erforderlich wenn der Feind das Boot kapern wollte. Dann sind meistens
einige Leute der Besatzung im Boot geblieben und haben das dann gefluttet, dies lief nur meistens nicht glatt über
die Bühne.
Wer auf See siegreich sein will, muss stets Angreiffen

Trimmer

Basti - nicht nur bei der Selbstversenkung. Soweit ich gelesen habe haben auch U-Bootfahrer vor dem Ertrinken bei Versenkung sich lieber selbst getötet.

Trimmer - Achim
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Urs Heßling

hallo, kgvm

Zitat von: kgvm am 29 Juli 2010, 22:22:14
Was soll das bringen, Urs? Mal ganz abgesehen davon, daß bei den "Ureinwohnern" eventuell ein Gewöhnungseffekt an die Bedingungen eingetreten ist, sind die Umstände währned eines Krieges mit - wenn überhaupt - nur wenig Urlaub, wahrscheinlich höherer Dienstbelastung, schlechterer Verpflegung, eventuell ständiger Gefahr, möglicherweise Sorge um die Angehörigen zu Hause etc. doch mit Sicherheit wesentlich belastender.
Wenn also die Selbstmordrate bei den deutschen Soldaten dort höher war als bei den Skandinaviern, wäre das nur zu verständlich. Und wenn - was ich aber kaum annehme - das nicht der Fall sein sollte, was wäre dann bewiesen? Der deutsche Soldat ist der härteste??

Da ich jetzt auch Hannoveraner geworden bin, schlage ich das als ein Diskussionsthema bei einem möglichen ersten Treffen am Maschsee vor.  :wink:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Peter K.

Selbstmorde und ernstgemeinte Selbstmordversuche in der Kriegsmarine:




Selbstmorde1933193419351936193719381939 (bis 31.08.)1. Kriegsjahr2. Kriegsjahr
386142213846151




Selbstmordversuche1933193419351936193719381939 (bis 31.08.)1. Kriegsjahr2. Kriegsjahr
367151518133589

Die Gründe für die 151 Selbstmorde im 2. Kriegsjahr waren:
48 x Furcht vor Strafe
36 x Erkrankung
13 x Liebeskummer
7 x zerrüttete Familienverhältnisse
2 x Trunkenheit
2 x Gewissenskonflikte
1 x Nichterteilung der Heiratserlaubis
1 x übersteigerter Ergeiz
1 x Abkommandierung wegen nicht genügender Leistung
40 x ungeklärt, davon noch 29 Fälle in Klärung begriffen

Quelle: II. Kriegsbericht des Sanitätsdientes der Kriegsmarine, abgeschlossen am 31.08.1941
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Jagdkommando

Hallo leute,

Ein sehr interessantes Lesen, vor allem die genannten Statistiken. Hier in Norwegen stimmt es ja mit ein höhere Selbstmordrate in die nord-Norwegen als in die süd-Norwegens.
Bei dem Thema Selbstmorde in die Kriegsmarine. Ich bin im besitz von einen sehr traurige Selbstmordsache, die auch ein Fotoserie von 2 toten enthält.

Masch.Ob.gefr. Wriedt, Heinz, geb. 08.07.1916 in Rastenburg, gehörte zu die Werkstattschiff "Huascaran". Fpnr. M17400, Drontheim.
Weil auf besuch bei seinem norw. freundin, hat einen streit eingetroffen. Nachdem seine freundin eingeschlafen war, hat er mit einen Marine-Luger in seine Kopf geschossen, und dann sofort selbstmord durch kopfshuss gemacht.

Die Tragödie geschah am 19.sept. 1941 in Drontheim. Stille Beisetzung steht es, über die junge 25 Jahre alte Heinz Wriedt.

Die schreckliche Fotos kann ich natürlich nicht "posten".  :SO/(


Beste Grüsse,

Flemming


mfbb330

Zu Grablagen der Selbstmörder:

Auf Anordnung/Weisung AH wurde Selbstmord als Fahnenflucht gewertet. Die Grablage durfte nicht auf dem "Heldenfriedhöfen" vorgenommen werden, sondern mußte auf den örtlichen Friedhöfen stattfinden.
Wurden hier ebenfalls deutsche Gefallene beeerdigt, so waren die Selbstmörder "abseits" zu beerdigen. Die Gräber sollten jedoch auch eine "einfache?" Pflege erhalten.
Quelle: M.V.Bl. (Jahr 1941/42?)

Gruß
Dieter 

Jagdkommando

Hallo Dieter,

Vielen Dank!


Beste Grüsse,

Flemming

Baunummer 509

Zitat von: Trimmer am 30 Juli 2010, 12:38:14
Basti - nicht nur bei der Selbstversenkung. Soweit ich gelesen habe haben auch U-Bootfahrer vor dem Ertrinken bei Versenkung sich lieber selbst getötet.

Trimmer - Achim

Hallo Achim,

Interessensfrage: Weißt du vielleicht noch wo Du so etwas gelesen hast? Ich habe schon einiges an UBootsliteratur verschlungen, kann mich aber an solche Fälle nicht erinnern.

vielen Dank im Voraus

Gruß


Sebastian

Trimmer

Sebastian- da bin ich im Moment überfordert. Lt. dem damaligen Bericht konnten einige U-Bootfahrer mit dem Tauchretter noch das Boot verlassen. Vorher haben sie erlebt wie sich schwerverletzte Kameraden ... Null Chance. Glaubhaft war es.

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Darius

Zitat von: JotDora am 23 März 2011, 13:32:56
Hallo Achim,
Interessensfrage: Weißt du vielleicht noch wo Du so etwas gelesen hast? Ich habe schon einiges an UBootsliteratur verschlungen, kann mich aber an solche Fälle nicht erinnern.
vielen Dank im Voraus
Gruß
Sebastian

Hallo zusammen,

ich habe hier für den 1. WK den Hinweis, dass bei der Versenkung des ö.-ü. U-Bootes U 20 am 04.07.1918 es zum Selbstmord kam:
Zitat
...
Der zweite Teil dieses U-Boot-Dramas spielte sich unter Wasser ab. Wie sich nach Hebung und Öffnung von U 20 im Oktober 1962 herausstellte, hatte es an Bord Überlebende gegeben. Im Torpedoraum fand man ein Skelett, das ein Einschußloch im Schädel aufwies. Darunter am Bootsboden lag eine Pistole.
...
Bendert:  U-Boote im Duell, S. 49f

:MG:

Darius

kgvm

Ob man eine Selbsttötung in aussichtsloser Lage - d.h. letztlich nur eine Abkürzung des Sterbevorgangs - wirklich als Selbstmord bezeichnen kann  :?

Urs Heßling

moin,

Zitat von: kgvm am 23 März 2011, 20:27:56
Ob man eine Selbsttötung in aussichtsloser Lage - d.h. letztlich nur eine Abkürzung des Sterbevorgangs - wirklich als Selbstmord bezeichnen kann

rein juristisch: vermutlich ja , darüber (oder ver-)urteilen: nein

Durch Suche zu einem anderen Thema stieß ich noch einmal auf die Fälle der U-Boot-Kommandanten Henke http://www.uboat.net/men/henke.htm und Steinhoff http://www.uboat.net/men/steinhoff.htm , die beide in US-Kriegsgefangenschaft vorfielen.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Arche

Hallo!

Im Buch "Blaue Jungs! Grüne Jungs!" heisst es auf der Seite 72 "  .... Da er nicht laufen konnte, war er gefangen, als sich das Chlorgas ausbreitete. Als er Höltring sah, der mit der Pistole in der Hand in den Bugraum lief, schrie der junge Mann Höltring zu, ihn zu erschiessen. Gemäß der Aussagen von Überlebenden, erschoß Höltring den Jungen und schoss sich selbst eine Kugel in den Kopf."

Heinz-Jürgen

mfbb330

Die Anzahl der Selbstmorde in der KM war so groß, daß sie sogar am 11.06.42  bei der Chefbesprechung Skl. Eingang fanden (r.III, letzter Satz).

Quelle: Werner Rahn ... Kriegstagebuch der Seekriegsleitung, Bd.34

Dieter

:roll:  hätte ich nur den ersten Beitrag gelesen!

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