Gehören Soldaten zu den Opfern eines Krieges?

Begonnen von rosenow, 27 Mai 2011, 17:10:25

Vorheriges Thema - Nächstes Thema

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

rosenow

 :? Hallo alle zusammen, hier noch etwas zum nachdenken.

Aus welcher Sicht sollte man die obige Frage betrachten, wie beantworten?
:MG:
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

RePe

@ Rosenow:

Gute Frage und es gibt sicher Antworten aus vielerlei Sicht.

Ich möchte hier mal den rechtlichen Aspekt einbringen: Ja, der Soldat ist "Opfer" in dem Sinne,
als von ihm verlangt wird, dass er sein Leben einsetzt, mit dem hohen Risiko, es zu verlieren.

Ein Vergleich zur Verdeutlichung: Auch der Einsatz eines Polizisten kann bekanntlich riskant
sein, doch besteht für ihn keine rechtliche Verpflichtung, sein Leben einzusetzen, im Zweifel
geht die Eigensicherung vor.

Ich habe da noch ein Beispiel für "Aufopferung" für die Gemeinschaft:
Als noch die Pocken-Impfpflicht bestand, wusste die Staatsgewalt sehr wohl, dass es immer
wieder auch tödliche Komplikationen gab, um des höheren Zieles des Schutzes der Gemeinschaft
willen, wurde dies hingenommen und man war trotzdem zur Impfung verpflichtet.

Ich weiß, der Vergleich zum Soldaten hinkt, es soll auch nur der Versuch einer Antwort aus
einer bestimmten Sicht sein.

     Gruß

          RePe

Mario

Ich denke mal, ein Soldat ist immer ein Opfer eines Krieges, denn in aller Regel wird er zum Soldatsein gezwungen sein. Entweder direkt durch staatlich restriktive Maßnahmen, oder zumindest durch moralischen, oder z.B. monitären Druck. unsere Jungs in Afganistan gehen zwar freiwillig dorthin, aber sicher nicht in der Absicht, in einer Kiste zurückzukehren.

Corvus

Soldaten fangen die Kriege nicht an, das machen die Politiker, also sind die Soldaten (beider Seiten) die Opfer.

ufo

Hmmm...

also so ein einfaches, pauschales 'ja' finde ich zu einfach!

Ich denke Staatspflichtdienst ist ein Stueck Kulturgut und ich finde es eher bedauerlich wie leichtfertig die Nationen Europas da nach und nach von abgerueckt sind. Aber ich habe mich damals halt sehr bewust dafuer entschieden meinen Teil zu meinem Zuhause in einem Rettungswagen abzuleisten. Das erschien mir damals moralisch sauberer. Meiner Generation - einem Kinder der Achziger - war damals schon klar dass 'der Russe' Besseres zu tun hat als 'zu kommen'.

Und so hab ich auch bei manchem Ostermarsch ueber das alte Plakat geschmunzelt 'Stell Dir vor es ist Krieg und keiner geht hin'.

Politiker, die Krieg machen wollen brauchen Grossadmiraele, die einfach nur die Hacken zusammenknallen und egal fuer wenn oder was losziehen. Politiker, die Krieg machen wollen, brauchen Luftmarschalle, die Bomber um Bomber auf Zivilisten loslassen. Fuer Krieg braucht man ganz wenige Politiker aber viele, viele Soldaten in verantwortlichen Positionen.

Und doch wuerde ich in letzter Instanz sagen Soldaten sind (auch) Opfer. Der Grossadmiral, der so leichtfertig Zweifler am Endsieg an Baeume haengen liess ist auch irgenwo Opfer in seinem Gespinst aus Befehl und Gehorsam, seinen Idealen; den verlogenen und den guten. Und der kleine Maschinist irgendwo im Heckkompartment eines U-Bootes auf seiner letzten bodenlosen Tauchfahrt ist einfach nur Opfer.

Doch - Opfer sind sie schon irgendwie alle. Aber es ist schon bedenkenswert, dass man ohne all diese Opfer gar keinen Krieg machen koennte.

Wie ueblich um einfache Antworten verlegen ... :roll:
Ufo     

redfort

Glaube dies passt ungefähr dazu:

Zitat aus der Zeit.de:
"Wir Soldaten werden von der Politik losgeschickt, um die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen", sagt ein Veteran auf der Tagung. "Doch wenn wir wiederkommen und berichten, die Kartoffeln sind gerettet, aber die Hand ist verbrannt, dann werden wir entlassen und müssen selber sehen, wie wir zurechtkommen."
Gruß, Axel

Luftwaffe zur See

Chrischnix

Zitat von: redfort am 28 Mai 2011, 00:46:33
Glaube dies passt ungefähr dazu:

Zitat aus der Zeit.de:
"Wir Soldaten werden von der Politik losgeschickt, um die Kartoffeln aus dem Feuer zu holen", sagt ein Veteran auf der Tagung. "Doch wenn wir wiederkommen und berichten, die Kartoffeln sind gerettet, aber die Hand ist verbrannt, dann werden wir entlassen und müssen selber sehen, wie wir zurechtkommen."

Das gilt immer noch, egal für welches Staatssystem, egal in welcher Zeit :roll:
Schöne Grüße
Christian

Alles ist gut,
nur nicht überall,
nicht immer,
nicht für alle !

Urs Heßling

moin,

Zitat von: ufo am 28 Mai 2011, 00:16:07
Wie ueblich um einfache Antworten verlegen

völlig ausreichend  top :MG:

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

rosenow

Vielen Dank für eure Meinungen!
UFO, nicht ,, Wie ueblich um einfache Antworten verlegen ...  ", sondern zurecht aufgeschlüsselt,
heut zu Tage wächst Anzahl Probleme/Meinungen mit Anzahl Menschen/Glaubensrichtungen proportional und
bedarf statt Schlagzeilen und Parolen, eben
,,also so ein einfaches, pauschales 'ja' finde ich zu einfach"
:TU:)
Danke nochmal an Alle die hier
den Mut
zum Schreiben fanden!
mit freundlichen Gruß
Michael


,,Macht`s gut und denkt daran!
Es gibt drei Sorten von Menschen:
Die Lebenden.
Die Toten.
Und die, die zur See fahren."
Hein Schonder

Impressum & Datenschutzerklärung