Torpedoschutznetze

Begonnen von Hastei, 13 September 2012, 14:44:04

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Hastei

hallo,
bekanntlich hatte  alle ( ? ) Dickschiffe ,auch der ausländischen Flotten, bis Mitte des Krieges Torpedoschutznetze. Das war eine elende Arbeit, die Dinger aus und wieder einzubringen .
Wie lange dauerte es eigentlich, bis die Netze ausgebracht warden und wie lange, sie wieder einzuholen. Haben die sich jemals bewährt ?

das fragt sich der Hastei

wenn man sich da untere Bild anschaut . -- oha.  Keine Sicherheitsleine und keine Schwimmweste.
Heute undenkbar.

Rheinmetall

Moin Hastei !

Bewährt haben sich die Torpedonetze auf jeden Fall.
In einem meiner zahlreichen Bücher (den genauen Titel kann ich jetzt leider nicht nennen) äußerte ein U-Boot Kommandant des Zweiten Weltkrieges, dass er fast wahnsinnig wurde, als er (auf große Entfernung) mehrer Aale auf ein vor Anker liegendes Schiff abfeuerte und keinerlei Trefferwirkungen sichtbar wurden.
Erst als er näher heran ging bemerkte er, dass das Schiff über Torpedoschutznetze verfügte.

So far so way....

Rheinmetall

Ab Kapstadt ohne Kreiselkompass - Jürgen Oesten, U 861

Trimmer

Harald - zumindest das Ausbringen der Netze könnte ich mir relativ schnell vorstellen. Wurde ja wohl im Prinzip "nur" ausgeschwenkt und waren da bestimmt auch zum Teil trocken. Die Aufnahme dauerte dann bestimmt viel länger denn ich sehe da auch keine Rollvorrichtung ala Markise.Weiter denke ich das an jedem Schwenkarm ein Mann stand und dann auch nochmal in den Zwischenräumen. Also meine Vermutung - mindestens 30 Minuten wenn nicht noch Eis dazu kommt

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

Woelfchen

Im Hafen waren die zweifellos nützlich.
Unterwegs für das eigene Schiff gefährlich. Spätestens wenn sich nach (Gefechts)schäden das Netz um eine Schraube wickelt. Deshalb wurden die dann auch abgeschafft.

Grüße
Johannes

Hastei

. Auf Reede oder an der Anker- Tonne meinst Du bestimmt.

Großer Kreuzer

Hallo Woelfchen,

das ist auch mein Wissensstand. Es muss in der Schlacht vor dem Skagerrak oder auf dem Rückmarsch passiert sein, denn danach wurden die Netze von Bord gegeben. Es gibt dazu auch Fotos von den stark mitgenommenen DERFFLINGER und SEYDLTZ, wo die zerschossenen Netze wie von Motten zerfressene Gardinen an den Bordwänden weit herunterhängen.
Bis vor 1 - 2 Jahren waren die Originalnetze noch in Hamburg reichlich vorhanden. Wo ?
Sie dienten als quasi Maschendraht dem HSV (Du hast richtig gelesen !) auf seinem alten Spielplatz am Rothenbaum als feste Absperrungen hinter den Tribünen oder zwischen den Kassenhäuschen.

Die Netze standen übrigens "doppelwandig" im Wasser und sollen bei den großen Schiffen max. 2.500 t gewogen haben.
Falls Dich das Thema ganz besonders interessiert: im Bundesarchiv in Freiburg gibt es von einigen Schiffen ganze Pläne über "Torpedo(schutz)netzeinrichtungen" wo man auch sehr gut sehen kann, wie die Netze ein- und ausgebracht wurden.
Auf einigen Decksfotos von Schiffen kann man auch die aufgestellten Netzkräne und die Drahtseile liegen sehen. Für mich ein Indiz, dass das betreffende Schiff wohl auf Reede gehen und möglichst schnell das Netz ausgebracht werden sollte.
Es gibt neben den von Hastei eingestellten Fotos noch eine ganze Reihe anderer Fotos von Schiffen mit ausgebrachten Netzen; auch vor 1900, wobei diese Netze sehr abenteuerlich aussehen und deren Handhabung bestimmt sehr zeitaufwändig war.
Noch etwas: Der Ringdurchmesser, der übrigens geflochtenen Ringe, war nach meinen Unterlagen ca. 15 cm.

Gruß
vom

Großen Kreuzer

juergenwaldmann

Hallo im Forum ,
das Gewicht betrug m.W. nur  600  -  800 t insgesamt , sonst hätte sich das Netz nicht
von den Matrosen hantieren lassen !
Gruss   Jürgen

Großer Kreuzer

Hallo Jürgen,

folgende beispielhafte Überlegung:

SMS BLÜCHER hatte auf 110 m ein 9 langes Doppelnetz = 990 qm x 2 (Doppel) = 1.980 qm x Steuerbord und Backbord = 3.960 qm plus 4 x 90 qm Übergangsnetz an den Anfängen und jeweiligen Enden = 4.320 qm Netz.
Vorausgesetzt, Dein Kenntnisstand von max. 800 to wäre richtig, hätten wir bei 80.000 kg Netzgewicht : 4.320 qm hätten wir ein qm-Gewicht vom 18,5 kg.
Könnte stimmen; wobei meine Info dummes Zeug wäre, weil, viel zu hoch. Bei mir kämen 57,80 kg auf den qm.  :roll:

Etwas anderes allergings glaube ich auf keinen Fall: dass die Besatzung selbst die Netze ausgelegt und gerefft hat. Fotos und auch ein mir vorliegender Plan der König-Klasse zeigen, dass das Netzausleigen und -einholen sowie das Spannen über die kleinen Netzkränchen und die Spills mit dicken Hauptseilen und eingespleißten Stahlseilen erfolgte. Dabei wurde zunächst das Netz mithilfe der kleinen Netzkränchen abgelassen und das Spannen des Netzes erfolgte über die zunächst beigeklappten Spieren mithilfe der Spills.
So einen Plan ("Torpedonetzeinrichtung") zu lesen und nachzuverfolgen ist schon eine interessante Sache.
Vielen Dank Jürgen für das Mosaiksteinchen.  top
Gruß in den Süden

Großer Kreuzer  :MG:

Torpedotaucher

Hallo,

in Ergänzung des angeschnittenen Thema zwei Abbildungen.
Postkarte (Bild 1) hinten an der Wand erkennbar, ein Typ eines frühen Torpedoschutznetz
Postkarte (Bild 2) ausgebrachtes Netz an einem Kriegsschiff
Anmerkung:
* Das Torpedoschutznetz bei der kaiserlichen Marine mit 15cm Ringdurchmesser bestand aus einem Ringgeflecht unter Verwendung von Einzelmassivdraht. Zum Ring verarbeitete verseilte Drähte kamen bei größeren Maschen zum Einsatz.
* Nach der Skagerakschlacht entfernte man die Netze auch aus dem Grund, da bei Artillerietreffern darauf zusätzliche Spitterwirkung eintrat.
* Netze hat man nach dem Kriegsende auch bei Bunkersprengungen eingesetzt. Eine Sicherung gegen Trümmerstücke durch die Explosion.

Buchempfehlungen mit Bildmaterial: Kaiserliche Marine GEHEIM 1871-1918 (R.Lakowski; Brandenburgisches Verlagshaus)
                                                         Bunkerwelten. Luftschutzanlagen in Norddeutschland (M. Foedrowitz; Edition Dörfler)

Gruß TT

Großer Kreuzer

Hallo Torpedotaucher,

bei meinen Recherchen habe ich vor ein paar Tagen die Kopie einer Zeichnung gefunden, die ein Marineoffizier der KaisMar im Jahre 1909 in London gefertigt hat. Offensichtlich hat er einiges zusammengetragen, was zu dem Zeitpunkt wohl der Stand der Dinge war.
Mit meinen Erkenntnissen geht einiges nicht konform; so z.B., wusste ich nicht, dass es in der KaisMar wohl mal ein T'netz gab, das rechteckige Maschen hatte. Alle mir vorliegenden Fotos - und das sind etliche - zeigen ein solches Netz nicht. Zu den anderen Netzen kann ich nichts sagen, weil sie nicht zu meinem Interessensbereich gehören....- außer, dass das "neue englische Netz" (am unteren Rand der Zeichnung) verdammt ähnlich den uns bekannten Netzen der KaisMar aussieht. Nun ist es möglich, dass dieses "neue englische Netz" im Reichsmarineamt in Berlin reges Interesse gefunden hat, so dass man - wie so einiges aus der engl. Maine - in der KaisMar es nachgebaut hat.
Auch ist der Maschendurchmesser von 6 cm interessant.
Ich habe von vielen Schiffen der KaisMar Fotos, auf denen T'netze zu sehen sind. Glücklicherweise auch einige, bei denen Menschen direkt auf dem Netz stehen. Ich will mal versuchen z.B. an einem Querschnitt z.B. des Kopfes, die Relation zu einer Netzmasche hinzubekommen.
So erweist sich möglicherweise meine bisherige Kenntnis von einem Maschendurchmesser von 15 cm als dummes Zeug und die früher auf dem HSV-Platz Hamburg-Rotherbaum angebrachten Maschendrahtzäune stammen eben nicht von der KaisMar.

Wenn das ein Außenstehender liest, wird er mich für bekloppt halten, dass ich mich damit beschäftige. Ein mildes Lächeln täte mir gut oder besser.

Gruß

Großer Kreuzer

t-geronimo

Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Albin

Zum Thema Torpedoschutznetze gibt es in Die Brandenburg-Klasse von Nottelmann Seite 145-146, interessante Infos.
So werden die verzinkten stählernen Ringe als Grummets bezeichnet. Als Verbindung zwischen Grummets gab es die Einfache (Vier auf jeder Seite) und die Diagonale (Sechs auf jeder Seite).

Die deutschen Torpedoschutznetze C/93 werden wie folgt spezifiziert:



Zone   Tiefe   Drahtstärke   min. Zugfestigkeit des Drahtes
         
1   2 Meter   13 mm   280 kg
2   2 Meter   12 mm   240 kg
3   1 Meter   11 mm   220 kg
4   1 Meter   10 mm   185 kg

innerer Durchmesser der Grummets 80 mm, die Verbindungsringe innerer Durchmesser 14 mm, Drahtstärke 6 mm
Größe des Netzsegments 20 mal 6 Meter, Gewicht 7,9 kg/m² plus Befestigungsschäkel am Oberliek zwischen den Spieren, Gewicht für ein Segment 948 kg

Großer Kreuzer

Hallo Albin,

Torpedonetze C/93 = Ausführung wie 1893 oder ?

Kardinalfrage für mich/uns/Euch: Ausführung bis 01.06.1916 (Abgabe nach der Schlacht vor dem Skagerrak) unverändert ?

Gruß und Dank für die Recherche

Großer Kreuzer

P.S. Info richtig, dass die Netze in Oberschlesien hergestellt wurden ?

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