Frage betreffend Einrichtung Zentrale U995

Begonnen von Soni2, 06 August 2013, 10:37:49

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Soni2

Heyho,

in der Zentrale von U995 ist mir schon mehrmals eine Art "Behälter" aufgefallen, dessen Funktion mir völlig unklar ist. Leider habe ich keine Fotos davon, da meine Batterien bereits im Dieselraum schlapp gemacht haben  :cry:

Der "Behälter" ist ziemlich massig mit breitem Durchmesser und befindet sich mitten in der Zentrale, zwischen Tiefensteuerstand und Lenz/Trimmecke, direkt neben der Leiter zum Turmluk. Daran befestigt ist eine Druckölflasche (vermutlich zum Ausfahren des Sehrohrs). Mir sind auch einige Sichtfenster aufgefallen, durch die sich allerdings kaum etwas anderes als Schwärze erkennen läßt.

Weiß jemand, welche Funktion dieser "Behälter" erfüllt?

t-geronimo

Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

Forum MarineArchiv / Historisches MarineArchiv

Soni2

Jawohl!

http://www.u-995.com/images/galerie/zentrale/zentrale01.jpg
Hier ist der "Behälter" rechts im Bild zu sehen, wie er die Steuerbordseite der Zentrale von den Flurplatten bis zur Druckkörperdecke bis auf einen schmalen Durchgang ausfüllt. Daran angebracht sind jede Menge Rohrleitungen und Ventile.

t-geronimo

Damit ist meine Hilfsmöglichkeit leider erschöpft.  :/DK:
Gruß, Thorsten

"There is every possibility that things are going to change completely."
(Captain Tennant, HMS Repulse, 09.12.1941)

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Baunummer 509

Hallo,

Du meinst den zylindrischen "Behälter"?
Das ist meiner Meinung nach der Schacht des Angriffssehrohrs.

Soni2

Genau diesen massigen Zylinder meine ich.

Ich kann mir schlecht vorstellen, dass dieser Zylinder zur Sehrohranlage gehört. Er erscheint er mir dafür viel zu klobig. Und in der Filmröhre in München fehlt der "Behälter" ebenfalls*.

Wenn ich einfach mal ins Blaue hinein raten müßte, würde ich höchstens auf einen Bestandteil der Schnorchelanlage tippen ... oder auf einen Nachkriegseinbau, der nicht beseitigt worden ist**.

- -
* Bitte verzeiht, wenn ich den Film "Das Boot" zur Untermauerung meiner Vermutung heranziehe. Ich meine mich aber an eine Aussage aus demn Making-of (?) zu erinnern, dass der Innenraum des Filmbootes "authentisch" nachgebaut wurde. Demnach müßte man das Filmboot bei Einrichtungsfragen eigentlich als Vergleich heranziehen können.

** Wenn ich mich nicht täusche, so wurde U995 nicht vollständig sondern "nur" weitgehend auf den Originalzustand zurückgebaut.

suhren564

Zitat von: JotDora am 06 August 2013, 11:09:57
Hallo,

Du meinst den zylindrischen "Behälter"?
Das ist meiner Meinung nach der Schacht des Angriffssehrohrs.

Dies sehe ich auch so, denn das Luftzielsehrohr wurde aus der Zentrale bedient, während das Angriffssehrohr vom Turm aus benutzt wurde. Im eingefahrenen Zustand "verschwand" das A.-Sehrohr in diesem abgebildeten Sehrohrschacht.
Es hat weder mit dem Schnorchel noch mit nachträglichen Einbau zu tun!
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

RonnyM

Könnte es sein, dass der Behälter nachträglich von den Norwegern eingebaut wurde :?

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

suhren564

Zitat von: RonnyM am 06 August 2013, 12:17:15
Könnte es sein, dass der Behälter nachträglich von den Norwegern eingebaut wurde :?

Grüße Ronny

Ich denke eher nein.

http://commons.wikimedia.org/wiki/File:SRH009-p58.jpg

da sieht man im Querschnitt von Sektion B den Sehrohrschacht. Dieser war also schon immer drin.

@Soni2: Im Filmmodell hätte dieser Schacht nur gestört, deshalb wurde er bestimmt nicht eingbaut.
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Soni2

Hmmm, das mit dem Sehrohrschacht klingt logisch, auch von der Position her (das Sehrohr im Turm lag doch hinter dem Zentralesehrohr, oder verwechsel ich die beiden jetzt) ... andererseits ist dieser Schacht aber tatsächlich ziemlich dick. Wäre ein Sehrohrschacht nicht wesentlich dünner? Ich kann mich nicht erinnern, dass auf den 206ern die Schächte für die Ausfahrgeräte derartige Dimensionen hatten ...  :? Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?

suhren564

Zitat von: Soni2 am 06 August 2013, 12:39:53
Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?

Warum? Dieser Sehrohrschacht ist ja für das Angriffssehrohr, das vom Turm aus bedient wurde,

Warum so groß? Weil ja die gesamte Hebetechnik und das Bedienteil am dort drinnen Platz finden mußte. So denke ich es mir zumindest!
Gruß Ulf

Nie darf man so tief sinken, von dem Kakao, durch den man euch zieht, auch noch zu trinken.... 
Erich Kästner

Soni2

Zitat von: suhren564 am 06 August 2013, 13:31:24
Zitat von: Soni2 am 06 August 2013, 12:39:53
Und müßte dann nicht ein Schacht mit ähnlichen Dimensionen auch im Turm untergebracht sein?

Warum? Dieser Sehrohrschacht ist ja für das Angriffssehrohr, das vom Turm aus bedient wurde.

Was ich eigentlich meinte (aber nicht geschrieben habe) war ein entsprechend dimensionierter Schacht für das Zentralesehrohr (welches ja durch den Turm geführt werden muss und ebenfalls entsprechende Hebetechnik benötigt).

Die Aussagen hier im Forum betreffend eines Schachtes für Ausfahrgeräte klingen durchaus logisch und nachvollziehbar. Ohne irgendjemandes Kompetenz in solchen Fragen in Zweifel ziehen zu wollen, stimmen mich aber die "ausufernden" Dimensionen ziemlich skeptisch. Dieser Schacht beansprucht schließlich fast die gesamte verfügbare Breite der Zentrale. Der Zugang zur Schalttafel an Steuerbord (zwischen Anblaseverteiler und Lenz/Trimmecke) ist fast ganz verbaut. Um an diese Schalttafel heran zu kommen, muss man schon den Bauch einziehen. Auf Backbordseite bleibt ebenfalls nur soviel Platz, dass ein Mann da gerade vorbeigehen kann.

Kann es nicht doch sein, dass dieser Schacht von den Norwegern nachträglich abgeändert worden ist? Ohne die Details zu kennen (!) werden die Norweger das Boot doch sicher stark umgebaut haben. Ich denke da besonders an einen Schnorchel als echtes Ausfahrgerät (und nicht als simplen Mast auf dem Oberdeck). Vielleicht nahm der angesprochene Schacht dann sowohl Turmsehrohr als auch Schnorchel etc. auf?

Baunummer 509

Hallo Thomas,

Deine Frage ist nicht ganz unberechtigt. Warum musste der Schacht mit solch einem Durchmesser dimensioniert werden? Platz an Bord und besonders in der Zentrale war ja durchaus Mangelware. Der Schacht wäre sicherlich mit einem geringeren Durchmesser konstruiert worden wenn es möglich gewesen wäre. Auf ein paar schnell ergoogelten Schnitten durch die Zentrale scheint der Schacht auch einen geringeren Durchmesser zu haben.
An nachträgliche Änderungen durch die Norweger glaube in in diesem Fall nicht.

Das Lufzielsehrohr war das vordere und von der Zentrale aus zu bedienen. Das Angriffssehrohr, um dessen Schacht es hier höchstwahrscheinlich geht, wurde wie Du schon schriebst vom Turm aus bedient. Der Schacht reichte übrigens imho nach unten bis (fast?) an den Druckkörper heran.
Hast Du nicht passende Lektüre zur Hand (falls nein wäre das jetzt eine passende Gelegenheit das zu ändern  :-)) ? Mit ein klein wenig Nachschlagen sollte das Thema doch erschöpfend zu beantworten sein.

Soni2

Zitat von: JotDora am 06 August 2013, 14:05:40
Hast Du nicht passende Lektüre zur Hand (falls nein wäre das jetzt eine passende Gelegenheit das zu ändern? Mit ein klein wenig Nachschlagen sollte das Thema doch erschöpfend zu beantworten sein.

Ein wenig Lektüre zum Nachschlagen habe ich schon (u.a Vom Original zum Modell: Typ VIIC, Geschichte d. dt. Ubootbaus), aber ich fürchte, dass meine Frage in diesem Fall doch ein wenig arg speziell ist. Dazu kommt, dass auf den Plänen manches Detail kaum erkennbar ist. Die großen Planrollen habe ich mir aus Kostengründen nicht zugelegt. Auf meinen vorliegenden Plänen sehen die Sehrohrschächte jedenfalls deutlich dünner aus.  :-(

Schorsch

#14
Hallo zusammen!

Um das Ganze mit noch ein paar Zahlen zu würzen: im Eisenplan des Typ VII C wird der Durchmesser des Sehrohrschachtes im Bereich der Zentrale mit 980 mm angegeben. (Vgl z.B. Anlage Tafel III bei Rössler: "Geschichte des deutschen Ubootbaus, Bd.1"!)

In E. Wenzels Buch "U 995 - Das U-Boot vor dem Marinerehrenmal in Laboe" sind Fotos von U 995 als Kaura in norwegischen Diensten zu finden, die im Oberdeck die Ausnehmung für den Klappschnorchel und am Turm die Gabellagerung weiter erkennen lassen. Deutet für mich nicht auf einen tiefgreifenden Umbau hin.

Gäb's eine Umfrage, würde ich mein Kreuzchen bei Sehrohrschacht setzen. :-D

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

Nachklapp: Wenn ich mir in den Beilagen des schon genannten Rössler-Buches und dort inbesondere bei Tafel V einige Beschreibungen (Sentral, Sjef, gulv usw.) anschaue, sieht mir das sehr nach Bokmål aus. Der Plan könnte also auf Grundlage von Unterlagen, die nach Übernahme der drei VII C-Boote durch Norwegen erstellt wurden, entstanden sein. Aber auch auf diesem Plan ist ein Klappschnorchel zu erkennen.
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

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