Captain Peter Dickens' Einschätzung der deutschen Schnellboote: mäßig.

Begonnen von Richard Aigner, 28 September 2013, 20:17:06

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Richard Aigner

Dickens, Kommandeur der 21 MTB Flotilla 1942-43, beschreibt auf Seite 43f seines Buches "Night Action" seinen Eindruck über Taktik und Einsatbereitschaft der Schnellboote im Jahr 1940: "Nevertheless our lack of success (angreifende Schnellboote zu versenken) was not only caused by the inadequacy of British gunnery but also by the E-Boats not coming close enough;  I really could not bring myself to be very impressed with their performance even at that time, but later, when I was in their shoes I was astonished that they had not pulled off the biggest bonanza ever offered to Coastal Forces. There were usually about 40 ships in our convoys and one ran in each direction every night; because of the mine threat ships had to stay rigidly in the narrow swept channel strung out in two columns perhaps 10 miles long, and to protect them we rarely had more than 2 destroyers and a few motor launches so that the long flanks were utterly vulnerable..... No one would accuse the Germans of timidity.... but their surface fleet from the Bismarck to the E-boats always kept a wary eye open for trouble when acting offensively. I suspect that the fundamental reason was the German navy's perpetual strategical and numerical inferiority to ours ...; the loss of a ship was therefore of great moment and commanders afloat were always urged to be careful. I believe the morale side was just as significant, and the almost mystical awe in which the Royal Navy was held acknowledged its outstanding quality."
Gibt es dazu eine Meinung aus deutscher Sicht?
Gruß aus Österreich, Richard

Urs Heßling

moin,

Zitat von: Richard Aigner am 28 September 2013, 20:17:06
... and to protect them we rarely had more than 2 destroyers and a few motor launches
Da scheint er mir - für die Jahreswende 1942/43 - erheblich zu untertreiben.
Die Konvois hatten eine Nahsicherung durch Korvetten und Trawler, auf den möglichen Anmarschwegen der S-Boote standen bzw. lauerten Zerstörer, die mit Gruppen von Motorkanonenbooten zusammenarbeiteten.
Es gab britischerseits radargestützte Nachtluftaufklärung und Angriffe auf S-Boote durch Nachtjäger der RAF.
Dickens läßt die Wahrheit mit "numerical inferiority" etwas heraus.

Zitat von: Richard Aigner am 28 September 2013, 20:17:06
.. the almost mystical awe in which the Royal Navy was held
Es gab bei den S-Bootfahrern sicher einen gesunden Respekt für die RN. "Fast mystische Furcht" läßt sich aus den Formulierungen der KTB nicht ableiten.

In dieser Zeit standen im Einsatzgebiet rund um die britische Süd- und Ostküste 4 S-Flottillen im Einsatz (2,. 4., 5., 6.), die zusammen durchschnittlich etwa 30 Boote einsatzklar hatten. Die Länge bzw. Breite der "Angriffsfront" reichte von Lizard bis zum Humber, also ca. 450+ sm.
Das erste Problem war, die Konvois zu finden. Deutsche Luftaufklärung fand praktisch nicht statt. Der B-Dienst gab sehr wertvolle Hinweise, aber oft genug stießen die Flottillen an Konvois vorbei.
Die Boote wurden nie einzelbootsweise, sondern nur in Gruppen eingesetzt, da Einzelboote als durch britische, im Artilleriegefecht überlegene MGB und MTB als zu gefährdet angesehen wurden.
Zudem wurde - offensichtlich befehlsgemäß - ein hoher Prozentsatz (> 50%) der Einsätze als Minenlegeunternehmen gefahren.

Es ist richtig, daß der FdS, KKpt Petersen, seine Boote in gewisser Weise "schonte", weil er nicht mit schnellem Ersatz rechnen durfte, aber eine größere Anzahl von Booten zur Abwehr eines Landungsversuchs (wie er bei Dieppe erfolgt war) bereithalten sollte.
"Schonen" bedeutete z.B., daß die Boote bei sehr guter Sicht nicht eingesetzt wurden, um eigene Verluste zu vermeiden.
Es kam darüber zu einer heftigen Auseinandersetzung Petersens mit dem Marine-OB West, Admiral Marschall, aus dem Petersen den Vorwurf der Feigheit ableitete, was ihm Marschall dann als "Empfindlichkeit" vorwarf.
Aus Gesprächen mit ehemaligen S-Boot-Fahrern hörte ich eine hohe Einsatzmoral heraus, die insbesondere auf einem Vertrauen zu ihren Flottillenchefs und dem FdS fußte, daß man nicht "verheizt" werden würde, sondern daß diese im Gegenteil bemüht waren, bei allen Einsätzen eigene Verluste so weit wie möglich zu vermeiden.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Richard Aigner


kgvm

"seinen Eindruck über Taktik und Einsatzbereitschaft der Schnellboote im Jahr 1940"
Wenn Richard sich hier nicht verschrieben hat, sind Deine die Verhältnisse zur Jahreswende 1942/43 betreffenden Argumente nicht unbedingt weiterführend, Urs.

Urs Heßling

#4
moin, KG,

Zitat von: kgvm am 29 September 2013, 20:59:32
"seinen Eindruck über Taktik und Einsatzbereitschaft der Schnellboote im Jahr 1940"
Wenn Richard sich hier nicht verschrieben hat, sind Deine die Verhältnisse zur Jahreswende 1942/43 betreffenden Argumente nicht unbedingt weiterführend, Urs.
Danke, stimmt, da habe ich mich "verlesen".

Zu dieser Zeit (1940) stimmte das natürlich mit den 2 Zerstörern +  Auf der anderen - deutschen - Seite brachte die Schnellbootwaffe in dieser Zeit für die beschriebene Breite vielleicht 10-12 Boote zusammen, die durchaus immer wieder Erfoge erzielten.

Wenn man das mit den Kräfteverhältnissen zu der Zeit vergleicht, in der Dickens Chef einer von vielen Flottillen war, die Boote mit Radargeräten hatte, denen die RAF mit Jagdbombern zur Seite stand, während auf deutscher Seite der Geleitschutz nie aus Zerstörern oder Torpedobooten, bestenfalls aus einem oder zwei Minensuchern und normalerweise einigen Vorpostenbooten bestand, klingt seine Beurteilung für mich doch etwas überheblich.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Richard Aigner

Faulkner's "War at Sea - a Naval Atlas 1939 - 1945" S. 151, gibt die durchschnittliche S-Boot-Stärke für
Mai -Aug. 1940 mit 10 Booten,
Aug. - Okt. mit 15,
Okt. - Dez. mit 10,
Dec.1940 - Juni 1941 mit 15,
Juni - Dez. 1941 mit 5 (fünf!) Booten an.
Gemeint ist offenbar Bootsstärke gegen England.
Da sind durchschlagende Erfolge wohl nicht zu erwarten.
Mit besten Wünschen für das Neae Jahr
Richard Aigner

Urs Heßling

#6
moin,

Zitat von: Richard Aigner am 29 Dezember 2013, 13:40:27
Faulkner's "War at Sea - a Naval Atlas 1939 - 1945" S. 151, gibt die durchschnittliche S-Boot-Stärke für
Mai -Aug. 1940 mit 10 Booten,
Aug. - Okt. mit 15,
Okt. - Dez. mit 10,
Dec.1940 - Juni 1941 mit 15,
Juni - Dez. 1941 mit 5 (fünf!) Booten an.
Gemeint ist offenbar Bootsstärke gegen England.
Ja, offensichtlich.
Allerdings nicht ganz richtig:
Juni-September 1940 EDIT: 1941 war nur die 4. SFltl (Bätge) im Westbereich im Einsatz, die 1./2./3. SFltl in der Ostsee.
Ab Oktober wurde die 1. SFltl (Birnbacher) für die Verlegung ins Schwarze Meer, die 3. SFltl (Kemnade) für die Verlegung ins Mittelmeer vorbereitet, die 2. SFltl (Feldt) kehrte in den Westbereich zurück, so daß im letzten Jahresquartal 1941 wieder ca. 15 Boote "gegen England" zur Verfügung standen und mit einer Minenoffensive im Dezember 1941 auch viele Erfolge erzielten.

Gruß, Urs
"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Bergedorf

Hallo Urs,

Du meinst glaube ich Juni-September 1941, oder?

Gruß

Dirk

Urs Heßling

moin, Dirk,
ja, natürlich, Schreibfehler, danke für die Aufmerksamkeit  top :MG:

Gruß, Urs
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