U-26 kollidiert am 21.01.1983 mit dem FDGB – Schiff Völkerfreundschaft

Begonnen von Albatros, 21 Oktober 2013, 14:31:50

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Albatros

Nahe dem Feuerschiff Fehmarnbelt kam es am 21. Januar 1983 kurz vor Tagesanbruch zu einem Zwischenfall mit der Völkerfreundschaft. Die Völkerfreundschaft  befand sich auf der Fahrt von Göteborg nach Rostock und U 26 auf dem Rückmarsch vom Übungsgebiet bei der Insel Bornholm zum Stützpunkt Kiel. Das U-Boot fuhr im aufgetauchten Zustand und führte alle Lichter. Wegen überkommender Gischt in rauer See fuhr es ohne Turmbesatzung (Seewache auf der Brücke), der Kommandant ordnete an, das Boot vom Sehrohr aus und ohne Radargebrauch zu fahren. Ursächlich für die Kollision war das Verhalten der aufgetaucht fahrenden U 26, welche gegenüber der Völkerfreundschaft ausweichpflichtig war. Ein Schöffengericht in Kiel beurteilte das später so, dass dieser Unfall mit Radar zu vermeiden gewesen wäre. Der Kommandant von U 26 musste 2.000 DM Geldbuße an die DGzRS zahlen.
Ich gehe mal davon aus das der Schaden an der Völkerfreundschaft durch die Bundesregierung entschädigt worden ist.

Wie immer einige Fragen...... :O/Y
Wie wurde das marineintern geregelt, da tritt ja kaum etwas an die Öffentlichkeit, welche Folgen hatte das für den Kommandanten?
Ist bekannt ob die Völkerfreundschaft vor der Kollision ein Warn-Signal gegeben hatte?
Von Göteborg nach Rostock, hätte man auch durch den Öresund fahren können,war die Völkerfreundschaft zu diesem Zeitpunkt mit West-Touristen unterwegs oder hatte sie diese eventuell in Göteborg gerade abgeliefert?


Fotos
Völkerfreundschaft
http://www.cruisetricks.de/wp-content/gallery/historisches/voelkerfreundschaft.jpg
http://img.welt.de/img/nah/crop101706247/5550719251-ci3x2l-w580-aoriginal-h386-l0/schiff-volk-schraeg.jpg

U-26
http://cdn2.shipspotting.com/photos/middle/0/6/4/28460.jpg


:MG:

Manfred

Baunummer 509

Hi,

keine Antworten auf Deine Fragen, aber eine kurze Anmerkung:
Mir war gar nicht klar dass die "Völkenfreundschaft" die ex-Stockholm war, die die Andrea Doria versenkt hat und dass sie immer noch in Fahrt ist: http://de.wikipedia.org/wiki/Stockholm_(Schiff,_1946)

Ein Schiff mit einer interessanten Geschichte  top

RonnyM

wenn ich in der Nacht ohne Turmbesatzung unterwegs bin und dabei auch noch auf`s Radar verzichte, nur um evtl nicht entdeckt zu werden, so ist das unter Bruder Leichtfuß einzustufen. Das ganze passierte auf Weg 1, der von Schiffen nur so wimmelt - auch damals. Somit ist der Kommandant zu Recht verknackt worden.

Der Schaden der VÖLKERFREUNDSCHAFT mit dem beschädigten BB-Propeller belief sich auf 250.000.- Mark, der des U-Bootes über 2 Millionen DM.

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

Trimmer

Na Ronny - da wird aber Erich vor Freude in die Hände geklatscht haben. 250.000 DM Einnahmen und der "Klassenfeind " einen Schaden von 2 Millionen -   :-D

Gruß - Achim - Trimmer
Auch Erfahrung erhält man nicht umsonst, gerade diese muß man im Leben vielleicht am teuersten bezahlen
( von Karl Hagenbeck)

bettika61

Hallo,
das war dann schon die zweite Kollision der Völkerfreundschaft mit der Bundesmarine  :MV:
13.April 1968 Kollision mit dem U-Jagd Boot Najade ungefähr gleicher Ort
zur Aufnahme eines Überläufers, die Kollision war nicht geplant  :MZ:
Das Verteidigungsministerium leistete "unbürokratisch" Schadenersatz.
Die beschädigte Najade musste sich einige Tage in der Geltinger Bucht verstecken.
Quelle: "Gegner wider Willen: Konfrontation von Volksmarine und Bundesmarine auf See"
von Ingo Pfeiffer

Grüsse
Beate
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Albatros

Zitat von: RonnyM am 21 Oktober 2013, 15:26:36
dabei auch noch auf`s Radar verzichte, nur um evtl nicht entdeckt zu werden,

Grüße Ronny

Hallo Ronny, was war/ist denn Weg 1 ?

Auf dem Rückmarsch nach Kiel möchte man im Fehmarnbelt nicht entdeckt werden..... :roll: wozu soll das gut sein?

Position des Feuerschiffs Fehmarnbelt http://tools.wmflabs.org/geohack/geohack.php?pagename=Liste_der_deutschen_Feuerschiffspositionen&language=de&params=54.573333333333_N_11.108333333333_E_region:DE-NI_type:waterbody&title=FEHMARNBELT Karte kann man vergrößern/verkleiner.


RonnyM

Moin Albatros,

zu meiner Zeit war Weg 1 der Weg von Kiel an Fehmarn vorbei, Richtung Bornholm...

Tja, ohne Radar vermute ich, er wollte sich von der anderen Feldpostnr. nicht orten lassen. :-D

Grüße Ronny

Noch`n Nachtrag: Die Weg-Bezeichnungen resultierten noch aus den freigeräumten Fahrrinnen. Da war es noch nicht möglich, kreuz & quer zu schippern... :x
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

Albatros

Zitat von: RonnyM am 22 Oktober 2013, 09:20:09
Moin Albatros,

Tja, ohne Radar vermute ich, er wollte sich von der anderen Feldpostnr. nicht orten lassen. :-D

Grüße Ronny


Nur, wenn ich schon im Fehmarnbelt bin, bis wohin ging denn die Beschattung?

:MG:

Manfred

der erste

Die "Völkerfreundschaft" hatte ihre Passagiere in Göteborg abgegeben (sie fuhr für einen ausländischen Auftraggeber) und fuhr leer nach Rostock zurück. Der Kapitän hatte festgelegt, das via Großer Belt nach Rostock gefahren wird.
Lichter waren ordnungsgemäß geschaltet, 2 Radargeräte waren bemannt, Ausguck und alles andere auch, wie es sich für gute Seemannschaft gehört. Das Schiff fuhr auf der Steuerbordseite des Weges "H" mit 17,8 kn und folgte der Kurslinie, als ein kleines weißes Licht voraus ihre Aufmerksamkeit beanspruchte. Erst nahm man an, das es sich um ein Fischereifahrzeug handelt, denn es war nur ein sehr schwaches Echo auf dem Radar auszumachen. Es war aber das U-Boot, welches aufgetaucht fuhr. Auf Grund überkommender Gischt lässt der Kommandant von der Zentrale aus steuern, da die Besatzung vom Turm aus nichts sah (Wetter bei Feuerschiff Fehmarnbelt am 31.01.1983 um 06:00 Uhr: Wind acht Bft. aus West, Strom 90 grad mit 6m/min, Sicht 5-8 sm. Die Wellenhöhen lagen bei 1,5 bis max. 2,5m). Beide Sehrohre waren besetzt, das Radar abgeschaltet (entsprechend der Befehlslage der BM, da sonst U-Boote von Warschauer Pakt Fahrzeugen geortet werden können und "es  keine unklare Navigationslage gab" - nach Aussage des Kommandanten vor einer Kammer des Kieler Schöffengerichtes). Usw. usf. Das Kieler Schöffengericht verurteilte den Kommandanten wegen eines groben Pflichtverstoßes und hielt den Tatbestand der Gefährdung des Schiffsverkehrs für erwiesen. Die Wehrbereichsverwaltung I Kiel erklärte gegenüber dem Versicherer der Völkerfreundschaft, dass das kleine Fahrzeug (U-Boot) nicht nur seiner Ausweichpflicht nicht nachkam, sondern entgegen der zu erwartenden Kursänderung nach Steuerbord den Kurs sieben Minuten vor der Kollision nach backbord in Richtung auf den Kurs der VF änderte und damit die Kollisionsgefahr erhöhte. Im Spruch der Seekammer der DDR wurde bemängelt das von Seiten  der VF in der Phase der Annährung keine optischen Beobachtungen mit Hilfe des Peildiopters durchgeführt wurden. Damit hätte eine stehende Peilung festgestellt werden können. Auf Radar war, wie schon beschrieben, das Ziel nicht ausgemacht worden. Das hätte eine frühere Reaktion des Wachleiters ermöglicht. Ursächlich war jedoch das Verhalten des U-Bootes, welches ausweichpflichtig war und nicht gemäß der Regeln der KVR handelte. Nach der Kollision kamen beide Fahrzeuge ihrer Kundgebungs- und Beistandspflicht nach. Sie benötigten keine fremde Hilfe.
Das und noch mehr kann man nachlesen in "Katastrophen auf See- Die Seeunfälle der zivilen DDR-Schiffahrt" von Friedrich Elchlepp und Manfred Kretzschmar. Elchlepp, Konteradmiral a.D., war lange Jahre Seekommissar der DDR und Manfred Kretzschmar, KzS a.D., lange Jahre Flaggoffizier Navigation im Kommando Volksmarine. Erschienen ist das Buch 1998 in Rostock.

Albatros

Hallo der erste, Deine Antwort..... :TU:)

Sieben Minuten vor der Kollision hat U-26 den Kurs in Richtung auf die VF geändert, da müssen Beide so ca. 5.000 - 6.000 m auseinander gewesen sein.
Nun ist mir nicht bekannt wie gut oder schlecht man bei den herrschenden Bedingungen durch ein Sehrohr sehen kann aber irgendwann müssen die auf U-26 doch die VF erkannt haben?

Schade das es zu solchen Gerichtsverhandlungen scheinbar keine Veröffentlichungen ähnlich bei Seeamtsverhandlungen gibt.

:MG:

Manfred

RonnyM

...Manfred, er kam ja aus dem Osten und wollte vermutlich erst nach Passieren des Fehmarnbelts den "Normalzustand" wieder herstellen.

Grüße Ronny
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

Albatros

Zitat von: RonnyM am 22 Oktober 2013, 11:29:59
...Manfred, er kam ja aus dem Osten und wollte vermutlich erst nach Passieren des Fehmarnbelts den "Normalzustand" wieder herstellen.

Grüße Ronny

Gut, aber mal Grundsätzlich gefragt wie weit ( Geografisch gesehen ) ging die Beschattung durch die WP – Flotten ?
Wenn wir z.B. zum Seezielschießen vor Olpenitz waren, dümpelte da in geringer Entfernung immer  so eine Krake oder Kondor – Klasse vor sich hin und beäugte uns........  :MZ:

:MG:

Manfred

RonnyM

...Manfred, dir ist doch bekannt, dass die ATP auch auf den Roten Platz gelesen wurde. :-D Also wussten die Kameraden, wann wir "Action" machen. Nicht umsonst konnten wir während der Raketenversuche vor Sylt erst die Sektoren festlegen, wenn wir die Standorte der russ. Fischereifahrzeuge durch die LTG 61 und 63 aufgeklärt hatten. :MG:

Grüße Ronny

PS Und in der "überschwemmten Wiese" konnten sie sich auf den int. Routen überall bewegen.
...keen Tähn im Muul,
over La Paloma fleuten...

Albatros

Zitat von: RonnyM am 22 Oktober 2013, 11:59:00

PS Und in der "überschwemmten Wiese" konnten sie sich auf den int. Routen überall bewegen.

Internationale Route, an Olpenitz vorbei...... :MV:

Das würde ja im umgekehrten Fall bedeuten das Nato-Schiffe sich hätten im Rigaischen Meerbusen oder am Ostende des Finnischen Meerbusens vor Sankt.Petersburg  bewegen können. :MZ:

Gibt es dazu eigentlich einen Text, z.B. Kriegsschiffe in Hoheitsgewässern anderer Staaten auf Internationalen Schifffahrtswegen?

:MG:

Manfred

Albatros

Also ich möchte nicht bestreiten das die Schiffe der Volksmarine oder der anderen WP - Staaten sich dort zu Recht aufgehalten haben, ich möchte nur die rechtliche Grundlage erkennen.

Das hängt wahrscheinlich hiermit zusammen...... :MZ:
Das Recht der friedlichen Durchfahrt
http://de.wikipedia.org/wiki/Recht_der_friedlichen_Durchfahrt
wobei hier http://de.wikipedia.org/wiki/K%C3%BCstenmeer die Begrenzung beschrieben und gezeigt wird, insbesondere zu den inneren Gewässern http://de.wikipedia.org/wiki/Innere_Gew%C3%A4sser

Das ist sicher auch eine Auslegungssache wie man am Beispiel des Zwischenfals im Schwarzen Meer mit der USS Yorktown CG 48 sehen kann.
http://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,14674.msg163912.html#msg163912

Aber wie war/ist es denn nun z.B. mit dem Rigaer und Finnischen Meerbusen, wie weit durften/dürfen da fremde Marinen vordringen?

:MG:

Manfred

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