Turmformen der schweren Artillerie - warum so oder so?

Begonnen von Harry64, 19 Dezember 2013, 11:35:58

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harold

#30
Danke, TG!
Ich werd's versuchen ... vielleicht verbirgt sich da auf der alten Festplatte noch was ...
:MV:

[edit: ha! gefunden!, leider nur als .jpg und nicht als .cdr ...  :cry:  ... stell ich gleich mal rein hier]
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Thorsten Wahl

Zitat2) Als Berechnungsgrundlage schlage ich vor, die gegnerischen Einheiten (hier A und B) im Breitseit-Gefecht zugrunde zu legen.
Anders als im reinen Bug- bzw. Heckgefecht spielt hier der Vorhaltewinkel eine gewisse Rolle - je größer die Gefechtsentfernung, desto größer auch dieser...

einverstanden und wir berücksichtigen ebenfalls nicht die Ablenkung der Flugbahn des Projektiles durch Drall und durch Windeinflüsse.

Für die 28 cm SK C/34 liegt die 50% ige Längenstreung bei 15 km bei circa 130 m für Einzelschüsse; unter Berücksichtigung der Batteriestreungsziffer (gemäß Unterlagen zur Bestimmung der Hauptkampfentfernung usw.)  von 1,5 ergibt sich eine 50%ige Längestreung von 200 m
das heißt bei Abgabe von 10 Schuß können in der Regel 5 Einschläge in einem Längenintervall von rund +-100m um den mittleren Treffpunkt erwartet werden.

Für unser imaginäres 30 m breites Tiel mit deutschem Turm ergeben sich dann -bei mittlerem Treffpunkt Mitte Barbette- die folgenden ungefähren Trefferwahrscheinlichkeiten(wenn die Einschläge genau in Linie eines Turmes erfolgen würden)

Bordwand(senkrecht) ca 9%
Deck(waagerecht) ca 2,5%
Barbette  (senkrecht) ca 1,5%
Frontplatte 2,5%
obere Facette 3,5%
Turmdecke 2%
ca 79% würden im Wasser landen

die 50% ige Seitenstreung (liegt bei ca 15 m) ist hier irrelevant, da nicht speziell auf die Türme geschossen wird sondern eher die gesamte Schiffslänge das Ziel ist.
Daraus folgt, da von etwa 150 m beschossener Schiffslänge 30 m Türme sind, sind von dem obigen Turmanteilen nochmals also etwa 80% wegzunehmen.

Treffprozente für die Turmteile dann

Barbette auf ca 0,3%
Frontplatte auf ca 0,6%
obere Facette auf ca 0,7%
Turmdecke auf ca 0,4%
Summe ca 2,1%

die hier gegenüber oben weggefallenen Prozente werden zu teilweise zu Decktreffern bzw zu Überschüssen

Zum Vergleich der Seitenschutz wird mit ca 9% iger Wahrscheinlichkeit getroffen und das Deck mit ca 7,5% iger Wahrscheinlichkeit

Nach deutscher Anschauung sind für durchschlagende Turm- bzw Barbettentreffer auf modernen Schiffen keine katastrophalen Ereignisse, wie im ersten Weltkrieg zu erwarten. Da die Erfahrungen im 1 WK zeigten, dass nahezu 100% der Türme auch bei nicht durchlagenden (schweren) Treffern zumindest zeitweise ausfielen, ergeben sich für überproportionalen Schutz der Artillerie gewisse Fragezeichen in Sachen Kosten Nutzen.   

Hinter dem Seitenschutz befinden sich auf ca 40% der Länge Munitionsbunker, Treffer hier kann sofortigen Exitus bedeuten auf weiteren ca 40% befinden sich Maschinenanlagen Treffer hier hat läßt Einfluß auf Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeit erwarten.

Welches Maß zusätzliche Kampfkraft wird durch verstärkten Schutz der Geschütze gewonnen ggf zu Lasten des Schutzes eines anderen vitalen? Systems. Was ist es wert?
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

Huszar

Hallo, Harry,

Die alten Tabellen hab ich noch, die Entfernungen waren - beidngt dadurch, dass in der Okunschen Tabellen in Yards gerechnet wird - 145, 200 und 254hm. Passt so ziemlich zu den kurze/mittlere/grosse Entfernungen, mit denen damals gerechnet wurde (deshalb hab ich ja genommen  :-D ).

Die Einfallswinkel kannst du im Link weiter oben einsehen - für die obigen hm-Entfernungen 16k, 22k und 28k yds.

Ob jetzt nach einem Treffer die Granate auch wirklich durchgeht, müsste ich in jedem einzelnem Fall nachrechnen - zum Glück haben wir Weihnachten, muss erst wieder am Montag arbeiten gehen  :-D - dazu bräuchte ich aber die jeweiligen Panzerdicken und Anwinkelungen. Ich weiss, ich bin faul, selbst nachzuschauen  :-P

Wobei mit Thoddys Trefferwahrscheinlichkeiten und der bekannten Sebsibilität des Turminnenlebens mM auch eine Pi*Daumen Abschätzung reichen würde.


mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Matrose71

ZitatNach deutscher Anschauung sind für durchschlagende Turm- bzw Barbettentreffer auf modernen Schiffen keine katastrophalen Ereignisse, wie im ersten Weltkrieg zu erwarten. Da die Erfahrungen im 1 WK zeigten, dass nahezu 100% der Türme auch bei nicht durchlagenden (schweren) Treffern zumindest zeitweise ausfielen, ergeben sich für überproportionalen Schutz der Artillerie gewisse Fragezeichen in Sachen Kosten Nutzen.   

Hinter dem Seitenschutz befinden sich auf ca 40% der Länge Munitionsbunker, Treffer hier kann sofortigen Exitus bedeuten auf weiteren ca 40% befinden sich Maschinenanlagen Treffer hier hat läßt Einfluß auf Manövrierfähigkeit und Geschwindigkeit erwarten.

Welches Maß zusätzliche Kampfkraft wird durch verstärkten Schutz der Geschütze gewonnen ggf zu Lasten des Schutzes eines anderen vitalen? Systems. Was ist es wert?

Ich stimme mit deiner Analyse überein Thoddy, dass ist auch nicht mein Problem oder meine Kritik an den deutschen Türmen.
Mein Problem ist die vordere Böschung und die dazugehörige Geometrie des Turmes.
Die Böschung ist m.M ein eingebauter Schwachpunkt im Vergleich z.B des KGV Zwillingturms.

http://www.navweaps.com/Weapons/WNBR_14-45_mk7_pics.htm

Der bietet durch seine Geometrie m.M nach wesentlich weniger Angriffsfläche, da eine gepanzerte, nahezu horizontale Decke aus z.B 140-150mm wesentlich schwieriger zu durchschlagen ist, vorallendingen unter 25000m.
Viele Grüße

Carsten

harold

@ Thoddy und Matrose 71,
ich denke, genau hier setzt ja die Frage des Threads an:

Warum denn so komplizierte, "diamond-shaped" Turmformen, wenn's ne einfache "box" auch tut (sorry für die Anglizismen, man könnt' jetzt auch "facettiert" vs. "schachtelförmig" schreiben) -?

Das Spiel mit den facettierten Türmen ist ja jetzt beileibe keine rein deutsche Macke, und ebensowenig ist es die geneigte Frontplatte.

Die Japaner machen's recht kompliziert bei ihrer Yamato,
die Italiener etwas zurückhaltender bei ihrer Vittorio Veneto,
die Briten setzen die Frontplatte noch schräg bei ihrer Nelson,
die Amerikaner haben ab BB-55 ebenso schräge Frontplatten ...
... eigentlich sind die Briten mit der KG V die einzigen, die das Dings senkrecht setzen.
-
Bevor ich für den Rest meines Lebens nun von den samtig-vergorenen Traubensäftlein "von der Küste der Gewässer" = Bordeaux oder den lieblich müffelnden Milchprodukten "vom starken Felsen" = Roquefort auf immer und ewig exkommuniziert werde,
...fällt mir da ja noch ein Land ein, das sehr schöne und bestens durchdachte Schiffe gebaut hat -
- und wer hätte dies vermutet?
Die nieten und schrauben dort fast dasselbe wie der böse hunnische Erbfeind auf der anderen Seite des Rheins zusammen.

Dazu mal Anhang 5 (Türme der Richelieu-Klasse, 3-D-Darstellung von meinem geschätzten Kollegen Pierre Sitja; die exakt gleiche Geometrie, jedoch entsprechend in den Dimensionen reduziert, haben Dunkerque und Strasbourg mit ihren 33-cm).

Es gibt einen gut dokumentierten Treffer auf einen dieser Türme, nämlich auf "tourelle I" von Jean Bart, am 8.11. 1942, 08:06, Operation "Torch":
das 40.6-cm-Projektil von Massachusetts prallt von der angeschrägten Seite (in unserer Terminologie 6b) ab, beschädigt jedoch dabei die Übungskanone an der BBd-Seite.
Die Gefechtsentfernung dürfte bei etwa 145 hm gelegen haben - Näheres finde ich noch heraus (Robert Dumas anfunken...).
Der Turm war im Schwenkbereich durch die Trümmer der (seitlich im 3-D sichtbaren) Übungskanone behindert (das wurde von einer privaten Schweißerpartie beseitigt) und ansonsten weiter nicht beschädigt - 17:24 wurde wieder volle Feuerbereitschaft gemeldet.
Siehe Anlage 6

Also scheinen diese "Facetten" doch was zu können ... 
... als nächstes möchte ich mir zeichnerisch die Vittorio Veneto vornehmen, als "Zwischenlösung", - und erst dann Yamato, KG V, BS und Nelson.
:MG:
4 Ursachen für Irrtum:
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- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Matrose71

Bei den Franzosen ist die Böschung aber fast die Decke.

Wieviel ist die geneigt? 80-85 Grad? Wieviel mm Panzerstahl?

Viel schwieriger vom Winkel her zu durchschlagen, facettiert ist nicht gleich facettiert.
Viele Grüße

Carsten

Huszar

Hallo, Carsten,

Hab die angesprochene Platte durchs Program gejagt. Unter 20k yds ist die Platte nicht sicher, die Granate zerbricht aber - darüber bleibt sie in einem Teil (mit der dt. 38cm gerechnet).
Zwei anmerkungen:
1, zuerst musst du diese Platte erst treffen, und bei Toddy's rechnerischen Trefferchancen...
2, die von Harry angesprochene Turmlage kann hier ev. einen grossen Unterschied machen, nämlich den zwischen einem Loch im Turm und einer schönen Delle.

Um diese Platte "sicher" zu machen - die Anwinkelung beibehaltend - müsste sie auf 20cm (Nahentfernung) bzw 28cm+ (grosse Entfernung) verstärkt werden.
Die Turmlage ausser Acht lassend würde es auf kurze Entfernung helfen, die Platte statt auf 68° auf 75° zu neigen, auf mittlere und grosse Entfernung hilft das - ohne dickere Platten zu haben - nur wenig, bzw wäre sogar kontraproduktiv, da die Platte so eine grössere Fläche bieten würde. Und auf jedem Fall wäre sie schwerer...

mfg

alex
Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

Leopard2A6EX

..allen erstmal ganz kurz ein schönes weihnachtsfest!

kurze zwischenfrage wo hier grad das thema turmtreffer steht: endkampf bismarck (ja wieder das b-schiff, bitte verzeiht :-) ) - vordere turmgruppe nach kurzer zeit außer gefecht durch treffer.. ..warum? ist dort auf grund der (fast) bewegungsunfähigkeit des schiffs eine ganze salve mit mehreren treffern eingeschlagen? habe dazu nie näheres erfahren.. da recht früh geschehen also auch die entfernung noch einigermaßen groß denke ich - kann ggf ein einzelner treffer BEIDE türme ko setzen? und ist dies evtl auf die konstruktion bzw panzerung derselbigen zurückzuführen?

wenn im forum schon besprochen bitte verlinkung dorthin - habe aber noch nichts dazu gefunden, gruß frank

Rymon

Hallo allerseits,

erst nochmal an alle Frohe Weihnachten!

Und nun zwei Fragen: Wieviele Turmtreffer durch Schwere Artillerie sind denn während WW2 dokumentiert?

Gibt es irgendwo Hinweise über Beschädigungen im Turminnern trotz Nichtdurchschlag der Panzerung?

Viele Grüße

Stefan

ede144

Zitat von: Leopard2A6EX am 24 Dezember 2013, 22:02:41
..allen erstmal ganz kurz ein schönes weihnachtsfest!

kurze zwischenfrage wo hier grad das thema turmtreffer steht: endkampf bismarck (ja wieder das b-schiff, bitte verzeiht :-) ) - vordere turmgruppe nach kurzer zeit außer gefecht durch treffer.. ..warum? ist dort auf grund der (fast) bewegungsunfähigkeit des schiffs eine ganze salve mit mehreren treffern eingeschlagen? habe dazu nie näheres erfahren.. da recht früh geschehen also auch die entfernung noch einigermaßen groß denke ich - kann ggf ein einzelner treffer BEIDE türme ko setzen? und ist dies evtl auf die konstruktion bzw panzerung derselbigen zurückzuführen?

wenn im forum schon besprochen bitte verlinkung dorthin - habe aber noch nichts dazu gefunden, gruß frank

Ich bewege mich jetzt auf dünnem Eis, da ich das nirgendwo schriftlich habe. Aber dieser Treffer hat nicht beide Türme außer Gefecht gesetzt, denn einer der beiden hat danach noch ein oder zwei Salven abgegeben. Trotzdem gibt dieser Treffer bei manchen als Beweis das die deutschen Türme nur schwach gepanzert waren (eggshell armor)

Gruß
Thomas

Matrose71

#40
Niemand weiss was nach dem Treffer oder Treffern auf Bismarck wirklich passiert ist und welche Auswirkung genau passiert sind.

Zu Turmtreffern auf KM Schiffen.

Graf Spee hat einen von Exceter bekommen der Turm Anton für 10-15min ausser Gefecht gesetzt hat  ( aber die Turmpanzerung von Graf Spee war sehr effektiv gegen 8 inch)
Der erwähnte Treffer oder mehrere Treffer auf Bismarck ducrh Rodney.
Der Treffer von DoY, auf Turm Anton mit der ersten Salve am Nord Kap (Turm oder Barbette) Niemand weiß es, bei 12000yards.
Später um 19 Uhr erneuter Treffer auf Turm Bruno.

Viel interessanter sind aber die sehr vielen Turmtreffer bei der Skagerrak Schlacht.
Viele Grüße

Carsten

Huszar

Hallo,

Was mir noch einfällt:
Treffer von Kirishima auf South Dakota:
No.3 auf Turm 1 - 5,5 oder 6", nicht überraschend minimale Schäden
No.26 auf Deck und Barbette Turm 3 - ausgedehnte Splitterschäden
(Trefferanalyse ist auf NavWeapons erreichbar)

Treffer von Washington auf Kirishima:
Treffer 8, 9, 17 und 18 trafen alle die beiden vorderen Barbetten - da allerdings das Schiff verloren gegangen ist, sind die genauen Treffergeometrien (und Anzahl) ungesichert.

Treffer aus Yamashiros Turm 4:
In Ermangelung von Überelebenden, gänzlich unbekannt, was und wo (Turm, Barbette?) eingeschlagen hat (interessant ist, dass weder Turm 1 noch 2 abgeschossen wurden!)

Treffer von Renown auf Gneisenau:
11,4cm-Treffer auf der Haubentür von Turm A, verursacht hierdurch Wassereinbruch

Treffer auf Lützow im Oslofjord:
15 oder 24cm, auf nächste Entfernung (2km?), Treffer auf dem mittlerem Rohr von Turm A, Kanone zerstört, Turm zeitweise ausgefallen.

Treffer auf Dunkerque in Mers-el-Kibir:
38cm auf Turm 2, rechtes Geschützpaar zerstört

Insgesamt also recht dürftig  :-D


mfg

alex


Reginam occidere nolite timere bonum est si omnes consentiunt ego non contradico
1213, Brief von Erzbischof Johan von Meran an Palatin Bánk von Bor-Kalán

harold

@ Carsten,
da geb' ich dir Recht - siehe auch meine Auflistung der "Forschungsfragen" in #7.
In fast jeder Navy waren die Turmformen vor der Baupause, verglichen mit danach, wesentlich geändert.
Die prononcierte (ca 40%) Abfasung/Schrägstellung (Fläche 6) der Turmdecke seitlich ist aber zB in deutschen Konstruktionen (Bayern-Kl; Mackensen-Kl) schon vorher da.-

Mit der Zeichnerei komm ich schön langsam voran - hier jetzt also die 38,1-cm der Vittorio Veneto -Kl (Anhang 7, auch hier wieder mit einer Illustration).

Anhang 8 zeigt wieder beide Turmformen (F und I) im Vergleichsmaßstab "Barbette" mit dem jeweiligen "angle of fall" aus verschiedenen Distanzen der eigenen SA.
Auch hier ist die Neigung der Frontplatte nicht unbedingt optimal (siehe dünne rote Linie).-

@ Alex:
ich bastle an einer excel, die inzwischen folgendes erfassen soll:
- die Neigung aller Platten gegen die Horizontale (Eingabe °, Ausgabe als sin.phi),
- die entsprechende Neigung gegenüber der Schussrichtung (normalisiert 90°),
- bei Flächen vom Typ 5a, 6a und 6b die Neigung gegenüber einer Schussrichtung aus Vorhalt (also 92°), da dies sich hier durchaus auswirken könnte.

Ziel sollte sein, dass nur noch der "angle of fall" eingegeben werden muss, um den "angle of impact" zu erhalten.

Also bitte Geduld, auch mit der Klärung mancher Fragen zu BS.-
Als nächste "Paarung" möchte ich dann die Türme von Nelson und Yamato drannehmen (sehr früh, und sehr spät) und erst am End' dann KG V und BS.
:MG:
4 Ursachen für Irrtum:
- der Mangel an Beweisen;
- die geringe Geschicklichkeit, Beweise zu verwenden;
- ein Willensmangel, von Beweisen Gebrauch zu machen;
- die Anwendung falscher Wahrscheinlichkeitsrechnung.

Thorsten Wahl

#43
Zitat von: ede144 am 25 Dezember 2013, 18:51:43
Zitat von: Leopard2A6EX am 24 Dezember 2013, 22:02:41
- vordere turmgruppe nach kurzer zeit außer gefecht durch treffer.. ..warum? ist dort auf grund der (fast) bewegungsunfähigkeit des schiffs eine ganze salve mit mehreren treffern eingeschlagen? habe dazu nie näheres erfahren.. da recht früh geschehen also auch die entfernung noch einigermaßen groß denke ich - kann ggf ein einzelner treffer BEIDE türme ko setzen? und ist dies evtl auf die konstruktion bzw panzerung derselbigen zurückzuführen?


Ich bewege mich jetzt auf dünnem Eis, da ich das nirgendwo schriftlich habe. Aber dieser Treffer hat nicht beide Türme außer Gefecht gesetzt, denn einer der beiden hat danach noch ein oder zwei Salven abgegeben. Trotzdem gibt dieser Treffer bei manchen als Beweis das die deutschen Türme nur schwach gepanzert waren (eggshell armor)

Gruß
Thomas

Zitat aus B. F von Müllenheim-Rechberg Schlachtschiff Bismarck
"Auf Rodney hatte Senior Lieutenant and Air defense Officer Donald C. Campbell den gesamten Gefechtsablauf (an seinem Fla Zielgeber) kontinuierlich beobachten können. ...
Und so auch die aus fünf Rohren abgefeuerte vierte Salve Rodneys(etwa zeitgleich mit der dritten Salvo Bismarcks)... als ihre fünf Geschosse nur drei Wassersäulen erbrachten."

Battle summary 5 meint dazu:
Rodney "Our own hits wer difficult to identify, butr the first one is reported by 08:54 by Rodneys third salvo.
...
Bismarck replied at 08:50
Bismarck gunnery was accurate at first but commenced to be detoriate after 8-10 salvoes. The third or fourth at 08:51 straddled an nearly hit hit, but Rodney maneuvered successfully to avoid them and the nearest fell 20 yards short
..
At 09:02 the Rodney saw a 16 inch shell hit the Bismarck on the upper deck forward apparantly putting the fore turrets out of action.
"

Zu Beginn des Gefechtes war der Kurs von Bismarck direkt auf die britischen Schiffe ausgerichtet. Sie konnte daher zu Beginn lediglich die vorderen Türme einsetzenen Gleichzeitig bestand deutliche Schlagseite >5 Grad nach Backbord. Ffür den Seitenpanzer bedeuted die Schlagseite zum einen(bei normalen Gewichtsverhältnissen), dass die Backbordseite um ca 2 eintaucht und zum anderen die Steuerbordseite um ca 2 m austaucht.
Bei 6 - 7 m Wellenhöhe und ca 150 - 180 m Wellenlänge, kann man bei Breitseitenbeschuß der Backbordseite eigentlich nicht mit Treffern rechnen, da der Fallwinkel so flach ist, dass der Schußweg durch den Wellenberg einer entfernt stehenden Welle durchgehen muß

Aufgrund der Zielgeometrie stellten die beiden vorderen Türme, Vormars und Hauptgefechtsstand einen sehr wesentlichen Teil der treffbaren Zielfläche dar (zumindest zwischen 8:50 und 09:02).

Feuereröffnung erfolgte 08:48 bei ca 23000 yards (21 km) Annäherunggeschwindigkeit ca 650 yards pro minute (600 m/min)
Ausweislich der eigenen Daten ist Bismarcks Turmfront mit 360 mm bereits hier sehr deutlich innerhalb des Bereiches wo durchschlagende Treffer zu erwarten sind(die eigene Waffe schafft ca 400 mm)
auch die Artillerieleitstände gewähren keinen Schutz bei direkten Treffern.

MRs buch beinhaltet auch die Berichte der britischen Schiffe mit Zeiten von Ereignissen. In Kombination mit Battlesummary No 5 vermeine ich ableiten zu können, dass Bismarck vermutlich von 08:50 - 08:51 alle halbe Minute geschossen (4 Salven mit den vorderen Türmen) hat danach bis 0902(16000 yard)  im
>1 Minuten-Abstand (weitere 6 Salven insgesamt) geschossen hat.
Diese(r) Treffer scheint(en) kein(e) durchschlagender(n) Treffer zu sein sondern den/die vorderen Türme zeitweilig außer Gefecht gesetzt zu haben, da gegen 09:27 noch mals eine "Salve aus Bismarcks vorderen Türmen" verzeichnet wurde.

1 Salve pro Minute erscheint als unnatürlich niedrige Schußfolge. Bei den hohen Annäherungsgeschwindigkeiten hinkt eine Feuerfolge mit berechneter Feuerlösung - Feuer- Einschlagbeobachtung -Korrektur- Feuer usw permanent hinterher und bietet auch keine Gewähr das die folgende Korrektur richtig ist.

Meine Meinung zu der möglichen  Abfolge von Ereignissen: ein Treffer von vorn setzt gegen  0852-0854 einen der beiden vorderen Türme außer Gefecht und beeinflußt die Feuerleitung. Der andere schießt (in langsamer Folge aber scheinbar regelmäßig) bis 0902 weiter.  Zwischen 0902 und 0908 werden 2 Salven(in Minute 05 und 06) von Bismarck ausgewiesen welche Türme feuern, ist nicht dokumentiert.

Als die Feuerleitung gegen 09:08 (12000 yard Abstand) zu MR übergeht, sind sowohl Vormars(  Hauptleitstand) und die vorderen Türme außer Gefecht.

0913 setzt ein Treffer alle Sensoren des achteren Leitstandes außer Gefecht so Dass C und D unter lokaler Kontrolle weiterschießen müssen Rodney dürft als urheber hier nicht in Frage kommen da sie vor dem Bug von Bismarck hin und her kurvt. 0927 schießt ein vorderer Turm nochmal.


Aber zu MRs buch muß ich mal einwenden, dass die Informationen, die er selbst von sich gibt mir recht unergiebig und teilweise nicht zutreffend erscheinen. Aber wichtig ist auch, dass er R. nur sehr kurzzeitig zu Gesicht bekam, demzufolge konnten auch die achteren Türme nicht auf R schießen.

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in Barbette B gibts einen zentralen Durchschuß am oberen Rand aus Richtung Backbord leicht achterlich Als Urheber kommt nur KGV in Betracht und dies auch nur zwischen 0908 bis ca 0930

in Barbette D gibts ebenfalls einen zentralen Durchschuß am oberen Rand Backbord ca 45 Grad von vorn. Urheber eher Rodney Ausfallzeit kurz vor 0930. Die Granate schlug ca 4-5 m vor der Barbette auf das Oberdeck und prallte von diesem ab.
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

Thorsten Wahl

Kleine Abschweifung
Zitat von: Huszar am 23 Dezember 2013, 22:17:53

Die alten Tabellen hab ich noch, die Entfernungen waren - beidngt dadurch, dass in der Okunschen Tabellen in Yards gerechnet wird - 145, 200 und 254hm. Passt so ziemlich zu den kurze/mittlere/grosse Entfernungen, mit denen damals gerechnet wurde (deshalb hab ich ja genommen  :-D ).

Die Einfallswinkel kannst du im Link weiter oben einsehen - für die obigen hm-Entfernungen 16k, 22k und 28k yds.

Ob jetzt nach einem Treffer die Granate auch wirklich durchgeht, müsste ich in jedem einzelnem Fall nachrechnen - zum Glück haben wir Weihnachten, muss erst wieder am Montag arbeiten gehen  :-D - dazu bräuchte ich aber die jeweiligen Panzerdicken und Anwinkelungen. Ich weiss, ich bin faul, selbst nachzuschauen  :-P


mal ne Anmerkung, ich bild mir ein, zu den Berechnungen hatte ich schon mal ne Bemerkung losgelassen.

Zum  einen das generelle Problem mit der von Nathan Okun unterstellten ballistischen Unterlegenheit von Wh im Vergleich zu STS/Class B bzw britischem  non cemented armour. Dies ist nicht zutreffend.

In den Dicken um 80mm - 120 mm wurden deutsche Platten getestet, die besser waren als alle britischen Platten die bis einschließlich 1947 produziert wurden.

Desweiteren die Panzeranordnung
Seitenpanzer: Unterlagen zu Bestimmung der Hauptkampfentfernung ...Textband
Zitat"...Es muss deswegen angestrebt werden, soweit irgendwie möglich, auch den Horizontalpanzer in das Gesamtsystem des Seitenschutzes einzugliedern. Hierdurch kann erreicht werden, dass wenigstens auf den Hauptgefechtsentfernungen die Zerstörungswirkung von den lebenswichtigen Teilen des Schiffes ferngehalten wird. Das stärkste Panzerdeck ist wie bisher möglichst tief zu legen und mit möglichst flacher Böschung bis Unterkante Gürtel herunterzuziehen, aber, im Gegensatz zu früher, jetzt so stark zu machen, dass auch Geschosse, die mit erheblichem Überschuss den Gürtel durchschlagen und die Böschung treffen, diese nicht durchschlagen können, sondern entweder zu Bruch gebracht oder abgewiesen werden."

Horizontalpanzer:
ZitatHinsichtlich der Sicherheit des Horizontalschutzes gegen Durchschlagen muss bemerkt werden, dass die Durchschlagserwartungen bei den verhältnismäßig kleinen Auftreffwinkeln nur einen Anhalt ergeben können. Geringe Materialunterschiede ergeben vielfach große Auswirkungen, so können z. B. schon allein Unterschiede in der Kappenform und Härte sich dahingehend auswirken, dass in einem Fall das Geschoss die Platte durchschlägt, im anderen Fall unter sonst dieselben Bedingungen, also bei gleicher Auftreffgeschwindigkeit, nur mit anderer Kappe, das Geschoss abgewiesen wird. Auch liegen die Werte, und zwar sowohl die der Winkel wie auch der Auftreffgeschwindigkeiten, bei denen ein Geschoss abgewiesen wird oder eben noch die Platte durchschlägt, oft so dicht beieinander, dass sie nicht genau getrennt werden können. Ferner kommt hinzu, dass bei den schon sowieso verhältnismäßig geringen Winkeln sich naturgemäß die schwer erfassbare Ablenkung (Aufrichten) noch stärker auswirkt als bei größeren Auftreffwinkeln. Dieses wirkt sich insbesondere dann besonders aus wenn der Durchschlag durch mehrere Platten erfolgt. Hier kann sogar der Fall eintreten, dass sich das Geschoss schräg zur Flugrichtung stellt, so dass es mit einem viel größeren Querschnitt die Platte durchschlagen muss.
Aus diesen Ausführungen wird erkennbar das die deutsche Panzeranordnung mehrere Effekte die zur Minderung des Durchschlages von Duirchschlagsgeschossen der Artilklerie  beitragen, ausnutzt.

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Ausweislich der Ausführungen  zu Panzerstärken im "Kriegsspiel 1937/38" wird eine (äquivalente?) Gesamtdicke des horizontalen Panzerschutzes von 150mm für die Bismarck Klasse ausgewiesen, obwohl zu dem Zeitpunkt Plattendicken von 50 + 80(über Antrieb) 50+110 (über Magazinen) beschrieben sind. Diese (ballistische Schutz-)Dicke deckt sich mit britischen Beschußversuchen des Jahres 1945 gegen eine deutsche Panzeranordnung (Target as Tirpitz with horizontal armour thickness of 6 "

Brit Beschußversuche mit abgeschlagener Kappe gegen 200 lbs Platten
zeigten eine Erhöhung des ballistischen Limits für einfaches Loch in der Platte um ca 20% (980 fs->1160 fs bei 60 Grad und 1030 -> 1285 fs bei 65 Grad Obliquity=0 Grad ist senkrecht zur Platte). 

Ergänzend muß hierbei noch hinzugefügt werden, das die eingesetzten 15" AP Projectile ohne Kappe auch bei Geschwindigkeiten von 1700 fs nicht mehr durch die Panzerplatte vollständig durchkamen, sondern abgewiesen wurden. Wird von Nathan Okuns Programmen ebenfalls nicht berücksichtigt.
Meine Herren, es kann ein siebenjähriger, es kann ein dreißigjähriger Krieg werden – und wehe dem, der zuerst die Lunte in das Pulverfaß schleudert!
WoWs : [FMA]Captain_Hook_

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