U-Boote in der Ostseeflotte

Begonnen von Harry64, 08 August 2014, 19:23:20

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Harry64

Hallo,

eine Frage an unsere Spezialisten der russischen U-Boot-Einheiten, -Planungen usw.

Momentan, so ich es richtig nachgelesen habe, befinden sich in der 123. U-Boot Brigade der Ostseeflotte nur noch drei U-Boote - 2 KILO Boote und das mehr experimentelle Boot der LADA-Klasse.
Ist seitens der russischen Marine geplant, an der Anzahl wieder etwas zu ändern, falls ja mit welcher Klasse - oder reichen ihnen in der Ostsee die zwei KILO-Boote. Fallweise ist es bei der geringen Anzahl ja möglich, daß keine U-Boote einsatzbereit sind.

Grüße

Harry

hillus

#1
Lieber Harry,

Dein Wort in Gottes Gehör, d. h. eine Frage an die Spezialisten. Ich kenne wahrscheinlich die Quelle Deiner Frage! Es ist ja inzwischen wieder viel Zeit vergangen, seit Band 1 "Die U-Boote der Baltischen Flotte" erschienen ist.
Das Ende der Ausführungen war, dass die die U-Boote der Baltischen Flotte nur noch in Form in der 123. Rotbanner Sonderabteilung zusammengefasst waren. Im Bestand waren zuletzt B-227 VYBORG, B-806 und das stationäre Schulboot UTS-287 ex S-169(Projekt 613 WHISKEY).
Am 01.12.2008 erfolgte dann in Erwartung des Zulaufs der neuen Boote der LADA-Klasse (Projekt 677) die Wiederbelebung einer U-Bootsbrigade, der Rotbanner U-Bootsbrigade der Leningrader Flottenbasis der Baltischen Flotte. Mit der für einen Probebetrieb in Dienst gestellten B-585 ST. PETERBURG trat dann im Mai 2010 das neue Boot in den Bestand der Brigade ein.
Seitdem passierte eigentlich gar nichts, wenn dabei an eine Erweiterung des Bestandes an U-Booten gedacht wird. Warum?? Die geplanten Nachfolgeboote der LADA-Klasse KRONSHTADT und SEVASTOPOL wurden im Bau auf Anweisung des damaligen Oberbefehlshabers der SKF, Admiral Wysotskiy, gestoppt. Die U-Boote seien in ihrem technischen Stand nicht viel weiter als die Weltkriegsboote. Na ja, über Wysotskiy hat die Geschichte ihr Wort gesprochen!! :BangHead:

Wenn keine neuen Boote, was passierte dann??
1. Das Boot B-806 (Projekt 877-KILO I) wurde im Jahre 2010 DMITROV umbenannt und war zuständig als Schulboot für ausländische U-Bootsbesatzungen, deren U-Boote in St. Petersburg gebaut wurden. Seit 2012 gab es lange keine Hinweise dafür, was mit dem Boot los ist.
Die Aufklärung ergab sich aus der Detachierung von KILO I Booten der Nord Flotte in die Ostsee, um ausländische Besatzungen auszubilden bzw. als Zielschiff für die Erprobungen der neuen russischen Korvetten bzw. der indischen Fregatten zu dienen.
B-806 DMITROV befindet sich seit Ende 2012 ebenfalls im Marinearsenal Kronshstadt zur Generalüberholung. Mehr ist derzeit nicht bekannt.

2. B-227 VYBORG (Projekt 877 - KILO I) ging im März 2012 zur Generalüberholung in das Marinearsenal Kronshtadt, wo es lange Zeit nicht zu sehen war. Erst im März 2014 war es an der Ausrüstungspier noch mit eingerüstetem Turm zu sehen.
B-227 VYBORG scheint aber nun wieder in Dienst zu sein, denn es war in der Paradeaufstellung zum Tag der Seekriegsflotte in St. Petersburg unter vollem Flaggenschmuck zu sehen.
3. Die B-585 ST. PETERBURG wurde 2013 zur Nord Flotte verlegt um dort die weiteren Erprobungen abzuschließen, vor allem Tieftauchversuche durchzuführen. Dazu kam jetzt die ergänzende Nachricht, dass B-585 nach Abschluss aller Erprobungen in den Bestand der Nord Flotte eingeht. Da es nur eine Brigade mit DEPL dort gibt, sollte das Boote in die 161. Rotbanner und mit dem Uschakow-Orden ausgezeichnete Brigade kommen. Kommandant ist Fregattenkapitän Anton Bojko.
4. Wie das Zentrale Marine-Konstruktionsbüro "RUBIN" in dieser Woche mitteilte, sind alle Probleme mit dem U-Bootsprojekt 677 gelöst. Deshalb wurde bereits im Mai 2014 der Weiterbau der Boote B-586 KRONSHSTADT und B-587 SEVASTOPOL beschlossen. Beide Boote werden mit dem modifiziertem Projekt 677-M weitergebaut. Dabei geht es vor allem um einen verbesserten Antrieb. Um den zu realisieren, müsste aber eine neue Sektion eingebaut werden, so wie ich das sehe. Der neue geplante außenluftunabhängige Antrieb ist wesentlich größer und braucht mehr Platz.

Fazit:
Bei der Rotbanner U-Bootsbrigade der Leningrader Flottenbasis der Baltischen Flotte sind im Bestand:
1. B-227 VYBORG - wahrscheinlich seit 07.2014 wieder in Dienst
2. B-806 DMITROV befindet sich noch in der Generalüberholung
3. UTS-287 ex S-169 dient immer noch als stationäres Schulboot
4. Brigadechef der Rotbanner Brigade ist immer noch Kapitän zur See Igor Mitrofanowitsch Martemjanow ( geiler Posten für zwei U-Boote und einen Hafenvollscheißer)
5. Aussichten auf eine Auffüllung des Bootsbestandes sind nicht in Sicht!!!

Viele Grüße  Jochen

olpe

Hallo Jochen,
... wie immer  top top  :MG:

Zitat von: hillus am 09 August 2014, 12:06:41
Seitdem passierte eigentlich gar nichts
... in der Tat, wirklich Umwerfendes ist in den letzten Zeiten nicht geschehen ...


Zitat von: hillus am 09 August 2014, 12:06:41
... zwei U-Boote und einen Hafenvollscheißer ...
... hä hä hä  :sonstige_154: ... den kannte ich noch nicht ...

Grüsse
OLPE

Harry64

#3
Hi Jochen,

auch von mir  top top top

wie immer sehr informativ und up to date.

Was ein downgrade für die U-Booteinheiten der Ostseeflotte.

Wo ist denn St. Petersburg jetzt in der Nordflotte stationiert?

Harry

hillus

#4
Hallo Harry,

B-585 ST. PETERBURG traf am 17.10.2013 in Poljarnyj nach 3-wöchiger Überführungsfahrt von der Baltischen Flotte zur Nord Flotte ein. Die Überführungsfahrt war von schwereren Wetterverhältnissen in der Norwegensee und Barentssee begleitet. Als Kommandant führte Fregattenkapitän Anton Bojko das Boot. Seine Ernennung erfolgte im Februar 2013 noch bei der Baltischen Flotte, nachdem er zuvor in der Nord Flotte seinen Dienst auf U-Booten
des Projektes 877 leistete. Die Überführungsbesatzung soll von der Nord Flotte gestellt worden sein. B-585 wurde vom Stellverteter des Befehlshabers der Nord Flotte Konteradmiral Sokolow, dem Befehlshaber der Kola Flottille gemischter Kräfte KA Oleg Wjatscheslawowitsch Golubew und dem Brigadechef der 161. Rotbannerbrigade KzS Alexander Wladimirowitsch Gorbunow begrüßt. Das Boot wird für den Zeitraum der geplanten Erprobung der 161. Rotbanner Brigade unterstellt und damit in Dienst der Nord Flotte gestellt.

Bei den Erprobungen in der Barentssee soll auch das Tieftauchen getestet werden. Dabei werden dann die tatsächlichen Tieftauchfähigkeiten des Bootes festgestellt werden können. Die Arbeitstauchtiefe beträgt nach den bisherigen Angaben 240 bis 250 Meter, die maximale Tauchtiefe wird mit 300 Meter angegeben.

Das kurz zu Einführung, wie die "Kiste" in den Norden kam. Zum Schluss nun der Stationierungsort von B-585. Es ist der Stützpunkt der 161. Rotbanner Brigade in Poljarnyj.

Bis bald!

Jochen


hillus

#5
Nachschlag:

Das nicht atomare Typ Boot des Projektes 677 B-585 "SANKT PETERBURG" (Projektname LADA) wird nach der Vollendung des Probebetriebes im Bestand der Nordflotte verbleiben!
"Das Programm des Probebetriebes wird in diesem Jahr wie geplant abgeschlossen, wonach der "TYP LADA"in den Kampfbestand der Nord Flotte eingehen wird, teilte  der Generaldirektor der OAO "ZKB "RUBIN, Igor Wilnit, mit.
Derzeit setzt der erste "LADA" das Programm der Tests im Norden nach entsprechenden Vorgaben des Verteidigungsministeriums und der russischen Seekriegsflotte fort.
Die U-Boote des Projektes 677 unterscheiden sich von den Vorgängern vor allem durch das niedrige Niveau ihres Geräuschpegels. Sie erreichen diese Besonderheit dank des Baus als Eihüllenboot und der Anwendung der absorbierenden hydroakustischen Hochtechnologiedeckung. Das U-Boot ist mit dem neuen hydroakustischen Komplex "Irtysch" mit neuentwickelten Antennensystemen und einer flexiblen Schleppantenne ausgestattet. Es hat zu seinen Vorgängertypen ein bessere Autonomie von bis zu 45 Tagen und erreicht bei einer Unterwassergeschwindigkeit von 3 Knoten eine Reichweite von bis zu 650sm.

Bis denne!

Jochen

ZKB = Zentrales Marine-Konstruktionsbüro RUBIN

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