FuMBs (insb. auf Typ XXI)

Begonnen von Tiberius, 25 Mai 2016, 18:46:26

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Tiberius

Ich grüße Sie!

Es gibt zwar bereits etliche Seiten und Diskussionen zum Thema FuMBs, aber dennoch habe ich noch einige Fragen die ich mir bisher nicht beantworten (lassen) konnte und in keinem bestehenden Thema finden konnte. Dabei geht es um die tatsächliche Ausstattung von Typ XXI Booten mit verschiedenen FuMB-Anlagen. Über die früheren Geräte (Metox, Naxos, usw.) gibt es noch recht umfangreiche und übereinstimmen Informationen. Bei den letzen Anlagen (Athos, usw.) dagegen find ich es recht schwierig wirklich verlässliche und sich nicht widersprechende Quellen zu finden.

Wissensstand FuMB
Als gesichert kann man, denke ich, annehmen dass das FuMB 26 Tunis (FuMB 7 "Naxos" kombiniert mit FuMB 24 "Fliege" / 25 "Mücke" Antennen)  für 9/3cm Welle zur Verfügung stand (eingeführt im Juni? 1944) welches allerdings nur aufgetaucht verwenden werden konnte (Antenne abzubauen vor jedem Tauchen). Weiter befand sich auf dem Schnorchel eine FuMB 3 "Bali" - Antenne welche allerdings nur für Wellenlängen im Meter-Bereich (die älteste Radar-Familie) sensitiv war, dafür aber auch beim Schnorcheln benutzt werden konnte.

Wissensstand FuMO
Standard war wohl das FuMO 61 "Hohentwiel U" (abgeleitet vom Luftwaffen FuG 200) wie es bereits ab 43/44 im Dienst war. Später, insbesondere für Typ XXI Booten kam wohl das FuMO 65 "Hohentwiel U1" zum Einsatz (identische Technik, nur andere bzw. modernere Darstellung/Anzeige).

Mit dieser "gesicherten" Anlage bestand aber beim Schnorcheln keine Möglichkeit die aktuellen 3cm/9cm Radarwellen zu detektieren (nur die alte Meterwelle). Nun komme ich zu meinen Fragen:

1. FuMB35 "Athos"
Mit dem FuMB 35 "Athos" stand (nach manchen Quellen Anfang 45) eine Peilanlage für 3cm/9cm mit druckfester Antenne (also schnorchelnd verwendbar) zur Verfügung welche auch für das Typ XXI vorgesehen war (z.B. laut Rössler auf eigenem Ausfahrmast statt dem nicht eingebauten Panoramasehrohr). Die einzige Photographie dieser Anlage die mir bekannt ist stammt allerdings von einem Typ VIIC Boot (U249?). Nun ist die Frage, war dieses Boot ein Versuchsboot um die Anlage zu testen (wie manche Quellen sagen) und ist somit das "Athos" nicht zum Einsatz auf Booten vom Typ XXI gekommen, oder kam es tatsächlich noch zum Einbau von "Athos" in Fronboote (wie andere Quellen behaupten).

2. FuMB37 "Leros"
Hier gibt es bereits unterschiedliche Informationen was das FuMB37 denn eigentlich genau ist. Übereinstimmend sind soweit alle, dass es sich dabei um eine druckfeste (also auch beim schnorcheln nutzbare) Peilanlage handelt. Allerdings ist bei manchen davon die Rede, dass
a.) das FuMB 37 eine komplett neue Antenne verwendete welche alle 3 Wellenlängen abgedeckt hat (3/9cm+m), montiert auf a1.) dem Schnorchelkopf statt "Bali" oder a2.) auf einem Ausfahrmast wie "Athos". Andere geben an dass
b.) das FuMB 37 die Kombination aus der FuMB 35 "Athos" Anlage für cm und der alten Bali Anlage für m war (wieso dann allerdings eine neue Bezeichung für zwei bestehende Geräte) oder
c.) das FuMB 37 die Elektronik des FuMB 35 "Athos" kombiniert mit der FuMB 3 "Bali" Antenne war (was unschlüssig klingt, da "Bali" eine Antenne für m-Wellen, "Athos" aber ein Detektor für cm-Wellen war und zumindest mir der Vorteil dieser Kombination nicht ersichtlich ist)
Weiß jemand welche dieser Angaben (zumindest am wahrscheinlichsten) korrekt ist oder gibt es eine Photographie davon (mir ist leider keine bekannt)? Kam diese Anlage denn noch zum Einsatz (meisten Quellen tendieren hier zu Nein)?

3. FuMO83/84 "Berlin U"
Als Nachfolger für die FuMOs 61/65 war das FuMO 83 "Berlin", cm-Funkmess basierend auf britischer Entwicklung, vorgesehen. Das FuMO 81 "Berlin" (vorgesehen für Schiffe statt für U-Boote) ist wohl noch zum Einsatz gekommen (gibt hier auch ein Thema dazu). Wie ist hier die Situation für die U-Boot-Versionen FuMO83 "Berlin U"? Vermute dass die FuMOs gegenüber den FuMBs eine untergeordnete Rolle spielten.

Ich würde mich über jedwede Anmerkung und Rückmeldung freuen, da ich bei den besagten Problemen derzeit nicht weiter komme. Bezüglich Sachbürcher zu diesem Thema sitze ich derzeit auch etwas auf dem Trockenen, da die meisten Bücher dieser Sparte die ich gefunden habe nicht mehr produziert werden und entsprechend teuer zu erwerben sind. Würde es gerne vermeiden viel Geld für ein solches Buch auszugeben ohne zu Wissen ob etwas des gefragten darin überhaupt behandelt wird bzw. in welchem Umfang.

Schorsch

Hallo Tiberius!

Am einleuchtendsten fasst imho F. Trenkle die Situation der deutschen FuMB im Zweiten Weltkrieg zusammen. Er schreibt in ,,Die deutschen Funkstörverfahren bis 1945" zu den beiden FuMB, die Dich besonders interessieren, folgendes:

Das FuMB 35 ,,Athos" als komplette Anlage setzte sich zusammen aus der Antenne FuMB Ant. 35, einem vierkanaligem Trennverstärker FuMZ 13 ,,Westerland V", einem zweiten Verstärker FuMZ 12 ,,Westerland" mit integriertem Oszilloskop als Anzeige und dem Alarmgerät FuMZ 8 ,,Norderney". Es deckte einen Wellenbereich von 1660 bis 15000 MHz, also von 2 bis 18 cm ab.
Das FuMB 37 ,,Leros" bestand aus den Einzelkomponenten FuMB Ant. 37 als Zusammenfassung von drei (leider nicht näher spezifizierten) Antennen nebst Detektoren in einem druckfesten Antennenkopf von 40 cm Durchmesser und 1,20 m Höhe mit einem FuMZ 12 ,,Westerland" als Anzeigegerät. Alternativ konnten auch zwei zweikanalige Verstärker FuMZ 14 ,,Nordstrand" in Kombination mit einem FuMZ 1 als Anzeigegerät verwendet werden. Der zu überwachende Frequenzbereich wird mit 100 bis 1500 MHz angegeben, also für Wellenlängen von 20 – 300 cm.

Insoweit stellt nach meiner Sicht das FuMB 37 die Ergänzung für den dm-Wellenbereich dar zu dem im cm-Bereich arbeitenden FuMB 35.

Mir kommt es unwahrscheinlich vor, dass die beiden genannten FuMB auf den Typ XXI-Booten der Kriegsmarine zum Einsatz gekommen sind. Für das etwas weiter entwickelte FuMB 35 müssten dafür entsprechende Durchbrechungen in der Decke der Turmverkleidungen der Boote erkennbar sein und zusätzlich hätte ein nachträglicher Einbau eines Ausfahrmastes nennenswerter Länge tiefgreifendere konstruktive Änderungen am jeweiligen Boot nach sich gezogen. Es wurden zwar im August 1944 zwei Mustergeräte abgeliefert und im September 1944 eine Serie von 1000 Geräten geordert, allerdings soll die Produktion zu Kriegsende erst im Anlauf gewesen sein. Die Entwicklung des FuMB 37 scheint erst recht noch nicht so weit gediehen zu sein, als dass diesem Gerätesatz schon eine Fronttauglichkeit hätte attestiert werden können.

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Tiberius

Vielen Dank für die Informationen, das klärt schon mal so einiges.
Gibt es den Abschätzungen/Zahlen wie viele "Athos" von den 1000 Bestellten noch gefertigt wurden?

Schorsch

Hallo Tiberius!

Zitat von: Tiberius am 31 Mai 2016, 15:20:28
(...)
Gibt es den Abschätzungen/Zahlen wie viele "Athos" von den 1000 Bestellten noch gefertigt wurden?
Im Buch von Trenkle wird dazu nichts weiter ausgeführt, als das, was ich oben schon zusammengefasst habe. Es gibt allerdings noch einen Verweis auf die Quelle, aus der die Informationen ursprünglich stammen: H. Rindfleisch: "Work on Infrared, Radar Interference and Communication Technique (NVK)", F-TS-5512-RE von 1945. Ich habe aber keinen Zugriff auf diese Arbeit und (momentan) auch keinen Schimmer, wie ich einen solchen erlangen könnte. :?

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Besitzer

Moin Seelords   :MG:
Vielleicht hilft dieser Link ein klein wenig weiter:  http://www.cdvandt.org/index.htm


Gruß  :MG:

Uwe
Seemannsgarn wird nicht geflochten,
sondern gesponnen! ;-))

bettika61

Nicht der gesuchte Artikel, aber ein Hinweis auf Dr.Rindfleisch vom NVK
http://www.cdvandt.org/navigation-tagung.htm
Grüße
Beate

,,Wer sich nicht an die Vergangenheit erinnern kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen." George Santayana

Peter K.

ZitatGibt es den Abschätzungen/Zahlen wie viele "Athos" von den 1000 Bestellten noch gefertigt wurden?
... zwei Muster ab August 1944 in Erprobung
Foto auf Seite 67
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

delcyros

Zitat von: Tiberius am 25 Mai 2016, 18:46:26
Ich grüße Sie!


3. FuMO83/84 "Berlin U"
Als Nachfolger für die FuMOs 61/65 war das FuMO 83 "Berlin", cm-Funkmess basierend auf britischer Entwicklung, vorgesehen. Das FuMO 81 "Berlin" (vorgesehen für Schiffe statt für U-Boote) ist wohl noch zum Einsatz gekommen (gibt hier auch ein Thema dazu). Wie ist hier die Situation für die U-Boot-Versionen FuMO83 "Berlin U"? Vermute dass die FuMOs gegenüber den FuMBs eine untergeordnete Rolle spielten.


Nur in der Erprobung, kein Einsatz. Die Technik der "Berlin", und -"Rotterdam" Geräte basierte auf der Anfang 1943 erbeuteten, englischen H2S Anlage und arbeiteten auf der 9cm Welle. Zwei Varianten des Berlin-U wurden zum Einbau in Unterseebooten untersucht:

Berlin U1:
Mit 65cm im DM messender, rotierender Parabolantenne, die am Turm montiert war. Keine weiteren Details.

Berlin U2:
Antenne ausfahrbar und druckfest montiert am Periskop, angebliche Reichweite gegen Konvois 20km.

Schorsch

Hallo delc!

Gibt's auch eine Quellenangabe?

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Peter K.

ZitatGibt's auch eine Quellenangabe?
... könnte aus
Gerhard HEPCKE, Die Entwicklung der Funkmesstechnik
stammen ...
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

delcyros

#10
Exakt Peter!

Von D. Pritchard, The Radar War (1989), S.200 kommt noch einiges extra: Das FuMO83 Berlin U wurde aus dem FuMO82 Berlin K entwickelt. Elac konstruierte druckdichte Gehäuse mit keramischen Apperturen für einige ad-hoc modifizierte -82K die inoffiziell auch "Bullauge" genannt wurden, aber zu schwerfällig für den Betrieb an Bord waren.
Erfolgreicher war erst die als FuMO 83 U1 bezeichnete Lösung, welche entweder als Ziel- oder als Suchradar von Bord aus eingesetzt werden konnte.
Zitat"a U boat skipper choosen to test the system reported that he had a view similar to "what might be seen from a balloon 200 metres above the boat", fine details of shipping, anchorages and buildings being faithfully portrayed"
FuMO84 Berlin U2 wurde nur in Erprobungen genutzt, über die beiden auf 1,5cm Welle arbeitenden Berlin -D und dem etwas leistungsstärkeren Berlin-E ist nur bekannt, dass sie ebenfalls einen guten Eindruck in den Erprobungen hinterließen.
Alles sehr vage.


Schorsch

Hallo Peter, hallo delc!

Danke für die Aufdeckung dessen, wo selbst nachgelesen werden kann.

Ich muss aber noch eine kleine Frage bzw. eine Bitte um Konkretisierung nachschieben. Es ist mir nicht möglich, das Buch von Hepcke näher zu lokalisieren. Sowohl z.B bookfinder.com als auch der Onlinekatalog der Deutschen Nationalbibliothek kapitulieren bei Suchaufträgen bezüglich dieses Werkes und das sowohl beim Autorennamen (auch in verschiedenen Schreibweisen) oder beim Titel und erst recht bei aus beiden Aspekten zusammengesetzten Anfragen. Gibt es bei diesem Werk irgendwelche Besonderheiten, die ich nicht auf dem Schirm habe, die mir einen Erfolg verwehren könnten?

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

Peter K.

Details zur deutschen Version kann ich auf Wunsch am Abend nachliefern, die englische Version gibt´s hier.
Grüße aus Österreich
Peter K.

www.forum-marinearchiv.de

Schorsch

Hallo Peter!

Zitat von: Peter K. am 02 Juni 2016, 09:33:29
Details zur deutschen Version kann ich auf Wunsch am Abend nachliefern,...
Der Wunsch ist hiermit geäußert, ansonsten schon wieder ein großes Dankeschön, diesmal für den Link!

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch
'Judea, London. Do or Die.'

"Ubi dubium ibi libertas." (Wo Zweifel ist, da ist Freiheit.)

U 48

Zitat von: Schorsch am 02 Juni 2016, 10:14:50
Hallo Peter!

Zitat von: Peter K. am 02 Juni 2016, 09:33:29
Details zur deutschen Version kann ich auf Wunsch am Abend nachliefern,...
Der Wunsch ist hiermit geäußert, ansonsten schon wieder ein großes Dankeschön, diesmal für den Link!

Mit freundlichen Grüßen
Schorsch

Moin,moin,

ich schließe mich Schorsch bitten an....

Gruß
U 48

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