Die Schnellsten der Ostsee

Begonnen von crolick, 10 August 2009, 22:57:05

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der erste


Strandurlauber

Hallo,

bin beim Stöbern auf ein paar alte Abbildungen zu Projekt "63" (Leichtmetallrumpf) bzw. "68" (Holz/Sperrholz ...) gestoßen die
vielleicht nicht ganz so bekannt sind ... Bildqualität ist leider nicht gut.

1.) Versuchsboot zu "63"


2.) 68.200 Torpedoversion (3 x 533 mm / 1,8 t)

3.) dito Minenversion (bis 8 Minen an Stelle der äußeren Rohre)

4.) dito Transportversion für Kampfschwimmer oder Sturmlandungstruppen


VG Strandurlauber
"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

olpe

#62
Hallo,
... vielleicht lassen sich die beiden Themen zusammenführen?: https://www.forum-marinearchiv.de/smf/index.php/topic,10018.msg306929.html#msg306929? (ein post in der "Mitte")
Grüsse
OLPE

Urs Heßling

"History will tell lies, Sir, as usual" - General "Gentleman Johnny" Burgoyne zu seiner Niederlage bei Saratoga 1777 im Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg - nicht in Wirklichkeit, aber in George Bernard Shaw`s Bühnenstück "The Devil`s Disciple"

Strandurlauber

Hallo,

Danke fürs zusammenführen, macht Sinn ...

Hier noch einige Angaben zu den Versuchsbooten bei Projekt 63, die erhebliches Improvisatiosvermögen erkennen lassen.

Für das Vorwärmen der Diesel soll man sich zunächst mit einem Kartoffeldämpfer  :roll: beholfen haben und um die Belastung auf die Crew zu reduzieren, sollen anfangs gefederte Fahrersitze von Straßenbahnen für den Einbau in die Kanzel modifiziert worden sein (später dann Sitze bei denen die Dämpfung individuell nach Köpergewicht eingestellt werden konnte - Dazu wurde hier schon 2009 geschrieben).

Technische Daten Projekt 63.300:
Verdrängung 17,4 t voll
L ü.a. 14,9 m
B a.Sp. 3,4 m
Tg         0,6 m (?)
Antrieb 2 Diesel M50F4 (zusammen 1765 kW)
zur Energieversorgung luftgekühlter Hilfsdiesel Typ 1 KVD8
Geschwindigkeit 52 kn
(leider keine Angabe zur Reichweite)
Bewaffnung 2 533-mm-TR
Anfangs Funkmessgerät KSA 5 später TSR 222

Daten von Projekt 68.200:
Verdrängung 19,2 t
L ü.a. 17,1 m
B a.Sp. 3,59 m
Tg         1,45 m (?)
Antrieb siehe Projekt 63.300
hier sind 50 sm/h angegeben
Bewaffnung 3 533-mm-TR (oder bis zu 8 Minen)
(auf Versuchsboot 68.2 soll eine 12,7-mm-Doppellafette DSchk erprobt aber nach kurzer Zeit von Bord gegeben worden sein - Stabilitäts- und Platzgründe)

Um bei Holzbooten übliche Quellerscheinungen zu reduzieren soll auf jeder Bordseite eine Hohlgummiplanke verbaut worden sein.

Frage: Mir war nur bekannt, dass bis 1968 in 2 Baulosen 15 Boote gebaut wurden. Hier wurden in einem früheren Beitrag 21 Boote genannt. Wurden nach 1968 weiter 6 gebaut oder warum weichen die Zahlen ab?

VG Strandurlauber

"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

olpe


olpe

Hallo,
... nach "Schiffe und Boote der Volksmarine" von Manfred Röseberg (+) sind folgende Boote gebaut worden:

Projekt 63 ILTIS (ILTIS A)
[tabular type=2]
[row]
[head]Projekt-/Bau-Nr.[/head] [head]Anzahl[/head] [head]Indienststellung[/head] [head]Anmerkungen[/head]
[/row]

[row]
[data]________________[/data]
[data]___[/data]
[data]______________________[/data]
[data]_________________________________________[/data]
[/row]

[row]
[data] 63.1 bis 63.3 [/data]
[data] 3 [/data]
[data] k.A. [/data]
[data] Versuchsboote [/data]
[/row]
[row]
[data] 63.31 bis 63.36 [/data]
[data] 6 [/data]
[data] Mai bis Oktober 1963 [/data]
[data] Nullserie, Erprobungen und Ausbildung, danach alle in den Flottendienst übernommen [/data]
[/row]
[row]
[data] 63.301 bis 63.330 [/data]
[data] 30 [/data]
[data] Juli 1964 bis Januar 1966[/data]
[data] Serienboote[/data]
[/row]

[/tabular]
Projekt 68 HYDRA/WIESEL (ILTIS B)
[tabular type=2]
[row]
[head]Projekt-/Bau-Nr.[/head] [head]Anzahl[/head] [head]Indienststellung[/head] [head]Anmerkungen[/head]
[/row]

[row]
[data]________________[/data]
[data]___[/data]
[data]______________________[/data]
[data]_________________________________________[/data]
[/row]

[row]
[data] 68.1 bis 68.2 [/data]
[data] 2 [/data]
[data] k.A. [/data]
[data] Versuchsboote [/data]
[/row]
[row]
[data] 68.201 bis 63.215 [/data]
[data] 15 [/data]
[data] November 1964 bis Oktober 1968 [/data]
[data] 1. Bauausführung [/data]
[/row]
[row]
[data] 68.216 bis 63.226 [/data]
[data] 11 [/data]
[data] Dezember 1967 bis August 1968 [/data]
[data] 2. Bauausführung [/data]
[/row]
[/tabular]
Mögliche Diskrepanzen in den Zahlen:
Beim Projekt 63 ILTIS:
Zwischen dem Bau der Versuchsboote 63.1, 63.2 und 63.3 (wobei diese als eigenständige Projekte bezeichnet wurden und nicht nur Baunummern waren) und der Fertigung der 30 Serienboote ist eine Nullserie von 6 Booten eingefügt worden. Dieses geschah weniger aus technischer oder operativer Sicht (vgl. ebd.: S.52), sondern um die Werftkapazitäten für den militärischen Schiffbau zu erhalten (bzw. zu ,,reservieren") und damit eine Produktionslücke im Jahr 1963 auszufüllen. Ansonsten wäre diese mit zivilen Aufträgen belegt worden. Die 6 Boote dienten der Erprobung und zur Ausbildung der Besatzungen usw. und sind dann in den Marinedienst übernommen worden.

Beim Projekt 68 HYDRA/WIESEL:
Die geplante Seriengröße sollte 30 Boote betragen. Die Holzrümpfe wiesen aber Mängel auf, die zu einer überarbeiteten und verbesserten 2. Bauausführung sowie einer Verringerung der Gesamt-Seriengröße auf nur noch 23 Boote führten (vgl. ebd.: S. 56), die Verschrottung von 3 Booten (68.204, 68.211, 68.217) wegen Baumängeln ist hierbei bereits berücksichtigt.

Kurz zum Kartoffeldämpfer oben: der Einsatz eines derartigen Gerätes selbst in einem Versuchsboot erscheint mir fragwürdig ... so ein Provisorium hätte Erprobungs- und Messergebnisse verfälscht. Ich kann mir aber vorstellen, dass die Bauwerft Peene-Werft Wolgast (die 63er) Firmen im Land beauftragt hat, in Leichtbauweise einen Dieselvorwärmer zu entwickeln und zu bauen ... und sei es eine Firma, die Geräte für die Landwirtschaft oder den Haushaltsbedarf im Programm hat ... Ich denke nicht, dass die Bauaufsicht/Militärabnahme des Auftraggebers sich dann bei den Serienschiffen mit einem Kartoffeldämpfer im Maschinenbetrieb zufriedengegeben bzw. dann auch abgenommen hätte ...
Soweit.
Grüsse
OLPE


Strandurlauber

Hallo Olpe,

danke für deine Ergänzung.

Ich stimme dir zu, dass die Sache mit dem Kartoffeldämpfer kaum zu glauben ist.
Doch in einem Buch, dass mir in ziemlich schlechten Zustand in die Hände gefallen ist ("Vom Küstenschutzboot zum Raketenschiff" 1986 Militärverlag der DDR) wurde das tatsächlich so beschrieben:

"So verfügten z.B. die ersten Boote (Anmerkung: gemeint sind die Versuchsfahrzeuge zu Projekt 63) noch nicht über bordeigene Geräte zum Vorwärmen der Hochleistungsdiesel und des Schmieröls. Ein kurzerhand von einer LPG beschaffter Kartoffeldämpfer leistete als "Vorwärmer" wertvolle Hilfe in dem provisorischen Erprobungsstützpunkt."

Was die Frage aufwirft ob er, wenn überhaupt, an Bord (eher unwahrscheinlich) oder nur im Stützpunkt verwendet wurde, bis passende Technik für die Boote zur Verfügung stand.

Dieses frühe Beispiel für Dual-Use (Baubeginn des ersten Versuchsbootes  V 63.1 soll im September 1959 in der Peenewerft Wolgast, damals ein VEB, gewesen sein), nach dem Motto man nimmt was verfügbar ist, macht irgendwie Sinn, denn trotz einiger Erfolge beim Wiederaufbau der groß teils zerstörten oder als Reparationsleistung demontieren Schwerindustrie, gab es nicht nur gegen Ende der DDR Engpässe in vielen Bereichen.

Letztendlich wissen es nur die damals beteiligten, ob sich diese unter den als Literaturquelle bzw. Berater im Buch genannten, befinden kann ich nicht sagen, vermutlich auch nicht mehr fragen ...

Nachtrag: Bei Projekt 63 soll der Rumpf aus korrosionsbeständigem Leichtmetall (AlMg 4,5), also einer Aluminium-Magnesium-Legierung gefertigt worden sein.

VG Strandurlauber
"Damn the torpedoes! Full speed ahead!" D. G.  Farragut

(1864 Battle of Mobile Bay; ... er wusste offenbar was USS Cairo auf dem Yazoo River zum Verhängnis wurde, aber auch dass die Minen schon längere Zeit im Wasser lagen und durchsickerndes Wasser in den Trimmtanks diese nach und nach absacken ließ ...)

olpe

#68
Hallo,
Zitat von: Strandurlauber am 13 Februar 2022, 20:02:28
... Ein kurzerhand von einer LPG beschaffter Kartoffeldämpfer leistete als "Vorwärmer" wertvolle Hilfe in dem provisorischen Erprobungsstützpunkt."
... :MLL: ... man lernt nie aus ... das Leben schreibt die besten Story's ... und die beste Geschichte ...


Zitat von: Strandurlauber am 13 Februar 2022, 20:02:28
Nachtrag: Bei Projekt 63 soll der Rumpf aus korrosionsbeständigem Leichtmetall (AlMg 4,5), also einer Aluminium-Magnesium-Legierung gefertigt worden sein.
... bei den Grundentwürfen des ISW (Institut für Schiffbautechnik Wolgast) wurden drei Varianten entwickelt:

  • Holzkonstruktion, Berlin (Yachtwerft)
  • Aluminium, genietet, Roßlau (Elbewerften Boizenburg/Roßlau)
  • Aluminium geschweißt, Wolgast (Peenewerft)
Nach vielen theoretischen und praktischen Untersuchungen (vgl. "Peene-Werft Wolgast", Dieter Strobel (+), S 68-69) hat man sich für die geschweißte Variante entschieden. Zur Anwendung kam eine seewasserresistente Aluminium-Magnesium-Legierung AlMg 5 F 28 ...
Soweit.
Grüsse
OLPE


kielwasser

Moin,

vielen Dank für den Link! Da sind wieder herrliche Filmsequenzen der 131er zu sehen die (zumindest mir) noch nicht bekannt waren.

Hier auch noch einmal ein Verweis auf folgendes Video. In der zweiten Hälfte des Films gibt es Aufnahmen von den Projekten 205, 63.3 und 183.




Gruß
Tino

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